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Blumentopf

Forenopa - Administrator

Date of registration: May 16th 2003

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Occupation: (fast) Personalreferent

1

Saturday, June 18th 2011, 4:07pm

Ein Abend

Begriffe: Behutsamkeit & Katastrophe


Ein Abend

Ganz sanft und fein, wie eine Melodie,
Voll Zärtlichkeit, mit Fingerspitzenlust
So scheu wie eine holde Jungfer kusst,
Jedoch beschwingt und voller Phantasie
und ganz behutsam wird der Abend rot.

Ein Hauchen und ein rosa Wolkenband
Ein Glimmen zart und kinderwangenweich
Gerüche, würzig und genüssereich
Der warme Griff der liebgewordnen Hand
und ganz behutsam geht man aus dem Lot.

Die Welt hält still und atmet süßen Dampf,
Verzärtelt seufzt sie, wie zum letzten Gruß,
Am Horizont ein Feuer, Asche, Ruß,
Es schreit nicht, heult nicht, nirgendwo ein Kampf
und ganz behutsam kommt der Tod
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"
All I can do is be me, whoever that is" - Bob Dylan



MoE

Trainee

Date of registration: May 27th 2005

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2

Sunday, June 19th 2011, 12:52pm

Wie ich meine, eine der besten Umsetzungen der vorgebenen Begriffe in DIchtung, die im Wettbewerb zu finden ist. Die dem Begriffspaar inhärenten Polarität wurde ansprechend umgesetzt: ein behutsamer Text, der doch unter latenter Hochspannung steht, wofür besonders die modulierten Refrains am jeweiligen Strophenende sorgen. Sehr gerne gelesen.

Noch verstreutes anzumerken: großartig die dritte Strophe, für S2V5 sollte ein Sonderpreis verliehen werden (den man fairerweise für S1V3 aber wieder kassieren müsste ;) ).
Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht

kaetterle

Trainee

Date of registration: May 24th 2011

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3

Sunday, June 19th 2011, 10:36pm

Ob das einer der besten Beiträge im Wettbewerb ist, das kann ich nicht sagen. Ich versuche hier keine Vergleiche zu ziehen, sondern zu jedem Beitrag etwas zu schreiben.
Aber dieser hier ist wirklich sehr gelungen, hat mich berührt. Eine sehr gute Arbeit.
Kaetterle

Tamea

Professional

Date of registration: Apr 29th 2011

Posts: 191 wcf.user.activityPoints: 1,115

4

Monday, June 20th 2011, 9:15am

Bin sprachlos... Worte zu finden die so leise gesprochen werden, so zart und zerbrechlich klingen und doch eine so sehr bedrückende Stimmung hinterlassen. Klasse!

Marot

Administrator

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Location: bei dir zuhause, wenn du willst, weiblich bist und Sommersprossen hast

Occupation: Bademütze

5

Monday, June 20th 2011, 1:36pm

techisch großartig keine Frage. ich habe einen verdacht von wem das hier kommt und da muss man handwerklich gar nicht mehr groß weiterschauen, aber ich störe mich fast ein wenig an der Glattheit.
Klar stimmen die Bilder, die Oposition der Begriffe ist gekonnt dargestellt, aber alles wirkt so gestilt. Man bekommt den Eindruck das sich der Autor / die Autorin hier ein wenig hinter den eignen Fähigkeiten versteckt. Aber ich mag auch zu kritisch sein.
Gruß marot an Unbekannt
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

6

Monday, June 20th 2011, 3:47pm

Für mich ein rhythmisch glattes Teil.
Die Reimwörter finde ich aber stellenweise doch zu sehr angepasst, als passend. Inhaltlich ist mir dann dieses Gedicht auch zu vollgestopft mit rosa angehauchten Wörtern. Für mich ist es sogar so, dass der Aussage hier stellenweise zu viel Beschreibung um das wie im Weg steht.

Gruß Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

franz

einfach nur franz

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7

Tuesday, June 21st 2011, 11:06am

Ich sehe es wie Marot und Alexa: technisch eine saubere Leistung die aber durch die ach so hochgelobte Perfektion schnell fad erscheint. Das gewisse Quäntchen, dass das fast biedere Band durchreisst, ist leider nicht auszumachen.

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


Tinus

Master

Date of registration: Feb 5th 2005

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Occupation: rausfinden, wer ich bin

8

Wednesday, June 22nd 2011, 9:41pm

Handwerklich gut, nein sehr gut gemacht. Da hat ein Könner das Schema F angewendet, mutmaßlich hat er sich hier selbst kommentiert, und sich noch selbst in einem Anflug von Vergesslichkeit unbekannterweise gegrüßt :-) . Die Stimmung kommt filigran und zartschwanger daher, und genauso wie der Leser langsam aus dem Lot gerät, rückt sich die Pointe umgekehrt ins Lot.

Ich gehöre nicht zu denen, die wie Franz das gewisse etwas, das Quäntchen benötigen, um das Stück sehr gut zu finden. Denn das Quäntchen ist so ziemlich subjektiv, da kann jeder alles hineininterpretieren, das dumpfe Bauchgefühlquäntchen, das angeblich fehlen soll, hat mit seriöser Gedichtekritik nichts zu tun, auch wenn es hier oft leider zum absoluten Maßstab erhoben wird.

Was ich hier wirklich kritisiere, ist der Übermaß, ja schon fast die Verhohnepipelung der kinderwangenweichen Behutsamkeit, das ist dann doch zu dicke aufgetragen. Auch wenn, und das macht dann doch die große Stärke dieses Gedichtes aus, auch wenn diese Verhohnepipelung trotzdem die drohende Gefahr, die Apokalypse, begreifbar und erfühlbar macht, von Vers zu Vers steigend.

Also: mein klarer Favourit.

Raul

Master

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9

Sunday, June 26th 2011, 3:25pm

Wie ich an den vorherigen Beiträgen erfahre, darf ein Gedicht nicht zu perfekt sein, damit es nicht langweilig wird. Diese Kritik verstehe ich nicht, denn dieser Text hat meines Erachtens am besten die zwei vorgegebenen Schlüsselbegriffe in eine sprachliche und inhaltliche Form verpackt. Was ich besonders interessant hier finde, ist, dass der Text ein Paradebeispiel dafür ist, dass man Lyrik und Epik heute nicht mehr klar voneinander trennen kann. Marot erzählt in lyrischem Rahmen hier, wie gemütlich die Katastrophe daher kommt. Abgesehen von ein paar fehlenden Satzzeichen, die die oben monierte Perfektion als Kritik hinfällig werden lassen, setzt Marot hier geschickt lebendige Begriffe ein und beendet mit einem abrupten Wort den Sprachfluss. Der Stil spricht für sich, ist schnell und unprätentiös. Die Farben sind fröhlich und unterstreichen das harmlose Alltagsleben eines frohgemuten Erlebens von Menschen, die das Verdrängen schon längst in die Strategie ihres Lebens eingebaut haben und dadurch nicht dazu kommen, Lösungen anzugehen. Die Dominanz von Rosa als Farbe passt hier wunderbar, schließlich gibt es die rosarote Brille, durch die Menschen die Realität gern sehen. Für mich ein großes Fragezeichen, warum dieser wunderbare Text nicht zum Gewinner gewählt wurde. 8|

findefuchs

Intermediate

Date of registration: Dec 14th 2010

Posts: 109 wcf.user.activityPoints: 580

10

Sunday, June 26th 2011, 10:13pm

Hallo,

es ist nicht die - womöglich gelungene - Form, es stört nicht das "Rosa", es ist dieses [auweia, jetzt sag ich was! fast schon Hermann Hessische...erinnert ihr euch an die Stelle, wo er erzählt, wie er seinen Tag schleppemd verbracht hat und schließlich doch "Fiederwölkchen" im Himmel fand?"], ja, es ist das TROTZDEM, dieses letzte und letztlich erfüllende "Mit-Sich-Und-Allem-Was-Auch-Immer Geschehen-Ist-Versöhnt-Und--Ganz-Im-Reinen-Sein", der Sinn dieses Textes, der sehr beeindruckt. Er liest sich sanft, leise und formt sich zum ebensowenig kitschigen "rosa" Himmel, wie auf bedeutenden Gemälden.


finde
Auch wenn die Katz' gerade einen Kanarienvogel gefressen hat, kann sie deshalb dennoch nicht singen.

Tinus

Master

Date of registration: Feb 5th 2005

Posts: 532 wcf.user.activityPoints: 3,215

Occupation: rausfinden, wer ich bin

11

Monday, June 27th 2011, 12:01pm

Na, dann gibt es ausser mir noch andere fans, denen das Stück hier sehr gut gefällt... Für mich ist es mit Abstand die No 1
Nur was mir Rätsel aufgibt, wieso bin ich dann der einzige, der für dieses werk gestimmt hat ??

Marot

Administrator

Date of registration: May 19th 2003

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Location: bei dir zuhause, wenn du willst, weiblich bist und Sommersprossen hast

Occupation: Bademütze

12

Wednesday, June 29th 2011, 12:02pm

So open office braucht kurz zum runetrladen also hab ich mal etwas zeit:

ich danke für die rege Beschäftigung mit meinem Text.

ich gehe mal auf ein paar Kommentare ein:

Alexa:

Quoted

Inhaltlich ist mir dann dieses Gedicht auch zu vollgestopft mit rosa angehauchten Wörtern. Für mich ist es sogar so, dass der Aussage hier stellenweise zu viel Beschreibung um das wie im Weg steht


naja, das muss ich so zu Kenntnis nehmen, aber es ist eben mal die Systematik des Gedichtes. Die Ironiesierung des Abendidyls. Wenns nicht gefällt ok, aber was soll ich machen, das ist wie bei Zebras die Streifen bekritelen ;)


Franz:

Quoted

Das gewisse Quäntchen, dass das fast biedere Band durchreisst, ist leider nicht auszumachen.


Auch diese Wertung kann ich nicht mehr als zur kenntnis nehmen. ich verstehe etwas aus welcher Richtung sie kommt, das habe ich am eigenen Text ja selbst bemerkt, das alles ein wneig glatt wirkt, wenn es dann völlig als Fade empfudnen wird. nungut, ändern lässt sich diesbezüglich nichts und die Quelle des " gewissen etwas" für jedermann zu finden wäre ja der Goldesel der Literatur.


@ raul: ich danke für die positive Wertung, die Leseart ist sehr inetressant und meiner nicht fern. Es ist immer schön bestätigt zu werden.

@findefuchs. Auch dir vielen dank. Wenn Leute Herman Hesse bemühen kann ein text nicht zu schlecht gewesen sein:D
Das Erdulden ist in der Tat eines meiner Hauptthemen zu Zeit. Im angesicht des Todes, des Leides, der Ungerechtigkeit zu ertragen ist Fluch und Segen. Alleine die japaner zu sehen, wie durch ihre Geduld ein Innerer Kampf zwischen Selbstkontrolle und Überlebenstrieb entsteht ist beiendruckend

@Tinus: ich danke auch dir für die Blumen. ich hatte dich ja als Schöpfervon meingarten im Verdacht.

Gruß marot
Geld ist teuer!

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