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Hazel

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1

Wednesday, December 21st 2011, 12:38pm

Gedichtewettbewerb: Station 7 - Schöne, weite Welt

Meine lieben, lieben Reisenden,

ich habe eine schlechte und eine schlechte Nachricht, deshalb fange ich mit einer guten an: Ich hatte hier in Rom eine unglaublich gemütliche Absteige gefunden, in der ich genügsam faulenzen und mich gehen lassen konnte. Erste schlechte Nachricht: Das ging euch anscheinend ähnlich. Ihr solltet aber nicht faulenzen, nein, nein, nein! Ihr solltet doch Gedichte für mich schreiben, aber ich merke schon: Jeder braucht mal eine Pause und ganz ehrlich zugegeben, hab ich mich auch nur mit ein paar Damen zwischen Käse, Weintrauben und Rotweinkrügen vergnügt.

Und trotzdem sind wir noch nicht ganz am Ende, oder wollt ihr wirklich für immer in Rom verweilen? Leider ist nur ein Teilnehmer zurück an den Flughafen gekommen, was nun allerdings auch nicht so viel ausmacht, denn es folgt die zweite, schlechte Nachricht: Auch wenn ich mich nochmal gerne von euch verabschiedet hätte, trennen sich leider unsere Wege - mir kommen fast die Tränen. In dieser letzten Etappe sollte jeder sein eigenes Ziel haben. Ihr könnt reisen, wohin ihr wollt, ich überhnehme alle anfallenden Kosten, von der Unterwäsche bis zum Friseurbesuch, also haut richtig auf den Putz.

Die Zeit mit euch war wirklich wunderschön, bla bla bla. Es tut mir leid, ich bin kein Meister großer Abschiedsworte - ein Mann muss hart bleiben (bekommt das jetzt bitte nicht in den falschen Hals). Also macht es gut und denkt an mich, wenn ihr mal Ausgangsbegleitung braucht. Ihr könnt mich jederzeit anrufen, ich flieg vorerst wieder zurück nach Berlin, da hat es mir selbst nämlich am besten gefallen. :-)
Ich wünsche euch viel Glück und Spaß auf eurer letzten Reise und kommt mir wohlbehalten wieder zu Hause an, wenn mein Konto ausgeblutet ist.

Es gibt diesmal auch keine formalen und inhaltlichen Einschränkungen, an die ihr euch halten müsstet. Eure Stadt, euer Stil, eure Freiheit! Lasst die kleine Weltreise noch einmal im eigenen Sinne stilvoll ausklingen. Zeit habt ihr auch genug, denn ihr könnt mir Texte bis einschließlich nächsten Sonntag zukommen lassen, aber denkt daran: Wer das Weihnachtsfest schön durchfeiern will, sollte vielleicht schon etwas früher den Stift in die Hand nehmen. In dieser letzten Runde werden alle erworbenen Punkte verdoppelt! Ja, ihr könnt nochmal richtig aufholen und auftrumpfen, also hängt euch in die Seile. Ich erwarte hunderte, geniale Texte. Vielleicht liest man ja sogar noch ein paar Quereinsteigertexte, wäre natürlich prima.

Themengebiet: Frei wählbar
Formale Bedingung: keine
Abgabetermin: Bis spätestens Sonntag, den 25.12.11 um 23:59Uhr
Wichtig: Diese Runde gibt es doppelte Punktzahl!

Euer zum Abschied winkender Reiseleiter
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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2

Monday, December 26th 2011, 12:54pm

Es geht eine Zeit herein

Als die Andern diesen Morgen nach Norden ziehen
geben sich erste Kraniche ein Stelldichein
Ein solches Stelldichein stellt dich
mit jedem Tagesanbruch
neu hinein:

Ins Schwingmoor mein Minutenswing
ein Takt aus Klang und Sing
klingt’s wie unser Ruf
nach ew’ger Zweisamkeit ?

Das Paar, das mit dem Auge des Sees sieht
ist ein Paar für die Hochzeit. Doch das Objektiv
ist gereift: Es schießt nicht, wenn die Sonne steigt
bleibt es aus. Hier
ist es auf unvergleichlichen Flößen
in Häusern mit Rundhölzern und russischen Öfen
in Monden aus Wasser der Masuren und der Maienregen
der uns Liebende versteckt
bis die Sonnenwende die Nacht mit tiefstem Rot aussetzt.

Es geht eine Zeit heraus

Als die Tarpanen die Kopanka aus der Nacht ziehen
gibt sich die Kolebka ein Wiegenlied
Ein solches Stelltdichaus stellt mich
unaufhaltsam
frisch hinein

In Fensterläden mit buntgemalten Träumen
ein Takt aus Sang und Kling
klang’s wie ein harmonisch Wechselruf
aus schönster Dreisamkeit!
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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3

Monday, December 26th 2011, 12:55pm

Atlantis

Ich suche hier, ich suche da,
Ach wäre es nicht wunderbar:
Ein Ort an dem der Frieden spießt,
Ganz ohne Armut, Krankheit, Hass,
Wo keiner prügelt, foltert, schießt
Und ohne Gier, ja das wär was!

Ich suche hier, ich suche da
Doch nein, es ist schon sonderbar.
Da hilft auch keine Phantasie,
Es stirbt der Hoffnungsfunken,
Denn diesen Ort, den gabs noch nie
Und wenn, ist er versunken.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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4

Monday, December 26th 2011, 12:56pm

Dublin

Dunkel bedrückende
Und regen
Benässte gassen
Längst erfreuen sich augen
Impulsiv an farbenreichen türen die
Neckisch rebellisch angestrichen
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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5

Monday, December 26th 2011, 12:57pm

Edinburgh

die zwischen Deinen häusern wie durch grüne hügeltäler gehen
sind die heimatlosen, die stadtwanderer,
von irgendeinem youth hostel aus
über die north bridge, ein steg über ferne wiesenseen,
die Deine lichter essen wie fish & chips unter regendächern,
die sich Deinen julihimmel wie eine mütze über die stirn ziehen –
Deinen julihimmel, Sterndurchwühlte, so flüssig und frei
wie der singsang einer schottischen fiddle und mövengeschrei,
die des abends durch Deine straßen wehen
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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