Ich würd´ so gern Gedichte schreiben
Ich würd´ so gern Gedichte schreiben
so, wie sie in den Büchern stehn
Worte, welche immer bleiben
klug erdacht und wunderschön
Ich denke nach bei Kerzenlicht
ersinn die erste schöne Zeile
und weil es so romantisch ist
habe ich auch keine Eile
Der Abend schreitet schnell voran
ich fühl mich schon wie Heinrich Heine
Zeilen zwei bis vier wären dran -
gefunden hab ich keine
Ich fühl´ der großen Worte Macht
geschrieben auf dem Blatt Papier
es ist jetzt schon nach Mitternacht
oh Reime, Musen kommt zu mir
Der Morgen graut und mein Gedicht
hat nur die eine Zeile
jetzt spüre ich, ich kann es nicht
solang ich auch verweile
Dem, der Reime schreiben kann
und dies auch tut nach Musenkuß
begegne ich nun dann und wann
als gnadenloser Kritikus
Er schreibt in wundervoller Pracht
die allerschönsten Reime
von Liebe, Himmel, Herz und Macht
doch leider sind´s nicht meine
Mit Argwohn werd ich daher lesen
was er dort gedichtet hat
sag allen dann: "wäre ich´s gewesen
hätt´ das Geschriebne mehr Gehalt"
Hier mußt du ein Komma machen
dort braucht´s ein Gedankenstrich
unterstreich hier solche Sachen
und sowas dort, dass macht man nich
Alles weiß ich deutlich besser
ich nur weiß, so ist es richtig
schneide mit dem scharfen Messer
der gnadenlosen Neidkritik
Doch wie ich es auch dreh und wende
die großen Worte komm´ vom Dichter
und auch ich seh dann am Ende
die Kritiker sind kleine Lichter.