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Toby

Sage

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1

Friday, October 14th 2005, 8:08pm

The Wolf Of Man

howdy everyone - ich habe um mal wieder etwas produktiv zu sein heute ein etwas älteres Gedicht von mir übersetzt (Des Menschen Wolf). Vielleicht interessiert es ja den einen oder die andere.
Es holpert zwar ein bißchen, dafür ist es aber so nah am deutschen Original wie möglich. Cheers :D


The Wolf Of Man


On their roofs the people wait all day,
they say the Wolf of Man has come their way.
His horrid howling makes the gables shake,
and sweeps all city streets clean in its wake.

Far off the bells of Mother Church are rung,
I cling to their sweet clamor as always I have clung.
But don't you hear the wolf? he gnaws a bone!
while nuzzling to our houses made of stone.

They've seen him turn the corner, rumors say,
you feel his gasp, it takes your breath away.
If only he was dead with no return
and buried six feet under in an urn!

But if you ever ask your neighbors in a daze:
"Who in his life has seen this grim wolf's face?"
they rant at you and taunt your disbelief
which as they say's the source of all mischief.

And in the churches worthy pastors preach
of mankind's end and heaven out of reach.
This wolf, they say, may tear us into bits,
but never will he scare us out our wits.

In a high arc we'll launch our bombs and missiles
and shoot our guns and scream and blow the whistles;
if he escapes, we'll still avenge our friends,
and hunt him down for good or evil ends.

The houses burst and few get out alive,
but those who do enjoy a short reprieve,
as many'd swear, though they can't guarantee
they'd seen the Wolf of Man... amid the town's debris.
"Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen."
(Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

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2

Monday, October 31st 2005, 9:50pm

RE: The Wolf Of Man

hallo Toby

habe jetzt vor allem gelernt, dass es im Englischen das Wort "mischief" gibt, das hätte ich bis heut doch tatsächlich für Unsinn gehalten. (es gibt Wörter da denkt man, die kann es nicht geben, mein Wörterbuch belehrte mich eines besseren)
Warum hier der Paarreim verwendet wird kann ich nicht nachvollziehen.

Interessant fand ich außerdem, dass du in dieser Sprache das Wort Mensch (man) nicht so penetrant wiederholst wie im deutschen Original. Dort wäre ein "Leute" anstatt Menschen in der ersten Zeile, wohl auch willkommene Abwechslung.

(gebs auch gerne zu, dass ich die deutsche Version schneller und höher gepuscht hätte)

Gruß
Alcedo

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Toby

Sage

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3

Wednesday, November 2nd 2005, 2:22pm

:)

Dank für den Komm, Alcedo - bisher hat sich leider niemand getraut mir zu schreiben (hier jedenfalls, in meinem amerikanischen Forum hatte ich ganz erstaunliche vier Rückmeldungen bekommen).

Bei der Sache mit dem Paarreim stimme ich jedoch nicht zu. Es ist mir bewusst, dass manche Leute bestimmten Reimschemata eine besondere Wirkung in einem speziellen Kontext zuschreiben; das will ich aber in dieser Form nicht akzeptieren (jedenfalls nicht ohne Begründung ;)).

Den Paarreim habe ich entsprechend auch nicht aus inhaltlichen Erwägungen gewählt, sondern weil er mir beim Übersetzen deutlich angenehmer, weil unkomplizierter, war. Ich denke, dass ich dieselbe message mit Kreuzreim kaum hätte vermitteln können - schließlich gab es ja die Vorlage, an die ich mich halten wollte und dabei konnte ich mir neben dem Inhaltlichen nicht auch noch eine Reimform auferlegen, die mich stärker beschränkt als unbedingt nötig. Andernfalls wäre dieses "dichterische Abenteuer" (denn das war es in gewisser Weise für mich) mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Rätselspiel geworden, das ohne Ergebnis geblieben wäre.

Ich musste hier ganz klar Zugeständnisse machen, besonders was das Versmaß anbelangt. Aber auf absolute metrische Genauigkeit kam es mir hier gar nicht an, ich wollte vielmehr "Des Menschen Wolf" überzeugend ins Englische übertragen. Und wenn ich meinen amerikanischen Freunden glauben darf, ist mir das auch gelungen. :)
"Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen."
(Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

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Sylvester

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4

Sunday, November 13th 2005, 7:32pm

Hallo NTSR,

am Schluss konnte ich nicht anders als über diese Schildbürger zu schmunzeln, die sich da den Wolf jagen, von ihren steinernen Häusern aus *g*.

Ich habe die deutsche Version nicht gefunden, obwohl ich sie neulich noch zu sehen geglaubt habe.

Wär schön, das mal aneinanderhalten zu dürfen.

Wölfische Grüße
Sylvester Christoph,
Philomisanthrop und meditativer Versificator


Schnee fällt, Schnee schmilzt, vergeht - und kommt trotzdem jedes Jahr wieder

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Toby

Sage

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5

Sunday, November 13th 2005, 7:36pm

RE: The Wolf Of Man

Komisch, ich dachte dass ich ihn auch auf gf.de gepostet hatte.

Here goes:


Des Menschen Wolf


Auf allen Dächern sieht man Menschen harren,
des Menschen Wolf, so raunt man, streift umher.
Sein Ruf weht aus und pfeift durch jeden Sparren,
er heult und tobt und fegt die Straßen leer.

Von ferne dringt das harte Glockenschlagen,
doch horcht man auf, wenn sich ein Grashalm biegt.
Hört ihr nicht auch den Wolf die Knochen nagen,
wobei er selig sich an unsre Häuser schmiegt?

Schon will man ihn am Eck gesehen haben,
man spürt bereits den heißen Atem gehn.
Ach läg er tot nur lange schon im Graben
und wäre fort auf Nimmerwiedersehn!

Doch fragt man voller Sorge in die Stille,
"Der Wolf, wer sah ihm je ins Angesicht?"
ereifert sich des wilden Volkes Wille,
sie zetern - "Fremder, sage glaubst du nicht?".

Bald hält man in den Hallen würdge Messen
und predigt von der Welten Untergang.
Der Wolf, und mag er jeden von uns fressen,
bricht niemals unsern Mut und Tatendrang.

Wir lenken alle Bomben und Raketen
im steilen Flug auf jedes Häuserdach
und flüchtet er, so schlagen mit Macheten
wir hinterdrein und rächen siebenfach!

Die Stadt versinkt und alle Mauern fallen,
kein einzger Stein bleibt auf dem andern stehn.
Doch mancher hat im Rauch- und Trümmerwallen
ganz sicher noch des Menschen Wolf gesehn.
"Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen."
(Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

Sylvester

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6

Sunday, November 13th 2005, 8:17pm

Super, vielen Dank :)

Dann habe ich ja Lesestoff für die ganze Adventszeit *gg*
Sylvester Christoph,
Philomisanthrop und meditativer Versificator


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Toby

Sage

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7

Sunday, November 13th 2005, 8:24pm

RE: The Wolf Of Man

:D
"Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen."
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Knud Knudsen

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Wednesday, January 11th 2006, 5:41pm

Also spät aber nicht zu spät.
Ich habe mit grossem Genuss Deine Übersetzung von des "Menschen Wolf" gelesen und finde sie noch besser als die deutsche Version.


St1 / Z3 passt hier klasse zum Gehalt, da das Heulen des Wolfes (imaginär) die Giebel schwanken lässt, also die Gesellschaft destabilisiert.

St 1/ Z 4
das Bild ist sehr gut "im Kielwasser des Wolfes sind die Strassen leergefegt"

St2 / Z1
das drückt noch präziser die Kritik an der fernen Organisation Kirche aus.

St2 / Z2
hier ist Deine Aussage präzise, ja wie mit einem Messer geschnitten.

St2 / Z4
das ist Klasse, man fühlt buchstäblich die feuchte, schnüffelnde Nase

St3 / Z1

gute Beschreibung des Gerüchtecharakters

St3 /z2

das Keuchen des Wolfes in uns der uns vermeintlich den Atem nimmt,
sehr gut.

St 4 / z1

ausgezeichnete Darstellung der Hilflosigkeit /Benommenheit des lyr. Ich

St 4 / Z 3+4

schön die Schuldzuweisung der verblendeten Masse an den Zweifler

St5 / Z 5

herrlich ironisiert

St 6

Treffende Beschreibung der kollektiven Dummheit

=)
Sehr gerne gelesen grosser Meister
..von fernen Welten komme ich, in meinem kleinen Dichterschiff

Toby

Sage

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9

Thursday, January 12th 2006, 1:04pm

Der Meister verneigt sich. :D
"Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen."
(Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

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