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Raul

Master

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1

Wednesday, July 27th 2011, 2:27pm

Fragen der Zukunft

Was, wenn die bankrotte Welt sich in den nächsten Jahren dramatisch abwickelt? Die Insolvenz der Staaten weltweit liegt auf der Hand. Die Buchungstricks sind keine griechische Spezialität. Unterdessen sind viele andere Länder nicht einmal in den Genuss eines vorübergehenden Wohlstands gekommen. Trotzdem dreht sich das Karussel unseres Kapitalismus weiter. Das Vertrauen in institutionelle Systeme und Politiker hingegen schwindet massiv. Burnout- und Boreout-Syndrome lasten stärker denn je auf einzelne Menschen im Arbeitsalltag. Die Produktivitätszuwächse haben längst den sozial verträglichen Zenit überschritten. Geld ist zu einem asozialen Faktor geworden. Der Zerfall zivilisierter Kulturen in beliebige Einzelperspektiven sorgt für Verunsicherungen. Die Gesellschaften geben keine klaren Wertehierarchien mehr vor. Es ist, was jedem gefällt. Eine Freiheit ohne Konzept. Wertefundamentalismus stellt dabei meines Erachtens keine Lösung dar. Aber Fakt ist, dass wir vor einem nächsten gewaltigen Herzinfarkt stehen. Bei der Komplexität der Globalisierung weiß man gar nicht mehr, welche Baustelle eigentlich als nächstes Priorität genießt. Kein Mensch kann heute sagen, was morgen wird. Lösungen in der Welt der Zahl?

Haben wir eine pragmatische Utopie, die diesen Kapitalismus glaubwürdig ersetzen kann? Haben wir auf individueller Ebene Möglichkeiten, einen sozialen Rahmen wieder zu finden? Wie lassen sich Produktivität und Sozialstandards in einer Kultur zusammenfassen. Ethische Nachhaltigkeit ist da so ein Schlagwort. Aber was heißt das konkret? Ich weiß, dass ich nichts weiß. Die Entwicklung des breiten Wohlstands war die beste Friedenspolitik. Leider ist sie zum Stehen gekommen, und ich befürchte, dass extreme Bewegungen wieder Zulauf gewinnen. Manchmal ist ja ein bisschen Revolution gut. Aber ohne Idee? Ohne Utopie? Was meint ihr dazu?

meinich

Trainee

Date of registration: Nov 28th 2011

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2

Monday, November 28th 2011, 10:53pm

ist das nicht alles schon viel zu festgefahren?
hilft da nicht nur noch ein rießiger knall um vielleicht platz zu machen für was neues?
vielleicht erscheint ja doch noch irgendwann der liebe gott und erlöst alles?
oder es gibt noch eine ganz andere, abgefahrenere entwicklung?
oder ist das doch alles nur sowas wie eine riesengroße illusion?

welterklärungen gibt es ja on mass, welche stimmt denn jetzt?
aber irgendwas stimmt doch hier nicht, oder ist das auch nur wieder so ein hirndreh von mir?

sorry, ist bestimmt nicht die beste antwort auf deine frage, raul

Hazel

Moderator

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Location: München

Occupation: Germanistik-Student

3

Tuesday, November 29th 2011, 2:52am

Super Thema, muss jetzt leider erstmal ein bisschen ausschlafen, aber da freue ich mich schon auf eine schöne Diskussion :-)
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Raul

Master

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4

Tuesday, November 29th 2011, 4:43pm

Hallo meinich, hallo Hazel,

die Frage ist ja, ob wir überhaupt zu einem Systemwechsel fähig wären. Ich bin mir da nicht so sicher in westlichen Gesellschaften, die stark durchorganisiert und bestimmt sind von den Arrivierten, die ja davon profitieren und Jugend und Zukunft wunderbar abwürgen können. Es ist auch ein demokratisches Grundproblem, dass Kinder nicht mitwählen können/dürfen. Sie können es natürlich nicht, aber wie wäre es, wir schaffen zumindest eine Partei der Zukunft, die auf die Nachhaltigkeit der kommenden Generationen setzt? Schwierig, ich weiß...Hat einer andere Lösungen?

Babac

Master

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Location: Saarbrücken

5

Tuesday, November 29th 2011, 9:16pm

bis der Kapitalismus nicht ins Gras beißt, bleibt alles beim Alten. Er hatte ja schon paar Schlaganfälle, die er überlebt hat, oder Fieberangriffe, die er ausgestanden, weil das Imunsystem (alle Bürger/ Staat), noch zu stark und intakt war; ob das Imunsystem die nächste Krankheit beim nächsten und wieder nächsten Mal aushält? - das ist die große Frage. Dass es Ungerechtigkeiten und Lücken in diesem System gibt, weiß jeder, nur keiner will es wahr haben.

meinich

Trainee

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6

Tuesday, November 29th 2011, 10:55pm

servus raul;

Quoted

aber wie wäre es, wir schaffen zumindest eine Partei der Zukunft
wen meinst du mit wir? und an was für eine art von partei hast du denn dabei gedacht?

servus babac;

Quoted

Dass es Ungerechtigkeiten und Lücken in diesem System gibt, weiß jeder, nur keiner will es wahr haben.
meinst du mit keine alle menschen oder bestimmte leute?

Tamea

Professional

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7

Wednesday, November 30th 2011, 7:32am

Ein schwieriges Thema...


um die Frage von meinich zu beantworten
Zitat
Dass es Ungerechtigkeiten und Lücken in diesem System gibt, weiß jeder, nur keiner will es wahr haben.
meinst du mit keine alle menschen oder bestimmte leute?
Es gibt Menschen die es wahrlich bemerken, wissen und sich damit befassen.
Aber die Vielzahl der Anderen leben einfach in dem Strudel der Unwahrheiten und laben sich an irgendwelchen schön geformten Worten. Sehen sich die Fleichbeschau im Fernsehen an, schütteln ab und wann den Kopf, geben Sätze von sich , die sie selbst nicht verstehen, nur um was zu sagen. Oder sie trauen sich nicht ihr Wissen preiszugeben und schwimmen lieber mit, sagen sich, man kann es eh nicht ändern...
Wir leben in einem Haufen von Marionetten, bei manchen sind die Fäden länger bei anderen straffer.

Sicher könnte man dieses System in Unruhe bringen, man könnte neue Denkansätze vorlegen und auch sie an die Menschen hier anbringen. Nur muss man sich auf deren Stufe begeben. Über Sendungen die im eigentlichen Sinne politisch sind, aber für das breite Volk, in einer Leichtigkeit wie eine Seifenoper in deren Gehirne vordringt. Sie halt so zum anders Denken anregen...

Raul

Master

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8

Wednesday, November 30th 2011, 8:04am

Hallo Tamea,

wie recht du hast. Auch die Medien haben sich weitestgehend den Verdummungsfloskeln der Zeit verschrieben. Mein konkreter Vorschlag wäre beispielsweise:

Politiker und Medien von heute bekommen nur dann in zwanzig Jahren ihre vollen Pensionsansprüche und Renten, wenn ihre politischen Entscheidungen (Meinungsmache) auch in zwanzig Jahren noch tragfähig in der Nachhaltigkeit für die Folgegenerationen sind. Denkt man mal dreißig Jahre zurück, so hätten die Grünen-Politiker von damals in diesem Modell wegen ihres Atomprotests heute gute Gründe für einen umfassenden Anspruch ihrer Pension. Denn warum sollen die zukünftigen Generationen erst die schlechte Politik der Politiker bezahlen und dann noch später ihre Rente finanzieren? Das ist absurd.

rivus

Professional

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Occupation: Nachtschwärmer

9

Wednesday, November 30th 2011, 10:01am

hi raul,
bezogen auf die zukunft, bin ich sehr pessimistisch geworden, seitdem ich die universalhistorische deutung des 20.jahrhunderts von dan diner in der hand hatte.

Raul

Master

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10

Wednesday, December 7th 2011, 8:22pm

Hallo rivus,

warum nur an die Zukunft denken, rivus? Wenn wir jetzt sind, echte Menschen sind, kommt die Zukunft von ganz allein. Leider verspeisen und vetrinken wir immer gern die Gegenwart. Optimismus und Pessimus sind Kulturhaltungen für Erwartungen an die Zukunft. Im Jetzt sein bedeutet für mich als Mensch, jetzt für meine Mitmenschen da zu sein. Das ist eine Frage der Zukunft. Wie kann ich von Zukunft sprechen, wenn ich jetzt als Mensch nicht leben kann? Wenn ich die gierigen und gierenden Menschen jetzt kaum mehr ertragen kann? Zu den Fragen der Zukunft gehört immer die Gegenwart. Jetzt sein heißt jetzt handeln. Das Einzige, was wir alle für die Zukunft tun können, können wir nur jetzt tun. Ich habe den Eindruck, dass die Marketingerfindung Zukunft das Zugpferd für alle Haben-Woller dieser Welt gewesen ist, allein um zu kaschieren, dass die meisten Gesellschaften schon längst kein echtes wertvolles Werteparadigma mehr haben. Jeder kann sich im Kampf um Aufmerksamkeiten heute jeden Tag neu erfinden. Und sogar Anflüge von Schizophrenien sind erlaubt, wenn sich der fürsorgliche Papa morgens mit seinen Kindern vorbildhaft bei Müsli und Apfel für gesundes Essen einsetzt und drei Stunden später die Pommesbude aufsucht. Ich habe einmal versucht, meine eigenen Widersprüche pro Tag aufzuschreiben. Ich kam vom Notizblock nicht mehr weg. :) Die unterschiedlichen Rollen, die man täglich spielt, überfordern mich und auch andere zunehmend. Ich will keinen totalitären Wertekatalog, aber etwas mehr Verbindlichkeit zwischen Menschen in der Gegenwart würde der Zukunft ganz bestimmt gut tun.