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Babac

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41

Sunday, February 26th 2012, 9:01pm

Ich empfinde für Anna ein wahres Gefühl der Liebe, und an jedem Ort der Welt würde ich auch die ruhige Glückseligkeit fühlen in ihrer Nähe. Wo sie ist, da ist mir’s wohl, und da will ich sein; deshalb fühle ich allzu deutlich in jedem Abschied, wenn sie mich verlässt, wie eine Hälfte meines ganzes glücklichen Daseins sich von mir trennt und mit ihr geht; und erst im Wiedersehen sich erneut vereint.

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42

Wednesday, February 29th 2012, 6:44pm

Ich bitte dich Johann nur um eines, kein – Pfui – von mir zu denken, nach dem du den Brief gelesen hast. Ich habe – mir stockt es den vermelaideten Gedanken auszuschreiben – doch muss ich ihn aussprechen, wenn auch wider willens, ich habe ein Sakrileg begangen, am Sarge meiner Großmutter. Ich weiß, ich weiß, wie sich das anhört, Johann, doch höre mir vorher einmal zu, ohne schon ein Urteil zu fällen, ich bitte dich drum; sei vorurteilslos, und ich will dir alles offen darlegen, warum ich es getan habe. Wie du schon weißt, lese ich schon seit geraumer Zeit in okkultistischen Büchern. Ich hatte zig Bücher durchstudiert, und keines schien mir für ein Experiment geeignet genug zu sein. Allein ein Büchlein fiel mir zufällig in die Hände, das ich aus einem Antiquariat habe, welches ganz nach meinen Vorstellungen gedacht war. Ich will und kann auch jetzt nicht den ganzen Inhalt des Buches herauskehren. Also werde ich dir nur eine knappe Anleitung darbieten. Was du notwendigerweise über Geisterbeschwörung wissen solltest ist; dass zunächst verlangt wird zwei Bestandteile des toten Menschen beisammen zu haben. – Blut und ein Bündel Haare. – von jener Person, mit der man gedenkt in Verbindung zu treten. Ein Pentagramm im Boden ist von Nöten, und in jeder Eckenspitze müsse eine Kerze brennen. So weit so gut. In Mitte des Pentagramms kommen die Haare zum Zuge, und darauf geschüttet das Blut allerdings Tropfenweise. Wenn das dann alles geschehen ist, kommen die beschwörenden Sprüche an die Reihe. Das Blut und die Haare im Pentagramm dienen den Menschen im Jenseits ausfindig zu machen.
Das Jenseits, Johann, ich muss hier ein wenig ausholen und dir’s erklären, das Jenseits ist das Fundament jener Welten, auf der die Atome selbst gebaut sind. Auch gibt es nicht nur ein Jenseits, sondern unendlich viele, die alle zusammen verkettet sind. Das klingt sehr sonderbar, ich weiß, ich weiß, und doch klingt es vernünftig genug für jemand mit Verstand. Man müsse sich die Größenordung dieser Welten so vorstellen, wie mit dem Universum und der Erde. Das Universum wäre das Atom, die Erde das Jenseits. Das heißt, dass das Jenseits mitten unter uns ist, allerdings so winzig aber winzig klein, dass man keine Vorstellung darüber haben kann. Das Pentagramm soll die Ansammlung der Energie ermöglichen, es ist eine andere Form der Quelle. Die Sprüche sind Rufe. Durch das Aufsagen der Formeln bündelt man jene Stoffe des Toten in Atomen an sich, die auf Laute hören, oder besser gesagt, reagieren. Die flammenden Kerzen bilden im Grunde einen Kreis, wo in seinem Innern die Energie gebannt wird und verhindert wird, dass diese aus ihm heraustritt. Das Haar und das Blut erleichtern das Fangen jener zu dem Menschen dazugehörigen Atome. Doch der schwerste Teil sollte noch folgen. Das Manifestieren des Geistes selbst. Der Tod, auf meine Art als die des Buches dargelegt, ist neben dem Verfall des Körpers, nur eine Freisetzung der feinen und dicht gebündelten Energie im Gehirn selbst, die sich von der getragenen Quelle absondert und sich in alle Richtungen zerstreut. Das Beschwören der Toten sei nichts anderes als eine Wiedervereinigung dieser Energie auf einen einzigen Punkt konzentriert. In der Ausübung selbst, sei eine eigene tiefe Konzentration erforderlich, ohne diese gar nichts geht, um der aufrufenden sich langsam bündelnden Kraft durch eigene dazufügende Kraft, dem Geist den letzten Sprung vom Jenseits zum Diesseits zu ermöglichen. Wenn man geistig stark genug ist und nach Plan vorgeht, nach einzelnen Schritten die Beschwörung ausführt, dann soll auch der Lohn folgen. – Nach diesen Vorgaben wollte ich mich halten und deshalb ging ich mit dem Plan zum Friedenhof raus, mit einem Messer und einer Phiole, die ich in der Tasche hatte, und einer Schaufel in der Hand, dort den Sarg meiner Großmutter aus der Erde zu schaufeln, um jene gebrauchten Komponenten an mich zu bringen.

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43

Wednesday, February 29th 2012, 6:46pm

Ich kam um Mitternacht am Friedhof an und ein angsteinflössender Schauer durchfuhr meine Glieder. Die Finsternis, die über den Gräbern lag, die unheimliche Stille und der am Boden schleichende Nebel; das alles machte eine gruselige Anstalt auf mich. Mir wurde es Bange. Das Herz raste mir wie es wollte. Ich haderte mit dem Gedanken umkehren zu wollen. Mut! Nur Mut, Robert, jetzt reiß dich zusammen – sagte ich mir. Ich suchte überall und fand das Grab endlich. Ich sah mich um, ob die Luft frei wäre. Dann setzte ich den ersten Schaufelschlag. Ich hatte gewiss hundert Mal ausgeholt, bis der Sarg endlich sichtbar wurde. Wo ich nun Nahe dem Öffnen des versiegelten Sarges war, bedrängte mich erneut ein Schauer. – Keine Angst Robert. – dachte ich. Mit der Schaufel sprengte ich das harmlose Schloss auf. Dann öffnete ich die Truhe und sah meine tote Großmutter darin liegen, gestreckt und kreidebleich. – Du träumst doch nur Sophia, dachte ich. – Du schaust aus als würdest du doch nur selig schlafen. – Ich rüttelte an ihrem Körper. – Warum, warum, wirst du nicht wach! – rief ich. Mir kamen die Tränen in die Augen. – Wo bist du Sophia! – Weit kannst du von deinem Körper bestimmt nicht sein. – Sophia! – Sophia! – rief ich in meiner Verzweiflung aus, und blickte verstört umher. – Robert, Robert, was geht hier vor? – erklang eine Stimme in meiner Nähe. Ich zuckte zusammen und drehte mich geschwind nach der Stimme um. Ich sah Anna näher kommen. – Um Himmels willen, versetzte ich, was machst du hier? – Ich wollte dich besuchen, sagte sie, und hab’ dich die Tür rausgehen gesehen, und bin dir gefolgt. – Mir wäre beinah das Herz stehen geblieben, sagte ich. – Anna blickte meine Großmutter an und sagte: – wie gern würde ich mein Leben für ihres geben. – Ach, wenn Anna nur wüsste, wenn sie nur wüsste, wie sehr mein Herz sie liebt! – und wie sie durch solche aufrichtigen Äußerungen meine Liebe zu ihr nur vermehrt! – Ich war still und sah Anna mit Dankbarkeit an. Ich trat an den Sarg und riss ein Bündel Haare meiner Großmutter aus. Ihre Finger berührte ich, wie zum baldigen Wiedersehen, und eine Kälte sprang mir entgegen. Ich stach mit dem Messer zu, und mühsam floss das Blut in die Phiole. Der Zweck war erfüllt, die Mittel waren gesichert und ich verließ das Grab so ordentlich zurechtgeräumt wie nur möglich. –

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44

Monday, March 5th 2012, 3:09pm

Zuhause angekommen in Begleitung von Anna machte ich erst den Zauberkreis für die bald ausführende Beschwörung zurecht. Nur eines noch Johann, ich lag falsch was die Wahl der Komponenten betrifft, es heißt genauer, dass zwei Bestandteile des Menschen benötigt werden, welche es aber sind, das hat keine gewichtige Rolle; daraus gefolgert hätte man auch ein Stück des menschlichen Knochen oder seiner Haut nehmen können, und es wäre genauso richtig, wie mit Blut und Haar. Es heißt weiterhin, dass die Beschwörung auch mit einem Teil des Körpers vollzogen werden kann, wie beispielsweise bei Menschen deren Skelette nur noch übriggeblieben sind, allerdings nur mit großem Aufwand der geistigen Kräfte, darunter es aber selten solche Kräfte gibt, die ein Mensch aufbringen kann. Der Stoff aus dem der Geist besteht, nämlich aus positiven und negativen Atomen, und wiederum aus bestimmten chemischen Eigenschaften zusammengesetzt – doch, warum sollte ich dich aber damit nur langweilen und dir einen langen Brief schreiben, bis ich die Zusammensetzung des Geistes mühselig darin erklären, der dich doch nur während des Lesens müde machen würde. –
Anna ist mir so viel geworden, viel mehr als ich’s je gedacht hätte, und sollte ich lieber sagen, der einzige Mensch, der an meinem ganzen Tun und Leben die wärmste Anteilnahme findet, wie man sich nur vom Herzen wünschen kann. Sie war auch zunächst an meiner Seite, Johann, während ich das Ritual ausführte, nachdem ich mich schon lange sehnte, endlich einen Weg gefunden zu haben, durch den ich meine Großmutter wieder sehen könnte. – Ich hatte so einen schnell auflodernden Gedanken, den ich nicht lange verfolgte und bald wieder fallen ließ, dass der liebe Gott vielleicht mir Anna als Ersatz für Sophia gegeben hätte. Ersatz! Nein mein Lieber, Menschen sind nicht zu ersetzten. – Warum, warum aber ist der Tod oder der Verslust immer teurer mit Leid und Schmerz abzubezahlen, die eine zeitlang noch nachwirken, und vielleicht nie vollständig abklingen, als was man an Gewinn durch den Menschen an Freuden eingenommen hat? – Ich sehe, dass ich vom eigentlichen Kern abschweife. Zum Thema! – Ich hatte alles gründlich vorbereitet. Das Pentagramm nach allen Winkeln und Längen abgemessen und gezeichnet (es müsse auch zwingend kein solcher gezeichnet sein, es würde auch mit Kreisen gehen. Es müsste ein großer Kreis und im Großen selbst in seiner Mitte ein kleiner Kreis gezeichnet sein. Zwei Kreise also in einem.) Welche Form man nun endlich auswählt sei gar nicht so wichtig; man müsse nur darauf achten, dass die Kerzen einen Kreis bilden und im gleichen Abstand zueinander stehen; und außerdem müsse das Innere des Kreises durch eine Mitte gekennzeichnet sein, dort wo die Komponenten gelegt werden, dem eine zentrale Bedeutung zugemessen wird, da auf diesem Punkt die gesammelte Energie wirken soll.
Ich hatte die Kerzen in jeden Ecken gestellt und angezündet, und setzte mich außerhalb, Anna setzte sich mir gegenüber. Sie sah mich lächelnd an, und ich fühlte mich mutiger und entschlossener als je zuvor. Sie schloss darauf die Augen. Ich besann mich wieder. Ich legte die Haare meiner Großmutter in die Mitte des Pentagramms und schlug das Buch auf und sagte folgende Beschwörungsformeln auf. – ABE LOS VENDOR ANI LOD ESTRAD – darauf fügte ich tropfenweise das Blut den Haaren zu. – Ich schloss die Augen und wiederholte immer wieder die Formel; bald versank ich geistig ganz in die Worte. Alles um mich her war wie weg. Alles klang ab. Stille. Meinen Sinnen entschwand die Welt. Es hallte immer wieder nur der ein und einzige Satz aus meiner Seele, wie eine Stimme allein schallt in einem großen leeren Saal. Mir spannten sich alle geistigen Kräfte an, meine ganze Konzentration floss in die Formel ein. Die Kerzen fingen an zu flimmern, bald wie vom Wind gerührt, hörte ich, machte die Flamme heftige links – rechts Bewegungen. Eine Kühle stieg im Raum auf, und dann wie als ob Fingerspitzen über meine Haut gleiten würden, drängte sich ein Kältehauch an mich heran, das eine Gänsehaut machte. Ich fühlte all dies als Zeichen meiner Großmutter, die langsam aus dem Jenseits heraufkam. In meine Welt! zu mir! Es war nicht auszusprechen welch’ Freude in meinem Herzen hinaufstieg, welches Glück mich erfüllte, weil ich gedacht, dass ich etwas Unmögliches gewirkt hätte. Ich wagte meine Augen zu öffnen, und – es war nichts zu sehen – einfach nichts –, die Kerzen flackerten, und es war alles wie gewohnt vorher. Dann hörte ich auch noch zu meiner Enttäuschung wie der Wind hinter den Vorhängen pfiff und welch’ Grausamkeit für meine Hoffnungen es war, die auf einmal alle durch die folgende Erkenntnis zerstört wurden, als ich bemerkte, als ich näher heran trat, dass das Fenster angelehnt stand, und mir einfallen wollte, dass ich es beim Rausgehen vergessen hatte zu schließen. – Vom Wind getäuscht! – Ich blickte in einer Empfindung der Niedergeschlagenheit umher und merkte dass Anna verschwunden war. Ich wusste nichts auf einmal was geschehen war. Eine Flut von Empfindungen durchbrach die Schwelle der Vernunft, und darunter schwammen ein tiefer Selbstzweifel und eine gefährliche Zerrüttetheit der Seele mit in das Herz ein, das bald schon von allen grässlichen und zerreisenden Gefühlen angefallen wurde. Ich stand zunächst entmutigt, bald wissend, bald fragend, bald ahnend, bald verneinend, bald verzweifelnd, und endlich dann aufgelöst in Tränen da.

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45

Tuesday, March 6th 2012, 4:40pm

Was ist einem Menschen noch die Welt, Johann, wenn ihm das, woran seine ganzen Hoffnungen hingen, verloren geht oder die Welt nicht geben kann? Ich wachte morgens mit Kopfschmerzen von einem traumreichen Schlaf auf, und fand mich nicht im Bett wie gewohnt, sondern neben meinem Klavier. (Das Klavier hatte ich eine zeitlang schon im Besitz.) Durch die Lage wie ich schlief fühlte ich Nackenschmerzen, und alles im Aufwachen war mir wie eine Mühsal, die meine Sinne herunterdrückte. Eine innere Dumpfheit hatte sich in mir ausgebreitet, die keine Empfindung schalten ließ. Mir war’s wie einem Menschen, der volltrunken zu Bett ging und am nächsten Tag mit einem Gefühl des Schwindels, der Leere und Antriebslosigkeit aufwachte. Ich blickte aus dem Fenster. Langsam graute der Morgen, die Sonne war am aufsteigen. Ich roch’ den Gestank von abgebrannten Kerzen im Raum. Taumelnd ging ich ins Schlafzimmer und – wen sah ich da liegen – es war Anna. Ich sah sie ruhig und selig schlafen und ein Lächeln ging mir über die Lippen. Mir leuchteten ihre sanften, feinen und durch den Schlaf entspannten, blassen Gesichtszüge ins Auge. Ein süßes Gefühl von Glück sprang in mein Herz und verscheuchte die Finsternis in meiner Seele. Ich stieg ins Bett, und rückte ganz nah zu Anna hin, ohne sie geweckt zu haben, legte meinen Arm um sie und (so mochten meinetwegen Tag und Nacht sich stetig abwechseln, mir war es gleich) mir war’s so wohl neben ihr, so friedlich und beruhigend wohl, dass alles andere im Verhältnis zu ihr an Bedeutung verloren hatte.

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46

Wednesday, March 7th 2012, 6:46pm

Es war wohl der schönste Tag des Jahres heute. Es ist August wie du weißt, und es war ein hübsches Wetter, und nichts sonst lag im Tag, was die heitere Stimmung hätte trüben können; und wie du dich erinnerst, so wollte ich zu dieser Jahreszeit, den Mais und sonst was in den Feldern an Obst und Gemüse wächst, die vollkommen reif geworden, mit Anna abpflücken gehen. Und unter uns, Johann, ich war heute in den Feldern Draußen mit Anna und wir bedienten uns, was man sonst so nicht tut, an anderer Menschen Eigentum, ohne dass durch uns ein beträchtlicher Schaden denselben dadurch entstehen würde. Eine harmlose Sache im Grunde genommen, die eher den Namen eines Kinderstreiches verdienen würde. Wir spazierten den gleichen Weg zum See und gingen weiter aufwärts zu dem Maisfeld hin und schlüpften so gleichen hinein, wie wir ankamen. Anna drückte mir eine Tragetasche in die Hand, und sagte: – komm’ mir ja nicht ohne dass er voll ist zurück. – Ich machte Augen. – und riss von der nächsten stark gewachsenen Pflanze ihre Frucht weg. Wie es durch unser Treten im Innern des Feldes raschelte, wie wir uns hindurch die gedrängten Maispflanzen zwangen! – Das war ein Vergnügen sag’ ich dir. Nachher nahmen wir uns den Kirschbäumen an. Und es war kein geringeres Vergnügen. Ich kletterte in die Höhe und lies die blutroten Kirschen herunter zu Anna fallen; und so machten wir’s auch mit den Apfel– und Birnenbäumen. Einem älteren Menschenpaar, das an uns vorbei spazierte, schenkte ich paar Birnen und anderes Obst, darüber beide sich sehr freuten, und diesbezüglich keinen misstrauischen Gedanken gegen mich äußerten, wie etwa, ob es den rechtens sei. Ich kenne keine, keine größere Freiheit als die, wenn sich zwei Liebende in der freien Natur aufhalten, wo über sie der freie Himmel und um sie herum die an der Weite und an Reichtum waltende Natur nach eigener Art und Weise ihrer Wirtschaft nachgeht. So lagen wir handumschlungen beisammen in einem Wiesenfeld versteckt und schenkten uns wechselseitig Liebkosungen. Ahnungsvolle sanft säuselnde Melodien gingen von Ährenfeldern im Anfallen des Windes aus. Das Wispern in der Natur durch die kleinen und kleinsten und lebendigen Geschöpfe erklang in meinen Ohren wie die Stimme eines vergnügten Gottes. Ich wurde aufmerksam. – Da! – das Summen einer Hummel! – Dort! „Bsssssss“ – einer wütenden Wespe! – und aus nächster Nähe, das Zirpen einer Grille! – und dann wieder eine Grille, aus der Ferne, ohne dass ich wusste aus welcher Ecke! Ohgeachtet dessen flatterten zwei Schmetterlinge im Vorbeiflug, die sich wie Verliebte hinterher jagten; und dann der plötzlich daherkommende Wind, der im Fliegen die Bäume, die Ähren und alles anfiel; was ein entzückendes Rauschen, was ein geheimnisvoller Klang, was ein eindringlicher Konzert das war! Wie schlürfte ich das alles, alles und jede Bewegung und jeden Ton ich wahrnahm, in mein Herzen ein! und was über alles ging, in dieser ganzen reichhaltigen Fülle von Lebensgeistern, die ich fühlte, das war noch von Anna’s Lippendie wärmsten Küsse zu genießen. Es war mir wie in einem Paradies, einem Himmel, wovon die Menschen alle träumen, dahin zu kommen, anders kann ich es dir nicht ausdrücken. Und ich verstehe oft nicht die Leute, Johann, die sagen, dass der Mensch aus dem Paradies heraus geworfen wurde, und auf der Erde Mühen und Lasten nun tragen müsse, und mit einer Geschichte von einer Schlange und einem Apfel daherkommen, um nur sich auf eine Zeit nach dem Tod zu freuen, die sie aber ebenso hier auf Erden haben können, wenn sie nur wüssten würden wie.

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Monday, March 19th 2012, 11:04pm

Das Wetter, so herrlich sonnig wie es zuvor die Tage war, hielt auch heute an. Ich entschloss mich, (da Anna letzten Abend, wie ich vermute, als ich schlief ohne Antwort sich davonschlich) kurzerhand die Burg P. – die keine zwei Stunden von hier entfernt auf einem Hügel lag, allein zu besichtigen. Als die Sonne im frühen dämmernden Morgen hinter den Hügeln zum Vorschein trat und die Gegend erleuchtete, die in stiller Ruh gleichmäßig lag; und als dann der über den Abend aufkommende und über die Erde sich niedergelegte Nebel, der im Sonnenscheine sich vom Boden gar langsam verflüchtigte, vor meinen Augen schwamm, und als ich in einem Atemzug die frische, klare und reine Morgenluft einsaugte; so war es mir, als ob ich in Wahrheit noch schlafen und träumen würde, weil ich keine Erinnerung daran hatte, jemals so einen Morgen mit ganzer Seele gefühlt zu haben. Ich glaubte in ihm den willkommenen Gruß zu erkennen, den Tag nach meinem Plan zu machen, dadurch ich in meinen Absichten, nach der Burg zu gehen, bestärkt wurde. Ich kann mich nicht an einen Tag erinnern, an dem mir die ganze Herrlichkeit und Schönheit der Natur so offensichtlich ins Auge schien. Es mag wohl keine zwei Stunden vergangen sein, als ich den Berg erreichte, und den Weg betrat, der nach oben zu der Burg führte. Ich mochte gewiss eine Einviertelstunde hinauf mich bemüht haben; und wie steil es hinauf ging, das magst du mir nachfühlen, denn ich kam vor das Tor, ganz außer Atem. Zwei Türme hatte die Burg, die eher nach einer Ruine aussah, die im Ganzen allerdings sich gut gehalten habe. Ich betrat den Hof und fand da eine Gesellschaft vor, die Tee trank und Kuchen aß und sich bei bester Laune vergnügte. Ich setzte mich an einen freien Tisch, und bestellte bei der feinen Dame eine Erfrischung. Ich guckte so umher, ohne an etwas festzuhalten, und war auch bald in den Gedanken vertieft. Anna! – war der Gedanke, dem ich unaufhörlich folgte, und der mich doch immer im Kreise laufen ließ. – Die gnädige Dame unterbrach meinen Gedankenfluss, als sie kam, und das kühle Bier neben mich stellte. Das Bier schmeckte vorzüglich gut, und es war erfrischend wohl. Kaum hatte ich auch das Bier leer getrunken, so lockte mich bald die Vorstellung, wie die Aussicht wohl vom Turm aus sei. Es ging die Treppen aufwärts, um zur Turmspitze zu gelangen. Johann, du hättest selbst diesen Anblick vom Turm aus in die Weite sehen müssen, um dir das verständlich zu machen, welchen Genuss ich unter den Betrachtungen hatte. Wenn unten im Tal die Wälder und Dörfer und aneinandergereihte Felder und Wiesen, in dem kleinen Maßstab vor meinem Auge lagen, und ich doch bemerkte, wie dieses so planmäßig und geordnet nebeneinander stand, wie sorgfältig an den Straßenrändern, die Gefahr vorbeugend, die Bäume abgehauen wurden, und wie doch alles das sich an mein Auge drängte; dieses Ganzes, das in einem Augenblick lag, und weil gerade alles keine Bewegung hatte, kam mir das wie ein fein gemaltes Bild vor eines Künstlers, das ich gerade betrachte, und das meine Sinne täuschte. – Und doch! – war’s nicht auszusprechen, mit keinem Ton und keinem Wort, was für eine Wirkung das alles auf mich hatte. –
Ein verliebtes Pärchen, wie ich es an allerlei intimen Dingen sah, kam herauf und gesellte sich neben mich. Es fiel mir auf an dem jungen Mann, die schöne und bewusst kombinierte Mode, die er trug, und deshalb Geschmack verriet. Er trug braune Haare und an ihm war eine gesunde Blässe zu sehen. In seinen Augen, wie ich es sehen konnte, lag eine Traurigkeit und eine Sehnsucht, wie ich sie noch nie zusammen gehen gesehen; außerdem wechselten sich auch noch widersprüchliche Kräfte darin, die aber merkwürdigerweise in wechselseitiger Wirkung in einem angenehmen Leuchten in der Iris wie Sterne am Nachthimmel aufgingen. Die Blässe war der jungen Frau auch anzusehen, und unter ihren so fröhlichen Augen, lagen im Widerspruch die Ringe in einer schwachen bräunlichen Farbe, die auf eine Müdigkeit, die sich über ein Jahrzehnt fortzog, hin deutete. An der angenehmen freudvollen und schnell daher redenden Stimme der jungen Frau sowohl als auch an der ruhigen und nach den richtigen Worten suchenden des jungen Mannes, wie ich es im Gespräch heraushörte, da er etwas langsamer sprach als sie, glaubte ich zwei Studenten vor mir zu haben. Sie beide wurden mir mehr und mehr interessant, denn die junge Frau war so heiter als keine andere, und so lauschte ich bewusst hin, und war neugierig zu erfahren, worüber sie wohl sprachen. Mein erster Eindruck über die beiden bestätigte sich, wie ich die beiden reden hörte über den allgemeinen Bau der Burg, und insbesondere über die Vermessung derselben. Es fiel bald das Thema über die Beschaffenheit der Burg und die Qualität der Steine; und bald suchten sie sich jene abgelebten Zeiten zu vergegenwärtigen, und das Bild von der vergangenen Zeit, das ein jeder ganz anders in seinem Geist hatte, trachteten sie durch eigene Vorstellungen sich gegenseitig zu ergänzen. Ich hätte mich nur allzu gern zu ihnen gestellt und mit ihnen Worte gewechselt. Es ward mir schwer mich von dem Anblick der Beiden zu trennen. Ich stieg wieder hinab und nahm den gleichen Weg wider zurück, den ich hergekommen war. Wie ich die Straße so zügig entlang schritt, fiel mir stets das vergnügte Pärchen ein, und ich konnte nicht um das Gefühl des Neides umhin, das in mir aufkam, weil ich mich so gern an deren Stelle mit Anna gesehen hätte. Ach Johann, wohin ich auch mit der besten Zuversicht mich entschließe zu gehen, werde ich, kurz oder lang, doch immer auf Annas Fehlen aufmerksam gemacht;und ist dieses Missverhältnis, dieses Leid in meinem Leben nicht vielleicht wie das berühmte Haar in der Suppe?

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Tuesday, March 20th 2012, 8:41pm

Wenn ich nur wüsste, wie ich mit der qualvollen Situation umzugehen habe, weil ich Anna schon eine ganze Woche nicht gesehen, und weder weiß wo sie ist, noch wie lange sie wegbleibt und wann sie zurückkehrt. Das Gefühl der Ungewissheit raubt mir alle meine Ruhe! Ich finde nachts keinen Schlaf. Ich versinke dann in Sorgen, und denke über alle Möglichkeiten nach, weshalb sie ohne Antwort zu hinterlassen gegangen ist. Johann, das ist ein Ermatten für den Geist, wenn ständig die ein und dieselben sorgenden Gedanken in ihm über einen Menschen einstürzen; und recht eine Qual, weil man doch, auch nach der ruhigsten und vernünftigsten Kontemplation über eine mögliche Erklärung ihres Fortgangs, zu keiner Gewissheit gelangt. Was soll das Wegbleiben? frage ich mich inwendig, und beiße mir auf die Lippen; was soll das Kommen und Gehen? – Gewiss hat sie jemand anders noch. – Lieber, siehst du das, wohin mich der verfluchte Gedanke hinführt? – wie zieht sich mein Herz enger und enger zusammen, wenn ich diesen Gedanken alle Freiheiten gewähre, und ihm bis zum Ende nachgehe, und ich dann wie durch eine böse Macht in den Abgrund fortgezogen werde, und daraus Stimmen hören muss: dass sie mit jemand anders sich vergnügt! – Das sind glühende Kohlen auf dem Herzen! – Und ich stehe da und frage mich: warum sonst geht sie weg? Warum sonst kommt sie nicht zurück? Weshalb bleibt sie so lange fort? Ach du weißt doch wie das ist. – Ich soll Tee trinken und abwarten, das empfiehlst du mir. – Ich beschwöre dich, Johann, weil ich dein Freund bin, weißt du nicht was Liebe ist? –

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Wednesday, March 21st 2012, 9:20pm

Ich komme nicht zur Ruhe! Anna ist überall und doch nirgends! – Franzen, dem nicht verborgen blieb, dass mich ein Zweifel bedrückte, der an meinem Äußeren kenntlich zu sehen war, schwieg ungewohnt darüber. Er hatte zwei Karten für ein Theaterstück bei sich, das den Abend von Studenten aufgeführt werden soll, und da er diese Theatervereinigung mit finanziellen Mitteln unterstützt, so bat er mich mit ihm hinzugehen. Ich willigte in seine Bitte ein und ließ mich von meinem Herzen überreden, dass es vornehmlich das Beste sei für mich, wenn ich eine Ablenkung fände, durch die ich nicht mehr an Anna denken würde.
Der Abend rückte an, und die Menge füllte den Raum. Wir hatten Plätze in den ersten Reihen. Der Vorhang ging auf, und es trat ein junger Kerl heraus, der sich gegen das Publikum verbeugte, und hinterher den Prolog aufsagte. Es ward ein Stück gespielt, dem man nachsagt, dass es unaufführbar sei. Allein eine mittelgroße Gestalt von einem Studenten, dessen Talent alle anderen überragte, der seine Gebärden und Aussprache, so gekonnt darzustellen wusste, dass ich von ihm beeindruckt an Franzens Ärmel zupfte. – Das ist S.B. – sagte Franzen, ein wahrhaft talentierter Schauspieler unter dem Himmel, der’s auf der Bühne gewiss sehr weit noch bringen wird. – Er wusste dem eigentlich so trockenen Stück, das durch die anderen Studenten, die hin und her rückten ohne Geschmeidigkeit im Gang und ohne Eleganz in der Haltung des Körpers, dadurch die Handlungen alle recht starr wirkten, Leben durch allein seine eindringlichen auf einen Punkt konzentrierten Blicke einzuhauchen, den vereinzelten Szenen, in die er schlüpfte, bloß durch seine Stimme zu erhöhen, und durch seine Bewegungen, sein Handeln, darin die feurige Leidenschaft zu spüren war, die Menge zu begeistern, die am Schluss Allen und besonders ihm großen Beifall spendete. Alles an ihm war Kunst und Schauspiel so dass dieser Funke zu mir übersprang und in mir der Wunsch im Herzen aufkam, auf der Bühne in einem Stück zu stehen, daselbst eine Rolle darzustellen. Doch, Johann, ist die Welt selbst nichts anderes als eine Bühne, auf der täglich die Menschen ihr Können präsentieren, vorwiegend ihr Einstudiertes, Eingelerntes, in allen möglichen vorstellenden Fratzen, zu zeigen? Und ich spiele da mit, oder werde vielmehr von anderen gespielt, und ich lächele so freimütig in die Welt hinaus, ohne das Spiel zu hinterfragen, ohne es zu begreifen, und ohne zu wissen, wie mir’s dabei geschieht.

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Thursday, March 22nd 2012, 10:26pm

Was tut man nicht alles, Johann, um der Liebesqual zu entfliehen! – Absinth! Absinth ist das Mittel der Linderung, der Balsam für meine gefolterte Seele, sonst weiß ich mir nicht anders zu helfen. Nach der herkömmlichen Methode bereitete ich’s zu. Unter dem Löffel hielt ich’s Feuer, und der rohe Zucker, den ich in den Löffel legte, schmolz zur Flüssigkeit, und dann schüttete ich’s ins Gläschen mit Absinth rein. Und zuck! – weg war’s! mit einem schnellen Zug floss das bittere Kräutergemisch meine Kehle herunter. Und zuck! – das nächste. Und zuck! – gleich noch mal ein Gläschen hinterher! – Ich setzte mich an das Klavier und fing an ein Stück zu spielen. Die Töne, glaubte ich von allen Seiten und gar hinter mir, hören zu können, bald glaubte ich hinter der Melodie eine leise Stimme zu vernehmen, bald dachte ich, dass meine Seele die Töne mir ins Ohr selbst hinein spielte. Ich staunte vor Unglauben als ich sah wie auf einmal die Klaviertastatur wie eine Welle sich erhob und sich von der einen Seite zur anderen Seite unentwegt bewegte. Das Licht schwankte vor meinen Augen, wie als ob ich auf hoher See mich auf einem Schiff befände. Selbst der Raum verlor seine Ecken und Kanten und krümmte sich. Die Wände hatten auf einmal Augen. Aus den Bildern, die an den Wänden hingen, glaubte ich das Abgebildete heraustreten zu sehen. Alles, was mein Augenschein erblickte, schien im nächsten Augenblick phantastisch zu werden. Nicht nur die Welt, die ich sah, verzerrte sich vor meinem Angesicht, auch die Welt in meinem Innern war ganz und gar verunstaltet. So verunstaltet, dass ich weder wusste wer ich sei, noch dass ich die Qual im Herzen fühlte. Meine Sinne waren bis auf den höchsten Grad berauscht. – Alle Empfindungen, die mein Herz, wie eine sengende Hitze bestürmten, die ich im nüchternen Zustand ertragen musste, waren erloschen; ich fühlte wie sich alle Finsternis in meinem verklärten Geiste lichtete, wie sich alle schweren Knoten in meinem Herzen mit Leichtigkeit lösten, und wie meine geknechtete Seele endlich befreit von Annas Bildnis war. Ich fand mich später auf dem Boden und lag auch bewegungslos weiterhin da, ich konnte gar nicht mehr aufstehen, es war mir dennoch so wohl dabei, so pudelwohl, dass ich liebend gern hätte aus dem Fenster fliegen wollen.

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Tuesday, March 27th 2012, 11:46am

Die Tage lag ich kränklich im Bett. Ein hartnäckiges Frostfieber hatte mich angegriffen. Im Innern habe ich einen Kampf gefochten gegen Alles was meine Seele vergiftete; es war mir in manchen Augenblicken, als ob ich der Welt entschwinden würde, und bald kehrte mein Bewusstsein zurück, und alles schwamm in Unordnung, während ich nach der Luft schnappte, vor meinen Augen. In Mitten der Nacht, als ich den Schlaf erzwungen, ereilte mich ein Schüttelfrost; ich wachte aus den Fieberträumen auf, die im Traum selbst mich gefoltert, denn es waren grausame Träume, die sich im Sitz der Seele niedergesetzt hatten, voll Finsternis und Einsamkeit, darin ich an einem Ort festgehalten wurde, von dem aus der Tod nicht weit lag. Der Frost schüttelte mich durch alle Nerven, wie ich noch nie erlebt, und ein eisiger Schauer fuhr mir fortwährend durch die Glieder, und machte, dass mein Lebenswille und meine Hoffnungen, die an der Erde und irdischen Dingen noch hingen, unter seiner Gewalt zu brechen. Es kam mir in den vernebelten Sinn; es sei Zeit für mich, der liebe Allmächtige will mich zu sich und meiner Welt entreißen. Ach, was sich nicht alles an Empfindungen an mein Herz drängte! – tausend warme Tränen flossen aus meinen Augen; und ich bettelte wie ein Wurm, der kurz vor dem Zerquetschten stand, um Gnade Gottes. – Ich werd’ mich bessern! rief ich aus, weil ich die Schuld fühlte, wie oft ich gesündigt hatte, was man so als Sünde nennt. – Ich werde nicht mehr über den Weg der Laster schreiten; und selbstherrisches Vergnügen will ich nicht mehr so sehr in den Gegenständen finden, sondern will das, was den Menschen im Herzen fromm und edel macht,im höheren geistigen Prinzip suchen, das du meinem Geiste eröffnen wirst, wenn ich mich darum bemühe, den Weg des Selbstzweifels und Selbstsucht zu verlassen. Meine Seele kniete vor dem Allmächtigen, und flehte nach Vergebung. – Schweißtropfen glänzten auf meiner Stirn und sonst auch der ganze Körper war in Schweiß gebadet. – Mit unbegrenzter Freude fühlte ich den Schüttelfrost schwinden, und darin erkannte ich die Vergebung, dir mir vom Himmel großzügig zuteil ward. Und wie oft – dachte ich zähneknirschend zu mir – versagte ich den Menschen eine Bitte! – wie oft kümmerte mich ihr Anliegen nicht, wenn’s geschäftlicher Art nicht war! – und wie viel und was alles trennt sich nicht in der Welt, weil es nicht vergeben kann, und wie viel geht druch Trennung verloren; und du Allmächtige, der du von jeder Sünde befreit bist, allen Sünden wiederstehen kannst, du schenkst Vergebung den Menschen, die nach ihr erflehen, weil sie noch Platz im Herzen für dich gefunden haben, und weil sie doch alle deine Söhne und Töchter sind; und gerade deshalb, wie solltest du auch nicht vergeben können?

Babac

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Monday, April 9th 2012, 10:41am

Wenn diese Kopfschmerzen nicht da wären, so gäbe es die Hälfte meiner Leiden nicht. Erst durch diese aber habe ich erkannt, dass nicht die toten Gegenstände in der Welt unser Glück ausmachen. Erst durch das Eingreifen in dieselben erhalten sie unmittelbar Geist und Leben. Wenn unsere Sinne abgestumpft oder betäubt sind, so vermag auch kein irdisches Gut sie wieder aus diesem erstarrten Zustand heraus zu bewegen. Daher kommt auch jener gefährliche Gemütszustand her, der die Menschen befällt, die eine innere Krise erleiden, und daraus sich zu befreien, nach Mitteln greifen, die ihren Zustand künstlich verändern lassen. Dagegen aber wenn unsere Sinne ganz feurig und lebhaft sind, nach einer natürlichen Art hervorgerufen, gewährt sie unserer Seele jenen Stoff, der den Menschen edler, witziger, phantasievoller macht und seinen Geist über die gemeinen Verhältnisse erhebt. Und über die künstliche Erzeugung der Freuden und heiterer Gemütslage, erfolgt oft eine vergleichbar teure Rechnung hinterher, oft am nächsten Tag, die mit natürlichen Mitteln beglichen werden muss, nämlich der Dumpfheit und Leere der Seele und Gedankenschwerfälligkeit des Geistes. Sollte der Mensch, in einer solch’ beschwerlichen, und ihm unangenehmen Gemütstrübheit, jedoch für die Regeneration und Wiederherstellung der Natur seines Körpers, die er Not leiden muss, auf den dummen Gedanken kommen, auch diesen Zustand mit künstlichen Mitteln zu transmutieren, so tut er in der Regel seinen Sinnen eine Gewalt an, die er aber gar nicht so aufgezwungen fühlt, da dieser Vorgang täuschend seine Sinne umgeht; sie kommt ihm vielmehr als eine heilende Wirkung daher, wo sie im Grunde entgegen die gesunde Natur handelnd, Schaden verübt.

Babac

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Friday, April 20th 2012, 7:02pm

Hat die Liebe uns empfänglich für die schönsten Gefühle einmal gemacht, und unser Innern für diese weltfremden Empfindungen aufgeschlossen, so können wir unser Leben lang ohne sie nicht mehr sein, und wir bedürfen sie, täglich, und wir wünschten, ewiglich. Ist Anna nicht eben genau ein solcher Schlüssel, der in mir diese innewohnenden, ungeahnten, versteckten, schlafenden Gefühle, meinem Bewusstsein, erschlossen hat? Erschlossen! – Doch hätte ich ahnen können, dass das schöne Gefühl der Liebe stets von dem Menschen abhängig ist, an dem unser ganzes Herz hängt, wenn ich Liebe vorher nie gelebt habe? – Habe ich mich entscheiden können? – Ist es nicht vielmehr so, dass sie zu uns dazugehört, wie der Himmel zu der Erde? Und ziehe der Welt den Himmel weg, Johann, uns sag’ mir, was ihr noch bleibt? Und fehlt uns einmal der Mensch, den wir lieben, so fehlt uns doch alles! –Was brauchts mehr Worte? Anna hat mich wohl verlassen, denn sie ist immer noch nicht zurückgekehrt, und ich finde sie auch nirgendwo. Ich las letztens Schillers Ballade vom Taucher, die mich – und insbesondere ihr Schluss, zum Weinen brachte. Denn sie zeigte und schilderte niemand anders als mich.

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