hallo, kaetterle
ein feiner Text. rund und schön und auch in der Länge angemessen. normalerweise tu ich mich schwer, solche klassisch gehaltenen Dinger in der Länge überhaupt ganz durchzulesen -
aber du gibst in jeder Strophe genau die richtigen Infos, der Inhalt schreitet in einem haltbaren Tempo fort (nicht zu langsam, nicht zu schnell), und spannend ist es auch irgendwie noch. jedenfalls bleibt man gern am Ball.

interessant ist auch der Zwiespalt, den du aufmachst - Ist der Schrank nur deshalb für das lyrische Ich ein guter Freund, weil er niemals widerspricht, was er sich bei seinem Erfahrungsschatz sicherlich erlauben könnte? ähnlich, wie der Hund als der beste Freund des Menschen bezeichnet wird - Treue, ohne zu hinterfragen, sich nicht fortbewegen
dürfen oder können, ist das Freundschaft?
einziges Manko bei der sprachlichen Umsetzung:
In ihm verschwanden
Die schönsten Gewänder
Die Schlaufern und Bänder
Auch Wäsche fand Platz
...find ich ein ganz bisschen seltsam, denn
fand Platz hört sich an, als würde es sich auf etwas beziehen, das man in Ecken stopft, wo halt noch Platz ist. hätte also für mich eher zu den Schlaufen und Bändern gepasst, während Wäsche (du meinst wahrscheinlich Bettlaken, Badetücher und so Kram) ja doch ordentlich Platz wegnimmt. aber die Strophe jetzt noch stark umzuformen dürfte wahrscheinlich schwierig werden
Ein Schrank, ein alter
kennt viele Geschichten
Könnt manches berichten
Aus vergangener Zeit
xXxXx
xXxxXx
xXxxXx
XxXxxX
Einst stand er da
Bewundert von allen
Tat jedem gefallen
Welch Prachtstück er war
XxxX
xXxxXx
xXxxXx
xXxxX
In ihm verschwanden
Die schönsten Gewänder
Die Schlaufern und Bänder
Auch Wäsche fand Platz
xXxXx
xXxxXx
xXxxXx
xXxxX
So manches Geheimnis
Bis heute verschwunden
Die Freuden, die Wunden
Er gibt sie nicht preis
xXxxXx
xXxxXx
xXxxXx
xXxxX
Er kennt jede Tugend
Die Trauer, die Liebe
Manch lüsterne Triebe
Und schweigt immerdar
xXxxXx
xXxxXx
xXxxXx
xXxxX
Ist`s nicht ein Glück
Solch einen Freund zu wissen
Ich wollt ihn nicht missen
Und vertraue nur ihm
xXxX
xXxXxXx
xXxxXx
XxXxxX

ja. metrisch bist du nicht ganz regelmäßig unterwegs (wobei sich schon diese Verse mit Doppelsenkungen sehr spürbar in den Vordergrund schlagen), das macht aber eigentlich nichts oder äußerst sich zumindest nicht negativ. wirkungsvoll benutzt du in der letzten Strophe die ersten zwei alternatierenden Verse im Kontrast zum Rest, das unterstützt echt gut die fort formulierte Frage.
gern gelesen!
Gruß
Chepre