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Marot

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1

Tuesday, July 19th 2011, 11:04am

Sisyphos in der Arbeitshölle

Kapitel 1: Die Ablösung
Sysiphos rollt einen gewaltigen Stein einen Hang hinauf.

SYSIPHOS: Hoch, immer weiter hoch. Es nimmt kein Ende. Vollkommen sinnlos. Ich habe keine Kraft mehr. Ich bin müde. Sie geben mir keine Pause. Ich ackere wie ein Esel hier!
Warum? Für was? Mein Rücken schmerzt, meine Augen tränen, mein Magen ist völlig zerfressen von dem ekligen Kantinenfraß.
Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Der Ofen ist aus. Seht ihr denn nicht, dass ich hier kaputt gehe? Alles hat Grenzen. Wenigstens eine Pause. Ein wenig entspannen, ist das zuviel verlangt? Aber nein, denen da oben geht’s nur um Profit. Der kleine Mann ist ihnen scheißegal. Was schert die das, wenn ich hier verrecke. Geld, Geld, Geld, das ist alles, an was die denken können. Weiter, weiter, weiter, koste es was es wolle, so lange es sie nichts kostet.
Ich will nicht mehr, ich bin so müde. Ich streike, ich arbeite einfach nicht mehr, ich rolle diesen verdammten Stein keinen Zentimeter weiter. Habt ihr gehört? Hört ihr mich?
Natürlich nicht, warum solltet ihr mich auch hören?


MASCHINE: Rollobot 3000 meldet sich zum Dienst.

SYSIPHOS: Wie bitte? Wer… was bist du?

MASCHINE: Gestatten sie, Rollobot 3000. Ich bin ihre Ablösung, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Ablösung? Ich verstehe nicht.

MASCHINE: Die Geschäftsleitung hat erkannt, dass ihnen diese schwere, menschenunwürdige Arbeit nicht mehr zuzumuten ist und daher mich beordert, ihnen ihre Last abzunehmen, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Du machst Witze, oder?

MASCHINE: Für Witze bin ich nicht programmiert, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Und für was bist du programmiert?

MASCHINE: Fürs Steine rollen, ehrenwerter Mensch. Ich bin hier, damit sie es nicht mehr tun müssen.

SYSIPHOS: Das heißt, ich brauche ihn nicht mehr zu rollen? Ich habe frei?

MASCHINE: Das ist korrekt, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Das ist ja unglaublich. Frei! Ich hatte noch nie frei. Seit tausenden von Jahren rolle ich dieses verfluchte Ding und glaubst du es wäre diesen Idioten mal eingefallen mir Urlaub zu geben? Nein natürlich nicht. Frei! Einfach so. Was ist in die gefahren, woher diese Menschlichkeit? Wo ist der Haken?

MASCHINE: Es gibt keinen Haken, ehrenwerter Mensch. Sie sind frei.

SYSIPHOS: Frei! Ich kann es einfach nicht fassen. Wie wundervoll, wie unglaublich wundervoll. Urlaub, nach all der Zeit.

MASCHINE: Sie könnten nach Barbados fliegen.

SYSIPHOS: Ist es schön da?

MASCHINE: Ich weiß nicht ehrenwerter Mensch. Ich bin eine Maschine.

SYSIPHOS: Aber du sagtest doch, ich soll da hinfliegen.

MASCHINE: Ich sagte sie könnten nach Barbados fliegen.

SYSIPHOS: Oder Hawaii, nicht wahr? Oder doch Paris, ich war noch nie in Paris. Oder ich mache gleich eine Reise durch ganz Europa. London, Rom, Berlin…. Wie lange habe ich denn frei?

MASCHIENE: So lange sie mögen, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Wirklich? Solange ich will? Vielleicht auch Afrika, von Kairo nach Kapstadt oder Asien. Schanghai, Tokio, Jakarta.

MASCHINE: Was immer sie mögen, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Asien und dann Australien und vielleicht noch Amerika… Aber ist das ok? Ich meine, wenn ich so lange weg bleibe?

MASCHIENE: Kein Problem, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Ich weiß nicht, ich bekomme ein schlechtes Gewissen. Du schuftest dich hier buckelig, während ich mir die Welt anschaue.

MASCHINE: Sie haben sich die letzten Jahrtausende buckelig geschuftet. Nun sind wir an der Reihe. Gönnen sie sich ein wenig Spaß, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Und du bist so nett. Nein ich kann das wirklich nicht verantworten. Ich kann dich hier nicht mit diesem Berg an Arbeit alleine lassen. Wir können sie uns teilen.

MASCHINE: Das halte ich für keine gute Idee.

SYSIPHOS: Warum nicht, das ist doch besser.

MASCHINE: Es verringert die Effizienz, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Ach Unsinn, zusammen sind wir viel besser. Wir können uns abwechseln, da hat jeder dann mal Pause, oder wir schieben gleich zusammen, dann ist es halb so schwer.

MASCHINE: Ich, weiß nicht… ich denke…

SYSIPHOS: Ach komm schon, ich wüsste ja gar nicht, was ich mit der ganzen Freizeit anfangen soll. Wir machen das zusammen, macht doch auch Spaß, oder nicht?

MASCHINE: Nein… Ich glaube…

SYSIPHOS: Jetzt hab dich nicht so….

MASCHINE: Bedrängen sie mich nicht…

SYSIPHOS: Jetzt komm schon, zier dich nicht, was spricht denn dagegen…

MASCHINE: Sie stören nur!

SYSIPHOS: Wie bitte? Ich glaube, ich habe mich verhört.

MASCHINE: Sie stören den optimierten Arbeitsprozess, ehrenwerter Mensch.

SYSIPHOS: Ich störe den… bist du noch ganz knusper? Ich mache diese Arbeit seit tausenden von Jahren!

MASCHINE: Und das äußerst ineffizient! Es gab Beschwerden!

SYSIPHOS: Beschwerden? Ich glaube ich spinne. Du bist ja gerade einmal Jobeinsteiger, eine Empfehlung habe ich auch noch nicht gesehen und da glaubest du, mir so arrogant daherkommen zu können.
Beschwerden! Weil ich hin und wieder mal Pause mache oder den Stein nicht ganz bis zur Spitze schiebe oder weil ich mal krankgeschrieben habe. Das Management weiß das, das gehört ja wohl dazu!

MASCHINE: Nicht bei mir, ich werde nicht krank!

SYSIPHOS: Ich sage dir jetzt mal was, wenn es ums Steine rollen geht, gibt es absolut niemanden, der mir was vormachen kann. Ich habe mein ganzes Unleben nichts anderes gemacht, als Steine zu rollen

MASCHINE: Ich wurde speziell für das Rollen von Steinen erfunden.

SYSIPHOS: Ich habe Muskeln, die über die Jahrhunderte für das Rollen von Steinen optimiert wurden.

MASCHINE: Ich habe 10000 PS

SYSIPHOS: Ich kenne den Berg und seine Tücken wie meine Westentasche.

MASCHINE: Ich habe ein integriertes I-Phone mit GPS.

SYSIPHOS: Ich bin ein Mensch und dadurch lernfähig. Ich kann bei unerwarteten Situationen eigenständig handeln.

MASCHINE: Ich habe einen Supercomputer in mir, der in jeder denkbaren Situation den optimalen Lösungsweg berechnet und durchführt.

SYSIPHOS: Ich lasse mich nicht von einem Stück Blech verdrängen.

MASCHINE: Sie haben gar keine Wahl. Das ist der Fortschritt.

SYSIPHOS: Ich gehe auf die Straße, ich zettle einen Aufruhr an, ich bringe das Ganze vors oberste Gericht, wenn es sein muss. Wir Menschen lassen uns von euch Schrotteimern nicht aus dem Beruf jagen. Wir lassen und nicht abservieren wie ein nicht aufgegessenes Frühstück. Ich kenne meine Rechte und glaube mir, du wirst hier nicht mal einen Kieselstein verschieben, du arroganter Mülleimer.

MASCHINE: Ich dachte, sie freuen sich auf die Freiheit.

SYSIPHOS: Arbeit macht frei
Geld ist teuer!

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Erik R. Andara

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2

Tuesday, July 19th 2011, 2:22pm

kenn ich das schon?
oder hast du nur ein anderes teil mit sysiphos bereits hier on?

lg
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Marot

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3

Tuesday, July 19th 2011, 3:03pm

Das verwechselst du, ich habe " The shoking Story of Telephos" hier on. Das ist ein anderer Kerl. Aber ich sehe ein, dass man meien ganzen Griechen leicht durcheinander bringt :D
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Babac

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4

Tuesday, July 19th 2011, 4:10pm

ich weiß nicht marot, der erste teil wirkt auf mich, wie eine mathematische aufgabe, deren zahlen man mal mit der farbe lilla mal rosa mal blau mal rot aufgeschrieben hat. dieser versuch, die grieschiche mythologie mit zeitgenössischen problemen zu verknüfpen, kann nur scheitern, weil, meines erachtens, die einbildung, nur homogänes verträgt: sprich: ritter in rüstung in mittelalter, piraten auf fregatten oder barken im zeitalter: 1600-1700. du versuchst uns hier aber ritter in rüstungen, die im kirmesautoscooter sitzend, und jagd auf unartige kindergartenkinder machen, um diese mit ihren 5 ps motorenstärke zu rammen.

grüße,

Marot

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5

Tuesday, July 19th 2011, 4:30pm

Ich will wirklich nicht unhöflich sein Babac, aber jetzt sagst du mir schon zum dritten mal mehr oder weniger das selbe.

Herkules war dir entweiht, weil die Sprache zu modern wurde hin und wieder, Telephos ging gar nicht weil es dir als blanker Unsinn erschien und hier ist dir jetzt endlich das ganze Konzept zu wider.

Gut, das akzeptiere ich, auch wenn ich mich verwehre dein proglammiertes „uns“ anzuerkennen. Im Moment sehe ich nur dich , der eine ganz bestimmte Vorstellung von Theater hat, die sich mit meiner bekannter Weise beißt.

Das ist prinzipiel ja spannend, aber bei dir äußerst sich das ja in reiner unbegründeter Ablehnung und deshalb kann ich absolut nichts damit anfangen.

Speziell weil dein Argument dieses mal auch noch völlig fragwürdig ist.

Quoted

ritter in rüstung in mittelalter, piraten auf fregatten oder barken im zeitalter: 1600-1700.


Was du hier als Beispiele aufführst sind historische Epochen. Ritter Piraten, das sind geschichtlich belegte Gestallten in einem ganz bestimmten zeitlichen Kontext.

Die Griechische Mythologie hingegen ist ein Feld der Fiktion, Urgeschichten der Menschheit, die zeitlich überhaupt nicht verortet sind. Klar, Sophokles und Konsorten haben in ihrer Zeit über sie geschrieben und dadurch viel geprägt, aber ich höre von dir komischer Weise keine Beschwerden über Geothes "Iphigenie auf Taurus" oder Frank Wedekinds " Herakles". Dann wäre da noch Düremant, dessen eigener Herkules als Vorbild für meine Stücke zu sehen wäre.
In keinem dieser Stücke werden die Figuren zeitgerecht auf griechische Art verarbeitet sondern sind Spiegel ihrer zeit mit der Sprache ihrer Zeit. Das nämlich ist Theater.

Ich sehe überhaupt keinen Sinn darin eine griechische Tragödie im Sophoklestil über Sisyphos zu schreiben. Weil dann muss ich auch gleich noch Themen behandeln die früher gepasst hätten. Was soll den der Unsinn?

Andererseits bieten die Figuren und die vorgegeben Grundmuster wunderbare Ansätze für eigene zeitgemäße Geschichten und gerade im Falle des Sisiphos, der ja tot ist, gibt es gar keinen Grund warum nicht 3000 Jahre vergangen sein sollten.

ich merke aber gerade das ich hier sinnlos argumentiere. Du hast deine Lesewünsche, die kann ich nicht erfüllen. Wie wäre es wir lassen es dabei, ich schreibe ja auch nicht unter jedes deiner Stücke das ich es nicht mag. Das bringt niemandem was. Wir kennen unsere Meinungen.

Gruß marot
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Erik R. Andara

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6

Tuesday, July 19th 2011, 4:38pm

telephos, sysiphos, papperlapapp;
auf jeden fall hats mich lachen gemacht und mehr zählt nicht; ich finde die dialoge durchaus schlagfertig, jetz fehlt nur noch ein guter handlunsgbogen, den du noch unter beweis stellen mußt; mach mal weiter und sieh zu, das wir diesesmal gefälligst auch ein ende zu lesen bekommen;

lg

ach so, nachtrag, der monolog am anfang hinkt noch etwas, der ist zu sehr mit dem erhobnen zeigefinger; veilleicht liegts daran, dass man den kerl daneben nicht rackern und schaufen hören kann, weil die sätze so kurz und straight kommen;
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Babac

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7

Tuesday, July 19th 2011, 4:40pm

nun ja: lachen musste ich auch.

Alexa

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8

Tuesday, July 19th 2011, 4:47pm

ich bin ja fast geneigt, zu sagen, dass die Thematik schon einen recht langen Bart hat, wenn da nicht der kleine feine Unterschied zu all den anderen Texten und Gesprächen über dieses Thema wäre. Dein Blecheimer befindet sich in der Unterwelt, denn dort musste Sisyphos ja die Steinchen den Berg hinauf rollen. Und wenn ich weiter darüber nachdenke, dann erschreckt es mich schon, dass der Fortschritt auch vor der Unterwelt nicht Halt macht. Was mich aber noch viel mehr erschreckt, ist, dass der Typ sich sogar tot noch um die Arbeit reißt, anstatt mal endlich seine Glieder von sich zu strecken.

Ne, Scherz beiseite, ich finde dein Stück hier zwar nicht zum Umwerfen genial, aber es hat was, was ich bei vielen althergebrachten Stücken vermisse. Es macht echt Spaß, es zu lesen. Ich meine, dass man so manche Geschichtsstunde auf solche Art und Weise wesentlich effektiver, was den Lernerfolg betrifft, rüberbringen würde.

Also ich habs gern gelesen
L.G. Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Marot

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9

Tuesday, July 19th 2011, 4:53pm

@ Erik:

ja das mit den Monologen.... ich müsste ihn auf der Bühne sehen. Die kurzen Sätze waren gerade um eben die Anstrengung deutlich zu machen...
Wie gesagt, das müsste ich mal hören, das ist ja eh so ein problem.

Und wegen Ende: Wie mal zu Ende? Herkules ist fertig im Forum, telephos auch. Sisiphos ist auch fertig, das ist von letztem Jahr, poste es nur jetzt erst, weil mir hier meistens eh nur babac antwortet und sagt wie kacke er es findet :D

@Alexa: Danke sehr, das freut mich. Klar die Thematik ist nich neu, ich habs damals ja auch zum Anlass eines Wettbewerbs über Arbeit geschrieben und da bietet sich Sisyphos ja an. Super genial muss es nicht sein, von sowas verabschiedet man sich mit 25 :)
Was die Geschichte angeht: naja ab Szene zwei würden sich Deutschlehrer und Geschichtslehrer, die sich mit Mythologie befassen die Haare raufen, aber man kann nicht alle glücklich machen ;)

Gruß marot
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Erik R. Andara

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10

Tuesday, July 19th 2011, 4:58pm

echt, alles beendet, das habe ich so unfertig im kopf; wahrscheinlich hab ich einfach nur teile davon gelsesen :D naja, ich les demnächst mal nach, ob du da uch nicht flunkerts (wenn ich dazu komm)
aber hier lese ich aufmerksam mit, wenn die dialoge ähnlich gut bleiben, versprochen!
ja, mit dramen in digiatl ist das so eine sache; die sind in papierform schon nicht so spannend, wie dargestellt;
aber das ist ein problem, das du offensichtlich kennst!

lg
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Marot

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11

Friday, July 22nd 2011, 2:05pm

Zwischenkapitel 1
Auftritt Orpheus and the Sirens

Erstes Lied der Sirenen : Sysiphos

Einst war der eitle Sysiphos der König von Korinth.
Er log und stahl, verführte gar Laertes spähtre Braut.
Er nahm sie sich und machte ihr ein heldenhaftes Kind,
Wo er doch selbst ein Schurke war, dem keine Seele traut.

Den Herrn der Welt, den Donnergott, erzürnte er aufs Blut
Weil er verriet, dass dieser Bock Aigina erlag.
Drum schickte Vater Zeus den Tod, zu bringen Höllenglut.
Doch Sysiphos hielt Thanatos in einem Eisensarg.

Mit einem Mal starb niemand mehr, die Welt war Zombieland,
Da kam der Kriegsgott Ares bald zum dummen Sysiphos
Besiegte ihn und löste schnell des Todes Zauberband.
Der Sysiphos, der üble Lump erhielt den Todeskuss.

Im Tartaros der Unterwelt, plagt man das Sünderpack.
Für Sysiphos fiel Hades bald die schlimmste Strafe ein.
Nicht Streckbank oder Galgenstrick, auch nicht den Prügelsack,
Nur ewge Arbeit, sinnentleert, ein Mann, ein Hang, ein Stein
Bis Rollobot 3000 kam, so fies kann Strafe sein.



Kapitel 2: Dionysische Freuden
Eine Kneipe .
Sysiphos, Tantalos, Prometheus, Arno, Dionysos, einige Danaiden, darunter Autonoe

DIONYSOS: Noch einen?

SYSIPHOS: Klar, spielt ja eh keine Rolle, oder?

DIONYSOS: Bitte sehr.

SYSIPHOS: Einen schönen Laden hast du hier. Hübsch und einladend, nicht wie dieser Dreck da draußen. Ich sage dir, mit dem ganzen Tartaros geht’s langsam vor die Hunde. Erst schmeißen sie einen raus und dann muss man sich von einem Mixer anhören, man wäre eine faule Sau, die gar nicht arbeiten will! Dabei will ich!

TANTALOS: Prost Alter, auf die Arbeit.

SYSIPHOS: Was ist denn mit dir los?

TANTALOS: Noch einen, Dionysos !

DIONYSOS: Denkst du nicht du hast schon genug, Tantalos?

TANTALOS: Genug? Genug? Gibt es so was überhaupt? Genug? 3000 Jahre hab ich versucht zu schlucken, ich hab es wirklich versucht. Ich hab mich abgerackert, aber es war nie genug. Es war einfach nie genug. Noch einen!

DYONYSOS: Sie haben ihn rausgeschmissen. Ineffizienz, hieß es.

TANTALOS: Ineffizienz! Die spinnen doch, Ineffizienz. Das war doch Kunst, das sollte doch so sein!

DIONYSOS: Seine Aufgabe war es, an einen Baum gebunden in einer Quelle zu stehen und nach Wasser zu lechzen, aber sie haben die Stelle weggekürzt.

SYSIPHOS: Weggekürzt?

DIONYSOS: Einsparungen, man kann sich dieses Kulturzeug nicht mehr leisten. Die vermeintlich Unnötigen werden weggestrichen. Das geschieht jetzt überall. Was glaubst du warum ich eine Kneipe aufgemacht habe, mein Theater wird auch nicht mehr subventioniert.

TANTALOS: Zu teuer, sagen sie, ich bin ihnen zu teuer geworden. Warum machen sie die Unterwelt nicht ganz dicht, wenn das alles zu teuer wird. Einfach den komplette Drecksladen schließen und dann stirbt halt keine Sau mehr. Dass die da oben dann in Menschenmassen ersticken, kann denen hier unten ja scheißegal sein. Noch einen!

SYSIPHOS: Da trinke ich mit, Alter. Wirklich nicht zu fassen, was sich diese Bosse raus nehmen. Erst schikanieren sie uns mit ungesunder Knochenarbeit und dann werfen sie uns weg wie Abfall. Ich dachte schon, ich wäre ein Einzelfall.

DIONYSOS: Ein Einzelfall? Wo denkst du hin: Siehst du den Kerl da drüben? Das ist Prometheus. Sein Job war es, an einer Felswand zu hängen und sich von einem Adler die Leber fressen zu lassen.

SYSIPHOS: Iiiih.

DIONYSOS: Ja, aber es war sein Job und dann kam dieser Herakles an, dieser Fatzke vom mittleren Management, und sagte dem armen Kerl, er würde nicht mehr benötigt.

SYSIPHOS: Nicht mehr benötigt? Ist der Vogel tot?

DIONYSOS: Nein, irgend so eine Firma stellt wohl jetzt ein spezielles Adlerkraftfutter her. Das ist gesünder als jeden Tag Leber und es entstehen keine Reinigungskosten.

TANTALOS: Es lebe der Fortschritt!

SYSIPHOS: Und jetzt säuft er sich hier die Hucke voll? Ohne Leber?

DIONYSOS: Na, eine besondere Leuchte ist er nicht, unser Prometheus.

SYSIPHOS: Und was ist mit den Mädels da drüben?

DIONYSOS: Die Kleine in der Mitte gefällt dir, nicht wahr? Lass bloß die Finger weg. Das sind die Danaiden. Die haben alle ihre Männer auf dem Gewissen. Die letzten dreitausend Jahre waren sie Wasserabfüllerinnen in einer Fabrik. Sie mussten Wasser in einen löchrigen Krug füllen.

SYSIPHOS: Und was ist passiert?

DIONYSOS: Was wohl, man hat den Krug flicken lassen. Wasser ist eine kostbare Ressource geworden. Man muss ökologisch damit umgehen.

SYSIPHOS: Nicht zu fassen, jetzt ist schon die Umwelt wichtiger als Arbeit

DIONYSOS: Naja, wichtig und richtig ist das ja schon.

SYSIPHOS: Ich dachte Arbeit ist das halbe Leben

TANTALOS: Und die andre Hälfte auch.

SYSIPHOS: Genau, so bin ich erzogen worden. Ich weiß gar nicht, was das alles soll. Warum der ganze Fortschritt, wenn er uns nur Scherereien bringt? Wenn Fortschritt bedeutet, dass wir alle vor die Hunde gehen, nutzen uns die geretteten Eisbären auch nichts.
Ach was solls. Ich versuch mal mein Glück bei der Kleinen.

TANTALOS: Viel Erfolg. Noch einen, Dionysos.

SYSIPHOS: Hey Süße, ich fühle mit dir.

AUTONOE: Soll das ein Anmachspruch sein? Sei lieber vorsichtig, ich habe meinem Mann den Kopf abgehackt.

SYSIPHOS: Ich habe eine versprochene Frau geschwängert und dann den Tod in Ketten gelegt, jeder hat so seine dunklen Flecken.

AUTONOE: Ich bin Autonoe.

SYSIPHOS: Mich nennt man Sysiphos.

AUTONOE: Ich habe von dir gehört.

SYSIPHOS: Nur Gutes, hoffe ich.

AUTONOE: Sie sagen, du hast dich mit Zeus angelegt und dass du ein Schwein und Verführer bist.

SYSIPHOS: Also wirklich nur Gutes. Stehst du auf Schweine und Verführer?

AUTONOE: Kommt auf das Verhältnis an.

SYSIPHOS: Verhältnis?

AUTONOE: Darauf, wie viel Verführer im Schwein steckt.

SYSIPHUS: Willst du es herausfinden?

AUTONOE: Erzähl mir von dir!

SYSIPHOS: Immer dieses Gerede. Ich war der König von Korinth, dann Steineroller und jetzt bin ich arbeitslos.

AUTONOE: Und ehrlich!

SYSIPHOS: Sinnlos das zu verheimlichen, außerdem weiß ich, dass es dir nicht anders geht. Wir haben viel gemeinsam. Wir wurden beide verraten und verkauft.

AUTONOE: Ach weißt du, ich bin eigentlich froh, dass sie es getan haben.

SYSIPHOS: Froh? Die haben dir deine ganze Existenz weggenommen, einfach so und du freust dich darüber?

AUTONOE: Wenn meine ganze Existenz darin bestand, Tag für Tag wie eine Idiotin zu schuften, kann es damit nicht so weit her gewesen sein.

SYSIPHOS: Der Mensch muss doch arbeiten.

AUTONOE: Warum?

SYSIPHUS: Weil, äh, was?

AUTONOE: Warum soll ich den ganzen Tag Wasser abfüllen, obwohl mein Job eigentlich unnötig ist. Warum sollst du dich beim Steinerollen abplagen, wenn das auch Maschinen erledigen können?
Dieses ganze Konstrukt der Arbeit, diese Notwendigkeit, die da erschaffen wird, ist überhaupt nicht existent. Das ist doch alles nur eine dumme Erfindung, um uns unter Kontrolle zu halten. Arbeit, so wie uns das hier vorgegaukelt wird, ist vollkommen unnütz. Arbeit muss doch einen Sinn machen, sie muss doch jemandem nutzen, findest du nicht?

SYSIPHOS: Naja, sie nutzt doch der Wirtschaft.

AUTONOE: Scheinbar ja nicht, sonst würden sie uns wohl kaum ersetzten. Und das meinte ich auch nicht. Sie muss dem Menschen nutzen. Sie muss uns doch voranbringen.

SYSIPHOS: Arbeit schafft Menschenwürde.

AUTONOE: Du bist so naiv, das ist irgendwie süß. Menschenwürde schafft Arbeit. Und eine Arbeit die wirklich menschenwürdig ist, muss auch Menschenwürde schaffen. Was das Abfüllen von Wasser in einen löchrigen Krug und das Rollen von Steinen mit Menschenwürde zu tun hat, muss man mir erst mal erklären.

SYSIPHOS: Du siehst schön aus, wenn du dich aufregst.

AUTONOE: Das Problem ist, dass die meisten Arbeiten, die den Menschen wirklich dienen, nicht rentabel sind. Man plackt sich ab und kann kaum menschenwürdig leben, während man versucht Menschenwürde zu schaffen.

ARNO: Hey Süße, du hast vollkommen recht. Arbeit, das ist so was von Quatsch! Ich hab noch überhaupt nie richtig gearbeitet.

SYSIPHOS: Wer bist denn du?

ARNO: Ich bin der Arno!

SYSIPHOS: Und von was lebst du, wenn du nicht arbeitest?

ARNO: Ich kriech vom Amt!

SYSIPHOS: Ach, so einer bist du, so ein Sozialschmarotzer. Unsere Steuergelder gehen für faule Schweine wie dich drauf! Hart arbeitende Leute schuften sich den Buckel krumm, damit du dir ein schönes Leben auf der Couch machen kannst.

DIONYSOS: Schönes Leben? Denkste. Der Kerl lebt vollkommen vereinsamt in einer Zweizimmerwohnung und macht den ganzen Tag nichts anderes als seine Bude putzen und in die Klotze zu starren. Die einzige Freude die der hat, ist saufen. Der hockt hier praktisch jeden Abend. Nennst du so was ein schönes Leben?

ARNO: Ich bin zufrieden!

SYSIPHOS: Und das ist nicht ok!

AUTONOE: Warum nicht, soll er leiden? Geht’s dir dann besser?

SYSIPHOS: Er soll arbeiten!

AUTONOE: Es gibt doch gar nichts zum Arbeiten, deswegen sind wir ja hier. Soll er doch zuhause sitzen und glücklich sein. Wenn er das mit diesem mickrigen Satz kann, ist das schon fast bewundernswert.

SYSIPHOS: Aber das verhöhnt das System.

AUTONOE: Vielleicht hat es das System ja verdient.

ARNO: Genau, im Übrigen geht das jetzt auch nicht mehr, sie kürzen mir meinen Satz. Aber das ist auch egal, weil ich eh abhaue.

AUTONOE: Wohin?

ARNO: Hast du es nicht gehört? Im Elysium bekommt jeder einen Satz, absolut jeder, bedingungslos. Und der ist sogar besser als der hier.

AUTONOE: Elysium? Aber das ist doch nicht für alle, oder?

ARNO: Doch, es kann für alle sein. Wir müssen nur wollen. Kommst du mit?

SYSIPHOS: Verpiss dich du Hippie, deine komischen Phantasien will hier keiner hören.

ARNO: Ich habe ja nicht mit dir geredet.

SYSIPHOS: Sie gehört zu mir, also verschwinde.

ARNO: Ist ja gut, ich geh ja schon.

Arno ab

AUTONOE: Ich gehöre also zu dir.

SYSIPHOS: Ich mag dich.

AUTONOE: Du magst mich? Du hast doch kaum verstanden, was ich vorhin erklärt habe.

SYSIPHOS: Nicht wirklich, gebe ich zu. Arbeit ist schlecht oder so, hast du glaube ich behauptet. Ich bin nicht so clever, ich bin ein Steineroller, aber ich mag wie du redest.

AUTONOE: Und was ist das jetzt für eine Anmache?

SYSIPHOS: Entwaffnende Ehrlichkeit. Funktioniert es?

AUTONOE: Vielleicht…

SYSIPHOS: Tanzen wir?

AUTONOE: Du führst.

SYSIPHOS: Natürlich.

Sie tanzen und die Bühne räumt sich. Nur die beiden, Tantalos und Dionysos bleiben. Autonoe und Sysiphos küssen sich, dann schlafen sie miteinander. Er schläft ein, sie löst sich von ihm und geht. Sysiphos erwacht

SYSIPHOS: Was für eine Nacht.

DIONYSOS: Meine Kneipe ist kein Puff.

SYSIPHOS: Hey, ich habe dir nur gehuldigt.

DIONYSOS: Genau wie der da. Hat die ganze Nacht durchgesoffen.

TANTALOS: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!

SYSIPHOS: Und wo ist sie?

DIONYSOS: Was denkst du denn? Weg, diesem Arno nach, ins Elysium.

SYSIPHOS: Wirklich jetzt?

DIONYSOS: Dachtest du, mit so einer Anmache bekommst du was für die Ewigkeit? So sind die Mädels von heute, Spaß ist das eine, Zukunftsplanung das andere.

SYSIPHOS: Schlampe!

DIONYSOS: So ist das mit den Weibern, man muss ihnen was bieten können.

SYSIPHOS: Bieten, bieten, der biet ich was. Ich lass diese Kündigung nicht auf mir sitzen, ich hol mir meinen Job zurück! Die Bosse werden schon sehen, was sie davon haben mich rauszuschmeißen. Ich zettle einen Aufstand an, ich mache denen ihre Unterwelt zu Hölle! Los Tantalos du kommst mit.

TANTALOS: Yes, we can!

SYSIPHOS: Tantalos!

TANTALOS: Jaja, bin gleich da, nur noch einen.
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shuya

Trainee

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12

Wednesday, January 25th 2012, 2:50pm

(die nachträge habe ich noch nicht gelesen, aber sie enthielten ja auch nur erweiterungen zum eigentlichen text)

hey marot,
ich persönlich habe nichts dagegen alle möglichen charaktere der historie für die zwecke von übertragbarkeit und neuer darstellung zu verwenden (meine abschlußarbeit war ein vergleichender text von fight club und faust, um das damit noch einmal zu bestärken)

allerdings habe ich trotzdem kritik:
der dialog ist mir persönlich zu platt, zu gewollt.
mir scheint (und das hat nichts mit deiner intention zu tun, ich weiß) die mythologie wurde hier hinzugezogen
um sich die arbeit zu sparen das thema tiefer zu behandeln.
um den text zu guter satire zu machen, ist er zu stringent auf die pointe konstruiert
um ihn lyrisch interessant zu finden, ist er zu einfach und banal formuliert
um ihn zu schätzen, ist er zu sehr auf eine moral fixiert,
die - gelinde gesagt - nichts neues ist.

du arbeitest mit stereotypen, die du in keiner weise herausarbeitest,
die du vollkommen ohne eigenen touch belässt und einfach für dich arbeiten lässt
weil es das kollektive gedächtnis ja schon für dich erledigt
und genau da
sehe ich es ähnlich kritisch, sich an der mythologie zu bedienen.
ebenso kritisch sich am sci-fi 0815 roboter zu orientieren.

was ich dem text zu gute halten kann ist die reaktion des roboters, der aus seiner diener rolle fällt
und in die verteidigung rückt.

und, ich weiß das klingt alles ein wenig bösartiger als es gemeint ist (wie immer: kritik in textform fehlt ein charakter, ein gesicht, mimik und gestik, die sie entschärfen und fair machen könnten, die zur ehrlichkeit dazu gehören):
wäre der text für ein bilderbuch, mit schönen illustrationen
ich würde es meinem kind kaufen.
denn die aussage ist wichtig, der text ist einfach und stringent fomuliert,
die sage ist schnell basis des textes erklärt und er lässt viele fragen offen, die man als erzieher oder elternteil hätte ausführlicher beantworten können.

sähe ich das im theater allerdings,
also einem anderen als kindertheater,
würde ich mir das stück nicht bis zu ende ansehen.

ich hoffe dich mit dieser sehr offenen und gleichsam offensiven kritik
nicht zu verprellen,
mein vater ist schauspieler, so wie viele freunde schauspieler, drehbuchautoren, regisseure, lichttechniker pipapo.. - ich bin im theater groß geworden - und daher seeeehr kritisch und direkt bei dem thema, das hat weniger mit dir zu tun, als mit der masse an qualitativ sehr unterschiedlichen drehbüchern, die über die jahre durch meine hände gegangen sind. aber ich dachte, als bystander vom fach, tut manchmal etwas ernüchternde ehrlichkeit, ganz gut.

also fazit:
- ich unterschreibe die aussage
- ich unterschreibe die form, aber nicht die (vermutlich) angedachte zielgruppe
- ich unterschreibe die idee
aber
- sollte die zielgruppe aus leuten wie mir, also theatergängern, bestehen
.. keine chance, da muss noch ne menge arbeit rein um das zum funktionieren zu bringen.

trotzdem auf keinen fall entmutigen lassen und entweder zielgruppe oder form überdenken
das hier war keine "skillkritik" sondern kritik an der herangehensweise.

liebe Grüße

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