Friday, May 25th 2012, 8:12am UTC+3

You are not logged in.

  • Login
  • Register

Raul

Master

Date of registration: Oct 10th 2010

Posts: 685 wcf.user.activityPoints: 4,125

1

Sunday, July 17th 2011, 6:42pm

Lola Montez - Kommentare, Gespräche und Anmerkungen

hier lang zum Werk

Liebes Forum,

ich werde in den nächsten Tagen und Wochen das Drama Lola Montez hier ins Forum hereinstellen. Ich bitte euch darum, Kommentare und Anmerkungen zu den einzelnen Akten vielleicht unter diesem Thread zu schreiben. Ansonsten würde wahrscheinlich der Textfluss leiden. Danke!

Chepre

Moderator

Date of registration: Aug 22nd 2008

Posts: 1,416 wcf.user.activityPoints: 7,695

Location: Gießen

Occupation: Student

2

Sunday, July 17th 2011, 7:18pm

trotzdem ist der Kommentar-Faden zum Werk wohl besser in der Dramen-Ecke aufgehoben. ich verschiebe ihn mal dorthin und baue in deinen Anfangspost einen Verweis auf den Textfaden ein.

Gruß
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Raul

Master

Date of registration: Oct 10th 2010

Posts: 685 wcf.user.activityPoints: 4,125

3

Sunday, July 17th 2011, 8:39pm

Ich gebe dir Recht. Ich will auch niemandem ein Gespräch aufzwingen. :D Obgleich diese Frau wohl eine der unglaublichsten Frauen Europas im 19. Jahrhundert war. Da kann man mal einen Satz zu lassen. :)

findefuchs

Intermediate

Date of registration: Dec 14th 2010

Posts: 109 wcf.user.activityPoints: 580

4

Monday, July 18th 2011, 2:45pm

Hi Raul,

die Idee mag ja amüsant sein, jedoch schreibst Du für meinen Geschmack die Rolle der Lola so, wie ein Mann gerne hätte, dass Lola war. Sie wirkt plump und platt, berechnend und dumm, ohne Esprit. Du stellst ihr mitsamt den sie Umgebenden ein Armutszeugnis aus. Ganz so einfach war es sicher nicht.Die Zwischentöne fehlen gänzlich, die Abgründe. Es gibt Unterschiede zwischen einem Salon und einem Saloon und die Frau in dieser Geschichte ist bestenfalls aus einem Saloon. Die ganzen "Cowboys" um sie herum ebenfalls.
Wenn Du schon einen solchen Stoff bearbeitest, probiere doch, den Figuren Charme und Witz, Klugheit, ein wenig Tiefgang und Lebenskunst in den Mund zu legen, dann wird's auch was mit der Lola, meint

finde
Auch wenn die Katz' gerade einen Kanarienvogel gefressen hat, kann sie deshalb dennoch nicht singen.

Raul

Master

Date of registration: Oct 10th 2010

Posts: 685 wcf.user.activityPoints: 4,125

5

Monday, July 18th 2011, 3:26pm

Lieber findefuchs,

vielen Dank für deine erste Anregung. Es mag ja sein, dass du das zunächst als plump empfindest, aber die Figuren sind gerade erst im Aufbau und bekommen allesamt noch genügend Erzähl- und Charakterräume. Lola als plump und dumm darzustellen, das liegt mir jedenfalls fern. Sie war ganz sicher eine der schillerndsten und intelligentesten Frauenfiguren des 19. Jahrhunderts. Mir geht es hier auch besonders um die historische Situation kurz vor der Revolution 1848. Ich finde es schade, dass du mir keine Zeit lässt, die Figuren hier weiter zu entwickeln. Ich kenne kein Drama, das gleich mit der Komplexität von Charakteren ins Haus schneit. Diese Stücke sind für die Bühne geschrieben worden. Vergiss das bitte nicht. Da ist ein anderes Tempo gefragt.

Marot

Administrator

Date of registration: May 19th 2003

Posts: 3,570 wcf.user.activityPoints: 19,405

Location: bei dir zuhause, wenn du willst, weiblich bist und Sommersprossen hast

Occupation: Bademütze

6

Tuesday, July 19th 2011, 10:59am

Vorweg, ich habe erst Mal nur die ersten zwei Szenen gelesen, weil sich meine Kritikpunkte zu diesem Zeitpunkt schon verdichtet haben.

Ich weiß auch nicht was los ist, wo ihr Minnedichter jetzt plötzlich alle her kommt.

Handlung: Die Liebeshendel einer Frau im 19. Jahrhundert, in mitten der nationalen Bewegung in Bayern.

Thema: Das Zwieverhältnis zwischen emanzipierter Eigenständigkeit und oportunistischem Egoismus einer Frau in einer völlig unemanzipierten Welt
Stil: Dem Sprachgefühl des 19 eher gar 18. Jahrhunderts entsprechend.

Ok, die Handlung ist interessant, da steckt viel drin, keine Frage, ein Historischer Film mit Rauchwerk und Kostümen würde hier sicherlich gut anstehen, Alexandra Neldel in der Hauptrolle, Moritz Bleibtreu als Peissner, ein rechtes Spektakel wäre das gewiss.
Theater aber, wenn es nicht gerade im Wingert aufgeführt wird, muss mehr bieten als reine Unterhaltung und es sollte sich nach meinem Verständnis auch gesellschaftlich äußern.

Was ist hier die gesellschaftliche Äusserung? Zwieverhältnis der Emanzipation in einer unemanzipierten Welt?

Klar, Alis Schwarzer würde das so für unsere Gesellschaft unterschreiben, ich hin gegen würde die Relevanz des Stückes arg in zweifel ziehen wollen.

Zwieverhältnis der Emazipation in einer zu Teilen Emanzipierten Welt, darüber ließe sich reden.
Die rigide Oportunistin Lola in einer einer Situation, in der ihre Rolle eben nicht einhundert Prozentig eindeutig ist, wo sie sich nicht mehr hinter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Vorbestimmtheit verstecken kann. Wo ihrer Rücksichtlosigkeit keine Aufgabe im Gefüge mehr erfüllt, sondern sie zwischen Selbstbestimmung und weiblicher Verführungskunst, einfach nur ist was sie ist, eine üble Egoistin.
Darüber ließe sich lesen.

Dein Text erarbeitet , bis jetzt zumindest, aber nichts neues, sondern kaut alte Klischees wieder. Der Schwache Regent, der intellektuelle Widerständler und Lola die sogar im Namen ( auch wenn Zufall) eine Kopie ist. Man hat das Gefühl hier will einer Zeitmaschine spielen. Es ist nicht ganz so extrem wie bei Babac, die Sprache macht schon irgendwie Sinn, ich meine es spielt ja auch in dieser Zeit und eine passende Sprachmelodie ist da ok, aber dennoch fragt man nach dem warum.

Wie gesagt, wenn du ein Historiendrama ins Kino bringen willst, ist das eine Sache, aber als Theaterstück... gesellschaftliche Relevanz fragwürdig, die Wirkung fast reaktionär, Unterhaltungswert auf der Bühne nur bei Münchner Historienfestspielen gegeben... ich denke du siehst was ich meine.


Handwerklich könnte man jetzt auch meckern. Hier und da fällt die Sprache dann doch aus dem Rahmen, manche Gesprächsübergänge sind völlig abgehackt und einige Themen nicht so wirklich glaubwürdig in der Situation. Auch die Regieanweisunge finde ich unnötig. warum ellenlang erklären, was im Text ja deutlich wird oder was man locker googeln kann?

Alles in allem, stört mich einfach das Gesamtkonzept. Es will mir einfach nicht so recht rein.
Liebe Gruß, Marot
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Raul

Master

Date of registration: Oct 10th 2010

Posts: 685 wcf.user.activityPoints: 4,125

7

Tuesday, July 19th 2011, 11:17am

Lieber Marot,

ich verstehe dich sehr gut. Das Format ist natürlich Geschmackssache. Ich habe einfach Lust, mich daran auszuprobieren. Wie man aber nach wenigen Szenen schon einen Gesamtentwurf beurteilen kann oder möglicherweise schon das Ende erkennen kann, will mir nicht in den Sinn. Hmm, etwas Neues ist es womöglich wirklich nicht, aber nichts, was geschichtlich ist, ist etwas Neues. Das liegt natürlich am Stoff. Die für dich unnötigen Regieanweisungen halten sich im Rahmen, ich denke aber selbst noch darüber nach, ob ich die wieder streiche. Aber in einem kannst du dir ganz sicher sein, lieber Marot. Der Handlungsverlauf wird nicht einfach nur Altvertrautes wieder aufkauen. Ich denke, dass ich bereits in der 3. und 4. Szene Spannungsmomente angedeutet habe, die später noch zu einer Linie werden. Unter uns...lieber Marot... was meinst du eigentlich mit Gesamtkonzept? Theater oder Film? Ich finde Sprache und Umstände der Geschichte passen zum Theater und dürfen durchaus auch mal wieder für's Theater geschrieben werden. Was spricht wirklich dagegen?

Marot

Administrator

Date of registration: May 19th 2003

Posts: 3,570 wcf.user.activityPoints: 19,405

Location: bei dir zuhause, wenn du willst, weiblich bist und Sommersprossen hast

Occupation: Bademütze

8

Tuesday, July 19th 2011, 11:56am

ja, du hast schon irgendwie recht, es ist natürlich Quatsch hier schon das Gesammtbild zu verurteilen, da muss man natürlich abwarten, auch alle Motive sind natürlich noch nicht erzählt. Also insofern nehme ich diese Vorabveruteilung etwas zurück.

Es ist eben nur so, dass einem alles so arg bekannt vorkommt, das man meint Büchner zu lesen oder die Realisten und nicht wirklich das Gefühl hat, hier schreibt ein autor den 21. jahrhunderts. Alte Stoffe verwenden ist ja gut und schön, ich bin der Letzte der da kritisieren könnte :D , aber sie als reines Panoptikum einer vergangenen Zeit zu verwenden, das halte ich eben für die Domäne des Films.
Das hatte ich damit gemeint. Film kann Historie viel besser erzählen als Theater. Die kommen viel dichter an den Realismus der vergangen Zeit heran.

das theater braucht diese historische Realität gar nicht, das Theater kann sich in Traumbereichen abspielen in symbolischen Räumen, muss die Welt des 19 Jahrhudnerts gar nicht akurat nacherzählen. Die Themen sind wichtiger, das um was es wirklich geht.

Ich hatte damals bei meinem Hekrules auch versucht ein klassiches Sparchelemt hereinzubringen ( und das dan zu misen mit Neuzeitlcihen Slang) und schnell gemerkt das das völlig unnatürlich wirkt. Wir leben im 21. jahrhudnert, es hat wenig Sinn das zu leugnen.

Klar das ist jetzt reine Ideologie und insofern keine echte Textkritik. Es Ist ein wenig so wenn die Surealisten sich über die Naturalisten aufregen und umgekerht.
ich dachte nur weil hier ja "Gespräche" steht, trage ich es mal bei :)
Lieber gruß marot
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Raul

Master

Date of registration: Oct 10th 2010

Posts: 685 wcf.user.activityPoints: 4,125

9

Tuesday, July 19th 2011, 12:22pm

Hallo Marot,

jetzt verstehe ich dich viel besser. Natürlich klaffen hier erzählte Zeit und Erzählzeit weit auseinander. Insofern muss ich mir zwangsläufig den Vorwurf gefallen lassen, dass alles ein wenig gekünstelt wirkt. Was mich an diesem Projekt, und ich nenne es mal so, wirklich interessiert, ist, dass ich über den historischen Blick hinaus mal wieder eine Erzählbühne schaffen möchte, die feste und mitunter unverrückbare Orte hat. Da ist zunächst einmal Lolas Villa. Das erlaubt mir, den Blick noch viel schärfer auf die Dialoge und die Ausarbeitung der Charaktere auszurichten. Was mich an heutigen Filmen stört, ist der Zwang zur Action. Kaum ist ein Charakter ausbuchstabiert, schon fängt er auch an zu rennen. Ich möchte das etwas ruhiger vortragen, natürlich mit der Gefahr, dass es zu langatmig wird. Abgesehen von der speziellen historischen Situation und der interessannten Persönlichkeit Lolas ist das alles in allem ein Versuch, der sicher noch weitere Schwächen zeigen wird. Es ist aber zudem ein Versuch von meiner Seite, das Forum hier nicht mit ständig neuen Geschichten sondern auch mit einer fortlaufenden Geschichte interaktiv zu unterhalten. Hab ich euch ja alle irgendwie lieb gewonnen. 8o Wem's nicht gefällt...auch kein Problem....Und nötig hat das hier auch keiner. Das weiß ich schon.

Babac

Master

Date of registration: Feb 5th 2007

Posts: 809 wcf.user.activityPoints: 5,365

Location: Saarbrücken

10

Tuesday, July 19th 2011, 4:35pm

literatur sollte in erster linie interesse wecken, in zweiter, den leser fesseln, in vierter, ihn belehren, und in fünfter, sein herz berühren. wenn ein stil in in einem text wechselt, so verstimmt das den leser möglicherweise, wenn der text nur dinge zeigt, die der leser schon kennt, so langweilt das, wenn ein stil darin vorkommt, den man kennt, schätzt und mag, so bleibt der leser womöglich dran, ist aber ein stil darin, den er nicht mag, so wird er von dem text ablassen. außer, er tut es für wissenschaftliche zwecke, dann wird er sich zwingen müssen, auch etwas zu lesen, was seinem geschmack nicht entspricht. selbst ein stil wie die bibel geschrieben, vermag heute noch menschen zu fesseln; wenn man ihr den stil eines wissenschaftlichen text aus einem technischen bereich entgegenstellt, wird man merken: was für welten dazwischen liegen! aber das beides in dieser welt existiert, ist tatsache. es liegt ganz allein an der vorstellungskraft des lesers. und! ob er seine einschränkung des geistes sowie seine vorurteile überwinden kann. heißt, ob er fähig ist über den tellerrand zu schauen. tellerrand--> realität.

grüße

Raul

Master

Date of registration: Oct 10th 2010

Posts: 685 wcf.user.activityPoints: 4,125

11

Wednesday, July 20th 2011, 6:57pm

Die Sprache ist ein Fenster der Welt. Mal sind die Scheiben sauber, mal etwas schmutziger. Aber Sprache spiegelt auch Kulturepochen wider. Wie kann ich konkret eine imposante Frauenfigur des 19. Jahrhunderts mit der liberalen und modernen Sprache des 21. Jahrhunderts zusammenbringen? Ganz konkret an diesem Stück kann ich das Problem festmachen. In der zeitgemäßen Sprache stellt sich bereits der gesellschaftliche Zwang der Zeit dar. Ich kann Lolas Burschen nicht in die Villa kommen lassen und sie sagen lassen: Ey, Alte, was geht heute? Als Parodie, okay. Aber nicht, wenn der Stoff einen Anspruch auf Ernsthaftigkeit anmelden will.

Es soll mich dabei keiner verdächtigen, dass ich hier frauenfeindliche oder frauenverachtende Männerperspektiven einnehme. Ich denke, dass Mätressen zu einem historischen Fakt gehören ebenso wie moderne Erhebungen besagen, dass heute fünfzig Prozent der Männer und Frauen in der Partnerschaft fremdgehen. Ich habe da zwar für mich meine klare Meinung zu, aber ein Urteil zu anderen steht mir letztlich nicht zu, da jeder Einzelfall anders ist. Da der Stoff hier insbesondere die politische Situation darstellen möchte, Lola durchaus dabei eine Rolle spielte, sollte man nicht den Fehler begehen, in Lola ein oberflächliches Luder des 19. Jahrhunderts zu sehen. Das war sie ganz bestimmt nicht. Moralisieren überlasse ich anderen. Mir imponiert jedenfalls der Mut Lolas. Aus der Perspektive heutiger Zeiten verstehen womöglich viele nicht mehr, was Tabubrüche damals bedeuten konnten.

Similar threads

wcf.user.socialbookmarks.titel