Hallo Chepre,
vielen Dank für deinen Hinweis. Das hat mich echt weiter gebracht. Das Sonnet 130 gibt's jetzt dazu. Der Dichter ist ja auch schon tot.
SONNET 130
My mistress' eyes are nothing like the sun;
Coral is far more red than her lips' red;
If snow be white, why then her breasts are dun;
If hairs be wires, black wires grow on her head.
I have seen roses damask'd, red and white,
But no such roses see I in her cheeks;
And in some perfumes is there more delight
Than in the breath that from my mistress reeks.
I love to hear her speak, yet well I know
That music hath a far more pleasing sound;
I grant I never saw a goddess go;
My mistress, when she walks, treads on the ground:
And yet, by heaven, I think my love as rare
As any she belied with false compare.
Aber zurück zu Opitz und die Zeit des Barocks. In einer Zeit, in der Kriege und Hass wüteten, ist es für mich schon beeindruckend, wie der Mensch im Kontrast dazu den Fokus auf Schönheit und Ästhetik wirft. Aber so funktioniert das wohl mit der Literatur. Sie baut und braucht Gegenentwürfe zur eigenen Gegenwart. Ich habe mich auch immer gefragt, wie Hermann Hesse inmitten des 2. Weltkriegs so ein Werk wie "Das Glasperlenspiel" verfassen konnte. Vielleicht es also gar nicht so falsch, wenn die Menschen heute sich Lady Gaga zuwenden. Hat doch auch etwas Ironisches in unserer heutigen Zeit.

Ich darf ja als einzelner noch für mich entscheiden, und daher sage ich Opitz. Meinetwegen auch Kleist, wenn ich mich mal an seinen Wahnsinn gewöhne.