uuuunnnddd stop;
ichh atte schon beim Schreiben das Gefühl, dass ich mich der Geschichte vom falschen Blickwinkel nähere die falschen Felder beleuchte und die falschen Figuren einsetze; ich versuche es jetzt Mal anders; die Geschichte soll die gleich werden, das wie versuche ich diesmal mit etwas mehr selbsterfahrung und adäquaterer form zu spicken;
und, versuch die zweite;
1.
Ich sitze auf der Anhöhe und betrachte verwaschene Silhouette der Stadt. Ich denke, dass es an der Zeit ist, eine Ich Geschichte zu erzählen. Das mit dem Anfang fällt mir nur etwas schwer. Ich weiß nicht genau, wo und wie ich ihn setzen soll. Aber wenn ich sie jetzt nicht erzähle, dann kommt gar nichts mehr. Und irgendetwas muss doch noch kommen. Etwas außer Winter. Ich denke, ich beginne mit dem Winter.
Der Winter ist auch nicht mehr, was er mal war. Keine verschneiten Landschaften. Keine Schneemänner und zugefrorene Seen. Sogar die Vogelhäuser, die ihn den kahlen Zweigen hängen sind nur leere Holzschachteln ohne Bewohner. Schaukeln sacht im kalten Wind. Ohne all diese Dinge ist der Winter nur eine graue Masse aus sich ähnelnden Lichtverhältnissen. Dunkel und kalt. Vor Weihnachten leer und verlogen. Zu Weihnachten Magenschmerzen, weil ich zu viel gefressen habe. Und jetzt im Jänner vor allem still und verlassen.
Jeder Morgen im Winter beginnt für mich mit einer Frage: Lohnt es sich wirklich, heute aufzustehen? Hinauszugehen? Was versäume ich, wenn ich es nicht tue? Und weil ich die Antwort darauf kenne und mich mittlerweile auch etwas davor fürchte, lasse ich diese Frage zumeist unbeantwortet. Stehe rasch auf, bevor ich den Zeitpunkt versäume, ab dem es dann unmöglich wird, das Bett zu verlassen. Unterdrücke die Versuchung, mich heute krank zu melden. Zuhause zu bleiben und den ganzen Tag lang durch die schmutzigen Scheiben zu starren, an den welken Zweigen des Rhododendrons vorbei, auf die Fassade des hellbraunen Hauses auf der anderen Straßenseite, die still vor sich hin bröckelt und dabei das kahle Ziegelwerk darunter offenbart.
Verzeihen sie bitte, wenn ich sie jetzt schon langweile. Ich weiß schon, dass Geschichten sich tunlichst vor dem lamentieren hüten sollten. Vor dem eintönigen Dahinplätschern, während sich der Ich-Erzähler unverstanden und unglücklich durch die Welt quält, und ihm eine einfache Erkenntnis fehlt: Ich bin nichts Besonderes, in meinem Bestreben, besonders zu sein. Ich bin wie alle anderen auch. Aber ich verspreche, dass noch etwas anders kommt, außer diesen trüben Aussichten und einfarbigen Kontemplation. Es muss ja auch notgedrungener Weise noch etwas anders kommen, sonst wäre diese Ich Geschichte hier zu Ende, bevor sie begonnen hat. Wäre es kaum wert, erzählt zu werden. Wäre noch nicht Mal eine Geschichte, sondern nicht mehr, als diese Winter heutzutage, die es kaum noch wert sind, Winter genannt zu werden.
Ich bin also einsam. Soviel haben sie bestimmt mitbekommen, in meinen ersten Ausführungen. Wobei einsam nicht ganz das Wort ist, das wirklich beschreiben könnte. Ich bin verzweifelt. Ich denke oft an den Tod. Mir fallen jeden Tag unzählige Dinge ein, die ich noch erleben möchte, bevor ich sterbe. Verblasse. Bevor es so ist, als wäre ich nie hier gewesen. Auch wenn das zugegebenermaßen momentan meine Vorstellungskraft übersteigt, dieses nie hier gewesen sein. Immer wenn ich daran denke, wie sich das wohl anfühlen könnte, entschlüpft mir die Vorstellung und wird verdrängt von dem kalten Gefühl der nackten Panik, die mich würgt.
Ich bin Mitte Dreißig. Mein halbes Leben liegt hinter mir. Und war jetzt nicht so toll, nüchtern betrachtet. Zumindest nicht so, wie man sich das allgemein vorstellt, wenn man noch um die zwanzig ist und große Träume hat, von dem, was man werden wird, was man erleben wird. Nichts davon ist eingetreten. Keiner dieser Träume hat sich erfüllt. Und das, obwohl man mir nicht vorwerfen kann, dass ich nicht fest genug daran geglaubt hätte. Nicht dafür gearbeitet hätte. Und ich spreche jetzt nicht von den Träumen, die von Anfang eher unwahrscheinlich und aus der Luft gegriffen wirkten. Die als unerfüllbare Jugendträume abgetan werden könnten. Nein, ich spreche durchaus auch von den einfachen, schlichten Dingen. Den Dingen, die sich alle Menschen wünschen. Bei denen jeder das Gefühl hat, er hätte sie verdient. Liebe zum Beispiel. Geborgenheit. Eine Familie.
Okay. Es ist jetzt wohl an der Zeit tatsächlich mit der Geschichte zu beginnen, bevor sie gänzlich das Interesse verlieren. Der Winter ist kalt, das Leben ist hart. Wir haben verstanden. Also Schluss damit. Ich habe ja jetzt, den Anfang, der mir so schwer fiel. Es ist Winter. Meine letzte Freundin hatte ich vor fünf Jahren. Ich hasse meinen dummen Job, der meine Wohnung bezahlt und mich satt macht. Ich bin genau wie Sie. Oder wie jemand den Sie kennen. Jemand, von dem Sie im Normalfalle keine Geschichte lesen würden. Aber täuschen Sie sich nicht. Diese Geschichte könnte Sie durchaus interessieren.
Vor drei Monaten war ich das erste Mal bei einer Prostituierten. Da war es Oktober. Noch Herbst. Aber auch schon ziemlich trüb und dunkel. Suela. Gekostet hat es mich dreihundert Euro und viel von meiner Selbstachtung. Davor hatte ich fast fünf Jahre keinen Sex. Es war also an der Zeit, auch wenn ich dafür bezahlen sollte. Aber das ist nicht wirklich der Anfang, das ist die Kulisse, wenn sie so wollen. Viel wichtiger ist die Tür, die dieser Besuch in mir aufgestoßen hat. Und warum es nicht möglich ist, sie wieder zu schließen, ohne dass dabei jemand zu Schaden kommt.
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more