Friday, May 25th 2012, 7:41pm UTC+3

You are not logged in.

  • Login
  • Register

waldkönigin

Professional

Date of registration: Feb 22nd 2005

Posts: 339 wcf.user.activityPoints: 2,255

Location: nah am Meer

1

Friday, October 7th 2005, 6:29pm

Schilf

Schilf


aus verschilften Uferrändern
wälzt sich Abenddunst ins Land
kriecht in feuchten Nebelbändern
Böschungen bis an den Rand


ins papierne Wellenwogen
webt sich unser Flüsterton
spannt sich dunkelgrüner Bogen
den nur du und ich bewohn

This post has been edited 1 times, last edit by "waldkönigin" (Oct 8th 2005, 5:10pm)


GEO

Unregistered

2

Saturday, October 8th 2005, 3:21pm

RE: Schilf

Hallo Waldkönigin,

Die Zeilen gefallen mir von der sprachlichen Umsetzung her als auch vom Inhalt.
XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxXx
XxXxXxX (spricht man Böschungen nicht Xxx?)

XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxXx
XxXxXxX

Metrisch scheint es sauber zu sein und es klingt auch ganz ok
Die Bilder sind allesamt anschaulich und interessant.
besonders gefallen hat mir S2

ins papierne Wellenwogen
webt sich unser Flüsterton
spannt sich dunkelgrüner Bogen
den nur du und ich bewohn

klasse! :)
gefällt mir einfach gut (ich meine das ehrlich und nicht nur weil du mein Gedicht gelobt hast)
V1 hat mich spontan an eine Theateraufführung aus der Grundschulzeit erinnert, wo eine Wasseroberfläche
durch ein bewegtes Tuch dargestellt wurde.
Aber Nebel lässt sich ja durchaus auch so darstellen, bedenkt man das Nebel eine außerordentlich kompakte wabernde
Masse bilden kann.
der „sich hinein webende Flüsterton“ gefällt mir auch ganz gut.
Nun, die zwei letzten Zeilen deuten wohl darauf hin das hier jemand/zwei im Wald wohnt/wohnen
Der Bogen ist wohl ein Bild für die überhängenden Äste, die quasi eine Art Dach bilden, unter dem es sich zwei gemütlich gemacht haben.

Gedicht ganz gern gelesen :D
Gruß
Geo

This post has been edited 2 times, last edit by "GEO" (Oct 8th 2005, 3:33pm)


Finja

Master

Date of registration: Feb 15th 2005

Posts: 733 wcf.user.activityPoints: 4,255

3

Saturday, October 8th 2005, 7:14pm

Hallo waldkönigin

Dein Gedicht gefällt mir sehr gut, Du hast wunderschöne Bilder verwendet, die einen zum Träumen verleiten. :)

Besonders gefallen mir diese Zeilen:

Quoted

kriecht in feuchten Nebelbändern
ins papierne Wellenwogen
webt sich unser Flüsterton


Metrisch ist es einwandfrei und liest sich sehr flüssig, das mag ich.
Dein Gedicht trifft meinen Geschmack ;)

Äussert gern gelesen und immer wieder,
liebe Grüsse
Finja

This post has been edited 2 times, last edit by "Finja" (Oct 8th 2005, 7:15pm)


waldkönigin

Professional

Date of registration: Feb 22nd 2005

Posts: 339 wcf.user.activityPoints: 2,255

Location: nah am Meer

4

Sunday, October 9th 2005, 5:08pm

danke euch zwei für euer feedback.
den kleinen rechtschreibfehler hab ich inzwischen korrigiert, geo.
danke für deinen hinweis, ich hätte es wahrscheinlich noch 20mal überlesen, weil ja für mich klar war, das es böschungen und nicht böchungen heißen soll.




ich werde das gedicht so in seiner form lassen, ein weiteres
dranrumschnitzen ist auch meines erachtens nicht nötig.


herzliche grüße!

Date of registration: Feb 3rd 2005

Posts: 1,179 wcf.user.activityPoints: 6,675

Location: Europa

Occupation: Werkzeugmacher

5

Sunday, October 9th 2005, 6:01pm

Hallo waldkönigin

Ein wunderschönes Gedicht hast du da geschrieben!
Ich mag ja das Biom Schilf sehr und diese wunderbare Stimmung die du trefflich eingewoben hast, und die mich im entfernten (aber wirklich nur im entfernten) an Lenau erinnert, sowieso.

Das Wort Böschungen wird tatsächlich wie ein Daktylus betont, aber mit der Vorgabe der vorherigen Zeilen, fällt es nicht schwerwiegend Gewicht. Mir war es beim Lesen nicht unangenehm aufgefallen. Erst GEOs Einwand machte mich darauf aufmerksam. Es liesse sich viell. durch "Böschung hoch -" oder "Ufer hoch bis an den Rand" vermeiden, aber muss nicht sein.

danke fürs lesen
Alcedo

waldkönigin

Professional

Date of registration: Feb 22nd 2005

Posts: 339 wcf.user.activityPoints: 2,255

Location: nah am Meer

6

Sunday, October 9th 2005, 6:34pm

dank dir, alcedo, für dein posting.


deine alternative wäre sicher okay, allerdings ist dann
in strophe 1 zweimal das wort ufer und das kontrakariert
sich m.E. sprachlich.



schönen abend noch!

Date of registration: Feb 3rd 2005

Posts: 1,179 wcf.user.activityPoints: 6,675

Location: Europa

Occupation: Werkzeugmacher

7

Sunday, October 9th 2005, 7:13pm

ach herrje,
hatte das andere Ufer übersehn...

hector2

Professional

Date of registration: Apr 8th 2005

Posts: 530 wcf.user.activityPoints: 2,865

8

Sunday, October 9th 2005, 8:12pm

Hi waldkönigin,

mir gefällt es auch ausgesprochen gut. Vielleicht auch, weil die Interpretationsmöglichkeiten so vieles offen lassen ;)

In S1 wird ja nun nicht unbedingt der Idealzustand für Liebende beschrieben. Nebelbrühe - wer mag das schon. Allerdings scheint die Beschreibung dieses Nebels schon darauf hinzudeuten, dass hier Betrachter sind, die diesen nicht unbedingt als so unangenehm empfinden.

In S2 erfolgt dann das Verwachsen der lyr Personen mit dem Nebel.

..."den nur du und ich bewohn"....

ungestört von wen oder was auch immer, finden hier zwei flüstern zusammen, erkennen den schützenden Nebel fast liebevoll als papiernes Wellenwogen ....

Ich bin begeistert

hector
Die metrischen Analysen überlasse ich lieber denen, die es können ;)

Alles meins ;)

waldkönigin

Professional

Date of registration: Feb 22nd 2005

Posts: 339 wcf.user.activityPoints: 2,255

Location: nah am Meer

9

Sunday, October 9th 2005, 10:49pm

danke, hector.

klabautermann

Professional

Date of registration: Oct 5th 2005

Posts: 430 wcf.user.activityPoints: 2,450

Location: Schweiz (SH)

Occupation: informatiker

10

Monday, October 10th 2005, 8:46am

RE: Schilf

Hallo Waldkönigin

Ganz unter uns "Fabelwesen", ;)

Dein Gedicht gefällt mir sehr gut.
Klangvoll, Rhytmisch, gute Stimmung.
so wie ich es gerne habe.
So, wie ich gerne auch selbst schreibe.

z.B.
Herbstgedanken

Gruss

Klabauter
Wo Versmaß und Reime die Worte umranken,
entsteht ein gar kunstvoll geknüpftes Gewand.
Sie schenken der flüchtigen Schar der Gedanken
die zeitlose Geltung, den festen Bestand.

Aus "Ode an die Dichtkunst": © Reinhard Schmidt

Klabauters Gedichte in diesem Forum.

wcf.user.socialbookmarks.titel