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1

Wednesday, August 10th 2005, 11:02am

error

This post has been edited 4 times, last edit by "mimoriturus" (Jun 12th 2006, 4:09pm)


Marot

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2

Monday, August 15th 2005, 5:57pm

So nun da du kritisierst wirst auch du kritisiert werden wie hojaro ja prophezeite. also schnall dich an ;)

Wie du selbst anmerkst ist dein Werk eine Anlehnung an " der römische Brunnen" von C.F.Meyer, weshalb es angeraten scheint das Gedicht im Vergleich zum Orginal zu besprechen.

Wir werden daher zuerst das Original formal analysieren und dann nachforschen ob sich deine "Travestie auch daran hält. danach werden wir den Inhalt parallel besprechen und herausfinden ob die Anlehnung die >Thematik sinnvoll und parallel zu übersetzen weis.
Der Grund für dieses Vorgehen ist einfach: Wenn man ein Werk in Anlehnung an ein anderes Schreibt muss man sich zu aller erst mit dem Orginal messen lassen bevor man anrecht auf Eigenständigkeit haben kann.


Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich,
Und strömt und ruht.


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Die römische Schlacht

Aufsteigt der Pfeil und fallend läuft
Er tief in eines Feindes Kopf,
Der, sich verschleiernd, überträuft
In eines zweiten Gegners Schopf,
Der zweite wischt, er wird zu rot,
Auf einen dritten ab das Blut,
Und jeder tropft in seiner Not
Und weint und ruht.

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Metrik Reim und Strophenform sind identisch. Damit ist die Formale Angleichung gelungen. Einzig der Reim:
läuft/ überträuft scheint ein wenig fragwürdig weil mir das Wort übterträuft doch reichlich befremdlich und zumindest unüblich erscheinen will.
Ansonsten wirkt die Anlehnung formal in keiner Weiße erzwungen und vermag durch diese identische Wiedergabe durch aus sogar Eigenständigkeit zu erlangen.

Schauen wir zum Inhalt bei dem es erst mal vor allem darum gehen muss zu ergründen um der Mechanismus des Orginals Erfasst wurde.

Wie also funktioniert das Orginal?

Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich,
Und strömt und ruht.

Dies ist in wenigen Sätzen leicht erklärbar: das Werk beginnt mit dem Verlauf des wasserstarhls und verfolgt dessen reise durch den kompletten Brunnen. Der Brunnen selbst ist ein Mechanismus welcher auf den herabfallenden Wasserstrahl reagiert. Das Wasser läuft über die Marmorschale in die nächste Schale dies geht immer so weiter, Am ende wird das Prinzip des Brunnens deutlich, Von einer Quelle aus bekommt jede Schale wasser und gibt es sogleich wieder ab. Vordergründig beschreibt das Gedicht letztlich einfach nur die Mechanik eines römischen Brunnens. Tiefgründig betrachtet haben wir hier natürlich zig Möglichkeiten. Die wichtigsten wollen wir kurz Vorstellen.

1.Der Brunnen ist Metapher für das Leben selbst welches ein einziges großes Nehmen und Geben ist.

2. Der Brunnen stellt die Menschheitsgeschichte dar und beschreibt die Kausalität von Ursache und Wirkung. Dies wird durch die Namenswahl " Römischer Brunnen" um so wahrscheinlicher.

3. Das Gedicht zelebriert die Ästhetik an sich, die Schönheit der Antike und die Kunstfertigkeit der Römischen Zivilisation. Eine art Renecancegedicht quasi.

betrachten wir nun die Anlehnung. Zuerst einmal prüfen wir ob das Gedicht den fordergründigen Mechanismus aufgegriffen hat:

Die römische Schlacht

Aufsteigt der Pfeil und fallend läuft
Er tief in eines Feindes Kopf,
Der, sich verschleiernd, überträuft
In eines zweiten Gegners Schopf,
Der zweite wischt, er wird zu rot,
Auf einen dritten ab das Blut,
Und jeder tropft in seiner Not
Und weint und ruht.

Auch hier beginnt das Werk mit einem steigenden Objekt welches sich dann Niedersinkend die Kausalität der Dinge anfacht. Hier ein Pfeil. der Trifft den ersten Menschen welcher Buhlt auf den nächsten spritzt welcher wiederum Blut weiter gibt. der Grundgedanke des Mechanismus ist als scheinbar erkennt. Die Kausalität fort geführt, aber dennoch haben wir hier einen Logikunterschied im Text, zumindest im Vergleich zum Original.
Im Orginal ist das Wasser selbst das Objekt welches Weitergegeben wird. In der Anlehnung wird das Blut erst durch das Objekt, den Pfeil gewissermaßen Aktiviert, und zwar inder ersten schale ( Körper)
was ist hie rjetzt das Problem?
Ganz einfach: die Interpretation: Das Leben ist ein Nehmen und Geben ist nicht mehr möglich.
der Erste Körper ist die Quelle des Blutes und sonst niemand. das Blut fliest aus dem ersten Körper und wird dann erst weiter gegeben, der Körper selbst bekommt nichts zurück, wie es im Orginal der Fall ist.
Des weiteren verändert sich daher auch der Charakter der Flüssigkeit. Das Wasser füllt die schalen und wird damit philosophisch zum wasser der einzelnen schalen. Sie geben also nachdem sie das wasser erhalten haben ihr innerstes wieder ab. Das ist für die Lebensmetapher notwendig und für die Idee der Ästhetik ebenfalls.
In der Anlehung ist das Blut aber von Anfang bis Ende nur Eigentum des Ersten Soldaten, sonst Blutet niemand . Die anderen sind nur mit dem Blut des Ersten behaftet.


Wir haben also trotz der formalen Ähnlichkeit einen grundlegenden ideologischen Unterschied in den beiden Texten.

der eine Vertritt eine harmonisch anmutende Welt des Gebens und Nehmens, der andere eine Welt des Weggebens.

In der Anlehnung wird nur weggegeben, nicht genommen, alles vereint sich am Ende zum großen " Ausbluten" an dessen Schluss nur der Tod stehen kann während das Orginal die Ästheik des Lebens huldigt.

was heist das für unser Urteil? Ist die Anlehnung gelungen?

Meiner subjektiven Auffassung nach ja. Das Werk schafft es das Orginal würdig aufzugreifen aber dennoch subtil und spannend die Aussage gewissermaßen umzudrehen. Aus der Ästhetik des Lebens, die durch einen Brunnen dargestellt wird die Ästhetik des Todes durch einen schlacht dargestellt. Das römisch ist auch hier berechtigt weil Rom geradezu Beispielhaft für Untergang und Zerfall stehen kann.

Ein orginelles und vor allem geistreich, wertvolles Gedicht, welches auf mehr hoffen lässt.
Gruß Marot.
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Marot

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3

Monday, August 15th 2005, 6:33pm

Ich mache doppelpost statt edit der ordnung halber:


Ich bin in meiner Kritik nicht auf deine bezeichnung travestie eingegangen weil ich mich erst Informieren wollte:

Quoted

Travestie (von ital. travestare, verkleiden) bezeichnet

in der Literatur einen besonderen Schreibstil, eine Unterform des parodistischen Schreibens. Der Unterschied zur Parodie besteht darin, dass diese Transformation nicht auf inhaltlichem oder semantischem Niveau geschieht, sondern dass die Travestie die Vorlage in stilistischer Hinsicht verändert. Ein erhabener Inhalt wird z.B. in einem Ton geschildert, der diesem völlig unangemessen ist: etwa ein Gleichnis aus der Bibel in modernem Slang wiedergegeben. Die Travestie ist somit das Gegenstück zur Parodie. Die Travestie schildert einen passenden Inhalt in geschickt gewählter unpassender Form.

Quelle:Travestie wik

Demnach kann ich mich deinem eigenen urteil nicht anschließen. Die Form des textes ist absolut identisch, Der Ton ist nur bedingt als ironisierend anzusehen. natürlich wirkt es im vergleich zu orginal etwas flabsig, die ästhetik schein ein wenig karrkiert zu werden, aber nicht zwangläufig. daher würde ich hier eine ironie sehen keine Travestie.
Letztlich allerdings brauchte es keines von beidem. der Text ist sehr wohl aussagekräftig ohne ihn ironisch lesen zu müssen, man kann ihn durchaus als ernstzunehmende vieleicht etwas syfisannte Zerfallallegorie verstehen.

Ich denker du kastrierst dir deinen Text ein wenig wenn du ihn schon von vorneherein so definierst, er ist wie wir ja gesehen haben duraus in der Lage eigenes profil zu zeigen
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

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4

Monday, August 15th 2005, 6:57pm

error

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Ingo Baumgartner

Unregistered

5

Monday, August 15th 2005, 8:31pm

Kritik

Ich habe Marots profunde Kritik mit Interesse verfolgt und bin beeindruckt. Nur in einem kann ich Marot nicht zustimmen: Der inhaltlichen Interpretation von C.F. Meyers Versen begegne ich mit Skepsis. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er, wie vermutlich alle großen, alten Meister, die Worte einfach so gesetzt hat, weil er einen Brunnen beschreiben wollte, nichts sonst, kein Leben, keine Menschheitsgeschichte, einfach einen Brunnen. Alle diese Interpretationen hat uns ein humanistisches Bildungsideal in Gestalt von Gymnasiallehrern aufgezwungen. Lyrik mit Tiefgang ist ja schön, klare Worte sind aber besser. :)
Lg
Ingo

Marot

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6

Monday, August 15th 2005, 8:40pm

Mein lieber Ingo, ich fürchte du verwechselst da etwas.
Ich gebe dir vollkommen recht wenn du schreibt das es möglich, vieleicht sogar wahrscheinlich ist das der Dichter nur einen Brunnen beschreiben wollte. das aber Spielt für die Interpretation des textes nur bedingt eine rolle, weil auch die Intension des Autors nur eine Interpretation des Textes ist und keine absolute allgemeingültige wahrheit.

Wenn du meine Interpretation nocheinmal liest wird dir auffallen das ich zwischen Fordergündiger Darstellung und Hintergündigen Sinn gesprochen habe.

Das Vordergründige ist das was der Autor nachweißlich aussagt, das Hintergündige aber das was der Leser hineinlesen kann.
genau hier liegt die Magie der Literatur.
Ein text über einen Brunnen wird von einem als Berschreibung eines Brunnens vom anderen aber als Sinnbild für das Menschliche Leben verstanden. Beides ist legitim weil beides letztlich die Gedankenwelt des lesers an der schablone der Kunst des Schreibers zeigt.
Ein Text hat nicht nur eine einzige Wahrheit sondern exakt so viele wie es leser gibt ihn zu deuten.
Ich denke du tust dir selbst und vor allem allen anderen lesern keinen gefallen wenn du sagt: Das ist die wahrheit, mehr muss man da nicht lesen. Man muss nicht, das ist sehr richtig, man kann aber wenn es einem spass macht und eventuell sogar im leben weiter hilft.
Gruß marot
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Ingo Baumgartner

Unregistered

7

Monday, August 15th 2005, 8:59pm

unaufmerksam

Ich gebe dir vollkommen Recht. Die schönsten Bilder entspringen schönen Versen, einmal so, einmal anders. Ich habe den langen Absatz vielleicht doch nicht eingehend genug gelesen.
Lg Ingo

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