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1

Thursday, July 21st 2005, 3:24am

Bombennacht in Teheran

Bombennacht in Teheran

1. Version

Der Himmel gebettet in nächtlicher Tracht
Darunter idyllisch die Großmetropole
Doch plötzlich erschallt das betäubend’ Gejohle
Denn Lichtblitze sausen durch blutige Nacht

Gebäude zerbersten durch Bombengewalt
Gekreische von Kindern zermahlt im Getöse
Gebete erflehen: „Vom Leid uns erlöse!“
Gesplitterter Knochen zerfetzt die Gestalt

Erkeimendes Sterben ergreift die Geschöpf`
Ermattete Busen versiegen voll’ Weh
Entwürdigtes Leben verläuft sich im Schutt

Vertriebene Menschen sind gänzlich erschöpft
Verwehende Seele verbleibe doch „Steh!“
Verdorbenheit machte die Menschen kaputt.


2. Version

Bombennacht in Teheran

Der Himmel gebettet in nächtliche Tracht
Darunter idyllisch die Großmetropole.
Doch plötzlich erschallt das betäubend’ Gejohle.
Denn Lichtblitze sausen durch blutige Nacht.

Gebäude zerfallen durch Bombengewalt.
Gekreische von Kindern erstickt im Getöse.
Gebete erflehen: „Vom Leid uns erlöse!“
Geschändet verliert sich die Menschengestalt.

Entfesseltes Sterben verfinstert die Stadt.
Entkräftete Busen versiegen voll’ Weh.
Entwürdigtes Leben verläuft sich im Staub.

Vertriebene Menschen verirren sich matt.
Verwehende Seele, verbleibe doch:„Steh!“
Verwundetes Herz, resigniere nicht: „Glaub!“


3. Version

Bombennacht in Teheran

Der Himmel gebettet in nächtliche Tracht
Darunter idyllisch die Großmetropole.
Doch plötzlich erschallt das betäubend’ Gejohle.
Denn Lichtblitze sausen durch blutige Nacht.

Gebäude zerbersten durch Bombengewalt,
Gekreische von Kindern erstickt im Getöse,
Gebete erflehen: „Vom Leid uns erlöse!“
Granaten zerfetzen die Menschengestalt.

Entweichendes Leben verläuft sich im Staub,
Entfesseltes Sterben ergreift den Verstand,
Ermattete Busen versiegen voll Weh.

Verstümmelte schreien erblindet und taub,
Vertjagte zerreißen vergrämt ihr Gewand,
Verwehende Seele, verbleibe doch „Steh!“


Mit freundlichen Grüßen
Zarathustra = Amir Bideh

This post has been edited 7 times, last edit by "Zarathustra" (Jul 25th 2005, 3:33pm)


Marot

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2

Thursday, July 21st 2005, 1:10pm

Hi, dein Werk gefällt mir, sehr sogar allerdings scheue ich mich vor einer Analyse weil ich nicht weis ob du auf eine Zerlegung des Werks, mit allen kritischen Konsequenzen, wert legst. Wenn du das gerne hättest sag mir bitte bescheid, es würde mich sehr viel Zeit und mühe kosten, deshalb bitte nur wenn du auch Kritik vertragen kannst und willst :)
gruß Marot
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3

Thursday, July 21st 2005, 6:37pm

RE: Bombennacht in Teheran

wunderbar!

ein penibel gearbeitetes, ergreifendes sonett.
besonders die terzette habens mir angetan.
nichts machte mich betroffener zwischen all dem kriegsgebaren, als der verzweifelte versuch, dem seelenheil mit einem martialischen befehl einhalt zu gebieten.

danke dafür
alcedo

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4

Friday, July 22nd 2005, 2:42am

Ich grüße euch!

Marot zuerst möchte ich dir für deinen Beitrag danken. Was deine Unsicherheit anbelangt, finde ich es sehr anständig von dir, dass du erst fragst ob du das Gedicht zerlegen darfst. Dafür möchte ich dir meinen tief empfundenen Respekt aussprechen.

Kritik ist mir überaus wichtig und ich bin davon abhängig, dass man mir meine Fehler zeigt. Jeder angeprangerte Fehler ist für mich eine Möglichkeit in der Entwicklung fortzuschreiten. Falls du wirklich die Mühe auf dich nehmen möchtest das Gedicht zu analysieren, wäre ich dir zu großem Dank verpflichtet.

Ich danke dir Alcedo. Es freut mich, dass das Gedicht dich angesprochen hat. Vor allem, weil es mein erster Versuch war ein Sonett zu schreiben.

This post has been edited 2 times, last edit by "Zarathustra" (Jul 22nd 2005, 3:34am)


Marot

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5

Saturday, July 23rd 2005, 3:20pm

So dann wollen wir mal: Vor ab ein paar Anmerkungen zu meiner Kritik. Ich habe nicht den Anspruch die Intension des Autors in Gänze zu erfassen, sondern trachte lediglich danach dem text nach meiner Leseart so gut wie möglich und vor allem begründet zu verstehen. Meinen Kritikpunkte sind subjektiver Natur und maßen sich nicht an, unumstößliche Gültigkeit zu besitzen.

Nun denn: ich beginne traditionelle mit einer kurzen Formanalyse auf welche dann die inhaltliche uns sprachliche Besprechung folgt:


Der Himmel gebettet in nächtlicher Tracht
Darunter idyllisch die Großmetropole
Doch plötzlich erschallt das betäubend’ Gejohle
Denn Lichtblitze sausen durch blutige Nacht
xXxxXxxXxxX
xXxxXxxXxxXx
xXxxXxxXxxXx
xXxxXxxXxxX

Gebäude zerbersten durch Bombengewalt
Gekreische von Kindern zermahlt im Getöse
Gebete erflehen: „Vom Leid uns erlöse!“
Gesplitterter Knochen zerfetzt die Gestalt

xXxxXxxXxxX
xXxxXxxXxxXx
xXxxXxxXxxXx
xXxxXxxXxxX

Erkeimendes Sterben ergreift die Geschöpf`
Ermattete Busen versiegen voll’ Weh
Entwürdigtes Leben verläuft sich im Schutt

xXxxXxxXxxXx
xXxxXxxXxxX
xXxxXxxXxxX

Vertriebene Menschen sind gänzlich erschöpft
Verwehende Seele verbleibe doch „Steh!“
Verdorbenheit machte die Menschen kaputt.

xXxxXxxXxxX
xXxxXxxXxxX
XXxxXxxXxxX


Formal ein Sonett, Oktett und Sechstett sind klassisch auch wenn ich beim Reim des Sechstets noch mal nachschauen müsste, allerdings ist das weder von Wichtigkeit noch von Dringlichkeit , da durch die vier Paarheime im Oktett eh nicht versucht wurde klassisch korrekt zu sein. Wichtiger für unsere Analyse scheint mir die Metrik welche durch den Jambusbeginn mit folgendem Anapest ( ich entscheide mich für diese Interpretation da ein Auftakt nur in s1z1 zu entdecken ist) doch schon reichlich semantischen Zündstoff liefert.
Der Jambus als ruhiger Rhythmusfinder und “Herr der Sonette” so wie der Anapäst welcher schon fast sakrale Ruhe ausstahlt würden für ein Liebessonett absolut passend anmuten, der Titel allerdings verrät uns das es hie rum Bomben und vielleicht krieg geht was doch recht verblüffend anmutet, angesichts des Metrums. Genau diesen sicherlich absichtlich erschaffenen Gegensatz von Inhalt und Klang werden wir im verlauf der Textbesprechung nicht aus den Augen verlieren dürfen.


Schauen wir nun auf die einzelnen Strophen und beginnen mit dem Titel:

“Bombennacht in Teheran”

Der Titel ist wenig schwer zu deuten , eine Beschreibung einer Bombennacht in Teheran ist zu erwarten. Interessanter allerdings ist die frage welche Bombennacht hier gemeint ist. Handelt es sich um eine Erinnerung des iran- irak- Krieges?
Dies scheint nach meiner Recherche nicht wirklich plausibel:
1. Auch wenn ich kein Experte bin und mich hier auf Google verlassen muss scheint es so als ob es in diesem krieg um die Invasion eines ganz bestimmten Landstriches ging und nicht um einen angriff auf Teerahn die iranische Hauptstadt selbst. Ich habe kleine Hinweise auf eine solche Bombennacht gefunden.

2. Das Gedicht erscheint im Jahre 2005 , die Erinnerung an eine eventuelle Kriegssituation scheint daher weniger Wahrscheinlich, außer das werk ist bedeutend älter, was ich auf grund meines Stöberns bei der Konkurrenz aber ausschließe.( Dort behauptet der Autor das Gedicht “ gestern nacht” geschrieben zu haben)

Als weitere Möglichkeit könnte hier die Beschreibung eines Attentates gemeint sein, aber auch diese Version scheint nicht historisch gedeckt. des weiteren verbinde ich mit Bombennacht eher einen kriegerischen Akt( angelehnt anlas Vokabular des zweiten Weltkrieges) und vor allem eine längere Zeitspanne ( eine Nacht eben)

Der Momentan sinnvollste Ansatz ist wohl, anzunehmen es handele sich hier um eine Distopie die absichtlich parallelen zu den angriffen der USA auf Bagdad im Jahre 2003 zieht. Bevor dies allerdings an hand des Textes vertiefen darf das erstaunen nicht verschwiegen werden mit welchem wir die aufgeführte Metrik im Zusammenhang zur Distopie betrachten müssen. Distopie als negative Utopie und damit Zukunftsvision wäre nach vorne gerichtet in eine zeitlichen Bewegung und damit ( wenn man das Bild so weit ausdehnen will dynamisch, während es die Metrik nicht ist. Ein weiterer Widerspruch, der sich nun aber im Bild der Distopie wunderbar erklären lässt. Die Metrik ist quasi widersprüchlich zum Kontext und zum Thema krieg um den Text in seiner Eigenschaft als distopisch, also als Zukünftig spekulativ zu bestätigen. Der Gegensatz setzt das geschilderte wenn man so will in spekulative Anführungszeichen. ( ja ich weiß reichlich weit gedeutet macht für mich aber absolut Sinn)




Nun aber wird es zeit den Text selbst zu befragen:


Der Himmel gebettet in nächtlicher Tracht
Darunter idyllisch die Großmetropole
Doch plötzlich erschallt das betäubend’ Gejohle
Denn Lichtblitze sausen durch blutige Nacht

Der text beginnt mit einem idyllischen Panorama eine Großstadt, hier positiv ,fast romantisiert dargestellt, was durch Personifizierungen “ der Himmel gebettet” und eben das besagte Panorama erzeugt wird. “Romantisch” war kein Zufall, der Anfang erinnert doch stark an diese Naturbilder von Eichendorf die ebenfalls oft mit einem Panorama Ausblick, bei “Sehnsucht “ sogar mit dem bekannten Fensterbild, beginnen.
Die Personifizierung ist klassisch dazu muss ich kaum was sagen.
Eine grammatikalische Fragwürdigkeit fällt hier noch ins Auge:

Der Himmel gebettet in nächtlicher Tracht
Ich denke das es nächtliche heißen müsste weil ich denke das das passiv diese Variante Fordert, bin aber nicht hundertprozentig sicher.( man verzeih mir das mir gerade die grammatikalischen Begriffe abhanden gekommen sind, ich denke es geht auch so)
Dem Idyll folgt, ganz im Sinne der Kontraste ( Surrealer Effekt wie gesagt,) nahtlos ohne Warnung die kriegerische Atmosphäre. Das Plötzlich löst aus und überflutet dann in den nächsten Zeilen mit Gefahrreizen: Lärm, Blut, Blitz immer mit Kontrasten wie in betäubend Gejohle oder mit Bewegungsverben und Intensivierungen wie bei den “ sausenden Lichtblitzen“.
Das Stickwort ist: Kontrast zwischen der ruhevollen Statik der ersten beiden Strophen und der wilden Bewegung der letzten beiden. Das schafft eine Dynamisierung des Erzählflusses, was wiederum die Spannung und das Gefahrgefühl anregt. Stilistisch absolut sauber , sprachlich konventionell aber effektiv.
In Sachen Irak/ Iran_ Parallele stellen wir fest, das die Blitze doch stark an die Raketen im Irakkrieg bei nacht erinnern.


Gebäude zerbersten durch Bombengewalt
Gekreische von Kindern zermahlt im Getöse
Gebete erflehen: „Vom Leid uns erlöse!“
Gesplitterter Knochen zerfetzt die Gestalt

Schauen wir in die nächste Strophe hinein.
Die erste Zeile führt das angedeutete Kriegszenario fort, das altbekannte Bild der zerberstenden Gebäude leitet eine orte der Versichtung ein die hier pompös und hart and der Grenze des verträglichen beschrieben werden soll. Ich schreibe “ soll” weil sich der Effekt bei mir nicht ganz einstellen will, da mir die Bilder ein wenig unglaubwürdig und dadurch stimmungshemmend erscheinen:
Gehen wir der Reihe nach :
Gekreische von Kindern zermahlt im Getöse
Erst mal ist festzustellen, dass man sie Zeile doppeldeutig verstehen kann
1. Das Gekreische der Kinder wird zermahlt... Hm macht wenig sinn außer in einem metaphorischen Zusammenhang de reich mir entzieht.

2. Die kreischenden Kinder werden zermahlt ( ich glaube dann bräuchte es ein Komma aber ich bin alles andere als ein Profi im Komma setzten)

Diese zweite Variante macht im Zusammenhang mit Zeile 1 am meisten Sinn. Die Kinder werden im zerberstenden Gebäude zermahlt....
Diese Formulierung und dieses Bild aber stört mich nun extrem. Es erscheint mir so sehr überzogen 8 vielleicht auch aus mangelnder Erfahrung) das ich das grauenhafte Bild nicht mehr für ernst und realistisch nehmen kann. Die Übertreibung welche hier intensivierend Wirken soll wirkt für mich fast schon ironisch was fatal ist in diesem Zusammenhang. Ein „zerwüscht“ hätte ähnlichen stellenwert klänge aber viel realer.
Ein zermahlen ein pulverisieren wusle ist mir zu anorganisch als Metapher für zerstörtes Fleisch.

Gebete erflehen: „Vom Leid uns erlöse!“
Dieser Religiöse bezug hingegen schafft es wieder realeren Bezug her zu stellen, wir dürfen nicht vergessen wir sind hie rein einem der frommsten Länder der Erde . Eine Hochburg des muslimischen Glaubens, die Zeile hat einen hohen Assoziationswert. Gelungen.

Gesplitterter Knochen zerfetzt die Gestalt

Die Idee dieses Bildes ist gut. Der zersplitternde Knochen tritt von innen nach außen und zerstört dabei das Fleisch des Menschen. Der eigene Körper als Selbstzerstörer quasi..
Dennoch das Bild kann für mich nicht funktionieren, weil der Knochenzersplitterer fehlt. Man bekommt zu schnell das Gefühl die Knochen selbst wären verantwortlich für die Zerstörung und das irritiert was wiederum die Stimmung etwas kaputt macht. Jede stelle die eine frage aufwirft reist den Leser kurz aus dem schrecken heraus und das sollte bei diesem text auf keinen Fall passieren. Metaphernidee ist gut aber zu kompliziert für das erforderliche Erzähltempo.
Interessant und recht gut gelungen sind die Paarahlelismen der Anfangsilben der Zeilen. Ein Hinweis auf die Mechanik des Sterbens? Wenn ja ein guter unterschwelliger Gedanke, hat was.

Zurück zu unserer Parallele und den Konsequenzen. Auch Strophe zwei hat uns eine modernes Kriegszenario präsentiert wie wir es alle nur zu gut aus dem 2 Golfkrieg und dem Irak Krieg kennen. Die Blitze sind Raketen die in Hauser einschlagen, diese zerschmettern wo durch Menschen sterben. ( Kinder als Mitleid und Schreckensverstärker) Die Aussage der Bagdatparallele ist klar: Dies kann auch hier in Teheran passieren, wird passieren? Ist die Niederschrift im Präsens so zu verstehen, dass das lyrische ich von diesem Szenario als sicher eintreffend ausgeht ? Klingt wahrscheinlich den das ganze wird als reale Tatsache verkauft, wer nicht weiß wo Teheran liegt denkt automatisch an Bagdad, hält das Gedicht für eine Beschreibung aus der Realen Welt . Das Gedicht also als Vorbote des Unausweichlichen? na ja vergessen wir nicht die Kontraste, die übertriebene Sprache , die leichte Ironie, auch wenn es eher nicht so scheint, als das diese Ironie wirklich Absicht ist, dafür ist sie zu schwach kann zu leicht Übersehen werden...
Interessant ist das wir nach dem Oktett auch keinerlei Schuldzuweisung haben. Es gibt keinen Täter, nur Blitze, anonyme naturgeschaffene Entladungen , keinen Feind keinen böses Amerika.

Aber schauen wir weiter:

Erkeimendes Sterben ergreift die Geschöpf`
Ermattete Busen versiegen voll’ Weh
Entwürdigtes Leben verläuft sich im Schutt

Weil wir es eben hatten auch hier wieder der Silben Parallelismus, welcher Schematick in den Sterbeprozess hineinbringt, ihn mechanisch wirken lässt, aber fangen wir von Vorne an: Die ganze stopfe erfüllt den Zweck der Verdeutlichung der Zerstörung. Es ist ruhe ein gekehrt, keine Blitze sind mehr am Himmel, nichts stürzt mehr ein, zwischen den Trümmern liegen die Menschen, sie Sterben. Dies soll hier gezeigt werden. Die Blutige Ruhe nach unserem anorganischen Sturm.
Schauen wir die Einzelbeispiele sprachlich an:

Erkeimendes Sterben ergreift die Geschöpf`

Ich störe mich an dem “Erkeimen”. Klar es ist eine Neuschöpfung für “aufkeimen” und dient als metrisch saubere Variante, dennoch halte ich es für ungünstig, weil der Leser wieder wie in den bespielen zuvor abgelenkt wird. (im Fazit gehe ich noch mal näher darauf ein) Ansonsten ist das Bild interessant. Eine Pflanzenmetapher für den beginn des Totes, besser gesagt, sogar eine Wurzelmetapher die ja eigentlich den Beginn des Lebens im Sinne hat. Wieder ein Schöner Kontrast von Zweck und Verwendung wie auch bei der Metrik schon.
Die Ellison allerdings ist äußerst ungünstig. Sie wirkt abgehackt und ein wenig primitiv, aber das kreide ich nachher noch mal an.

Ermattete Busen versiegen voll’ Weh
Hier haben wir dieses Bild noch stärker: der Busen als Sinnbild der Ernährung von Kleinkindern versiegt, und somit das Leben mit ihm.... Schönes Bild. Mit das beste bis jetzt.

Entwürdigtes Leben verläuft sich im Schutt
Hier nun haben wir sie, die erste richtige Wertung. Die ganze Zeit hatten wir eine unterschwellige Wertung, eine Art unsichtbarer mahnender Zeigefinger, nun aber wird er sichtbar.
Und Genau hier ist das Problem.
Ich weiß das dir diese Stelle wahrscheinlich wichtig ist, mit am wichtigsten nehme ich an, aber die Wertung zerfetzt dir dein Gedicht, zumindest wenn es jetzt nach Strophe drei kommt. Die ganze Zeit hatten wir die tobende Zerstörung als unmotiviertes Etwas, nicht menschlich, nicht wirklich natürlich aber auch nicht künstlich... unbestimmbar und daher schrecklich.
Nun aber wird sie menschlich, den nur der Mensch kann entwürdigen. Dem Schrecken wird somit eine Art Gesicht gegeben. Außerdem macht es dir nebenbei den Parallelismus kaputt, aber warten wir kurz und besprechen das im zusammen hang mit Strophe vier:

Vertriebene Menschen sind gänzlich erschöpft
Verwehende Seele verbleibe doch „Steh!“
Verdorbenheit machte die Menschen kaputt.

Hier haben wir den Exodus Gedanken. Flüchtlinge und Ihre Verzweiflung werden beschrieben. Sie haben kein hier und kein dort kein Zuhause, nur Fremde
Gerade Zeile 2 macht dies deutlich. So wir haben hier nun einige zu beanstanden.

1. Der unreine bis zweifelhafte Reim Geschöpf / erschöpft stört doch reichlich, da muss man auf diesem Niveau eine Alternative finden können.

2. Vertriebene Menschen sind gänzlich erschöpft
Die ganze zeit über arbeitetest du mit Metaphorik um deine Aussage zu intensivieren. Warum hier nicht? Gab es keine passende Metapher für die ziehenden Flüchtlinge.
Dieses nüchtern beschreibende fällt doch stark auf.

Verwehende Seele verbleibe doch „Steh!“
#Das hier ist schon viel besser, wieder diese Kontraste, der Bewegung, ziellos und unmotiviert durch das “verwehend” ( sehr schön) im Gegensatz zur Aufforderung “ Steh” als Aufruf zu r Ordnung und ruhe in dieser verheerenden Situation

Verdorbenheit machte die Menschen kaputt.
So und nun kommen wir zur Entscheidenden Diskussion. Ich prangerte es ja schon in Strophe drei an. Die Wertung verändert das Gedicht Radikal. Natürlich weiß der Leser von Anfang an ( auf Grund seines Moralischen Gewissens) das das Beschriebene Schlecht ist. Diese Wertung aber nimmt er siebt vor. Sie wird ihm nicht diktiert. Es gibt keinen Bösewicht es gibt keine Anprangerung, der Leser hat die Chance selbst zu entscheiden. Die säst die große Stärke des Gedichte bis Zeile 11 ( hier ist die Innovation die ich bei Aust so sehr vermisste)
Das einzige was ich für akzeptabel halten würde wäre eine Wertung am Ende des Werkes, ein letzter Satz der subtil den schrecken auktorial kommentiert.
Dein Schlusssatz allerdings kann dies nicht leisten. Er ist dermaßen subjektiv, und vor allem verallgemeinernd, dass er im vergleich zu den restlichen Bildern Des Textes einfach plump erscheint. Außerdem erscheint er Unmotiviert. Ich erinnere daran das Vier keinen Ausgangpunkt der Gewalt bis auf den Blitz haben. Demnach kann es auch keinen Ausgangspunkt für die Verdorbenheit geben. Was ist die Verdorbenheit ? Wo kommt sie her?
Unter diesen Gesichtspunkten wirkt der Letzte Satz doch reichlich flach.

Was also tun?
Um dies zu Beantworten kommen wir kurz zum Sonett als Gedichtform zurück. Warum hast du sie gewählt? Doch um einen Kontrast zu schaffen wie ich schon andeutete, einen Kontrast von Zweck und Nutzung.
Hier nun können wir ansetzten um das Gedicht meiner Ansicht nach stärker zu und intensiver zu gestallten.

Aber zu erst das Fazit:
Wir haben Hier ein Werk welches mit einem aktuellen und sehr schwierigen Thema agiert, schwierig weil jeder momentan versucht dieses um zu setzten. Auf den ersten blick wirkt der Versuch stilistisch einwandfrei Inhaltlich wenig originell. Erst die Überlegung der Distopie und die Erkenntnis das es hier nicht um Geschehenes sondern Geschehendes geht verändert das Leseerlebnis radikal. Gerade dieses Subtile ist es was das Werk zu etwas Besonderem Macht. Dieses Ungewisse um was es eigentlich geht ob wohl alles ja klar ausgesprochen wird. Das ist klasse und äußerst innovativ.
Die Spannungskurve und die Intensität sind auf einem hohen Level, dies wird mit Metaphorik erreicht, welche manchmal ein wenig über das Ziel hinaus schießt. Das Mittel der Übertreibung wird zu oft und zu stark eingesetzt, dadurch entstet Ironie die hier auf keinen Fall entstehen dar, will man den Text als Warnung und nicht als Karikatur verstehen. Es müssen letztlich klarere Linien gezeichnet werden. Das Subtile ist gut, und Unsicher spannend, aber es darf kein Zweifel daran bestehen ob der Text ernst oder satirisch gemeint ist. Das heißt: Die Metaphern müssen etwas besser durchdacht werden , manchmal ist weniger mehr. Zu viele Reize überfluten ...
Letztlich, ich referierte es, muss auch eine Kare Lienie in Sache Schema Methodik entstehen. Ist der Text Scheinobjektiv oder subjektiv?
Ich rate zu Objektivität auf Grund der genannten Reitzüberflutung und um das Klische zu umgehen. Wir brauchen kein 8000enstes “Ich-der-Autor-hasse-den-Krieg-Gedicht”.
Ein “ Ich-der-Leser-entscheide-mich-ob-der-dargestellten-Geschnisse-dafür-gegen-den-Krieg-zu-sein-Gedicht” wäre viel wichtiger und dies kannst du leisten.

Wie?
Du spielst mit Kontrasten, dann bringe sie am ende auch zur Explosion. Die letzte Strophe ist wie ich sagte störend, sie bring außer Zeile zwei nur entkräftendes. Die Darstellung der Flüchtlinge ist nicht notwendig, sie ist zwar schlimm, im vergleich zu den Sterbenden aber entschärfend. Das bedeutet, Flüchtlinge zu beschreiben suggeriert das viele überlebt haben .So Abstruß das jetzt auch klingen mag, dies ist eine positive Nachricht. Lass sie weg
Lass die ganze Strophe weg wäre mein Rat. Erstens weil du dann einen viel stärkeren Schluss hättest, zwar auch wertend aber viel subtiler. Als letzter Satz wäre S3.z3 absolut ok, ganz am Ende des Werkes kann ich mir eine Wertung gefallen lassen und auch einen Bruch des Paralleismusses. Das Gedicht würde mit dem Tod und dem Schrecken enden, abrupt und radikal, wie auch die Schreckensnacht. Du hättest das Sonett formal entstellt wie auch der Inhalt die Intension des Sonettes an sich entstellt und du hättest es vermieden Pathetische Moral hinein zu packen.

Pu ich habe fertig. Ich hoffe ich konnte dir helfen. Ich erwarte nicht das du alles umsetzt, mein kleine Kritik spiegelt nur meine subjektive Einschätzung wieder
Ich danke fürs lesen
Marot
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Kyle Albrecht

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6

Saturday, July 23rd 2005, 7:32pm

hi

danke marot, für die kritik, hab einiges gelernt. ;)

hier ein paar notizen die ich während des lesens gemacht habe:

Gekreische von Kindern zermahlt im Getöse
-> Das Schreien der Kinder geht in dem Lärm der zusammenstürzenden Häuser unter.

Gesplitterter Knochen zerfetzt die Gestalt
-> Die zerstörten Körper brechen sich mit dem Bild eines "normalen" Menschen

es gibt kein moralisches gewissen, gewissen bedient grundsätzlich der moral.

edit2:
Ich habe mich jetzt nochmal in Google umgesehen. Marots Interpretation bezüglich der Distopie ist doch wahrscheinicher.
All your base are belong to I.

This post has been edited 6 times, last edit by "Kyle Albrecht" (Jul 23rd 2005, 7:44pm)


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7

Saturday, July 23rd 2005, 8:19pm

Meine ernsthafte Meinung zu deiner hervorragenden Arbeit:
Sie ist wohl überdacht und gut begründet. Eine vollkommen nachvollziehbare, argumentativ stichhaltige Kritik, wie man sie sich besser nicht wünschen kann.

Quoted

Formal ein Sonett, Oktett und Sechstett sind klassisch auch wenn ich beim Reim des Sechstets....


Das war mein erster Versuch ein Sonett zu schreiben, leider wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, dass diese Form eher zu einem Liebesgedicht passt. Deswegen ist dieser Gegensatz völlig unbewusst von mir geschaffen worden. Ich danke dir, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast.

Quoted

1. Auch wenn ich kein Experte bin und mich hier auf Google


Ich war zugegen als die irakischen Bomber/Scudraketen Teheran erreichten.
Der Bombenalarm tönt mir immer noch in den Ohren und ich kann mich daran erinnern, dass wir mit anderen Menschen den Keller eines großen staatlichen Gebäudes aufsuchen mussten. Ich weiß nicht ob Google oder eine deutsche Internetseite dieses Geschehen dokumentiert hat, aber ich weiß, was ich erlebt habe und wenn du einen Iraner konsultierst, wird er dir dies sicherlich bestätigen können.

Quoted

Das Gedicht erscheint im Jahre 2005...


Ich hatte vorher nicht die metrischen Kenntnisse, um ein solches Gedicht zu schreiben. Eine Kriegserinnerung ist es daher schon. Das Präsens habe ich verwendet, um das Geschehen lebendiger wirken zu lassen. Dennoch muss ich zugeben, dass ich zu der besagten Zeit ein Kind war. Ich habe nur die Erinnerung an die oben beschriebene Situation und die Lichtblitze am Himmel, die wahrscheinlich von Flugabwehrgeschützen oder Raketen herrührten.

Quoted

Der Momentan sinnvollste Ansatz ist wohl, anzunehmen..


Der formale Gegensatz ist aus besagten Gründen entstanden, aber ich bin von deiner enormen Kreativität, die meine dichterische bei weitem übertrifft, beeindruckt.
Die einzigen Gegensätze, die ich momentan bewusst schaffen kann, sind inhaltliche. In dem ich beispielsweise mit einer romantischen Idylle anfange und dann den Krieg ausbrechen lassen. usw.

Quoted

Der text beginnt mit einem idyllischen...


Mein Sprachgefühl stimmt dir zu. Ich habe die Korrektur vorgenommen.

Die Präposition “in“ fordert entweder den Dativ oder den Akkusativ. Wenn ich mit “Wohin?“ frage (dynamisch), dann ist der Akkusativ gefordert, sollte ich mit einem “Wo?“ (statisch) fragen müssen, dann wird der Dativ gefordert.
In diesem Fall frage ich jedoch mit “worin?“, deswegen handelt es sich um ein Präpositionalobjekt, wenn ich mich nicht irre. Worin ist der Himmel gebettet? / In was ist der Himmel gebettet? Er ist in die nächtliche Tracht gebettet. *nachdenk*
Falsch: Er ist in der nächtlichen Tracht gebettet… hmpf…
Die Präposition hat mich durcheinander gebracht :)

Quoted

In Sachen Irak/ Iran_ Parallele stellen wir fest, das die Blitze doch stark an die Raketen im Irakkrieg bei nacht erinnern.


Das mag sein, aber daran habe ich nicht gedacht. Im Übrigen habe ich doch etwas im Internet finden können.
Hier ein Zitat aus einer Arbeit von Jürgen Scheffran:

Quoted

Die Flugzeit stieg von 6 – 6.5 Minuten auf 8 – 9 Minuten.84 Damit wurden sowohl die iranische Hauptstadt Teheran im ersten Golfkrieg wie auch Israel im zweiten Golfkrieg Ziel irakischer Raketenangriffe.

Ein Zitat von Nadir.org:

Quoted

Mehr als 180 solcher Raketen von irakischen Stellungen wurden auf Teheran abgefeuert


Quoted

Erst mal ist festzustellen, dass man sie Zeile doppeldeutig verstehen..


Es war metaphorisch gemeint, aber ich hatte selbst die Befürchtung, dass es unpassend sein könnte. Deswegen habe ich die gesamte Zeile jetzt noch mal überarbeitet.

Quoted

Interessant und recht gut gelungen sind die Paarahlelismen der Anfangsilben der Zeilen. Ein Hinweis auf die Mechanik des Sterbens? Wenn ja ein guter unterschwelliger Gedanke, hat was.


Ich habe dieses Mittel verwendet, weil es zu dem Zeitpunkt meinem Stil entsprach, aber soweit, wie du dachte ich dabei nichtt. Dennoch ist deine Auslegung sehr sinnvoll und zeigt, wie man diesen Parallelismus am besten einsetzen sollte. Mechanisch ist wohl der passende Ausdruck dafür.

Quoted

na ja vergessen wir nicht die Kontraste, die übertriebene Sprache , die leichte Ironie, auch wenn es eher nicht so scheint....


Es war nicht ironisch gemeint. Daher denke ich, dass das Gedicht misslungen ist. Denn es entfaltet sich nicht im erdachten Sinn, wie deine logische Aufschlüsselung eindrucksvoll beweist. Ich lerne hoffentlich aus diesem Fehler.

Quoted

Und Genau hier ist das Problem.
Ich weiß das dir diese Stelle wahrscheinlich...


Du hast es erfasst, sie ist meines Erachtens die bedeutendste Stelle im gesamten Gedicht. Zwar möchte ich kein Feindbild aufbauen, aber eines ist klar: Leben wird im Krieg entwürdigt und das ist für mich ein Faktum. Ob es nun in dieses Gedicht passt, ist natürlich Ansichtssache, aber für mich erzeugt diese Zeile ein ungemein starkes Bildl. Daher berührt sie den Leser und lässt ihn Fühlen, wie ich empfand, als ich das Gedicht schrieb.
Dennoch danke ich dir für deine Kritik.

Quoted

Dein Schlusssatz allerdings kann dies nicht leisten. Er ist


In diesem Fall stimme ich deiner Meinung zu. Der Schlusssatz ist unangebracht. Deswegen überlege ich mir, wie ich das ändern kann. Danke!

Ich möchte mich für deine Kritik bedanken, sie hat für mich großen Bildungswert und zeigt mir auf eindrucksvolle Weise, wo die Schwächen liegen.
Ich habe natürlich sofort versucht das Gedicht zu überarbeiten, ob es mir gelungen ist, weiß ich nicht.

Marot

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8

Saturday, July 23rd 2005, 8:28pm

so insgeheim hatte ich diese möglichkeit )( da sdu vieleicht wirklich nur Erinnerungen zeigen willst ) im Hinterkopf, und aus dieser sicht macht der text selbsvertsändlich genau so sinn.
es ist mal wieder ein wunderbares beispiel dafür wie vielschichtig Gedichte sind, da sie ben in der lege sind über die Intension des autors hinauszuwachsen und vor allem im wnadel der zeit ganz neue Interpretationen hervorrufen können. Im jahre 2010 wird dieses werk vieleicht als traurige erinnerung an noch nicht so lange verganges gesehen werden.
Schreibe dir es also nicht negati´v auf die kappe das du was anderes ausdrückenb wolltest sondern sieh es als beiweis deienr Dichterischen vieldeutigkeit. Ein werk zu erschaffen was den Autor übertrifft und mehrdeutige rgelesen werden kann als wir uns es vorstellen mögen ist doch letztlich unser bestreben, denn dadruch werden die werke zeitlos :)

Ich bin sehr auf die verbesserungen gespannt ( es wäre nett wenn du die alte version allerdings aufrecht erhalten würdest, weil meine kritiok von ihr abhängig ist, und di neue etwede rin einem neuen faden postest oder hier untendrunter)

gruß marot
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Saturday, July 23rd 2005, 8:58pm

Ich habe ein bischen über das Gedicht nachgedacht und versuche nun einige Aspekte zu formulieren, die sich meines Erachtens aus den Zeilen ergeben können.

Die Situation:
Eine Stadt (hier: ihre Zivilbevölkerung) wird durch einen unsichtbaren und überlegenen Feind angegriffen.
Die Stadt wird als idyllisch beschrieben, also friedlich und unschuldig.
Der Feind wird (sinngemäß) als brutal (Bomben), gebieterisch (vertreibt die Menschen) und verdorben dargestellt.

Die Situation stellt sich so dar, dass (ganz nach dem Prinzip: Der Mensch ist der Wolf des Menschen) etwas ein anderes vernichtet, nur weil dieses etwas die Macht dazu hat.
Konkretere Ziele (wie im Text dargestellt) sind: Vertreibung, Zerstörung der Volksseele und eine natürlicher Hang zur Brutalität (Verdorbenheit)
Das unschuldige Wesen der Menschen wird entwürdigt.

Hier findet eine moralische Gegenüberstellung statt, die so nicht sinnig ist, denn (Angenommen es ist wirklich eine Distopie, also eine bevorstehender Angriff auf den Iran.) mir ist kein Krieg bekannt, der nur deswegen geführt wurde, um Menschen zu quälen (und dieses geht letztlich aus deinen Zeilen hervor: ein Motiv der Brutalität)

Der nahe Bezug zu den Bildern, die damals während des Irakkrieges („Die Nacht in der die Bomben fielen“) stündlich durch die Nachrichtensendungen tobten ist gegeben. Die Lichtblitze der Bomben, die grell schwirrenden Töne bevor sie einschlugen, die unendlich grausamen Bilder von verstümmelten und verbrannten Leichen, alles dies.
Es wird ein sehr einfaches Bild aufgewühlt, ein sehr ergreifendes, geradezu lobbyistisch. Der Text wirkt sozusagen wie eine RTLII Nachrichtensendung.
Bezieht man den Text auf die aktuelle weltpolitische Lage und deren möglichen Konsequenzen, wird hier mit einfachen Mitteln ein einfaches, antiamerikanisches Bild gezeichnet.

Ich verneine hierbei nicht eine andere Art der Interpretation, nämlich die schlichte Darstellung des Leides im Krieg. Bomben werden immer Menschen töten und egal aus welchem Grund, wird dies immer unmenschlich bleiben.

Gruß

dada.punkt

edit:

Sollte es im Sinne des Autors sein:
um grobe missverständnisse (iran - usa) zu vermeiden, würde ich das datum der bombennacht im titel erwähnen.
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Marot

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10

Sunday, July 24th 2005, 2:16pm

Von kyles Idee rate ich dringend ab. Es ist gut dass man die zukunktsperpektive Ziehen kann, das macht das Werk vielschichtiger. wenn du ein datum erwähnst gibt es nur noch eine Interpretation und das wäre Selbstkastration.

@ Kyle. Ich kann erhlichgesagt nicht ganz nachvollziehen warum du dein durchaus interessantes gedankengut Editiert hast? Wweil der Autor selbst einen anderen krieg meint?
ich würd emich an deiner stelle nicht so auf die Idee des Autors versteifen, denn damit amcht du deine eigenbe Interpretationsfähigkeit Mundtot, ein wenig selbstbewusstsein wäre hier angeraten ( davon hast du doch normaler weiße mehr als genug )
Ausserdem Diente dein kommentar wunderbar daztu sich weitere Gedanken zu machen.
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Kyle Albrecht

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11

Sunday, July 24th 2005, 5:00pm

Marot:

Ich war mir nicht sicher, ob ich mit meiner Interpretation dem Text sozusagen Unrecht tuhe.
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12

Sunday, July 24th 2005, 6:42pm

Ich habe das Gedicht überarbeitet.

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13

Sunday, July 24th 2005, 11:59pm

Dass der "kaputt"-Reim nicht mehr vorkommt ist eindeutig ein Fortschritt.

Marots Kritik am "entwürdigt" fand ich berechtigt. Leider konntest Du dich nicht durchringen unbewertend zu bleiben. Du hast sogar noch ein "geschändet" dazugefügt. Die letzte Zeile in den Quartetten der Ursprungsversion war, meines Erachtens, stärker gewesen. Ich finde, das könnte so bleiben.

Mir gehen die Terzette seit drei Tagen nicht mehr aus dem Kopf. Die Grundaussage deines Sonettes, die vorletzte Zeile, bei der die gesamte Dramatik der Aussenwelt, geradezu erblasst und hintan gestellt wird, ist dermassen kraftvoll wie ich sie nur bei Gryphius bisher kennengelernt habe. (Andreas Gryphius: "Thränen des Vaterlandes", anno1636) Ich finde soetwas passt einzig als Höhepunkt der letzten Zeile! Erdreiste mich auch einen Vorschlag einzutippen, wie es viell. aussehen könnte, wie gesagt, als mögliche Fortführungsrichtung deiner Ursprungsversion.

Erkeimendes Sterben ergreift das Geknecht,
Erquellendes Leben im Schutt läuft zu Brei,
Ermattete Busen versiegen im Weh;

Vertriebene weinen im Trümmergeflecht,
Verzweifelten fliessen Gesichter entzwei -
Verwehende Seele, verbleibe doch "Steh!"

Wenn Dir davon auch nur eine einzige Silbe weiterhelfen sollte, wäre ich mehr als zufrieden.

Gruß
Alcedo

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14

Monday, July 25th 2005, 2:03pm

Gut! Ich habe eure Einwände verstanden und das "entwürdigte Leben" aus den Zeilen entfernt.

Alcedo ich bedanke mich für die Mühe, die du dir gemacht hast.
Dein Vorschlag ist gut und hat mich dazu gebracht die Zeilen umzustellen. Ich hoffe, dass sie dadurch besser geworden sind.
Es hat mich jedoch große Überwindung gekostet "entwürdigt" fallen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Amir

Marot

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15

Monday, July 25th 2005, 2:05pm

du kannst es ja wie Goethe machen und zwei versionen aufrecht erhalten, um damkit verschiedenes auszusagen. Das hat auch was .

EDIT:
8o Ich seh gerade du hast ind er neuen Version einen metrikfehler dirnn:

Vertriebene zerreißen vergrämt ihr Gewand,
xXxxxXxxXxxX

Der muss natürlich weg :)
Was hältst du von : "Verjagte " als alternative?
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16

Monday, July 25th 2005, 2:19pm

Amir,
freut mich sehr!
Es ist dir gelungen.

In der vorletzen Zeile hast Du eine Elision bestimmt übersehen.
(Vertrieb'ne anstatt Vertriebene)

Ich muss es noch in Ruhe wirken lassen, aber schon aus meiner jetzigen Begeisterung heraus, halte ich es für einen würdigen Beitrag ins kollektive Gedächnis der Menschheit.

Gruß
Alcedo

edit:
da war mir Marot zuvorgekommen...
"Verjagte" käme ohne Elision aus, das spräche dafür...
überlege grad ob "Versprengte" auch in Frage kommen könnte,
kann mich aber nicht entscheiden.

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17

Monday, July 25th 2005, 2:47pm

Danke für den Hinweis!

In Frage kämen:
Vertrieb'ne
Verjagte
Versprengte
Verscheuchte
Verstreute

Vertrieb'ne würde meines Erachtens am besten passen, aber wenn Verjagte eine angemessene Alternative ist, dann könnte ich mich auch damit abfinden.

Steffi

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18

Monday, July 25th 2005, 3:16pm

Hallo Amir,
ich tendiere zu Verjagte, um der Elision aus dem Weg zu gehen. Die Bedeutung der Worte sind zwar in etwa gleich, wobei Verjagte noch einmal drastischer klingt, denn bei der Jagd ist man schnell unterwegs. Leute vertreiben kann man allerdings auch langsam. Ich hoffe du verstehst, was ich meine :).

Ansonsten : Mein Kompliment an alle, die hier so hervorragende Textarbeit leisten und an dich Amir : Mir würde es etwas nützen, wenn du drüber schreiben würdest Version1,2,3 etc. und nicht nur edit.

Liebe Grüße,
Steffi
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