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Raul

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1

Tuesday, May 10th 2011, 1:08pm

Endzeit

Liebe Leute hier,

ich habe einmal eine bescheidene Frage:

Glaubt Ihr an Endzeitvorstellungen?

Ich meine jetzt nicht Hollywood à la "Apokalypse now" oder so. Ich meine, ob Menschen wahrnehmen können, wann die Endzeit kommt. Es gab in der Geschichte viele solcher Vorstellungen, nicht zuletzt im Mittelalter, wo Joachim von Fiore oder auch Thomas von Aquin im Zusammenhang mit dem Jüngsten Gericht "vernünftige" Kriterien für die wahrnehmbare Ankündigung der Endzeit suchten. Dann gab es die Geißlerbewegungen (Flagellanten), die Zeugen Jehovas gibt es heute noch, und der Kalender der Maya (@Chepre...nicht Biene Maya!! :) ) besagt, dass 2012 Schluss mit lustig ist. Mich interessiert das Thema gerade, weil ich wieder angefangen habe, zu rauchen.( ;( Und somit e alles scheißegal wäre, wenn die Maya recht behielten...) :P Was meint ihr dazu?

Tinus

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2

Tuesday, May 10th 2011, 8:33pm

Am Gründonnerstag 1989 ist ein riesiger, kilometergroßer Meteroit zwischen Erde und Mond vorbeigesaust. Man hat ihn erst entdeckt, als er wieder wegflog. Wenn er die Erde getroffen hätte, wäre alles aus gewesen, so analog als vor 60 Mio Jahren die Dinos ausstarben.

Wer hat es gemerkt oder gefühlt damals? Niemand. Es hätte einfach bumm gemacht, das Erstaunen war groß. Zum Glück war der Wirkungsquerschnitt der Erde zu kein. Sowas (dass der meteorit einen Volltreffer macht) passiert nur so alle 100 Mio Jahre. Kann erst in 50 Mio Jahren sein. Kann aber natürlich schon morgen kurz vor der Kaffeepause sein. Kannst du also deine Zigarette genießen? Vordergründig ja. Auf der Packung sollte dann schwarz unrahmt stehen: "Leben kann tödlich sein".

Allerdings, und das ist auch wahr, mein Schwager ist starker Raucher, und bekam vor kurzem die Diagnose Gallangangkrebs. Google sagt, das kommt vom Rauchen. Unheilbar, Rettungschancen ca. 0%, vielleicht etwas größer. Hatte zwei Operationen, die erste 5 Stunden, die zweite 16 Stunden, eine Spenderleber im Austausch zu seiner mit Metastasen durchsetzten. Von da her: höre liebe wieder auf mit dem paffen, das Ergebnis ist ziemlich unschön und seeeehr viel wahrscheinlicher als der Meteroit.

GEO

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3

Tuesday, May 10th 2011, 9:26pm

mal anders gefragt: Warum sollte man daran glauben? ?(

lg

Raul

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4

Tuesday, May 10th 2011, 11:27pm

Tinus - das mit dem Rauchen aufhören überzeugt mich irgendwie - trotz Helmut Schmidt. Die Geschichte mit dem Metereoriten hingegen verweist ja geradezu auf die Zufälligkeit unseres "LebenDürfens". So gesehen würden wir hier mit dem Faktor Zufall ja an die Grenzen der Vernunft einschließlich logischer Denksysteme stoßen. Wir rechnen wohl daher eher mit Wahrscheinlichkeiten, wenn wir definieren, was vernünftig ist, was nicht. Und auch das ist mitunter willkürlich. Aber die Endzeit lässt sich ja nicht in eine empirische (also erfahrbare) Kategorie einordnen. Wenn sie kommt, ist Ende. Daher haben Menschen seit Tausenden von Jahren Kalender nach mystischen oder religiösen Kriterien erstellt, um zu wissen, was Kriterien für die Endzeit sind (Seuchen, Missernten, Sünden etc.)
Wenn man diesen Ansatz zu Ende denkt, kommt man eben zu den Bestimmungslehren, wonach Gott, Götter oder sonst eine übergeordnete Instanz das Menschenschicksal letztlich bestimmt.

@Geo Warum sollte man daran glauben? Gegenfrage: Warum sollte man nicht daran glauben?

[b]Nachtrag: Endzeit der Diskussion? Anm. des Threadstarters...Ich bin keine Eso, trotzdem interessiert mich das Thema.[/b]

Tinus

Master

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Occupation: rausfinden, wer ich bin

5

Wednesday, May 11th 2011, 11:06pm

Das Wörtchen, dass GEO wohl aufgestossen ist, ist "glauben".

Der Religiöse glaubt an das Leben nach dem Tod
Der wahnhafte wähnt sich, er sei Jesus oder die Wiedergeburt Napoleons
Glaube und Wahn unterscheiden sich nur in der Wirkung, nicht aber in der Ursache. Glaube tut gut und Wahn tut weh.
Gemeinsam ist Glaube und Wahn auch, dass das Obejkt entweder nicht nachweisbar oder extrem unwahrscheinlich ist
Zum Beispiel: wenn jemand glaubt er sei Jesus, dann hat er höchstwahrscheinlich einen Wahn, es gibt aber eine klitzeklitzekleine Restwahrscheinlichkeit, dass er tatsächlich der Messias ist, der auf die Erde zurückkommt.

Von daher weist eine Wahrscheinlichkeitsbetrachtung aus dem Dilemma: wenn es extrem unwahrscheinlich ist, dass der Meteorit die Erde zerstört, ist es zienlich unvernünftig, ja irrational, daran zu "glauben"

Wenn man aber nun umgekehrt sieht, dass es eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass die Klimaerwärmung vom Menschen gemacht wurde, und dass es eine doch noch recht hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass durch den Menschen unser Planet in 100 oder 1000 Jahren unbewohnbar wird, dann ist es doch ziemlich vernünftig, an die Endzeit zu "glauben".

Das paradoxe ist nun aber, dass der Mensch es hier in der Hand hätte (im Gegensatz zum Meteroiten), durch sein eigenes Verhalten die Zerstörung des Planeten zu vermeiden, tut es aber nicht, weil wir alle viel zu bequem und zu faul sind, unser Leben zu ändern und den inneren Schweinehund in die Schranken zu weisen. Beispielsweise wäre es ziemlich vernünftig, fossile Energieträger hoch zu besteuern, fünf Euro der Liter, im Winter Pullover anziehen in der Wohnung wie unsere Vorväter. Aber kein Politiker wagt es, diesen Vorschlag zur rettung des Planeten zu äußern, er würde vom Wähler gesteinigt...

Raul

Master

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6

Thursday, May 12th 2011, 10:16am

Hallo Tinus,

das gefällt mir, was du dazu schreibst. Ich bin weit entfernt von esoterischen oder überkommenen Weltbildern, aber interessant ist doch, dass alle Kulturen mit einer Legende der Weltentstehung ihren Zusammenhang begründen und entsprechend mit ihrem Anfang auch eine Endvorstellung haben. Was real ist, was soziale Konstruktion in einer bestimmten Epoche ist, sagt doch viel über die Kultur aus, oder?

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