Hej!
Die Verlinkungen kannst du ja unterbinden durch das eingefügte Leerzeichen, wie du das tw. schon gemacht hast. Man muss in diesen Foren mit der Formatierung leider Kompromisse eingehen - ich hab ein paar Gedichte, die ich hier gar nicht reinstellen könnte, weil sie mit dieser Oberfläche nicht funktionieren.
Ich benutze entweder Einrückungen oder Kursivschrift, um verschiedene "Klassen" von Text aufzumachen... Wenn du tatsächlich Fließtext schreiben willst, wäre kursiv (oder anderer Schrifttyp oder whatever) ziemlich gut - man kann auf den ersten Blick jedes Wort, jeden Buchstaben seiner "Klasse" zuordnen.
Die eckigen Klammern wirken auf mich nüchtern und modern, schmecken nach Computer und Internet oder Powerpointpräsentationen. Die "klassischste" Anwendung, die mir einfällt, ist die Verwendung für Lautschrift in Wörterbüchern. Aber auch da haben sie die Funktion, sachlich erläuternde Informationen beizusteuern.
Ich denke, dem Sichidentifizieren mit historischem Anti-NS-Widerstand, wenn es im Rahmen eines sich positiv auf den heutigen Nationalstaat Deutschland beziehenden Diskurses stattfindet, kommt genau die Putzlappen-Rolle zu, die auch du problematisierst. Der Staat Deutschland putzt sich als antifaschistisch heraus, indem das Bild eines bewussten und kritischen Umgangs mit der NS-Vergangenheit gezeichnet wird; der moderne deutsche Staatsbürger kann sich somit als Teil eines geläuterten Staats begreifen, und sich auch nationalistisch positiv auf diesen Staat beziehen. - Vor dem Hintergrund finde ich die Synonymsetzung von Sophie Scholl und "Germany" interessant:
...and the price goes to:
Germany.
Congratulations.
Big Silver Baer for a courageous little girl.
weil sie genau dieses positive Sichbeziehen auf historischen Widerstand bei gleichzeitiger Ausblendung von aktuellen Unterdrückungs- und Gewaltverhältnissen und bei Verzicht auf ein solidarisches, un-nationalistisches politisches Bewusstsein im Hier und Jetzt ausdrückt. (Der Bär als Symbol der Hauptstadt bringt bei mir auch eine Konnotation mit der heutigen Berliner Republik mit sich.) Die Weiße Rose wird so zum Ansteckbutton, zum Fetisch degradiert, der den heutigen Nationalismus unverfänglich, weil geläutert dastehen lässt. Die Metapher mit dem Parfüm bringt das schön zum Ausdruck.
Allerdings guckt keine ganze Generation Historienfilme, und bei einem Großteil von dem, was ein Großteil der älteren Generation zum Thema NS zu sagen hätte, bin ich mit Verlaub ehrlich gesagt ganz froh, wenn sie ihn für sich behält.
Beste Grüße,
Oliver T