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Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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1

Monday, August 8th 2011, 9:20pm

wir sperrten die katze in den schrank

ich fand heut ein foto
auf dem du gelacht hast
auf dem du noch jung warst
das der mann gemacht hat
in den du verliebt warst
vor sehr langer zeit
„siehst du?“ frage ich abends
im bett, du starrst an die decke
und sagst nicht mal „nein“
ich halt dir das foto
direkt vor die nase
und schreie „es war“
auf dem foto du
und ich und
wird nie wieder sein
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

Daniel H.

Trainee

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2

Tuesday, August 9th 2011, 12:32pm

Gefällt mir, erik.
Besonders der offene Anfang, also dass man erst ab der Mitte des Gedichtes oder so ahnt, dass der Mann, der das Foto gemacht hat, das lyrische Ich ist.
Es ist einfach geschrieben und deswegen sehr berührend, finde ich.

lg
»Das Leben ist kein Argument; unter den Bedingungen des Lebens könnte der Irrtum sein.«
― Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Alexa

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3

Tuesday, August 9th 2011, 1:36pm

Hey Erik,


Zur formalen Gestaltung:
Die ersten sechs Zeilen kommen sehr tänzelnd daher. Du hältst hier auch ein festes Metrum ein. Mit der wörtlichen Rede verlässt du dann allerdings das Silbenmaß.
Die darauffolgenden Zeilen kann man durchaus wieder in das anfängliche Metrum bekommen, allerdings habe ich das beim erstmaligen Lesen nicht getan und kam auch nicht völlig flüssig durch. Beim zweiten Mal gings dann aber schon besser.
Inhaltlich:
Anfänglich könnte man auf die Idee kommen, den Mann, der das Foto gemacht hat und den sie liebte, als einen anderen als das L.I. zu verstehen. Aber das löst du ja sogar in der vorletzten Zeile auf, obwohl das m.E. nicht sein müsste.
Diese anfängliche Irreführung find ich übrigens, wie ja auch schon mein Vorposter, nicht schlecht. Was mir auch gefällt ist, dass du mit einer einzigen Zeile, irgendwie ja sogar nur einem einzigen Wort, das Verhältnis der Beiden, unterschwellig sogar die Gleichgültigkeit des Gegenübers, erläuterst. „und sagst nicht mal nein“.

Nun meine ich, es wäre eine Überlegung wert, ob man den Text nicht da enden lassen sollte, denn alles was unter diesem nein kommt

ich halt dir das foto
direkt vor die nase
und schreie „es war“
auf dem foto du
und ich und
wird nie wieder sein



ist m.E. für die Aussage nicht erforderlich.
Für mich ist bis zu und dann mit diesem: du sagst nicht mal nein, schon alles gesagt.
Ich glaube auch, dass man auf diese Erklärung:

auf dem foto du
und ich und


durchaus verzichten kann.
Dann wird zwar die Sache mit dem Mann aus dem oberen Teil nicht sofort klar, aber ich meine, dass animiert nur dazu, den Text nochmal zu lesen und spätestens dann kann man es auch verstehen.

Kannst du dir ja mal durch den Kopf gehen lassen.

Der Titel ist echt originell und auch sehr aussagestark im Bezug zum bisherigen Zusammenleben der Beiden. Das klingt als hätte dort mal die pure Freude und jede Menge Spaß gewohnt :) . (Ich stell mir gerade vor, dass es heute dann wohl in der ganzen Wohnung nur so von Stubentigern wimmelt. Die alle in den Schrank zu bekommen, dürfte sich dann als schwierig erweisen. :D

L.G. Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Erik R. Andara

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4

Tuesday, August 9th 2011, 3:47pm

hallo daniel;
schön, dass es dir gefällt;

hallo alexa; ja, die rhythmik habe ich absichtlich in der mitte ausgebremst, um den augenblick der erkenntnis (ist er das wirklich, oder ist das nur der effektpunkt?) zu verstärken;
hm, was du da über das streichen des zweiten texteils sagst ist sehr verlockend; ich mag den text so gekürzt auch sehr gerne; aber ob ichs tatsächlich mache, darüber werde ich noch etwas sinnieren; es nähme nämlich etwas an richtung des lyrichs, vor allem weil so der punkt, ab dem alles gesagt wurde und ab dem gehandelt wird nicht mehr überschritten würde;
aber wie gesagt, es wäre runder und knackiger dadurch; man sieht mich angestrengt nachdenken;

danke fürs feedback;
lg
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Chepre

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5

Tuesday, August 9th 2011, 6:40pm

hallo, Erik

mir gefällt es auch. =)
du scheinst in letzter Zeit wieder etwas mehr dazu zu tendieren, "rhythmisch" zu schreiben. jedenfalls kommt man hier gut rein und schlittert gut mit.
der Bruch ab Mitte fällt schon auf, da hat Alexa Recht. nach mehrmaligem Lesen wird es jedoch immer passender, dass am Ende nicht mehr alles so glatt durchgeht wie durch ne Saftpresse und dass der Text den Leser bremst.
mit dem Ende habe ich ein Problem, weil mir für die letzte Zeile das Subjekt fehlt. da würde ich an deiner Stelle das es wiederholen. so könnte das aussehen:

und schreie „es war“
auf dem foto
du und ich und
es wird nie wieder sein

besonders die Stelle, wo er anfängt herum zu schreien in seiner Verzweiflung, berührt schon sehr. insgesamt lese ich die verflossene Zeit hier eher als gefühlte, nicht als reale. fühlt sich an wie hundert Jahre, dabei waren es nur 2 oder 3. aber wenn man sich gegenseitig nicht ausstehen kann, will die Zeit erfahrungsgemäß oft einfach nicht vergehen.

solltest du auf Alexas Kürzungsvorschlag eingehen, solltest du meiner Meinung nach ne zweite Version machen und diese hier nicht komplett verwerfen. dazu ist sie zu gut.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Erik R. Andara

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6

Tuesday, August 9th 2011, 8:24pm

hallo chepre, danke;

das subjektproblem sehe ich eigentlich gar nicht gegeben, weil ja das es von "es war" mitverschleift wird;
es war (du und ich) und wird nie wieder sein !?

ja, ich ,mache mal wieder ein bisschen rhythmischer, nach all der prosaik; aber verlassen würde ich mich nicht darauf :D
schön, dass es dir gefallen hat und danke fürs kommentieren!

lg
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Chepre

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7

Tuesday, August 9th 2011, 8:35pm

Quoted

weil ja das es von "es war" mitverschleift wird;

das schon, aber mir ist das zu weit auseinander. es fällt schwer, das es so weit noch im Kopf zu behalten, auch und gerade durch die Bremse du und ich und
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Erik R. Andara

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8

Tuesday, August 9th 2011, 8:36pm

ja, nur mit dem es würde ich den rhythmus in der letzten zeile arg bremsen, denkst du nicht?!
lg
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Chepre

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9

Tuesday, August 9th 2011, 8:43pm

nicht in meiner Version :-)
nee, mal im Ernst jetzt: bei dir endet der vorletzte Vers ja unbetont und der letzte fängt wieder unbetont an. bei meiner Version kann das es nach meinem Gefühl durchaus auch unbetont gelesen werden, womit es eigentlich nicht bremsen dürfte. wenn man es betont, dann ist das freilich was anderes.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Alexa

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10

Tuesday, August 9th 2011, 10:19pm

Quoted

es nähme nämlich etwas an richtung des lyrichs, vor allem weil so der punkt, ab dem alles gesagt wurde und ab dem gehandelt wird nicht mehr überschritten würde


vornweg;
Ich ziehe das es mit in die letzte Zeile, aber ich empfinde auch dieses: schreie ich und direkt vor die Nase eher unpassend oder besser gesagt, als zu Richtungsweisend. Du gibst damit m.E. zu viel Gewicht in eine Richtung.

ich z.B. empfinde diesen Schrei hier nicht wie einen Schrei aus Verzweiflung. Dadurch, dass es dem Gegenüber vorher das Foto direkt vor die Nase hält, was ich mir bildlich vorstelle, wobei wie beschrieben, beide in einem Bett liegen- ist das L.I. hier für mich der Teil, der auf das L.Du negativ (weil ein direkt vor die Nase halten für mich eher negativ konnotiert) zugeht, (vll. sogar von oben herab) also so gesehen, Druck Richtung des Gegenübers ausübt. Vielleicht eine Art Schuldzuweisung. Der Schrei ist für mich dann eher ein anschreien des Partners.

Ließest du den unteren Teil jetzt weg, wäre es dem Leser überlassen, sich in die beschriebene Situation und in das L.I. zu fühlen. Ich finde sowas eigentlich für den Leser interessanter, als dass er mit einem Gefühlsausbruch konfrontiert wird, mit dem er sich womöglich gar nicht identifizieren kann.
Für mich bekommt das L.I. also durch den unteren Teil eine Negativwende.
Nun ist natürlich die Frage, was da eigentlich beabsichtigt war. Wenn du dieses Gefühl erzeugen wolltest, dann ist dir das gelungen und der untere Teil muss drinbleiben. Wenn nicht, empfinde ich den unteren Teil unpassend. Für mich wohlgemerkt.

Eine Handlung, wie du sagtest, erhält diese „Geschichte“ damit durchaus.

soweit nochmal von mir

L.G
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Erik R. Andara

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11

Wednesday, August 10th 2011, 8:39am

hallo alexa und anke nochmal fürs nachspüren;

ich finde es nicht so schlecht und es war durchaus beabsichtigt, dass das li undleidlich wirkt; trotzdem denke ich nach wie vor über deinen einwand nach, ein offenes ende zu verwenden; ich müsste dann nur uu auch noch den anfang (bzw. den jetztige mittelteil und dann das ende) umstellen, weil es ja dann als rhythmischer ankerpunkt an das ende rutschen würde und evtl. einen klumpfuß verursacht;

hmmmm...
hmmmm...

ich denke noch :pinch:

lg
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Alexa

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12

Wednesday, August 10th 2011, 9:28am

Quoted

ich finde es nicht so schlecht und es war durchaus beabsichtigt, dass das li undleidlich wirkt


dann ist das doch in Ordnung und du solltest deinen

Quoted

trotzdem
beiseite lassen und es so stehen lassen. :) Der Text ist doch auch nicht schlecht deswegen- er ist eben nur anders als mit einem offenen Ende. Ist ja auch irgednwie logisch, ne.

Kannst ja bei Gelegenheit mal was neues schreiben 8)

L.G.
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Erik R. Andara

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13

Wednesday, August 10th 2011, 6:17pm

jo, den rat befolge ich; lass es so und schreib jetzt was neues :thumbsup:
danke an die forenuserianer und userianerinnen hierfürs mitabeiten!

lg
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lyrikel

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14

Thursday, August 11th 2011, 9:44pm

Ich finde es genauso, mit dem Ende, toll. Klar es würde auch offen funktionieren.

Aber ich finde gerade diesen, trotzt des Schreis, erstickten Frust, diese Resignation sehr eindringlich, wenn der Alltag letzendlich auch den letzten Rest Leidenschaft aufgefressen hat, wenn selbst die Erinnerung nur noch stumpf geworden sind. Ja es macht einen traurig und man möchte fast den Glauben an die Liebe verlieren (aber nur fast :P )


Erik R. Andara

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15

Friday, August 12th 2011, 1:13pm

hallo lyrikel;

ja, ja, die vermutungen über die man über die liebe anstellt verändern sich mit den gewonnenen erfahrungen;
danke fürs kommentieren;

mfg
erik
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Kruspe

Intermediate

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16

Friday, August 12th 2011, 7:08pm

Hey Erik,

dein Gedicht gefällt mir auf meine verkorkste Art und Weise.
Nichtsdestotrotz (ja als ein Wort) ist es vorhersehbar, das Thema durchgekaut. Die sprachlichen Mittel lassen zu wünschen übrig, umso mehr überzeugen stilistische Clous. Es ist kein Meisterwerk, kein Bukowski und auch etwas davon entfernt, aber ein gutes Gedicht. Vor allem der Kontext überzeugt, da du das durchgekaute Thema auf eine unbeschreibliche Art neu rüberbringst.

Ganz klar zum Wiederlesen, jedoch nichts Umwerfendes.
"When the going gets weird the weird gets pro."

Erik R. Andara

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17

Friday, August 12th 2011, 7:34pm

ja, kruspe, was soll ich jetzt zu deinem kommentar sagen?
passt; schön, dass du reingeschaut hast;

mfg
erik
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