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findefuchs

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Date of registration: Dec 14th 2010

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1

Thursday, January 26th 2012, 8:02pm

Gepresste Rosen

Web-Motion-Picture-Database/ Tags:
I Drama/Roses
II Girl/Flyer/Execution
III Deutschland
press-ed white rose
or
[PDF] Sophie‘s Last Breath
...and the price goes to:
Germany.
Congratulations.
Big Silver Baer for a courageous little girl.
[note to self: lil‘ too late]
Reviews: see
guillotinecutmovie.com
or
http:// Hans‘-Broken-Neck.net
as well as
http:// civil-courage-master-destruction.com
and last but not least:
inquisition-networks.org

[Who the hell wrote them down?]

/leise/

Gestapo wrote them,
Stasi holds them,
Cash unfolds them.
[Movie turns
the scent of a
white rose
into
a poignant perfume then.]

Don't send them fly(ow)ers anymore.




Anmerkung: Die genannten "websites" sind als Stilmittel frei erfunden und existieren nicht.

finde
Auch wenn die Katz' gerade einen Kanarienvogel gefressen hat, kann sie deshalb dennoch nicht singen.

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2

Thursday, January 26th 2012, 9:53pm

Auch wenn das KZ eine weiße Rose gefressen hat...

...ist deshalb seine Weste noch lange nicht weiß.
Die [national ach so selbstkritische und daher Schwarzrotgold als geläutert adelnde] Verarbeitung historischen (historisierten?) Stoffes setzt sich hier in Beziehung zu den üblichen romantisch-verklärten oder Helden abbildenden Bildern aus dem Kino. (Die Rose und her last breath lassen in meinen Ohren das Zeichnen romanzenhafter Bilder anklingen.)

Der Big Silver Baer wird nicht auf den Film, sondern auf Sophie Scholl bezogen. Das bedeutet: sie wird durch die filmische Adelung nachträglich in den Status einer nationalen Heldin erhoben. Man kann sich jetzt sowohl mit ihr, als auch mit Deutschland identifizieren - da scheint kein Widerspruch mehr zu sein. Das benennen historischer Kontinuitäten dagegen bleibt den eckigen Klammern vorbehalten - und dem leisen Teil.

Die URLs verorten die Aussagen als "Infos" in einer Internet-Movie-Database-Recherche. Es scheinen die vermeintliche Objektivität und Vielfalt im medialen Spektakel durch. Der leise Teil aber sagt: Cash ist der Auslöser, der Dinge ans (vermeintliche Tages-)Licht der Kinoleinwand bringt. Und die Sicht auf die Geschichte ist immer noch von den Protokollen der Täter, und somit ihrer Sichtweise, bestimmt. Die letzte zynische Klammer, die dem Film einen stechenden Geruch attestiert, wirft ihm somit Pervertierung des "Dufts der weißen Rose" vor.

Gepresste Rosen: flach auf Zelluloid gepresst, mit dem Bundesgeier als Wasserzeichen...

Zur Form: ich hätte gerade den ersten Teil durch Absätze und/oder Einrückungen mehr strukturiert. Jetzt wirkt er etwas wie ein Text, der beim Copy-Paste seine Formatierung verloren hat. Tatsächlich hat ja auch die Autoformatierung die Lesbarkeit erschwert, dadurch dass manche URLs als Links erscheinen, und manche nicht. Ich hätte, denke ich, die eckigen Klammern und Konjunktionen eingerückt (oder umgekehrt, ist glaub ich sogar besser). À propos Klammern: deren Inhalt ist in ihrem sehr zynischen Gestus ("who the hell wrote them down" ist ja mehr ablehnende Geste als wirklich inhaltlich von Belang) mir persönlich fast schon zu plakativ.

Interessant: Von-außen-Sicht der deutschen Thematik durch englischen Text (bei Verortung im deutschen Diskurs durch deutschen Titel). Auch interessant: Internet-Sprachduktus, sehr alltagsbezogen, sollte man viel mehr mit experimentieren, gerade wenn man den Anspruch hat, Lyrik fürs Hier und Jetzt zu schreiben... großes Kompliment!

[und Grüße,
OT]

findefuchs

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3

Friday, January 27th 2012, 6:11pm

Hallo Oliver,

besonders ist, dass Du die nicht innerdeutsche Sicht des Textes bemerkt hast. Auch den anderen Aspekten meiner Sicht auf die Dinge, spürst Du treffend nach.
Die unzulängliche Formatierung ist genau der Punkt, an dem ich schon lange feststecke. Ich finde keine zufriedenstellende Lösung, klar zu machen, dass es quasi einen offiziellen und gleichzeitig einen, diesen ergänzenden, ganz privaten Teil des Textes gibt. Was sich noch als problematisch erweist, ist, dass die erfundenen Websites als Verlinkungen erscheinen, sobald ich den Text aus meiner Datei heraus, woanders hinein kopiere, oder schreibe.
Am liebsten hätte ich den ganzen Text fortlaufend geschrieben. Grund: Um dem Leser zu überlassen, wo er innehält, was ihn zum Nachdenken bringt, nicht vorweg zu nehmen, denn Pausen und Struktur, strukturieren auch das Verständnis. Ein wenig Unbegreiflichkeit wollte ich mit der Form auszudrücken, ein wenig der drangvollen inneren und äußeren Enge jener Zeit. Ich will jedoch sehr gerne Vorschläge für Änderungen anschauen. Das wäre super toll. Was hättest Du eingerückt, welche Klammern geöffnet? Wobei, diese harten Klammern: Haben sie den Symbolcharakter, den ich reinlegen wollte? Darf der Inhalt wirklich raus, ist er inzwischen erlöst, oder steckt er noch drin - vielerorts, in vielen Köpfen?-
Der Big Silver Baer: Ich will noch einen Schritt weitergehen. Es geht nicht so sehr um das damals Versäumte und das jetzt, durch Filme angeregte nachguholte Sich-Identifizieren-Können, sondern gerade weil diese erschütternden Schicksale in Filmen zu Heldenleben gemacht werden, bin ich so schockiert. Das schlechte Gewissen adelt nachträglich - und diese Historienfilme wirken auf mich wie überdimensionale Putzlappen - wischiwaschiweg: Her mit den Götzen, weg mit der Achtsamkeit, die da sein müsste im heutigen Alltag, in jeder Straßenbahn, in jedem Bus, in jeder Schule, wo noch immer viel zu oft jene Generation, die abends Historienfilme kuckt, nicht anwesend ist, um zu erklären, um Beistand zu leisten, all denen, die nachwachsen, die zum ersten Mal hören vom Holocaust, die sich wundern, die verstehen wollen, die vergeben wollen, die auch frei von Schuld im In-und Ausland leben dürfen.

Gruß
finde
Auch wenn die Katz' gerade einen Kanarienvogel gefressen hat, kann sie deshalb dennoch nicht singen.

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4

Friday, January 27th 2012, 11:28pm

Hej!
Die Verlinkungen kannst du ja unterbinden durch das eingefügte Leerzeichen, wie du das tw. schon gemacht hast. Man muss in diesen Foren mit der Formatierung leider Kompromisse eingehen - ich hab ein paar Gedichte, die ich hier gar nicht reinstellen könnte, weil sie mit dieser Oberfläche nicht funktionieren.
Ich benutze entweder Einrückungen oder Kursivschrift, um verschiedene "Klassen" von Text aufzumachen... Wenn du tatsächlich Fließtext schreiben willst, wäre kursiv (oder anderer Schrifttyp oder whatever) ziemlich gut - man kann auf den ersten Blick jedes Wort, jeden Buchstaben seiner "Klasse" zuordnen.
Die eckigen Klammern wirken auf mich nüchtern und modern, schmecken nach Computer und Internet oder Powerpointpräsentationen. Die "klassischste" Anwendung, die mir einfällt, ist die Verwendung für Lautschrift in Wörterbüchern. Aber auch da haben sie die Funktion, sachlich erläuternde Informationen beizusteuern.
Ich denke, dem Sichidentifizieren mit historischem Anti-NS-Widerstand, wenn es im Rahmen eines sich positiv auf den heutigen Nationalstaat Deutschland beziehenden Diskurses stattfindet, kommt genau die Putzlappen-Rolle zu, die auch du problematisierst. Der Staat Deutschland putzt sich als antifaschistisch heraus, indem das Bild eines bewussten und kritischen Umgangs mit der NS-Vergangenheit gezeichnet wird; der moderne deutsche Staatsbürger kann sich somit als Teil eines geläuterten Staats begreifen, und sich auch nationalistisch positiv auf diesen Staat beziehen. - Vor dem Hintergrund finde ich die Synonymsetzung von Sophie Scholl und "Germany" interessant:

...and the price goes to:
Germany.
Congratulations.
Big Silver Baer for a courageous little girl.


weil sie genau dieses positive Sichbeziehen auf historischen Widerstand bei gleichzeitiger Ausblendung von aktuellen Unterdrückungs- und Gewaltverhältnissen und bei Verzicht auf ein solidarisches, un-nationalistisches politisches Bewusstsein im Hier und Jetzt ausdrückt. (Der Bär als Symbol der Hauptstadt bringt bei mir auch eine Konnotation mit der heutigen Berliner Republik mit sich.) Die Weiße Rose wird so zum Ansteckbutton, zum Fetisch degradiert, der den heutigen Nationalismus unverfänglich, weil geläutert dastehen lässt. Die Metapher mit dem Parfüm bringt das schön zum Ausdruck.
Allerdings guckt keine ganze Generation Historienfilme, und bei einem Großteil von dem, was ein Großteil der älteren Generation zum Thema NS zu sagen hätte, bin ich mit Verlaub ehrlich gesagt ganz froh, wenn sie ihn für sich behält. :evil:

Beste Grüße,
Oliver T

Perry

Lyrisches Licht

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Location: Bayern

5

Saturday, March 24th 2012, 1:47pm

Hallo finde,

bei politisch angehauchten Themen ist es immer schwierig zwischen Aussage und lyrischer Darstellung die richtige Balance zu finden, da es die eine Sicht wohl nicht gibt.
Ich sehe in geschichtlichen/historischen Verfilmungen kein Problem, denn da spielt fast immer das Geld die erste Geige und wer sie mit der Dokomentarbrille anschaut ist selber Schuld.
Nun zur Form:
Das Thema "Weiße Rose/Sophie Scholl" hat m. M. nichts mit Anglizismen und Internetlinks zu tun (war beides damals nicht von Bedeutung). Dass du damit eine Außensicht bzw. Informationsproblematik ins Spiel bringst mag dem experimentiellen Ansatz des Textes entsprechen, für mich als Leser sind es nur Störquellen ohne wenig thematischen Anreiz.
Ich persönlich brauche auch keine "Nachhilfe" zum Thema und dessen Aufarbeitung, da ist der Umgang der heutigen Jugend mit dem Thema und dessen Bedeutung in der heitigen Zeit schon eher ein interessanter Ansatz.
In dieser Richtung sehe ich auch die Zielrichtung deines Textes, die sich aber leider in der Form der Darstellung verliert.

LG
Perry

Daniel H.

Trainee

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6

Sunday, March 25th 2012, 12:37am

Also ich bin einfach nur erstaunt darüber. Ich habe keine Fragen. Außer die vielleicht unangebrachte, stümperhafte Frage: Wie kommt man auf so etwas?
»Das Leben ist kein Argument; unter den Bedingungen des Lebens könnte der Irrtum sein.«
― Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

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