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Hazel

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1

Wednesday, November 30th 2011, 12:59am

Fremdgegangen

Fremdgegangen

Du kleckerst mit Kaffee, sprichst halblaute Sätze
Entweichst allen Blicken, rührst lang in der Tasse.
Die zitternden Lippen, sie beten, ich schätze,
Dass ich dich jetzt leise und restlos verlasse

Wir zwingen uns würgend zu Einsicht und Ruhe
Ich dreh mich zur Tür, kann es selbst kaum verstehen
Behalt es im Mund, binde schweigend die Schuhe
Ich schlucke es später im Ganzen beim Gehen

Die Tür in der Angel, die Welt vor der Nase
Ich breche und reiß mich verzweifelt zusammen
Steh auf und betrete die endlose Straße
Vor Jahren einst bin ich sie zu dir gegangen


Anm.: Da mich ja doch einige ein wenig kennen: Das ist nicht autobiographisch!
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Raul

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2

Wednesday, November 30th 2011, 6:33am

Hallo Hazel,

ein Text, der mir durch seinen Sprachrhythmus eigentlich richtig gut gefällt. Ja, eigentlich. Jetzt kommt das uneigentlich. So gut der Stil ist, so wenig passt er für mich nach einmaligem Lesen zur Inhaltsebene. Gerade der Abgang deutet an, dass die Rückkehr des lyrischen Ichs wieder und wieder erfolgt ist, obgleich es schon zuvor bittere Erfahrungen in der Beziehung gemacht hat. Ich tue mich da noch ein wenig schwer mit dem Hurra-Stil und werde das mal so sacken lassen und vielleicht heute Abend noch mehr Gefallen am Text haben. Stilistisch einwandfrei und gekonnt.

Marot

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3

Wednesday, November 30th 2011, 9:51am

Ich muss mich Raul anschließen, Inhalt und Metrik wollen irgendwie nich so recht ineinandergreifen. Das ist ein langsames sehnsüchtiges Gedicht, das aber durch einen Daktylus mit auftakt förmlich durch die Zeilen galoppiert wird. Die Ruhe und innere Reflektion die angedeutet wird, stehen diesem rhythmischem Gestampfe krass gegenüber. Vieleicht wolltest du herzklopfen simmulieren, aber irgendwie funktioniert das nicht. Die Dynamik verwährt den Zugang zur Gefühlsebene, so dass der Text irgendwie unecht wirkt.
Gruß marot
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Erik R. Andara

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4

Wednesday, November 30th 2011, 9:57am

also ich finde es jetzt nicht so schlecht;

was mir hochgestoßen ist beim lesen ist das aufeinandertreffen von lautlos und restlos; beides in der ausgeschriebenen form, obwohl es bei solchen adverben in einem schönen deutsch (achtung, das was ich als solches erachte) wahrscheinlich als laut- und restlos geschrieben werden würde;
allgemein bin ich bei handlungs- bzw. reflektionsgetriebenen texten, die kaum mit bildern arbeiten, nicht allzu großer fan von gebundenen formen (aber ich bin überhaupt kein fan von gebundenen formen, das ist also wahrscheinlich vernachlässigbar)
aber ich lese immer ganz überrascht, was dabei herauskommt, wenn man so aktuelle (eigentlich zeitlos, aber durch das setting aktuell) themen in reim- form und rhyrhmisch gebunden verfaßt; das heißt, wenn man sieht, dass der verfasser versteht, was er da tut und über das nötige technische know how verfügt, was ja bei dir eindeutig der fall ist, hazel; also, ich war auch beim lesen deines textes angenehm überrascht, was solche synergien werden können;

Quoted

Wir zwingen uns würgend zu Einsicht und Ruhe


mir hat die geschwindigkeit übrigens nicht aufgestoßen, da bin ich schnell reingekommen; ich habe den text auch weniger als sehnsüchtig als vielmehr einen fluchttext aufgefasst; und da würde dann das galoppierende durchaus reinpassen; das lich wird ja nicht verlassen, es verlässt; also da drängst von haus aus nach vorne und nicht nach innen; (auch wenn man solche texte natürlich nach innen lenken kann) die intelektuelle niederkunft am schluß solltest du übrigens dann wahrscheinlich doch rhythmisch niederschlagen lassen oder zumindest zäsieren;

erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

Hazel

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5

Wednesday, November 30th 2011, 11:50am

Hallo :-)

Ich antworte mal von hinten her, damit ich am Ende allgemein was zum Rhythmus sagen kann.

Erik:

Quoted

was mir hochgestoßen ist beim lesen ist das aufeinandertreffen von lautlos und restlos


Das dachte ich mir schon beim Schreiben, wollte es aber mal ausprobieren. "lautlos" kann man ja leicht durch "leise" ersetzen. Dazu änder ich es erstmal und denke noch über Alternativen nach.

Alle:

Quoted

ich habe den text auch weniger als sehnsüchtig als vielmehr einen fluchttext aufgefasst; und da würde dann das galoppierende durchaus reinpassen; das lich wird ja nicht verlassen, es verlässt; also da drängst von haus aus nach vorne und nicht nach innen; (auch wenn man solche texte natürlich nach innen lenken kann) die intelektuelle niederkunft am schluß solltest du übrigens dann wahrscheinlich doch rhythmisch niederschlagen lassen oder zumindest zäsieren;


Sehnsucht oder Flucht? Ich wollte den Text extra so offen lassen, dass man beides im Kopf haben könnte: Entweder jemanden, der sich schlechten Gewissens nach einer Liebesnacht mit einer alten Freundin auf die Socken macht, oder eine Trennungsszene aus einer Ehe, die wegen dem "Fremdgehen" zersört wurde. Es sollten also beide Ansichten zählen. Ein Rhythmusbruch zum Ende wäre wirklich eine Idee, allerdings fällt mir gerade auf die schnelle keine sinnvolle Variante eine. Ich denk mal drüber nach ;-)

Quoted

Gerade der Abgang deutet an, dass die Rückkehr des lyrischen Ichs wieder und wieder erfolgt ist,

Warum wieder und wieder, wenn man eine endlose Straße vor Jahren einmal gegangen ist. Eigentlich wollte ich damit eine Einmaligkeit ausdrücken -.-

Quoted

Inhalt und Metrik wollen irgendwie nich so recht ineinandergreifen


Ich verstehe gut, was ihr meint, und ihr habt sicher recht, wenn man es eben im Galopp runterrattert. Würde ich eine Arbeit über ein Gedicht schreiben müssen und würde die Metrik betrachten, die ähnlich aufgebaut wäre, würde ich ebenfalls eine hohe Geschwindigkeit anmerken. Trotzdem war das noch nie meine Einstellung dazu als eher etwas Erlerntes, denn ich glaube, dass wir uns durch unser ganzes Speedreading hier im Internet angewöhnt haben, alles so schnell runter zu lesen wie es eben geht. Es stimmt: Man kann diese Metrik unglaublich schnell durchhetzen, aber man kann sie auch mit Pausen, Akzenten und schleppend vortragen. Warum muss man denn den Sprachfluss eckig gestalten, nur damit man gezwungen ist, auch nicht zu schnell zu werden? Natürlich ist es ein Gegenbild zu einer Brüche und Pausen betonenden Rhythmik und insofern liest man auch automatisch etwas schneller. Trotzdem glaube ich, dass ich es so vortragen könnte, dass danach niemand behaupten würde, die Metrik würde die Szene zerstören. Ich versuche beim nächsten Mal dennoch darauf zu achten, dass ich nicht nur eine Schablone ausfülle, sondern die Rhythmik mal ganz gezielt zum Inhalt miteinbaue. Wer weiß, vielleicht kommt ja etwas raus, das mir selbst auch besser schmeckt.

Grüße, Hazel

edit.: Kann vielleicht auch sein, weil ich zur Zeit viel Musik und Songtexte mach, dass sich mein Gefühl dafür ein bisschen verschoben hat. Die Texte gehen da auch so "schnell" runter, aber bekommen eben melodisch ihre Tiefe :)
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6

Wednesday, November 30th 2011, 3:33pm

Holla Hazel.

Das mit dem Metrum finde ich allgemein nicht so unpassend zum Thema. Auch ich habe kürzlich ein nachdenklich bis düster gestimmtes Gedicht mit diesem Versmaß, das man auch als Amphibrachus betrachten könnte (wobei dann alle Hebungen und Senkungen pro Vers aufgehen - also kein Auftakt u.Ä. auftritt), eingestellt. Ich denke, wie fröhlich das Versmaß wirkt hängt stark davon ab, ob das Gedicht schnell gelesen wird oder eher langsam. Nur an einer Stelle fiel mir auf, dass das Versmaß nicht aufgeht:

Quoted

Behalt es im Mund, binde schweigend die Schuhe
Ist das beabsichtigt? Sonst ließe es sich leicht umgehen indem man "binschweigend die Schuhe" schreibt.

Om shanti

Tobl
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Hazel

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7

Wednesday, November 30th 2011, 4:01pm

Geht doch auf, oder?

Behalt es im Mund, binde schweigend die Schuhe
xX x x X xx Xx x Xx

Danke für deinen Kommentar, Hazel
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Babac

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8

Wednesday, November 30th 2011, 10:04pm

Quoted


Geht doch auf, oder?

Behalt es im Mund, binde schweigend die Schuhe
xX x x X xx Xx x Xx


hallo hazel,

ich würde sagen nicht ganz! streng genommen wird der vers so herausgehört: xXxxXXxXxxXx
also du hast eine zäsur mit dem komma zuerst gesetzt, endest vor dem komma mit einer harten kadenz und beginnst nach dem komma dann erneut mit einer harten k. da liegt der hund begraben.

grüße,
babac

Chepre

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9

Wednesday, November 30th 2011, 10:54pm

hallo, Hazel

gefällt mir, dein Gedicht. wieder hast du sehr gut geschafft, weswegen ich deine Gedichte generell sehr gern lese - ein Gefühl unheimlich direkt ohne Abstriche an mich als Leser zu bringen. die Szene, die du aus vielen kleinen Nuancen zusammengesetzt hast, wirkt sehr kräftig und farbig (also im Sinn von vorstellbar).
mit dem Rhythmus/Metrum habe ich gar kein Problem. auf mich wirkt es weder besonders schnell noch besonders langsam. die Zeile, die gerade zur Debatte steht, ist im Grunde schon so zu lesen wie Babac schreibt - aber beim Lesen des Textes rutscht man eigentlich ohne Probleme in die von dir intendierte Betonung rein. meiner Meinung nach braucht es da also keine Änderung.
die letzte Zeile finde ich besonders schwer, wahrscheinlich wegen des betonten zu. aber das passt ja auch, da dieser letzte Gang, hier Weggang, die Endgültigkeit einer gefällten Entscheidung in sich hat...so in meiner Lesart. ich denke, das lyrische Ich hat das Du, das ihm fremd gegangen ist, gerade verlassen.

das einzige wirkliche Manko sehe ich in dieser Zeile:

Quoted

Ich schlucke es später im Ganzen beim Gehen

ab der Mitte des Verses sperrt sich was gegen flüssiges Weiterlesen. wahrscheinlich ist es das in gewisser Weise "doppelt gemoppelte" der zwei folgenden Phrasen. beide stehen im Dativ und haben nen i-artigen ?( Laut vor dem ohnehin schweren m in der Präposition. ich hab n bisschen Mühe, mein Problem zu fassen - aber vielleicht verstehst du es auch so. die Silben am Ende wirken irgendwie "zu groß", als dass ich da ohne Hänger drüber käme. ?( eine Lösung könnte schon ne Veränderung in der Satzstruktur sein - wirkt glaube ich nicht halb so schwer, wenn die Sachen (im Ganzen, beim Gehen) nicht direkt nebeneinander stünden.

ja - so weit, so gut. vielleicht hilft dir mein Kommentar ja weiter.

Gruß
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Hazel

Moderator

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10

Thursday, December 1st 2011, 12:58pm

Huhu,

Babac:

Quoted

ich würde sagen nicht ganz! streng genommen wird der vers so herausgehört: xXxxXXxXxxX

Streng genommen wäre das erstmal sinnvoller, ja. Aber man kann es auch anders betonen und die vorhergehende Metrik gibt doch eigentlich den Leitfaden dazu. Es gibt ja in der Rhythmik sehr oft solche Stellen, die man verschieden betonen könnte, allerdings auch flüssig in einen herrschenden Fluss einlesen kann.

Chepre:

Quoted

die letzte Zeile finde ich besonders schwer, wahrscheinlich wegen des betonten zu.

Ja, das ist tatsächlich ein bisschen komisch zu betonen, weil man als Leser nach normalem Sprachstil das "dir" betonen würde. Deswegen habe ich an der Stelle auch das zu kursiv geschrieben und dacht mir, ich lass es so stehen, weil genau dieses Wort ja eine tragende Bedeutung hat. Diese endlose Straße, die man sich früher schon mal zum Ziel gemüht hat, jetzt wegen einer Einmaligkeit wieder in Angriff nehmen zu müssen.

Und auch den Hänger beim:
"Im Ganzen beim Gehen"
kann ich sehr gut nachvollziehen. Die Gs als velare, mittlere Plosive und davor jeweils die nasalen m-Laute mit Mundschließung. Das spricht sich ein bisschen schwierig, das ist mir nach dem Schreiben auch aufgefallen. Ich hab mich allerdings gefreut und gedacht: "Na, das ist nicht ganz einfach, im Ganzen zu schlucken." Ich glaube, dass ich auch an der Stelle erstmal nichts verändern werde. Vielen Dank für deinen aufbauenden Kommentar.

LG, Hazel
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meinich

Trainee

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11

Thursday, December 1st 2011, 9:18pm

servus hazel;

auch mir haben es deine zeilen irgendwie angetan. mir gefallen die reime und der schwungvolle rhytmus, auch wenn das thema fremdgehen eigentlich ernster ist.
der schluss gefällt mir auch sehr gut, auf dem selben weg weggehen auf dem man gekommen ist.

Quoted

Anm.: Da mich ja doch einige ein wenig kennen: Das ist nicht autobiographisch!
ich kenne dich ja nicht und frag mich, wie man solche zeilen aus dem kopf oder gefühl heraus überhaupt so schreiben kann. aber gut gelungen.

gruß meinich

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12

Friday, December 2nd 2011, 4:04pm

Hi Hazel.
Du hast recht.: so kann man´s auch betonen. Da bin ich zu schnell auf irgendwelche geistig vorgepressten Rhythmen reingefallen.
Und wieder habe ich durch ein Gedicht etwas über mich selbst gelernt, wenn auch auf einem Umweg.
Beste Grüße
Tobl
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Hazel

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13

Friday, December 2nd 2011, 5:07pm

Hallo meinich,

danke für deinen Kommentar und Servus zurück aus München.

Quoted

ich kenne dich ja nicht und frag mich, wie man solche zeilen aus dem kopf oder gefühl heraus überhaupt so schreiben kann. aber gut gelungen.

Naja, ein bisschen Fantasie und bereits erlebte Szenen (auch aus Buch oder Film oder Song oder Realität) geben doch genug Bandbreite, um auch Bilder im eigenen Kopf entstehen zu lassen, die man eigentlich noch nicht vor Augen hatte. Jeder Künstler macht das doch auf eine gewisse Art und Weise, sonst müssten wir ja alles als autobiografisch bezeichnen.

Tobl:

Ja, das passiert uns wohl allen von Zeit zu Zeit. Darf man sich auch nicht übel nehmen, es gibt zu viele Floskeln und eingeschweißte Wortketten, die man nur oft anders betont wahrnimmt. ;-)

LG
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Babac

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14

Friday, December 2nd 2011, 5:18pm

Quoted

Aber man kann es auch anders betonen und die vorhergehende Metrik gibt doch eigentlich den Leitfaden dazu. Es gibt ja in der Rhythmik sehr oft solche Stellen, die man verschieden betonen könnte, allerdings auch flüssig in einen herrschenden Fluss einlesen kann.
im grunde genommen gebe ich dir recht, lieber hazel, nur in einer ausnahme muss ich dir widersprechen. ein wort mit zwei silben, das eine weiche endung hat, wie z.b. "binden" hat generel, als erste silbe einen harten anfang. sprich: Xx. soviel dazu. allerdings hat man als dichter, bei einsilbigen wörtern, wie etwa: "du" "nur" "froh" usw. die wahl zu entscheiden, ob man der silbe einen weichen oder harten ton geben möchte; etwas genauer gesagt, die wörter mit einer silbe kann man, so wie man sie braucht, zum rhythmus des verses anpassen. komplizierter wird's wenn man jetzt noch wörter mit drei silben einschalten würde. aber, das villeicht ein andermal.

grüße,

babac

Hazel

Moderator

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15

Friday, December 2nd 2011, 6:26pm

Hallo Babac,

vornweg gebe ich dir schonmal recht. In unserem Duden selbst gibt es zu jedem Wort eine bestimmte Betonung, wie man sie in der Phonetik-Lehre findet. Es gibt ganz wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel Kaffe, den man auf der ersten oder der zweiten Silbe betonen kann. Sprich: Jedes Wort für sich alleine hat diese Betonungen, das ist wohl wahr. Trotzdem merkt man doch schon beim Lesen, dass sich das "binde" auch sauber und zweifach unbetont in den Rhythmus einlesen lässt. Das entspringt eigentlich noch einer anderen Trickkiste. Zweisilbige Wörter kann man immer als zweifach unbetont einbauen, wenn man sie richtig platziert und den Rhythmus davor vorgibt. Man erinnere sich mal an das römische Versmaß, wo es um Längen und Kürzen ging. Ein wenig davon steckt schon auch noch in unserer Sprache, denn sobald man die erste "bin"-Silbe nicht zu "laut" und "betont", sondern kurz und laufend liest, hört es sich einfach nicht nach einer Betonung an. Eigentlich müsste ich das besser begründen können, ich habs mal irgendwann im ersten Semester gelernt gehabt -.-
Als Einzelwort ist "binde" natürlich immer auf der ersten Silbe betont. Trotzdem kann es verarbeitet auch zweifach unbetont gelesen werden. Das Beispiel im Gedicht beweist es ja. Das geht mit allen zweisilbigen Wörtern, auch wenn es manchmal sehr ungewöhnlich klingt. In Liedtexten sieht man dieses Phämomen auch öfters. Es kommt eben immer auf die Dependenz zur nächst lauter gesprochenen Silbe an. Wie auch immer :D

LG, Hazel
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Raul

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16

Saturday, December 3rd 2011, 11:16am

Hallo Hazel,

bei nochmaligem Lesen und Lesen der Kommentare teile ich Chepres Einwand, glaube aber, dass es an dem "es" liegt, dass in der zweiten Strophe gleich in drei Zeilen vorkommt und den Rhythmus doch stört. Das ist einfach behebbar. Inhaltlich habe ich dagegen keine Einwände mehr. Der ist bei mir jetzt durchgerutscht, und ich finde, dass man das Thema auch in diesem Rhythmus abhandeln kann.

Gruß

Raul

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