Friday, May 25th 2012, 4:19am UTC+3

You are not logged in.

  • Login
  • Register

Alexa

Blickdicht(erin)

Date of registration: Dec 15th 2006

Posts: 1,534 wcf.user.activityPoints: 8,395

Location: von draußen vom Walde...

1

Tuesday, November 8th 2011, 12:41pm

restlos

Augenblicke hängen
zwischen jetzt und dem letzten Zug
an der Zigarette.
„Steine glänzen bei Regen“, sagst du.
„Oberflächlich“, murmel ich, „nur oberflächlich.“
Gedanken im Hohlklang.
„Wir müssen … .“
„Ja.“
„Weißt du …“
deine Worte fallen unter einen vorbeifahrenden Lastwagen.
„Was?“
„Ach nichts.“
„O.K.“
„Du weißt wofür ...? “
„Ja, ich weiß.“
Laternen spucken auf unsere Kapuzenköpfe und in Pfützen.
Aus einem weit geöffneten Fenster dringt der Geruch von Essen und einer fremden Sprache, die ich nicht verstehe. Ein Baby schreit hinter einem anderen.
Der Stein mit dem Sprengstoff dran knallt irgendwo in die zweite Etage.
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Jule

Master

Date of registration: Jun 1st 2008

Posts: 533 wcf.user.activityPoints: 3,305

Location: Marburg

Occupation: Student

2

Tuesday, November 8th 2011, 1:41pm

"deine Worte fallen unter einen vorbeifahrenden Lastwagen."

"Laternenlicht spuckt auf unsere Kapuzenköpfe und in Pfützen."

find ich gut.
Besser fände ich: Laternen spucken Licht... Spucken ohne Objekt klingt so unvollständig. Nur mein Eindruck. Ich finde auch, so wäre das Bild klarer. Die Laternen spucken Licht. Aber wenn das Laternenlicht spuckt, was spuckt es? Ich finde, es kommt gut, wenn das Licht gespuckt wird. Aber das Bild an sich find ich klasse.

"Aus einem weit geöffneten Fenster dringt der Geruch von Essen und einer fremden Sprache, die ich nicht verstehe. Ein Baby schreit hinter einem anderen.
Der Stein mit dem Sprengstoff dran knallt irgendwo in die zweite Etage."

Finde ich als Schluss auch ziemlich gut.

Interessante Umsetzung des Themas.
Erinnert mich irgendwie an die Rote Armee Fraktion.

lg

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

Date of registration: Jun 3rd 2005

Posts: 2,712 wcf.user.activityPoints: 15,230

Location: Wien

3

Tuesday, November 8th 2011, 7:13pm

hallo alexa;

ich hab jetzt ein paar mal über den text drübergelesen und muß dir offen und ehrlich sagen, ich krieg ihn nicht ganz zusammen, was glaube ich noch am ehesten dran liegt, dass ich keinen roten faden darin erlese; weder kann ich die geschichte an der motivation der beiden sprechenden noch an emotionalitäten festmachen, weil er ziemlich karg daherkommt, was motive angeht der regungen;
auch habe ich ein bißchen ein problem, was das pacing angeht, denn du beschreibst mit deinem ersten bild entweder etwas friedliches, oder etwas langwieriges, oder etwas kurzes, das länger scheint, als es ist; und da hänge ich dann auch schon; denn die augenblicke scheinen hier wichtig zu sein (zumindest als establishing shot), aber andererseits ist der letzte zug einr zigarette mitunter noch einige minuten weg, ausser es ist der TATSÄCHLICH letzte zug, also verbleibt nur noch einer (äh, drücke ich mich hier verständlich aus? ich fühle mich gerade so enigmatisch in dem was ich sagen will); also: es wäre wichtig, wie die zigarette geraucht wird, oder zumindest, wie lange die zigarette noch ist, sonst schweben die augenblicke da ein bißchen unmaßstabmässig im raum, vor allem weil die vergehende zeit durch ein relativ lethargisches gespräch unterstützt wird; (die ja dann vom hohlklang noch legitimisert wird, es kann ja natürlich auch sein, dass dies der klang ist, denn der geworfene stein im fenster macht) - ich nehme an, die protagonisten machen derart nicht zum ersten mal? denn die sind ziemlich cool, oin der vorgehensweise und philosohieren da ganz schön unaufgeregt vor sich hin über ihre methodik; (auch wenn der lkw einen großteil des gesprächs verschluckt und dadurch ein bißchen eine stammelei entsteht)
ausserdem ist es nicht unbedingt vorteilhaft, dass du in so einer kritischen geschichte (ich nehme mal an, sie ist kritisch, denn sie ist ziemnlich wertelos mit der fremden sprache und dem baby und dem essen das riecht, ohne aber irgendeinem konkreten, identifzierbaren bild zuordenbar zu sein) - die protagonisten so schemenhaft belässt; so unbeschrieben UND unemotional, sie haben weder gesicht, noch regung noch nationalität oder kultur; und ich denke da tu ich mir als leser dann echt schwer, irgendwo anzuknüpfen;
mit dem text kann ich leider nix anfangen; hört sich auch gar nicht nach dir an, wenn ich ehrlich bin, bist du am auprobieren? aber ich bin ja auch nicht jedermann und meine meinung nur eine von vielen, denke ich mal;

mfg
erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

Babac

Master

Date of registration: Feb 5th 2007

Posts: 809 wcf.user.activityPoints: 5,365

Location: Saarbrücken

4

Tuesday, November 8th 2011, 8:58pm

hallo alexa


man hat in dem text drei unbekannte variabeln, denen man durch eigene vorstellungskraft einen wert geben kann. in dem fall, man nehme aus dem text: wir müssen...und du weißt wofür? und man erdenke sich dabei einen grund, voöllig egal welchen, der ja dem leser ganz allein überlassen ist. außerdem, wenn man die letzte und dritte unbekannte variabel aus dem text heranzieht: Der Stein mit dem Sprengstoff dran knallt irgendwo in die zweite Etage. Lässt Alexa uns Leser wieder vor unserer eigenen Vorstellung stehen, damit wir uns fragen können, wer oder was könnte den in der zweiten Etage sein? Man erdenke sich hierzu auch etwas, und man füge logisch die drei variabeln zusammen, so hat man eine eigene geschichte durch die vorstellungskraft gebildet, wo letztenendes, vielleicht der leser mehr zu der geschichte beigetragen hat als der autor selbst. danke alexa für dieses kleine vergnügen, einmal rebell sein zu dürfen, natürlich für eine gerecht sache. :thumbup:

eine sache liegt mir noch auf der zunge, die ich mir nicht verkeifen kann: das eric auf so eine subtile technik nicht dahinter kam, verwundert mich nicht, und dass er um den heißen brei schrieb, und dafür tonnenweise buchstaben produzierte, was in wenigen sätzen hätte gesagt werden können, verwundert mich auch nicht, es ist aber nun mal eric's manier und stil, dass das was er zu sagen meint und tatsächlich sagt, sich oft so verhält, wie zwei von einander getrennten klingen einer schere.

grüße,

babac

Raul

Master

Date of registration: Oct 10th 2010

Posts: 685 wcf.user.activityPoints: 4,125

5

Tuesday, November 8th 2011, 9:29pm

Hallo,

der Text ist phänomenal gut. Er beginnt mit einer deskriptiven Ebene, mündet plötzlich in die Dialogform und endet mit einem Gehörgang. Augen, Mund und Ohren halten perspektivisch genau einen Moment auf unterschiedlichen Sinnesebenen fest. Diese Dreidimensionalität bekommt mit dem Geruch und der Nase als dem vierten Sinnesorgan sogar noch eine weitere Ebene eröffnet. Einzige Kritik von meiner Seite. Er ist mir als Text zu kurz, und ich hätte gerne noch mehr Verdichtung in der Konfusion der unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen gelesen. Worauf Alexa nämlich meines Erachtens hier hinaus wollte, ist ein typisches Stadterleben, bei dem alle Wahrnehmungen impulsartig und oberflächlich sind, keine Sinneswahrnehmung für sich allein etwas in Ruhe aufnehmen kann. Am deutlichsten wird das am Dialog, der abgehakt und unvollständig wirkt. Wie auf einer Party mit zu lauter Musik, wo man im Gesprächsversuch ständig Halsstränge wie Arnold Schwarzenegger bekommt, um mal ein verständliches Wort loszuwerden. Für mich ein hervorragender Text, der, so hoffe ich, vielleicht noch eine etwas längere Ausarbeitung bekommt.

Tamea

Professional

Date of registration: Apr 29th 2011

Posts: 191 wcf.user.activityPoints: 1,115

6

Wednesday, November 9th 2011, 10:03am

Hallo...

ich sag es nur kurz und knapp : Toller Text... auch wenn ich doch neugierig wurde was der Lkw mitsichgenommen hat.

Gruß Tamea

Alexa

Blickdicht(erin)

Date of registration: Dec 15th 2006

Posts: 1,534 wcf.user.activityPoints: 8,395

Location: von draußen vom Walde...

7

Wednesday, November 9th 2011, 2:29pm

Hallo

Tja, was soll ich sagen.
Oberflächlich und hohl sollte der Text daherkommen. Ich hab‘s mal zusätzlich auch wörtlich so in den Text gepackt. Bildfetzen und ein schemenhaftes Darstellen der Protagonisten, sollten den Leser, wie auch du, Babac, es schon sagst, dazu inspirieren, sich ein eigenes Bild zu machen.
Dafür habe ich versucht, Stichpunkte zu streuen.
So ähnlich wie du, Raul, es in deinem Kommentar beschreibst, hatte ich es im Kopf. Man versteht und sieht nicht wirklich was, nimmt im besten Fall alle Fetzen zusammen und reimt sich dann ein Gesamtbild. Hier in Form eines festen Gegenstandes.
So ganz gelungen ist es mir wohl noch nicht, was m.E. größtenteils im Schluss des Textes liegt, aber ich arbeite dran und versuche es bei einer anderen Geschichte nochmal.
@Raul,

Quoted

Er ist mir als Text zu kurz, und ich hätte gerne noch mehr Verdichtung in der Konfusion der unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen gelesen

da du ja die Kürze des Textes bedauerst, nehme ich mal an, dass du jetzt nicht an eine sprachliche Verdichtung in Form von Kürzungen dachtest, oder?

Da hängst du, Erik, also genauso da wie die Augenblicke. Ist ja interessant. :D
Ja, ich probiere etwas aus. Ich buddel mich gerade aus festgefahrenen Spuren und fange mal "anders“ an. Gehe also einen Weg, der noch relativ neu für mich ist.
Ob er gut ist und wie weit ich da komme, muss ich noch sehen.

Quoted

hört sich auch gar nicht nach dir an

X(



@Jule
Du hast natürlich Recht, aber
ich dachte eigentlich, dass man als Leser schon etwas findet, was diese Laternenlichter spucken. Im Kopf hatte ich Regen, deshalb die Pfützen. :S
Nun ja, ich wollte ja keine konkreten Bilder beschreiben, sie sollten sich von selbst ergeben, bin mir aber jetzt unsicher, in wie weit diese "Ungereimtheit“ mit dem Laternenlicht da im Text störend sein könnte.
Ich ändere das jetzt mal in spuckende Laternen, allerdings mag ich nicht erklären, was sie spucken, denn dann hau ich da meine eigentliche Textabsicht in die Tonne.
Danke, dass du drauf hingewiesen hast.

@Tamea,
freut mich, dass dir der Text gefällt. Was der Lastwagen verschluckt hat, sag ich dir jetzt aber nicht. :)

Danke euch

L.G. Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

Date of registration: Jun 3rd 2005

Posts: 2,712 wcf.user.activityPoints: 15,230

Location: Wien

8

Wednesday, November 9th 2011, 4:05pm

jo, dann mach weiter bitte mit dem neuen weg; aber wie gesagt, eine geschicht hundertprozentig zu schablonisieren ist eine gefährliche angelegenheit, weil es den leser völlig aussen vor läßt, was ja eigentlich dem geschichtenerzählen per se widserspricht; klar kann ich dann hingehen und sagen, dafür kann der leser alles reinlesen, was er will; die frage ist, welcher leser will das schon (bitte nicht böse sein, wen ich da sicher einen subjektiven standpunkt vertrete) und wo bleibt der autor?
und als textskizze ist das natürlich höchst legitim (alles ist in der kunst selbstverständlich legitim, wodurch niemand anders zu schaden kommt), die frage ist, was bringts, wenns ganz ohne ist und von allen komponenten bereinigt; aber das ist nur ein gedanke meinerseits; wozu stricke ich denn in erster linie geschichten? das ist jetzt hier en grundsatzphilosophischer punkt, denke ich mal;
hast du jemals jarry gelesen?
für jarry wäre das ein idealzustand gewesen, eine geschichte so zu entpersonalisieren, dass das publikum keine möglichkeit hat, zu sagen: der da! es musste sich selber zur verantwortung rufen, weil eben die schablonenhaftigkeit der figuren keine personifizerung zugelassen haben; aber da kamen immer botschaften mit; der autor hat immer dargestellt, was er darstellen wollte, hat duch ebendiesen effekt das erzählte noch verstärkt; weil derautor eben derjenige ist, der die grundlage anbietet für den leser; uns sagt er, es ist grün, dann lässte er dem leser eventuell die freie wahl sich vorzustellen: ist es eckig, ist es rund, ist es groß, ist es klein? und sagt er, es ist friedlich, lät er dem leser dadurch vielleicht die chance sich vorzustellen, ist es die ruhe vor dem sturm oder nach dem sturm, ist es morgen oder ist es nacht; aber ich habe eben bei diesem text nirgends einhaken können; habe nur pappauftseller gefunden und schilder ohne aufdruck; man sieht ja, dass es anderen nich so gegangen ist, aber ich dachte ich lasse dich teilnehmen an meinem lese-erlebnis (habs mir einige male durchgelesen, bevor ich geantwortet habe) :D
nein, das hört sich gar ncht nach dir an war übrigens eher verwundert als wertend; ich harre gespannt der dinge, die da kommen; ich bin mir sicher da werden einige ziemlich interessante und lesenswerte sachen dabei sein; mit dem text hier hab ich halt nix anfangen können;
aber ich bin gerne bereit (und würde mich auch freuen), mich ausführlich darüber zu unterhalten warum nicht, falls das von interesse ist; vor allem, weil es mich ja selber auch interessiert;

lg
erik

das rauchbild am anfang finde ich immer noch zu vage, es ist mir eben wie alles andere zu unbesetzt; das rührt großteils vom "zwischen" her; aber wie gesagt, vielleicht bin ich auch nur ein festgefahrener depp und kann aus meiner leser (und selberschreiberlings-) haut nicht raus;

nachtrag: ach so,ja, es würde mich wirlkich interessieren, wie das ganze mit einem anders ausgearbeitetem schluß wirken würde, mit einem neuen handlungsbogen sozusagen; es fehlt vielleicht nur eine kleinigkeit, irgendwo eine sinnhaftigkeit, ein farbkleckschen, das den ganzen text für mich verändern und gelungen(er) machen würde;
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more