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guru

Trainee

Date of registration: Dec 26th 2011

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Occupation: Bürokaufmann / Außendienst / Hotelfachmann

1

Tuesday, February 7th 2012, 12:57pm

Hilferuf der Mutter Erde

Hilferuf der Mutter Erde



Ich die Mutter Erde ruft euch ihr Götter,



kehrt zurück, kehrt nun zurück zu mir,



ich verliere schon die Kraft, wie ein kranker Baum seine Blätter,



was passierte mit dem Mensch? Hörst du, ich rede mit dir.







Ich bin diejenige, die dir täglich was zum Essen, Trinken gibt,



doch jetzt fühle ich mich krank, und schwach,



der Mensch der alles von mir zu sich nimmt,



macht mich kaputt, schlimmer als jede Schlacht.







Mein Boden, die Luft, das Wasser, alles ist vergiftet,



die Normalität verliert langsam ihren Sinn,



der Mensch wurde doch von euch Göttern dazu verpflichtet,



dass er mich schont und pflegt, dazu bekam er sein Gehirn.







Ihr Götter schaut euch hier das Elend nur an,



wie weit ist der Mensch mit seinem Egoismus gegangen,



alles ist verkehrt, der Mann wurde zu Frau, die Frau zu Mann,



das Materialismus, die Habgier halten den Mensch an der Kette gefangen.







Er vergaß seine Liebe zu mir, seine moralischen Werte,



er ist total blind, wie ein neugeborenes Kind,



der Mensch vergaß alles, auch eure göttlichen Worte,



dass ich, die Natur, alle Lebewesen ins Eins vereint sind.







Deshalb ruf ich euch Götter, kommt mir zu helfen,



ich bin schon schwach, alleine schaffe ich es nicht,



gibt dem Mensch wieder Verstand, er soll mich nicht mehr melken,



sonst sterbe ich langsam, und für immer erlischt mein Lebenslicht!

shuya

Trainee

Date of registration: Dec 23rd 2011

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2

Tuesday, February 7th 2012, 3:08pm

kurze Anmerkung bzw. Frage:

Quoted

"wie weit ist der Mensch mit seinem Egoismus gegangen, alles ist verkehrt, der Mann wurde zu Frau, die Frau zu Mann"
wie ist dieser Part zum Beispiel zu verstehen?
Da sind bei mir sofort die Sexismus-Glocken angesprungen, zudem sich gleichsam die Frage auftat was das denn mit der Umweltverschmutzung zu tun habe.
Aber vielleicht hab ich das in den falschen Hals gekriegt, daher dachte ich, ich frage lieber nach.

Zum Thema:
Ich finde diese Form der verkürzten Kritik ordentlich schwierig.
Wenn ein Baum oder ein Fuchs die Welt, die Natur ist,
dann ist der Mensch doch ebenfalls die Welt, die Natur.
Wenn ein Stein durch Druck zu einem Diamanten wird, entfernt er sich dadurch von der Natur, der Welt?
Nein, für "euch" bleibt er Natur.
Wird der Stein aber zu einem Haus, dann ist er unnatürlich auf einmal.
Erdöl wird zu Plastik - auch unnatürlich?

Wir sehen es alle Jahre wieder..
ein Vulkan bricht aus und die Zivilisation steht still.
die Erdplatten verschieben sich um 30 Zentimeter
und abertausende Lebewesen gehen drauf, ein Wald stürzt um,
gegen die Macht der Gezeiten ist der Mensch schlechter gewappnet als jede Ameise.
Für die liebe Mutter Erde, ist das bisschen Zeit, dass der Mensch auf ihr verbracht hat, doch ein schlechter Witz.

Ja, wir verbrauchen ne ordentliche Menge an Ressourcen
aber die Erde kann genauso gut ohne diese, wie sie mit oder ohne uns kann,
selbst wenn wir den Planeten ratzekahl bomben, wird er sich erholen und einfach weiter leben ausspucken.
In der Hitze von Magma leben unzählbar viele Bakterien, in den tiefen des Ozeans, in den tiefsten Wäldern.
Wir haben nicht einmal 30% aller Arten die auf der Erde leben bisher überhaupt kennen gelernt,
nicht einmal 10% der durchschnittlichen Spanne, die eine Lebensform auf unserem Planeten allein durchschnittlich überlebt, bisher durchschritten.

Es gibt keinen Grund nach den Göttern zu rufen,
eine Eiszeit ist deutlich härter als wir.

Hazel

Moderator

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3

Tuesday, February 7th 2012, 9:33pm

An shuya:

Du gehst ja von einem sehr objektiven, kosmischen Perspektive aus, in der ich dir vollkommen Recht gebe. Dieser Einspruch stößt bei mir während der Lektüre auch auf, denn es wird ja schließlich aus der Sicht der Erde selbst geschrieben. Das war vielleicht ein Fehler, denn diese "kranke Erde" ist eine Definition von Menschenhand, weil die Erde die "für den Menschen wichtigen Dinge" langsam nicht mehr aufrecht erhält, weil der Mensch nicht mehr ewig so mit ihr umspringen kann, wie er es getan hat (derzeit noch tut). Im Gedicht spricht also die Erde selbst die von Menschen erschaffene Meinung, welche, da gehe ich d'accord mit shuya, die Menschheit nicht einmal benötigt und sich von ihr sicher nicht "zerstören" lässt. Wir Menschen können an ihr nur das zerstören, was wir an ihr lieben. Und hier kommt jetzt die Verknüpfung: Der Text geht dann wohl davon aus, dass das, was wir lieben und als "Schönheit" der Erde beschreiben, auch das Natürlichste und Wertvollste für die Erde ist. Diesen Gedanken finde ich wiederum nicht ganz falsch und deswegen kann ich ihm letztendlich schon noch ein wenig abgewinnen.

Trotzdem hätte man das Gedicht vielleicht eher als Kriegserklärung der Erde den Menschen gegenüber schreiben können: "Wenn ihr mir meine Besonderheit zerstört, dann werde ich euch eure Lebensmöglichkeit vereiteln, euch (als wahrscheinlich einzigartiges Vorkommen) lieber opfern, als meine Pracht zu verlieren.

LG, Hazel
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

shuya

Trainee

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4

Friday, February 10th 2012, 12:10am

Trotzdem hätte man das Gedicht vielleicht eher als Kriegserklärung der Erde den Menschen gegenüber schreiben können: "Wenn ihr mir meine Besonderheit zerstört, dann werde ich euch eure Lebensmöglichkeit vereiteln, euch (als wahrscheinlich einzigartiges Vorkommen) lieber opfern, als meine Pracht zu verlieren.

Glaubst du ernstlich an das Konzept von Belohnung und Strafe?
Ist nicht genau das die größte Anmaßung die sich ein Mensch in seinem durch Sozialisierung beschränktes Konzept herausnehmen kann?
Der Moralapostel, der sein System rechtfertigt, indem er es augenscheinlich anprangert, ist vermutlich einer, der "den Schlaf der Gerechten" schläft, die Augen zu ein seeliges Lächeln auf den Lippen und in der Rechten noch den Griff vom Messer das in der Brust seines Gegners steckt. Überspitzt formuliert.

Ich mag im Unrecht sein, aber an eine Kriegserklärung glaube ich nicht.
Auch nicht an eine Schuldfrage, einen Kläger und Verteidiger, ein Opfer und ein Täter.
Die in Nahsicht vielgespaltene Einheit, "Synergie die Teilchenfuge" (schrieb ich an anderer Stelle), deren Grenzen sich über den Abstand definieren, den man zu Ihr im hypothetischen Sinne einnimmt.
Eben jene Einheit ist nur so lange vielgespalten, wie man sich von ihr distanziert und isoliert.
Sie ist keine Partei und nimmt keine Partei, mangels Gegner, mangels Platz und so viel sich auch bewegt und verändert
rührt sich doch nichts.

Das mag wieder "kosmisch" ausgedrückt sein, aber ich glaube es ist ein Irrglaube diesen "Kosmos" als etwas fernes und übergroßes zu begreifen, ist er doch in der choreographie aller Bewegungen gleichermaßen enthalten, von den Elektronen über den Vogelschwarm und die Konstellationen der Sterne.

Hazel

Moderator

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5

Friday, February 10th 2012, 11:57am

Es ist nicht so, dass ich dich nicht verstehe - ich will dich nicht verstehen. Schön und gut, wenn du deine Ansichten hast und diese aussprichst oder auslebst, aber wir reden hier von Lyrik und Literatur. Ich finde toll was du schreibst und will das gar nicht schlechtreden: Eine tolle Einstellung und eine sehr wertvolle Weltsicht. Doch vor der Ecke gilt noch, dass man beim Schreiben nicht immer seine höchsten Erkenntnisse aufschreiben muss oder sollte. Literatur lebt davon, nicht immer den Kern zu treffen, manchmal eine Ecke mitzunehmen und sogar davon, manchmal unter die Gürtellinie zu schlagen. Ansonsten könnte man die Erde ja kaum noch personifizieren oder nur noch in Assoziationen schreiben. Ich finde es aber wichtig, zwischen verschiedenen Texttypen und Autoren zu differenzieren, andere Waagschalen zu benutzen. Deine Erläuterung hört sich beispielsweise so an, als würdest du keine einzelne Aussage mehr als wichtig sehen, sondern nur als Teil von einem Größeren. Ja gut, aber damit macht man auf Dauer keine Literatur. Für mich lebt sie davon, zu raten, sich zu verschätzen und selbst kaputt zu schreiben.

Liebe Grüße, Hazel

Edit:
Nachträgliche Ergänzung: Dieses Phänomen, "zu weit zum Kern" gehen zu wollen, stieß ja auch schon in der Literaturforschung und der Philosophie an eine Grenze, an der man dann sagte: Eigentlich sind unsere Wissenschaften und unsere Lehre wertlos, wir sind überflüssig und sollten besser aufhören - wir können so nicht weiterarbeiten. Was hat man gemacht? Man hat es ignoriert, kurz festgehalten und ist in eine andere Richtung gegangen! Ich finde das nicht schlimm, im Gegenteil. Für meinen Teil möchte ich aber gar nicht an diese Grenze gehen, man fühlt sie oft genug.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

shuya

Trainee

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6

Saturday, February 11th 2012, 5:29am

Guten Morgen Hazel,

es scheint der Autor hält sich raus ^^;

nun, ich gehe d'accord mit deiner Schlußfolgerung,
allerdings würde ich da einige Abstriche machen.
Moral, Schuld, Sühne, Buße, das sind komplexe und gleichsam gefährliche Themen
zu denen es einen Haufen vorgekauter, halb-garer Vorurteile gibt,
die viele Autoren, bzw. generell Mitmenschen aus reiner Bequemlichkeit pflegen

hierbei stellt sich nicht die eigentliche Sinnhaftigkeit des Literarischen Schaffens, der Sprache etcpp
vielmehr stellt sich die Frage von Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen.
Ich will damit Autoren nicht mehr Verantwortung zusprechen als allen anderen Leuten auch: die anderen hören ja die selbe Kritik von mir, beziehungsweise die selben Anmerkungen.

Ich halte es für - und das bezieht sich jetzt nicht auf den Text, bevor das so verstanden wird - Überflüssig eben jene Vorurteile alltäglich mit einem neuen Corpus zu bedienen, der sich Kumpelhaft in den Raum stellt und so durch seine beständige Auffrischung zu "einem Naturgesetz des Lebens vieler Einzelner" wird.

Zum Text zurück:
Hier passiert ja etwas ähnliches. Wir alle müssen es ja zugeben: wir hören die "Ammenmärchen" (subjektive Meinung) ja nicht zum ersten mal. Seit Jahrhunderten "windet, leidet, stirbt die Erde", sagen die Menschen zumindest, im Westen "die Mutter", die ein verweichlichtes, kränkelndes und schutzloses Wesen darstellt. Der Mensch des "Vaterlandes", die Intellektuelle Hochgeburt, der Höhenflug patriachatischer Macht, ist das einzige Wesen das diese ärmliche Frauengestalt beschreiben, vermessen, kontrollieren und zerbrechen kann
und nun da er da ist und sie bricht und ihre Mürbe arme Physis schon knackt und knarzt
da ist sie schon verloren, fast
ganz abhängig ist sie vom Mann, der auf Messers Schneide tanzt
das Leben in der linken und den Tod in der rechten Hand
und es obliegt ihm zu entscheiden ob er die Vernichtung oder die Errettung wählt
nach ihm die Sintflut
nach ihm die Apokalypse
der Welten Untergang
Fanfaren läuten, Pergamentrollen flackern unter den Füßen auf und Runen glühen gebieterisch in die Ferne..

DAS wird nie so gesagt
nein, damit würde sich der Weltverbesserer ja verraten
- eine Garde zu der ich auch zu guten Teilen angehöre und über die ich so "abfällig" spreche, weil ich meine Schwächen und die der anderen mittlerweile meine rauslesen zu können.
Auch ich sage "Mutter Erde" und meine es so, wobei ich das Wort "Vaterland" nur mit einem bitteren Lächeln über die Lippen bringe.

Am Ende ist das vermeintliche Gewimmer der Mutter Erde nichts als ein Machtbeweis, den man sich selber erbringt.

Es mag sein:
Wir sind irrelevant.
Es mag sein:
Wir sind trotzdem hier und können deshalb auch einfach was machen.

Aber eben weil wir hier sind
weil wir etwas machen können
lohnt es sich zu erwägen was wir da eigentlich machen
und was das konkret für UNS bedeutet.
Jeder der sich selbst gerne in der Rolle des kritischen Subjekts sieht,
dass "reflektiert" (ein witziges Wort) handelt, denkt und spricht,
kann genauso gut sagen:
Das ist nicht genug, da geht noch was!
Was nützt es uns, als Alternative nichts anderes zu sein
als die Kettenhunde neuer Legitimierungsstrategien obsoleter Systeme.
Nicht für einen ganzen Planeten wollen wir unsere Sprache diversifizieren
sondern für uns, um das in uns auszulöschen
was uns erdrückt.

"Your effort to remain who you are is what limits you" - Ghost in the Shell

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