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Savour Dymâr

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1

Friday, July 28th 2006, 11:13am

Der skizzenhafte Aufbau der Ruinen

1

Der Herr ist wohl der schlimmste Filmeklauer.
Er zecht dabei gelegentlich Bordeaux,
simst locker nebenher, und, apropos,
sein Handyklingelton der scheint von Dauer,

der ist so groovy und so angesagt,
dass selbst die Engel leidenschaftlich chillen.
(Sie sind die Coolsten, füttern sich mit Pillen
und zappeln so, wie sie’s sonst nie gewagt.)

Schon morgen ist er höchstens noch alltäglich.
Bald ist er nur antik. Nicht mehr verträglich
für irgendwen, der sich daran erfreute.

Auch wir sind mit dem Neusten vis-à-vis
und dealen mit der heißersehnten Beute,
es bohrt uns langsam Löcher in die Knie.

2

Es bohrt uns langsam Löcher in die Knie,
doch keiner weiß, wie tief sie wirklich sind.
Von Browsern weiß hingegen jedes Kind,
und jedes Alter schätzt die Utopie

des zweiten Frühlings. Irgendwo im Chat
verbeißt sich ein Gebiss mit Gegensätzen.
Dem Hightechalltag sich zu widersetzen:
ist nicht mehr möglich, kräht das Internet.

Auf einem Banner blinken stetig Zeichen,
nebst Glücklichsein ins Kleinste komprimiert,
da bleibt kein Platz für irgendwelche Trauer!

Es geht nur vorwärts! Manchmal drangsaliert
uns Angst die Spam-Mails könnten uns erweichen,
denn Spammer fürchten keine Feuermauer.

3

Denn Spammer fürchten keine Feuermauer,
das ist der Psalm des Neusten Testaments
(Gebote eines flüchtigen Moments),
natürlich elektronisch und genauer

als jede Bibel. Huldigen wir diesen,
solange er dem Terror widersteht,
der in uns wohnt, weil nichts zugrunde geht,
erfreuen uns sogar die Analysen

des letzten Sommers, den wir sonst nicht mochten.
Es war so heiß. Verklebte Silhouetten
in jeder Gegend, doch in grauser Parodie

verschonten uns die Hexen, die uns kochten,
sie prügelten den Satz in die Gazetten:
ein Dialer nährt die Plattenindustrie.

4

Ein Dialer nährt die Plattenindustrie
(verdienen wollen schließlich auch die Sänger).
Der Fiskus macht die langen Arme länger,
und in den Duldern bricht man Hysterie

mit aller Härte wie ein Sturm die Äste.
Derweil ein Wurm sich durch die Hirne frisst
und Krieg heraufbeschwört, wo keiner ist,
im Glauben, jener eine sei das Beste.

Für die Gesellschaft sprechen nicht sehr viel.
Der Rest wird nicht gefragt und überstimmt.
Mit aufgesetztem Hochgefühl

getimt. Der Countdown läuft. Nur mit Raketen
gibt uns die Politik, was sie sich nimmt.
Das Leben hängt an Leitungen und Drähten.

5

Das Leben hängt an Leitungen und Drähten.
Computer kontrollieren die Frequenz,
ein Mausklick reicht und unsre Existenz ...
da hilft dann auch kein vorsorgliches Beten.

(Im Garten aber denke nicht daran,
wenn sich die Sonne um den Nacken windet,
die Ferne hinter trautem Krach verschwindet
und Dämmerung hereinbricht irgendwann,

dass sich die Unbeschwertheit nie verbraucht.)
Sie machen heimlich dich zum Außenseiter
und gängeln dich mit dem geheimen Code,

bis dir die Ruhe in die Knochen kraucht.
Doch letztlich geht’s auf Friedhöfen noch weiter;
verkabelt wird die Webcam mit dem Tod.

6

Verkabelt wird die Webcam mit dem Tod,
gezoomte Materiale virtuell
befingert und erprobt, rein informell
natürlich. Nebenbei ein Pausenbrot

und immer der Gedanke: alles weiß
Geheimnisse, die keiner wissen sollte.
Warum der Tote nicht mehr leben wollte,
gibt bald nicht nur die Sterbeakte preis.

Der Überdruss allein ist schuld daran,
auch daran, dass wir nach und nach verfetten,
das rächt sich sicher irgendwann.

Die Masse wälzt sich schnaufend durch die Betten
und zählt sich immer noch zu den Ästheten.
Bald platzen alle Wülste aus den Nähten.

7

Bald platzen alle Wülste aus den Nähten,
dann platzt die ganze Welt gleich hinterher.
Ihr Blut, das Öl, treibt jetzt schon durch das Meer,
gestapelt zwischen Plastik und Pamphleten,

Zerbombtem und Elektroschrott und Gift,
hineingezwängt in oxydierte Fässer.
Superbia morst über die Gewässer:
die Welle kommt, da es uns nicht betrifft,

gewöhnen wir uns lieber an Idyllen,
zerreden die Natur mit unsrer Weisheit
und folgen duldend ohne eignen Willen

der Masse in die nahgelegne Eiszeit,
umgehen leise jedwedes Verbot,
und manchmal lacht mit uns ein Idiot.

8

Und manchmal lacht mit uns ein Idiot,
den wir missachten, weil er nichts bedeutet
(sonst hätten wir ihn sicher ausgebeutet,
oder fühlten uns von ihm bedroht).

Wir deuten jede seltsame Verrenkung
mit angewidert distanziertem Blick
und stöhnen dann erleichtert: welch ein Glück
es ist, normal zu sein. Doch die Beschränkung

belebt erst unsre Werte. Die Spitale
sind weiter mit Geschwüren dekoriert.
Damit das Alter nicht ins Leere stiert,

erwidern wir bisweilen die Signale
und glauben, dadurch schwänden die Probleme,
am Rande der zerfallenden Systeme.

9

Am Rande der zerfallenden Systeme
fehlt ein Impuls, der uns hier noch erhält,
erstarb doch jede Hoffnung. Es verstellt
das „Muss“ die Möglichkeiten. Und die Häme

der Welt durchdringt selbst rätselhafte Stätten.
Sie mahnt uns immer wieder, bald pauschal:
im Gegenwind wirkt jeder Himmel fahl!
und führt uns längst an unsichtbaren Ketten.

Begnügen wir uns dennoch mit den Fakten,
den rationalen (und doch relativen).
Uns fehlt die Zeit. Die Sehnsucht zu den Akten!

Und jene Akten sammelt in Archiven!
Was übrig bleibt, verstaubt in den Vitrinen:
der skizzenhafte Aufbau der Ruinen.

10

Der skizzenhafte Aufbau der Ruinen,
gedeutet unter zeitgemäßem Wahn;
die kalkulierte Zukunft scheint vertan.
Wir aber müssen immer noch für sie verdienen

und lächelnd vorwärts stolpern, mohnberauscht
die Langeweile abermals bekriegen,
mit viel mehr Mohn uns weiter selbst belügen,
denn wissen wir zuletzt: wir sind belauscht.

Wie lange schon, lässt sich nicht nachvollziehn,
und keiner weiß, für wen sie spionieren.
Doch hab’ ich das Gefühl, ich kenne ihn.

Sie tun’s vielleicht, um sich zu amüsieren,
und geben sich ihm hin mit Haut und Haar:
dem User mit dem bunten Avatar.

11

Der User mit dem bunten Avatar
nahm sich das Leben, als ich ihn entdeckte
und so bei ihm den Eindruck wohl erweckte,
dass ich sie nicht verstünde, die Gefahr,

die ihn umgab, für die er sich verschenkt’.
Ich grub ein Loch auf einem großen Acker,
sah seine Tätowierung. „Motherfucker“
stand auf dem Hals, den er sich ausgerenkt.

Ein kleines Kind sah mir bedächtig zu,
wie jenen ich, bald wie in Trance, verscharrte,
der Richter war und Henker. Kein Tabu

gibt es nun noch, für das ich mich noch schäme.
Ihr ähnelt mir, (wenn ich auch nichts erwarte):
wir lieben, aber tadeln das Extreme.

12

Wir lieben, aber tadeln das Extreme,
zum Beispiel, wenn sich andre selbst verstümmeln,
beginnt die halbe Welt, sie anzuhimmeln,
weil’s doch en vogue ist, unter der Bohème

zu sein, rebellisch, allen Konventionen
zu trotzen; ein gelebter Widerspruch ...
Was macht da schon ein weitrer Knochenbruch,
wenn’s die Bewunderer naiv belohnen.

Dabei ist alles doch nur Illusion.
Was uns da ködert, ist nicht von Bestand,
die Einsamkeit der Menschen ist es schon,

bleibt diese auch für viele unerkannt.
Die Meisten tragen sie in ihren Mienen,
bekümmert schauend hinter den Gardinen.

13

Bekümmert schauend hinter den Gardinen,
so harrt der Dichter auf den Untergang
und tastet sich an einer Welt entlang,
die ihm entfremdet ist. Sogar im Grünen

erinnert nichts an einfachere Zeiten,
denn hier ist alles minutiös gesät
und so sehr eingeengt, wie’s eben geht.
Verpönt: das Große. Das für Ewigkeiten

gemachte wird doch kurzerhand verdächtigt.
Die Angst vorm Gestern liegt noch in der Luft.
Und keiner meint von sich, er sei berechtigt,

daran etwas zu ändern. Jahr für Jahr
geht so dahin, der Dichter in die Gruft,
mit einer Message, die nie eine war.

14

Mit einer Message, die nie eine war,
verreckten schon so manche Terroristen,
die andern machen Jagd auf Zivilisten,
mit ihrer heldentodverfickten Schar.

Was soll’s, wir nehmen diese Schicksalsschläge
längst teilnahmslos zur Kenntnis, Vater Staat
wird uns gewiss beschützen, der Etat
dafür schröpft uns viel mehr, verbaut die Wege.

Viel schlimmer sind die Kapitalverbrechen,
wer dafür nicht die Todesstrafe fordert,
gehört geradewegs zurückbeordert!

Das Schlimmste aber können wir nicht rächen,
und dabei ist wohl jeder auf ihn sauer:
der Herr ist wohl der schlimmste Filmeklauer.

15

Der Herr ist wohl der schlimmste Filmeklauer.
Es bohrt uns langsam Löcher in die Knie,
denn Spammer fürchten keine Feuermauer.
Ein Dialer nährt die Plattenindustrie.

Das Leben hängt an Leitungen und Drähten,
verkabelt wird die Webcam mit dem Tod.
Bald platzen alle Wülste aus den Nähten,
und manchmal lacht mit uns ein Idiot.

Am Rande der zerfallenden Systeme:
der skizzenhafte Aufbau der Ruinen,
der User mit dem bunten Avatar.

Wir lieben, aber tadeln das Extreme,
bekümmert schauend hinter den Gardinen,
mit einer Message, die nie eine war.

Biggy

Schlafende Lärmerin

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2

Friday, July 28th 2006, 12:17pm

Mein Gott!
Davon ist man platt!
Es ist genial in Inhalt und Form.

Du hast eine Menge an Lebensphilosophie verarbeitet.
Das Los des Dichters, die Scheinwelt, die Illusionen, die Unzulänglichkeiten des Menschen, die Einsamkeit...und viele Dinge, denen wir erliegen, bewusst und unbewusst, an denen wir allerdings auch mitschuldig sind.
Du zeigst auf Wunden, Geschwüre...und bringst als Rahmen die Medien (Film-)- industrie, die uns das Leben vorgauckelt, setzt aktuelle Erfahrungen mit dem Internet in Kontrast zum RL...obwohl, das inzwischen wohl auch selbst ein Teil des RL geworden ist...

Alles nachzukauen, was du so viel besser und poetischer ausgedrückt hast, ist Unsinn.

Ich picke mir mal einige Dinge (und das ist nun mal ne Menge- weil du ne Menge geschrieben und zwar ne große Menge Interessantes *g*) heraus, die ich momentan für mich am interessantesten halte (wegen Inhalt/ Form):

Von Browsern weiß hingegen jedes Kind
und jedes Alter schätzt die Utopie

des zweiten Frühlings. Irgendwo im Chat
verbeißt sich ein Gebiss mit Gegensätzen.
...
Auf einem Banner blinken stetig Zeichen,
nebst Glücklichsein ins Kleinste komprimiert,
da bleibt kein Platz für irgendwelche Trauer!

Es geht nur vorwärts!
...
Verklebte Silhouetten
in jeder Gegend
...
Das Leben hängt an Leitungen und Drähten.
...
(Im Garten aber denke nicht daran,
wenn sich die Sonne um den Nacken windet,
die Ferne hinter trautem Krach verschwindet
und Dämmerung hereinbricht irgendwann,

dass sich die Unbeschwertheit nie verbraucht.)
Sie machen heimlich dich zum Außenseiter
und gängeln dich mit dem geheimen Code,

bis dir die Ruhe in die Knochen kraucht.
Doch letztlich geht’s auf Friedhöfen noch weiter;
verkabelt wird die Webcam mit dem Tod.
...
und immer der Gedanke: alles weiß
Geheimnisse, die keiner wissen sollte.
...
Die Masse wälzt sich schnaufend durch die Betten
und zählt sich immer noch zu den Ästheten.
...
Und manchmal lacht mit uns ein Idiot,
den wir missachten, weil er nichts bedeutet
(sonst hätten wir ihn sicher ausgebeutet,
oder fühlten uns von ihm bedroht).
...
Uns fehlt die Zeit. Die Sehnsucht zu den Akten!

Und jene Akten sammelt in Archiven!
Was übrig bleibt, verstaubt in den Vitrinen:
der skizzenhafte Aufbau der Ruinen.
...
die kalkulierte Zukunft scheint vertan.
Wir aber müssen immer noch für sie verdienen

und lächelnd vorwärts stolpern
...
Ihr ähnelt mir, (wenn ich auch nichts erwarte):
wir lieben, aber tadeln das Extreme.
...
Was uns da ködert, ist nicht von Bestand,
die Einsamkeit der Menschen ist es schon,
...
Jahr für Jahr
geht so dahin, der Dichter in die Gruft,
mit einer Message, die nie eine war.
...


In Versblock 15 fasst du meine Lieblingsstellen anscheinend Dinge zusammen, fällt mir gerade auf...*grübel*...sehr gekonnt.

Danke, dass ich das lesen durfte!

LG
Biggy

GEO

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3

Friday, July 28th 2006, 12:20pm

RE: Der skizzenhafte Aufbau der Ruinen

Hallo,

Das Werk entspricht einem vollständigen, formal (fast) sauber umgesetzten Sonettenkranz (sofern mein erstes Überlesen mich nicht trügt), welcher auf Grund seiner aufwändigen Struktur eine menge Arbeit voraussetzt. Allein für diese Mühe gebührt dem Autor Respekt. Zunächst einige Worte für den interessierten Leser zum Sonettenkranz:

Ein Sonettenkranz besteht aus 15 Sonetten, welche alle dem gleichen Versmaß unterliegen. Das zweite Sonett beginnt mit der letzten Zeile des ersten Sonettes und das dritte Sonett mit der Schlusszeile des zweiten Sonettes und so fort. Das letzte Sonett wird Meistersonett genannt, es umfasst seinerseits alle Anfangzeilen aller 14 vorhergehenden Sonette in gleich bleibender Reihenfolge. Wie man sieht also eine extrem Arbeitsaufwändige formale Struktur.

Inhaltlich bietet das Werk einen interessanten Kontrast zu seiner klassischen formalen Strukturierung, da moderne Elemente Verwendung finden. Da es kaum möglich ist, in angemessener Zeit 15 Sonette genau zu analysieren möchte ich mich skizzenhaft auf das Nötigste der Gedichte beschränken und zunächst nur Vermutungen zu deren Intention anbringen. Ich werde hierzu beispielhaft bestimmte Textstellen herausgreifen.

Das Grundthema des Werkes befasst sich mit antiken Elementen und unterwirft diese einem humoristischen Vergleich mit der modernen Technik und Medienlandschaft. Vermutlich hatten die Götter damals einen ähnlichen Stellenwert inne als heute die Produkte der modernen Technik. Es gab vermutlich ähnlich absurd anmutende Auswüchse einer nicht mehr nachzuvollziehenden Kommerzialisierung der verschiedenen Gottheiten. Jede Gottheit bekommt ihre „Souvenirfigur“ inklusive dem Kult, welcher mit allen möglichen Tricks kommerziell ausgenutzt wird. Diese Gottheiten präsentieren sich heutzutage in all dem Technikkram, welcher hier so wundervoll karikiert wird:

Quoted

Von Browsern weiß hingegen jedes Kind
und jedes Alter schätzt die Utopie

Denn Spammer fürchten keine Feuermauer,
das ist der Psalm des Neusten Testaments
(Gebote eines flüchtigen Moments),
natürlich elektronisch und genauer

Das Leben hängt an Leitungen und Drähten.
Computer kontrollieren die Frequenz,

Verkabelt wird die Webcam mit dem Tod,
gezoomte Materiale virtuell

Ihr Blut, das Öl, treibt jetzt schon durch das Meer,
gestapelt zwischen Plastik und Pamphleten,


Alle diese Textstellen weisen letztlich auf den Umstand hin, das wir heutzutage zwar von der regierenden Macht der Götter befreit sind, diese aber nun durch die Macht der Technik ersetzt wurden. So fasse ich jedenfalls den Grundtenor des Werkes auf. Sicherlich kann dies nur ein grober Umriss des Ganzen sein und nicht mehr. Wenn meine Zeit es zulässt werde ich meine Betrachtung noch komplettieren. Bis hier lässt sich jedoch schon mal eines konstatieren: Der Autor hat sich eine Menge Arbeit gemacht und Das Stück weist auch inhaltlich interessante Themen auf. Fraglich ist in diesem Zusammenhang ob die enorme Länge jedermanns Geschmack ist. Mich persönlich erschlägt sie eher, als mich zu bereichern. Beizeiten werde ich per Edit Funktion aber sicherlich noch einige wichtige Punkte ergänzen und dann vermutlich auch Negativpunkte beleuchten (sofern mir welche auffallen- Der erste Blick reicht dazu noch nicht aus)

Bis dahin also...

EDIT: Ich werde die Vortsetztung doch in einem neuen Beitrag posten um auf Hinweise von Vorrednern eingehen zu können

LG
GEO

This post has been edited 2 times, last edit by "GEO" (Jul 29th 2006, 10:59am)


Savour Dymâr

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4

Friday, July 28th 2006, 12:59pm

Hallo Biggy,

vielen Dank für deine positive Resonanz! :)

Das Gedicht befand sich zwei Jahre lang, wenn auch fragmentarisch, auf meiner Festplatte und drohte in Vergessenheit zu geraten. Anfang dieser Woche habe ich es dann fertiggestellt, d.h. Sonett 10-15 geschrieben und die anderen überarbeitet, wobei die Überarbeitung länger gedauert hat, als erwartet.

Quoted

Und manchmal lacht mit uns ein Idiot,
den wir missachten, weil er nichts bedeutet
(sonst hätten wir ihn sicher ausgebeutet,
oder fühlten uns von ihm bedroht).


das ist übrigens meine persönliche Lieblingsstelle =)

Liebe Grüße Thomas (Danke noch einmal fürs Lesen!)

Savour Dymâr

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5

Friday, July 28th 2006, 1:21pm

Hallo GEO,

auch bei dir möchte ich mich für deine Analyse bedanken!

Quoted

Das Werk entspricht einem vollständigen, formal sauber umgesetzten Sonettenkranz (sofern mein erstes Überlesen mich nicht trügt)


Es gibt so einige formale Sachen, die du übersehen hast (was mich ungemein beruhigt), z.B. metrische Abweichungen (Wechsel vom fünfhebigen Jambus zum sechshebigen oder gar zum Trochäus), sog. "eye rhymes", Abweichungen im "Meistersonett" usw.

Mein größtes Problem habe ich mit dem ersten Sonett, v.a. mit dem ersten beiden Versen, die sich widersprechen, denn hier prallt eine polytheistische Sichtweise mit der monotheistischen aufeinander. Aber vielleicht ist es ja auch kein Problem, vielleicht macht es das Gedicht interessanter?!

Quoted

Alle diese Textstellen weisen letztlich auf den Umstand hin, das wir heutzutage zwar von der regierenden Macht der Götter befreit sind


sie aber dennoch nicht erreichen, siehe:

Quoted

Das Schlimmste aber können wir nicht rächen
und dabei ist wohl jeder auf sie sauer:
die Götter sind die schlimmsten Filmeklauer.


Quoted

Fraglich ist in diesem Zusammenhang ob die enorme Länge jedermanns Geschmack ist.


Das Gedicht taugt sicherlich nicht zum Lautlesen, denn irgendwann fängt der Leser an zu leiern; zudem ist die Form nicht wirklich aktuell (da vieeeeeel zu lang) und der Autor macht sich mit einen Sonettenkranz immer verdächtig ein Formalist zu sein ...

Mein persönlicher Antrieb lag eher in der Herausforderung selbst. An den Leser habe ich dabei nur bedingt gedacht :baby:

Quoted

dann vermutlich auch Negativpunkte beleuchten


Das wäre schwer in Ordnung (ich hoffe auf konstruktive Kritik ...)!

Liebe Grüße Thomas

This post has been edited 1 times, last edit by "Savour Dymâr" (Jul 28th 2006, 1:21pm)


Biggy

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6

Friday, July 28th 2006, 1:30pm

Lieber Thomas,

wenn du mir die Pistole auf die Brust setzen würdest, und ich müsste mich entscheiden, welche Stelle mir die wichtigste wäre (weil ich zu viele herausgesucht hätte), läge die, glaube ich, jeden Tag woanders. ;)

Deine fiele auch mit hinein, heute wäre sie an zweiter Stelle.
An erster stünde:


Von Browsern weiß hingegen jedes Kind
und jedes Alter schätzt die Utopie

des zweiten Frühlings. Irgendwo im Chat
verbeißt sich ein Gebiss mit Gegensätzen.


Das ist so herrlich mehrdeutig und ist mit einer Brise Humor bestückt, die mich noch lange schmunzeln lässt...v.a. wegen des Gebisses und der damit symbolisierten Scheinwelt...ein Paradies für Illusionen.

LG
Biggy

GEO

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7

Saturday, July 29th 2006, 11:16am

Also es geht weiter:

Ich nehme nun Bezug auf die formalen Schwächen, welche mir beim ersten Überlesen entgangen sind.

Quoted

Es gibt so einige formale Sachen, die du übersehen hast (was mich ungemein beruhigt), z.B. metrische Abweichungen (Wechsel vom fünfhebigen Jambus zum sechshebigen oder gar zum Trochäus), sog. "eye rhymes", Abweichungen im "Meistersonett" usw.


Ich denke das diese Unsauberkeiten nicht, als sonderlich problematisch, anzusehen sind, da sie sich relativ gut in Grenzen halten. Man kann hier, will man den Sonettenkranz stringent „glatt streichen“ und den formalen Mängeln entheben, sicherlich Änderungen ohne große Mühe anbringen. Schauen wir uns die Mängel doch mal genauer an:

Sonett 3 S3/V3:

in jeder Gegend, doch in grauser Parodie

Metrum: xXxXxXxXxXxX <-- Zwar sauber Jambisch, jedoch ein Sechsheber

Sonett 4 S3/V3:

Mit aufgesetztem Hochgefühl

Metrum:xXxXxXxX <----nur ein Fierheber

Sonett 6 S3/V3:

das rächt sich sicher irgendwann.

Metrum:xXxXxXxX <----nur ein Fierheber

Sonett8 S1/V4:

oder fühlten uns von ihm bedroht.

Metrum:XxXxXxXxX <----Trochäus

Sonett 10 S1/V4:

Wir aber müssen immer noch für sie verdienen

Metrum: xXxXxXxXxXxXx<----Sechsheber

Ich denke nun habe ich alles (bei der Masse etwas anstrengend alles durchzugehen) Also gemessen an der Masse an Versen sicherlich eine relativ begrenzte Fehlerquote. Mit ein wenig Arbeit liesse sich das beheben.


Quoted

Mein größtes Problem habe ich mit dem ersten Sonett, v.a. mit dem ersten beiden Versen, die sich widersprechen, denn hier prallt eine polytheistische Sichtweise mit der monotheistischen aufeinander. Aber vielleicht ist es ja auch kein Problem, vielleicht macht es das Gedicht interessanter?!


Das stimmt in der Tat:

Quoted

Die Götter sind die schlimmsten Filmeklauer.
Der Herrgott zecht dabei nur noch Bordeaux,


wird dem Leser tatsächlich viel abverlangt, aber das ist gar nicht das Hauptproblem was ich mit dem Gesamtwerk hatte. Das primäre Problem ist die große Masse, welche irgendwie den Grundgedanken des Gedichtes(nämlich eine Sache prägnant und möglichst kurz auf den Punkt zu bringen) teilweise untergräbt. Ich habe selbst beim Durchsehen der Sonette auf formale Mängel irgendwann keine Lust mehr gehabt weiter zu lesen. Man gewinnt hier und da auch den Eindruck das es starke Redundanzen gibt. Das heißt, dass sich inhaltliche Dinge wiederholen(was ja teilweise auch durch die Form bedingt ist). Die Quintessenz des Ganzen lässt sich sicherlich kürzer darstellen. Mich persönlich hat jedoch die Form und die Struktur des Ganzen interessiert und die Ausdauer des Autors imponiert das durchzuziehen (ich hätte bei weitem wohl nicht so viel Geduld aufgebracht)


LG
GEO

This post has been edited 2 times, last edit by "GEO" (Jul 29th 2006, 11:17am)


Ahsil

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8

Wednesday, August 2nd 2006, 11:28am

Ich möchte meine Anerkennung mit einem Kommentar kurz verdeutlichen. Einen Sonettenkranz zu schreiben kostet viel Schweiß. Es ist schwer von vorn bis hinten auf dem selben Niveau zu bleiben und nicht irgendwie ins Labern zu verfallen. Das Problem bei so viel Text ist wohl auch: wie gestaltet man ihn, ohne langweilig zu werden. Man will den Leser ja auch bei der Stange halten.
In deinem Sonettenkranz finden sich viele schöne Phrasen, die sich durchaus zu diskutieren lohnen. Wobei ich aber an einigen Stellen nicht mit deiner Meinung übereinstimme. Auch erscheinen mir manche Worte, wie die Worte einer gescheiterten Existenz, die Trost im Aufzeigen von Schwierigkeiten sucht, um sich die eigenen Problem nicht vor Augen halten zu müssen.
Leider hast du es in 15 Sonetten auch versäumt Ideen zur Lösung zu liefern. Denn meckern kann jeder, lösen aber nicht.
Um jetzt keinen falschen Eindruck zu hinterlassen sage ich es nochmal: ich habe das Lesen dennoch sehr genossen.

Grüße
-

"meum auditorium",
in deinem Geist kein Geiste lebt!
Mir serviles Publikum,
dem Klotho keinen Faden webt!
(aus dem Refrain der Trilogie "Götterwahrnehmung - eine Zeichnung")

-

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9

Wednesday, November 11th 2009, 7:02pm

Naja,

hier steht:

„Achtung! Die letzte Antwort auf dieses Thema liegt mehr als 1 197 Tage zurück. Das Thema ist womöglich bereits veraltet. Bitte erstellen Sie ggf. ein neues Thema“

Auch wenn der Autor jahrelang nicht hier war, finde ich einfach, das sollte man mal gesehen haben, so einen Sonettenkranz. Daher habe ich den mal ganz frech ans Tageslicht gezerrt, hoffentlich klappt das. Falls derjenige es dennoch lesen sollte: eine ganz große Verbeugung vor Form und Inhalt: der Käpt'n

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