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hera dam

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1

Friday, April 29th 2005, 1:41am

Unsinn, rhythmisch durchfühlt

UNSINN-SONETT
(Klavier zu vier Händen und zwei Sängern)
Spez. Angaben für den Sprecher: Reimborniert, aber rhythmisch durchfühlt


Ein Fuchs erfindet für fünf feine Finger,
dann Zehner, nämlich zweimal Fünfe-Zwinger,
dann Zwanz’ger, zwingen zwei mal Zehne-Zwänger
was vier mal Fünfe wären, für zwei Sänger

der kleine Junge hat den Hunger-Zwänger
das ärgert Pianist und Piano-Sänger
zwei gute Sänger bräuchten keine Finger
zumal der Fuchs nur heult in seinem Zwinger

da heben alle nun den Zeigefinger
doch Fuchs und Junge jagen heim die Singer
die Zwanz’ger stecken sie nun in den Zwinger

so geht es allemal wenn gute Sänger
ablenken lassen sich von einem Zwänger
die Zwanz’ger aber werden lang und länger
hera dam©

Meine Privat-Lektüre (Juli 2010):

Arthur Honegger "Die Fertigmacher"
Robert Gernhardt "Was das Gedicht alles kann: Alles"
"Komische Geschichten" versch. AutorInnen, Aufbau Verlag
Urs-P. Twellmann "Arbeiten mit Holz"


Elytis "Orientierungen", p. 122:
"Deute, strebe, begreife:
Auch von hinten besehen
Bin ich der gleiche"

This post has been edited 1 times, last edit by "hera dam" (Apr 29th 2005, 9:07am)


Nitrogenium

Lyrisches Licht

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2

Monday, May 2nd 2005, 3:40pm

Hallo, hera dam.

Dieses "Unsinn-Sonett" gefällt mir sehr gut. Zumal es gar nicht so unsinnig ist, zumindest meine ich etwas Sinnvolles erkennen zu können.

Im ersten Quartett wird gesagt, dass eine Zweiergruppe Pianisten zwei "Zehne-Zwänger" (zwei Menschen: Ein Mensch hat zehn Finger) "zwingt". Ein jeder Mensch dann wieder "zwingt" seine zwei mal fünf Finger. Der "Fuchs" ist Motiv des musikalischen Stücks.
Der "kleine Junge" ist im übertragenen Sinne derjenige, der das Stück kompniert hat, das über den Fuchs geht. Er hat weniger Ahnung von seinem Fach als die beiden Pianisten, so dass deren Fähigkeiten nicht ausgeschöpft werden: Sie bräuchten nicht mal ihre Finger, denn der Fuchs heult nur im Zwinger (S2V3f).
Im ersten Terzett empört sich auch das Publikum (heben den "Zeigefinger"), doch der Komponist verteidigt sein Stück als ein großes Meisterwerk, doch er jagt die Sänger heim, da sie es nicht ordentlich ausgeführt hätten.
Die Schlussstrophe ist dann die Moral der Geschichte: Wenn man sich als ein großer Künstler auf einen möchtegern-Künstler einlässt, der aber bei einem Projekt über einem stehen wird, kommt man auf keinen grünen Zweig.

Liebe Grüße
Nitro
"Ich wollte das schönste aller Leben führen, und jetzt hab ich sowas!"
Albert Weber

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hera dam

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3

Tuesday, May 3rd 2005, 9:34am

betr. feedback von Nitro

Lieber Nitro, welch grosse Dichterseele Du hast!
Ein herzliches Dankeschön für Deine Interpretation. Das bestärkt und erfreut mich doch, wenn ich meine Gedanken so zurückgespiegelt kriege. Ich habe nichts hinzuzufügen und könnte es nicht besser ausdrücken. Auf leichte Verschiebungen von Akzenten kommt es nicht an (beim Schreiben schwangen noch die vorangehenden Sonette zum „Puk“ mit (also Sunjektives), wobei ich das vorliegende, als gelungener ansehe, weil es sich vom Naturalistischen genügend distanziert und nur noch in der Kunstnatur lebt). Das Hauptsächliche, den Kern, hast Du gut herausgearbeitet und ich bin froh, dass es ein-seh-bar ist. So erhält das Gedicht eine "Ein-Seele", weil offen für den Dialog mit dem Leser und hoffentlich sogar offen für Alle!

Gerne bis auf "Wieder einmal" und herzlichen Gruss
hera
hera dam©

Meine Privat-Lektüre (Juli 2010):

Arthur Honegger "Die Fertigmacher"
Robert Gernhardt "Was das Gedicht alles kann: Alles"
"Komische Geschichten" versch. AutorInnen, Aufbau Verlag
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Elytis "Orientierungen", p. 122:
"Deute, strebe, begreife:
Auch von hinten besehen
Bin ich der gleiche"

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