Hallo Daniel
ich mag dieses Gedicht als Zusammenhäufung von Sinneseindrücken sehr.
Für mich ist es wie ein nächtlicher stream of consciousness, gemischt mit schimmernden, bruchstückhaften Wahrnehmungen. Genau nach meinem Geschmack.
Hallo erik
"Ferne kriecht zu mir wie katzengoldne Spinnen
in den Magen und auch er wird trocken"
Ich denke, vorerst könnte man es auch so lesen, dass der Magen "einfach so" trocknet. Da die Spinnen in den Magen kriechen und darauf das Trockenwerden folgt, neigt man natürlich dazu, das kausal miteinander zu verbinden - muss aber m.E. nicht.
Für mich hat das adjektiv katzengolden, wie gesagt, etwas schimmerndes, leuchtendes, ich assoziiere mit diesem Wort zusammen in Verbindung irgendwie etwas Prickelndes, ein Kribbeln. Die Verbindung von Spinnen einerseits als etwas "Ekliges" (obwohl ich Spinnen ganz süß finde) und Katzen andererseits als etwas anmutiges, geheimnisvolles schafft für mich hier ein besonderes Bild. Die Ferne kriecht geheimnisvoll, fern, unnahbar, wie sie ist, kribbelnd in den Magen. Es ist ein Gefühl, das sich physisch bemerkbar macht (so ähnlich wie Schmetterlinge im Bauch - und das assoziiere ich sofort damit - eine Alternativmetapher zu Schmetterlinge im Bauch, leicht negativ, unnahbar abgewandelt.) Find ich schön.
Besonders interessant finde ich auch die Antithese des "stillen Mannes" und des "heulenden Mannes". Die Einsamkeit, die Ruhe, der Frieden der Nacht, wird unterbrochen vom weinenden Mann. Ein unbekanntes, dennoch ergreifendes Schicksal hineingeworfen in die Unverständlichkeit der Nacht. "Komm, rauchen wir eine!" --> komm, lass uns die Nacht genießen, blind ist der Mond (der Mond selbst als große Lampe am Himmel sieht uns nicht); Rauchen hier als etwas Verbotenes vielleicht? Aber man wird abgelenkt: ein kleiner Mann weint.
Das einzige, was ich jetzt auf die Schnelle auch nicht so deuten kann, ist "Frieden ist Staub und Staub ist Frieden".
Was mir aber noch besonders gut gefällt, ist das Buchstückhafte und das (vielleicht?) pars pro toto der Pullover. Man verbindet mit den trocknenden Pullovern Häuslichkeit, zwei Menschen, usw...
Was mir von der Form besonders gefällt sind die Reime und gleichzeitig die Verbindung des etwas freien Rhythmus, der doch in Bahnen gehalten wird.
Ein kleiner Vorschlag zur Vereinheitlichung - die Zeichensetzung ist noch etwas unkonsequent, finde ich:
In Marburg trocknen zwei Pullover, und die
Ferne kriecht zu mir wie katzengoldne Spinnen
in den Magen, und auch er wird trocken.
Ein Zug fährt irgendwo ab, dann noch einer...
und immer wieder, die Nacht will schnell gerinnen.
Ein kleiner Mann ruht still in seinen Socken.
Frieden ist Staub und Staub ist Frieden,
komm! Rauchen wir eine, blind ist der Mond.
Doch der kleine Mann heult wie von Sinnen.
Alternativ auch:
in Marburg trocknen zwei Pullover und die
Ferne kriecht zu mir wie katzengoldne Spinnen
in den Magen und auch er wird trocken
ein Zug fährt irgendwo ab, dann noch einer...
und immer wieder, die Nacht will schnell gerinnen
ein kleiner Mann ruht still in seinen Socken
Frieden ist Staub und Staub ist Frieden,
komm! Rauchen wir eine, blind ist der Mond
doch der kleine Mann heult wie von Sinnen
Also entweder würde ich es eben komplett Satzstruktur beibehalten, oder einfach die Punkte weglassen und die Sätze klein anfangen... ach, man könnte so viel machen, nur, ich finde, es sollte einheitlich sein, damit man beim Lesen nicht so über die Interpunktion stolpert und dadurch abgelenkt wird.
lg
Julia