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rivus

Professional

Date of registration: Nov 17th 2008

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Location: Branitz

Occupation: Nachtschwärmer

21

Friday, April 1st 2011, 11:09pm

ach chepre, leider weiß ich das nicht. vielleicht beim verbraucherschutz in erfahrung bringen oder gleich beim tierschutzvereien nachfragen. vielleicht gibt es ja das fleisch nur in einer bestimmten discounterkette. ich habe da aber keinen blassen schimmer :(

(mancher privatfleicher hierorts schlachtet noch selbst, aber wie er das persönlich handhabt, weiß man natürlich nicht, obwohl es sicherlich noch eine zunftehre gibt, so blauäugig bin ich. das fleisch vom privatfleischer ist dann aber entsprechend teurer und für den kleinen geldbeutel nicht so geeignet.)

das zu etikettieren wäre eine tolle idee, aber am besten wäre, der handel kauft solches fleisch nicht erst auf.

Chepre

Moderator

Date of registration: Aug 22nd 2008

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Location: Gießen

Occupation: Student

22

Friday, April 1st 2011, 11:18pm

da werd ich mich wirklich mal informieren - ich dachte nicht, dass es so was brutales gibt. so blauäugig bin ich 8|
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Raul

Master

Date of registration: Oct 10th 2010

Posts: 685 wcf.user.activityPoints: 4,125

23

Saturday, April 2nd 2011, 7:05am

Hallo rivus,

leider ist das wahr, was du sagst. Schlechte oder gar keine Betäubung in der Massenschlachtung kommen nicht selten vor. Es gibt für den Verbraucher ein Erkennungsmerkmal auf dem Fleisch, das zeigt, wie viel Stress ein Tier vor der Schlachtung hatte. Jeder kennt diese kleinen roten Stressflecken auf Kochschinken oder anderen hellen und nicht verbrästen Aufschnittsorten. Wenn ich diese Stressflecken auf dem Fleisch sehe, wird mir sehr mulmig, wenngleich ich ein bekennender Fleischesser bleibe. Allerdings halte ich es mittlerweile konsequent mit der normalen Verhaltensweise der Achtziger. Höchstens zweimal Fleisch pro Woche zum Hauptgericht. Wenn ich andere höre, die in der Hochsaison sechsmal die Woche Grillsessions zelebrieren, finde ich das schon hirnlos.

Jule

Master

Date of registration: Jun 1st 2008

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Location: Marburg

Occupation: Student

24

Saturday, April 2nd 2011, 11:05pm

Raul:

Denkst du, geringer Fleischkonsum macht den "Stress" der Tiere besser? Wenn du wenig Fleisch isst, isst du halt weniger Tiere, die Stress hatten, aber ist Stress weniger Tiere besser als Stress vieler Tiere? Das ist so ähnlich wie das Argument: es ist besser, wenn nur wenige Menchen sterben als wenn viele sterben. Entscheidend ist hier meiner Meinung nach aber der Tod in dem Falle des Einzelnen, was es für den Einzelnen bedeutet. Bzgl. der Tiere durchaus auch das Leid. Das Leid eines Tieres wird für das Tier nicht gemindert, wenn weniger Tiere Leid erfahren.

Chepre:

Du sagst, du kannst die Schlechtigkeit im Verabschieden und der Wertschätzung des Tieres nicht verstehen, bevor man dieses isst.
Nun, ich bin da wohl ein bisschen anderer Meinung bzw. denke, man muss da differenzieren. Als was sollte das Tier denn geschätzt werden bzw. mit Respekt behandelt? Als Nahrungsquelle, ja, natürlich: du Tier sorgst dafür, dass ich satt werde. Aber als Lebewesen? Nie und nimmer. Die Indianer bedanken sich für das Tier, ehren es, ehren seinen ehrlichen Kampf. Aber was gibt es bei uns zu ehren? Wir können ein Tier nicht mit Respekt behandeln, wenn wir ihm die Freiheit von vornherein verwähren. Ein Hausschwein ist nicht einer Jagd, einem Kampf ums Überleben unterworfen. Wir drängen unseren übergeordneten Status schon vor seiner Geburt ihm auf. Die Kategorie Schwein ist für uns schon nichts mehr weiter als nur eine Kategorie, als eine funktionelle Nahrungseinheit. Es wird produziert, verbraucht. Es hat schon längst seinen Status als Lebewesen, als zu schätzendes Lebewesen verloren. Einem Kaninchen, das man völlig in seiner Hand hat, das festgehalten wird und sich möglicherweise sein Leben lang vorher schon in einem Käfig befand, zu danken und mit Respekt zu begegnen und es dann mit der selben Überlegenheit zu töten, ist meiner Meinung nach abartig. Das ist das spontane Gefühl, das ich damit verbinde.
Diese Abartigkeit, mit der sich der Mensch völlig über die Willenseinheit Tier stellt, begegnet einem ja nicht nur im Fleischkonsum. Es ist in gewisser Weise auch abartig, wenn man sich von einem Hund verabschiedet, den man einschläfert, weiil er leidet. Der Mensch stellt sich als Vernunftseinheit über das Tier, weil er meint, dass er bestimmten kann, was notwendig/gut/schlecht für das Tier ist. Ich möchte nun nicht sagen, dass es schlecht ist, ein Tier einzuschläfern, aber für mich hat dieser Akt trotz der leiderlösenden Fuktion trotzdem dieses Paradoxe noch an sich, trotzdem diese Abartigkeit des Mordes, die der Rolle des Menschen inne wohnt.

lg
Julia

Daniel H.

Trainee

Date of registration: Jan 27th 2011

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25

Sunday, April 3rd 2011, 3:04am

Ich möchte Jule recht geben bzgl. der von vornerein immensen Dominanz über Tiere, und dass daher ihre Würdigung vor der Schlachtung absurd ist.

Ich denke, dass diese Aktion, um die es hier geht, ebenso dümmlich und ethisch falsch war, wie es dümmlich und ethisch falsch ist, zu glauben, das Fleisch komme nur aus dem Kühlschrank. Kinder sollte man nicht dafür sensibilisieren, dass es Tierschlachtung gibt, da kratzt man ohnehin nur an der Oberfläche des Ethischen. Sensibilisierung sollte in die Richtung gehen, wie der Mensch sich durch diese Prozesse eigentlich rechtfertigt, identifiziert, überhebt, und wie das Tierreich konkret entweder versklavt und vermarktet, oder vernichtet wird. Man sollte weniger mit Kindern in Zoos spazieren, wo eine bunte und lebensfrohe Welt simuliert wird, während außerhalb der viel zu dichten Zäune nichts als rücksichtslose Ökonomie die Regel ist. Man sollte vielleicht Kinder dafür sensibilisieren, dass es in der Welt scheiße zugeht, wenn wir sie aus der Sicht der Natur betrachten - mittlerweile egal nach welcher Perspektive -, und sie die Erben dieser Scheiße sind. Und was macht man stattdessen? Ein Kaninchen ermordern, als ob damit irgendetwas gerade gerückt werden würde. Verrückt ist das.

Aber Pädagogik hat meist sowieso nur den Horizont des Lernens von konventionellen Fakten und soll Abweichungen vermeiden. Ob mit oder ohne Kaninchen, die ethische Marodität ist leider genau dieselbe.
»Das Leben ist kein Argument; unter den Bedingungen des Lebens könnte der Irrtum sein.«
― Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Raul

Master

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26

Sunday, April 3rd 2011, 9:04am

@ Jule

Ja, das glaube ich. Ich glaube, dass weniger Fleischverzehr dazu führt, dass wieder mehr kleine Bauern Überlebenschancen haben und mehr regionale Hausschlachtungen bzw. weniger industrielle Massenschlachtungen dazu führen, den Fleischpreis wieder auf ein vernünftiges Maß zu bringen. Wir leisten uns jeden Tag nur deshalb so viel Fleisch, weil es so billig geworden ist. Und wir sehen tatenlos zu, wie nicht nur grauenvolle Massenschlachtungen stattfinden, sondern auch billige Rumänen und Ukrainer für drei Euro pro Stunde für unser fettes Schnitzel am Sonntag anschaffen gehen, damit wir fett und satt noch die Hälfte auf dem Teller liegen lassen können. Meine liebe Jule, das ist asozial, zutiefst asozial, und wenn du diese Verkettung vom Verbraucher her nicht verstehst, ist dir nicht zu helfen.

Was du über die Domestizierung unserer Nahrungsmittelproduktion sagst, Jule, ist weitestgehend richtig. Wir sind nicht mehr die Jäger der Steinzeit,sondern halten uns die Tiere zu Hause. Trotzdem ist auch hier ein Minimum an Respekt gegenüber Lebewesen aller Art notwendig. Aber wir wissen ja, dass das schon von Mensch zu Mensch schwierig ist. ;(

Jule

Master

Date of registration: Jun 1st 2008

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Location: Marburg

Occupation: Student

27

Sunday, April 3rd 2011, 10:23am

Wer sagt dir denn, dass eine Hausschlachtung für das einzelne Tier unbedingt weniger stressfrei ist als eine Massentierhaltung?
Ich wohne auf einem Bauernhof und ich habe mehrmals dabei zugesehen, wie eine Hausschlachtung abläuft. Es ist nun mal so, dass jedes Schwein, unabhängig davon ob aus Massentierhaltung oder nicht, irgendwie betäubt und getötet werden muss. Dass das stressfrei sein kann, kann mir niemand erzählen. Das Schwein wird aus dem Stall genommen, festgehalten, und kriegt einen Bolzenschuss an den Kopf zum Betäuben. Danach die übliche Schlachtungsprozedur.
Klar, wenn man weniger Fleisch konsumiert, hilft das, Massentierhaltung einzuschränken. Auch die damit anderen Konsequenzen, die du anführst, mögen damit verbunden sein. Massentierhaltung ist qualvoll und den Tieren bliebe sie erspart, wenn man weniger Fleisch essen würde, keine Frage - das gilt ja auch für den Eierverzehr oder den Milchkonsum. Das wäre ein Weg zu argerechterer Haltung - vielleicht! Aber dass die Schlachtungen deswegen humaner ablaufen, da würde ich mir nicht so sicher sein.
Und jetzt komme ich nochmal auf das vielleicht zu sprechen. Auch, wenn man wenige Tiere hält, ist die Haltung nicht unbedingt artgerechter, jedenfalls nicht unbedingt maßgeblich. Glaubst du, alle Schweine von Kleinbauern laufen glücklich auf einer Wiese rum und können sich im Schlamm suhlen? Mein Vater war bis vor einiger Zeit jahrelang in der Schweinemast und auch zeitweise Schweinezucht tätig. Wir hatten nie viel Schweine, vielleicht zwanzig Stück pro Stall, wir haben zwei Ställe. Die Schweine waren aber genauso in engen Boxen eingeschlossen, wo sie gerade mal einige Meter gehen konnten. Viel Sonne oder sonstwas kam in diese Ställe auch nicht. Also, wie gesagt: wirklich artgerechte Haltung ist auch bei so etwas nicht garantiert.

Auch brauchst du mir nicht zu sagen, ich würde nichts verstehen. Ich sprach bei deiner Argumentation lediglich den Stress der Tiere an und sagte, dass bezüglich dieses Punktes eine Argumentation für weniger Fleischkonsum nicht unbedingt sinnig ist. Von den ganzen anderen Sachen, die du anführst, sprach ich nicht. Ich gebe dir natürlich, jetzt, da du sie anführst, vollkommen Recht.
Dass ich das nicht verstehen würde, muss ich mir aber nicht sagen lassen. Ich esse gar kein Fleisch und unterstütze damit die Fleischindustrie nicht, weder die der Kleinbauern noch der Massentierhaltung. Außerdem muss man sich ja auch fragen, woher das ganze dann stammt. Bloß weniger Fleisch zu essen ist ja noch nicht alles, man sollte auch darauf achten, wo es herkommt. Weniger Fleisch insgesamt, und das, welches man dann ist, aus artgerechter Haltung, und zwar bewusst. Das wäre ein großer Schritt. Wenn man weiterhin aber wenig darauf achtet, wo das wenige Fleisch, das man konsumiert, herkommt, ist eben nur zur Hälfte ein Schritt getan.

lg

Raul

Master

Date of registration: Oct 10th 2010

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28

Sunday, April 3rd 2011, 12:16pm

Ich komme vom Bauernhof, habe selber als Kind noch viele Hausschlachtungen miterlebt und später in der werdenden Großindustrie miterleben dürfen/müssen, wie Tiere in engen Gängen nacheinander zur Schlachtbank geführt wurden. Ich habe mir mein Studium damit verdient und bin nicht stolz darauf. Genau in diesen engen Gängen entstehen die Stressflecken. Die Tiere werden nacheinander und recht schnell zur Tötung befördert. Ich kenne viele Bauern, die es auch nicht so genau mit ethischer Tierbehandlung vor der Schlachtung nehmen. Aber so grausam verläuft keine Hausschlachtung. Ich könnte hier ins Detail gehen, erspare das aber lieber allen. Jule, das ist mein Punkt mit der Massentierhaltung und Massenschlachtung. Bauern leben heute von der Zahl, nicht mehr von irgendeiner Philosophie. Früher war der Beruf des Bauern zumindest noch ein bisschen Lebensstil. Heute erlebe ich allein in der Modernisierung der Ställe eine kalte Arithmetik. Nutzenökonomisierung nennt man das. Früher gehörte eine nachhaltige Aufzucht von Tieren wenigstens dazu. Heute ist die Geschwindigkeit der maßgebliche Faktor für das Massengeschäft. Ganz abgesehen von den widersinnigen Fleischtransporten durch quer Europa. Entschuldigung, Jule, für meine harte Gangart, aber bei diesem Thema kenne ich kein Pardon. Ich habe die Bilder im Schlachthof bis heute nicht vergessen. Dass ich noch kein Vegetarier geworden bin, grenzt an ein Wunder. Aber ich möchte ausdrücklich sagen, dass es bei diesem Thema ohnehin keinen Besser-Menschen gibt. Jeder darf eine eigene Position vertreten. Ich bekomme allerdings Stressflecken, wenn du, Jule, mir sagst, dass eine Hausschlachtung genauso wenig human sei. Ich kann dir gern ein paar Adressen von Schlachthöfen zukommen lassen, wo du mal einen Tag verbringen kannst. Wenn du danach im Forum immer noch der Überzeugung bist, dass die dort vorgenommenen Schlachtungen in den engen Todesgängen nicht grausamer als Hausschlachtungen sind, wäre ich gespannt auf deine Begründung.

Unbekannt

Trainee

Date of registration: Apr 14th 2005

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29

Sunday, April 3rd 2011, 12:25pm

Jeder Fleischesser (wie ich es bin) muss damit klarkommen, dass GENAU SO die eigene Mahlzeit kausal zubereitet wird. Dass das auch so in der Schule verdeutlicht wird, finde ich super und sollte eigentlich dazu anspornen, auf Fleisch zu verzichten.

siehe auch: filmrisss.blogspot.com

Jule

Master

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Location: Marburg

Occupation: Student

30

Sunday, April 3rd 2011, 12:44pm

Raul:

Du müsstest erst mal beweisen oder in irgendeiner Form zeigen können, dass Bauern früher grundsätzlich mehr von irgendeiner Philosophie gelebt haben und dass früher mit dem landwirtschaftlichen Dasein irgendein Lebensstil verbunden war. Dass früher die Bauern irgendwie prinzipiell anders mit ihren Tieren umgegangen sind, ist eine naive Behauptung.
Mein Vater hat mir sogar erzählt, dass die Schweine früher sogar noch schlechter gehalten wurden als heute, auch, wenn es kein Massenbetrieb war und ein Bauer ein paar wenige Schweine hatte. Die Schweine hatten früher viel engere Boxen und waren viel mehr abgeschottet. Dreckslöcher nannte das mein Vater.
Und nochmal: bzgl. der artgerechten Haltung unterscheidet sich ein kleiner Familienbetrieb nicht notwendigerweise von Massentierhaltung. In Massentierhaltung sind halt hunderte und tausende Schweine auf engstem Raum zusammengepfercht, bei kleineren Betrieben dafür halt weniger, aber viel Platz ist nicht unbedingt gerantiert. Auch in kleinen Betrieben sind oftmals Milchkühe ihr Leben lang an irgendeiner Kette am Hals festgebunden. Man kann einfach nicht sicher sein. Eine sichere Betrachtung wäre einfach naiv.

Ich finde deine Gangart nicht hart, keine Sorge.
Ich weiß sehr wohl, wie geschlachtet wird und finde es recht anmaßend, wie du mir permanent irgendwelches Unwissen unterstellst und dann noch mit so überheblichen pädagogischen Tips daherkommst.

Außerdem habe ich ja auch in keinster Weise meine Behauptung pauschalisiert. Ich habe lediglich gesagt, dass bei einer Hausschlachtung nicht unbedingt gerantiert sein muss, dass sie stressfreier abläuft. Auch bei Hausschlachtungen geht der Bolzenschuss mal daneben und das Schwein torkelt halb betäubt noch herum, bevor man ihm nochmal einen Schuss verpassen muss. Auch bei Hausschlachtungen entreißt sich das Tier manchmal, rennt weg und muss wieder eingefangen werden. Wenn das kein Stress ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Man muss nicht so tun, als rechtfertige das irgendwas. Dass dabei weniger Stress vorkommen mag, nun gut. Aber ob das prinzipiell die Tötung rechtfertigt, sei mal dahingestellt.

Nun, dann werde halt Vegetarier, wenn du dich dafür so einsetzt und dir darüber so viele Gedanken machst, wenn du es eh als ein Wunder ansiehst, noch keiner geworden zu sein, anstatt nur daherzureden, wie gut du dich damit auskennst und wie schrecklich das ja alles sei.

lg

Raul

Master

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31

Sunday, April 3rd 2011, 1:14pm

Beweisen muss ich gar nichts, aber wie gesagt: Jeder darf hier seine Position haben, und ich habe hier nicht gesagt, dass früher alles besser war. Es war nur anders, ganz natürlich ein Lebensstil und weniger auf ökonomische Massenzucht hinaus. Auch du wirst, egal was der Papa sagt, nicht bestreiten können, dass es seit den 60ern des vergangenen Jahrhunderts ein unglaubliches Höfesterben gegeben hat. Haben wir deshalb eine Fleischkrise erlebt? Nein. Auch du wirst nicht bestreiten können, egal was der Papa sagt, dass mit der modernen Tierzucht eine Industrie herangewachsen ist, die Masse mal Zeit multipliziert und hier großes Geld über die Subventionen hinaus verdient. Die Fleischpreise sind für den Verbraucher dagegen in den Keller gegangen. Für mehr Fleisch weniger Geld? Auch du wirst nicht bestreiten können, egal was der Papa sagt, dass auf kleinen Höfen für wenig Tiere auch weniger Platz gebraucht wurde und das die Regel für die Kleinbauern war. Hier gab es dennoch keine Platzprobleme, und was heute Biomarketing ist, war früher die Regel bei Kleinbauern. Das hat sich irgendwann zugunsten der Großindustrie entwickelt und die Kleinbauern kaputt gemacht, meine Familie eingeschlossen. Da du ja schon mehrfach Hausschlachtungen mitgemacht hast, mal eine pädagogische Frage von mir Klugscheißer: Hast du schon einmal persönlich gesehen, wie es in großen Schlachthöfen zugeht? So als Vergleich?

Eines, was früher schlechter war, zumindest in den Sechzigern und Siebzigern, war der Umgang mit Pestiziden und auch das Bewusstsein für Futtermittel. Es gab kein Bewusstsein dafür, und viele haben sich lange geweigert, an Verunreinigungen der Futtermittel zu glauben. Die Schädlingsbekämpfung ist ein anderes Thema, aber auch hier gab es mal die Regel der Fruchtfolge und Brachland konnte sich für die nächste Ernte erholen.

Zurück zu den Kaninchen.

Jule

Master

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32

Sunday, April 3rd 2011, 1:39pm

Hallo Raul

Schon klar, was du da alles erzählst. Ich widerspreche dir in keinster Hinsicht mit dem, was du bezüglich der Konzentration auf die Massenproduktion sagst.
Das steht aber in keinster Weise in irgendeiner Korrelation mit dem, was Papilein mir erzählt hat. Das "egal, was der Papa sagt" leuchtet mir also in keinster Weise ein, auch nicht, wenn du es in irgendeiner vielleicht stilistisch beabsichtigten Weise drei mal wiederholst...
Meine Anführungen bezogen sich nicht auf Massenzucht sondern schlicht und einfach auf artgerechte Haltung, das sind zuallererst mal zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Nichts von dem, was du sagst, habe ich bestritten. Ich habe nur gesagt, dass nicht notwendigerweise gesagt ist, dass Bauern früher eine Philosophie hatten oder dass es mehr "Lebensstil" war, Bauer zu sein und habe als Begründung angeführt, dass Bauern früher Schweine eher noch unwürdiger gehalten haben als heute.
Nochmal: Ich beziehe mich hier nur auf artgerechte Haltung. Ich führe jetzt nicht nochmal alles an, man kann es ja bereits in meinen vorherigen Beiträgen lesen.
Eine bloße Betrachtung der Masse ist also noch nicht genügend. Man muss sich dann schon auch fragen, wie die Tiere generell behandelt werden, auch, wenn sie von Kleinbauern stammen. Das geht halt eben nicht notwendigerweise miteinander einher.

Ich war noch nicht direkt in einem Schlachthof, nein.
Aber was soll die Frage jetzt? Mir geht es hier nicht um irgendein Messen dessen, was der oder jener schon mal gesehen hat oder nicht. Ich weiß trotzdem, wie geschlachtet wird, auch, wenn ich es noch nicht persönlich gesehen habe. Und ich weiß auch nicht, was da jetzt der Sinn und Zweck der Sache sein soll, ich habe längst begriffen, dass das grausam ist und mich davon abgewandt, diese Produktion zu unterstützen, in dem ich Vegetarier geworden bin. Ich weiß also nicht, was genau jetzt dein Anliegen ist.

Außerdem muss derjenige, der etwas behauptet, sehr wohl erst mal belegen bzw. beweisen, dass das, was er behauptet auch stimmt. Leere Behauptungen, eine russellsche Teekanne, in den Raum zu stellen, nützt niemandem etwas.

lg

Raul

Master

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33

Sunday, April 3rd 2011, 2:33pm

Ach, Jule, ich kann nur nachlegen und belegen, wenn ich hier ins Detail gehe und früher mit heute vergleiche. Das will ich den übrigen und auch dir nicht antun. Außerdem weißt du ja schon fast alles. Es muss genügen, hier zu sagen, dass die Massenschlachtung im Endeffekt auf das Gleiche hinausläuft, wie eine biolgisch ethisch einwandfreie Schlachtung, die Mittel der Tötung aber sehr wohl unterschiedlich sind, was wiederum mit dem Massenmarkt und dem Faktor Zeit zu tun hat.

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34

Sunday, April 3rd 2011, 6:39pm

Die Diskussion ist recht interessant und bietet viele gute Ansätze. Ein Ansatz wäre eine Verbesserung der Haltungsbedingungen für Nutztiere und zwar per Gesetz. So werden immer noch kleine Ferkel ohne Betäubung kastriert, Gänse mit Trichter gestopft und Springpferde grausam gequält. Müssen diese Perversitäten denn wirklich sein? Ich kann auf Gänseleber, Springturniere verzichten und von den Ferkelchen muß nicht jeder Cent Billigfleisch mit Schmerz bezahlt werden.

Stellt man eine Liste auf, wo die Leiden der Tiere liegen, die der Mensch ihnen zufügt, dann wird ein Wesen sichtbar, das an Grausamkeit nicht mehr zu überbieten ist. Doch sind es nur einige, die ihre Millionen damit scheffeln, der Rest sollte einmal verlangen, daß das auch auch mit Würde für das Tier abgeht.

Marot

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35

Wednesday, April 6th 2011, 12:30pm

bezieht sich nicht auf die letzten Beiträge , mehr auf die Ausgangsfrage
also ganz ehrlich, ich finde die Frage ob das ganze pädagogisch wertvoll ist eine absurde Luxusdiskussion.
So was kann auch nur einem Ersteweltland einfallen. In Honkong lassen sie auf offenem Verkaufsstand die Leiber von Alen deren Kopf abgedrennt wurde blutig zappel, in Laos essen die jungen Mädchen noch brütende Küken, in China kochen sie lebendige Schildkröten auf dem Feuer und in japan gilt lebediger Fisch den man dann genüsslich aufschneidet und Stück für Stück verzehrt während er noch zuschauen kann als absolute Delikatesse. Keine sau interessiert sich da dafür ob das den kindern irgendwie schadet und das auch völlig zurecht. Die Kidner in diesen Ländern werden dennocch anständige Erwachsene und nicht alle gestörte psychopaten. da habe ich unsere Weichkekse mehr im Verdacht. Diese übervorsicht was die Psyche von diesen kleinen Verreckern angeht halte ich für dekadente Chikarie. Kinder sind robuster als man glaubt und vertragen meist mehr als Erwachsene, weil sie unvoreingenommen an Dinge herangehen.

berechtdigt ist allerdings Hazels einwand das unser vVrhältnis zur Nahrung und damit meine ich nicht nur den Ersteweltadel, dringend eine überarbeitung bedürfte.
grüße marot
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Raul

Master

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36

Wednesday, April 6th 2011, 12:54pm

Einspruch, Weltenbummler Marot. Macht euch die Erde untertan, ist keine Luxusdiskussion, weder in der Schule noch im Alltag. Verstehe diese global angelegten - nur die Harten kommen in den Garten - Argumentationen immer nicht, wenn man doch weiß, dass in diesen Ländern auch Kinderprostitution, Menschenhandel, Schutzgelderpressungen und andere Maffiavorlieben an der Tagesordnung sind. Armut treibt weltweit komische Blüten. Die Kinder werden dennoch vernünftige Erwachsene? Da kann man Zweifel haben, wenn das Erste auf Sri Lanka, was du angeboten bekommst, ein Junge ist oder dir in Thailand der Taxifahrer als Erstes seine hübsche Schwester anbietet.

Was du sonst beschrieben hast, sind kulturgeschichtliche Eigenheiten, die man nicht einfach in einen Topf werfen kann mit einer zugegeben sehr westlich geprägten Diskussion. Warum nicht? Weil du unterschiedliche Kultur- und Zeithorizonte nicht einfach so verschmelzen kannst. Im übrigen ist es in Asien und auch Afrika sehr weit verbreitet, dass der Seele eines geschlachteten Tieres gehuldigt wird und bei Dorffesten auf eine rituelle Ersetzung des Lebens Wert gelegt wird. Das macht die Sache anders. Hier in Deutschland gibt es noch das "Kurban Bayrami", das als Opferfest Abrahams von Tierschutzorganisationen sehr kritisch gesehen wird und soweit ich weiß, mittlerweile verboten wurde. Daran siehst du, wie schwierig so eine Diskussion auf internationaler Ebene wird. Mein Standpunkt ist und bleibt, dass eine Ethik im Umgang mit jedem Lebewesen erforderlich ist, ganz gleich, wie das dann sozio-kulturell gelöst wird. Über unsere Ernährung, das stimmt absolut, müssen wir dann auch reden.

GEO

Intermediate

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37

Wednesday, April 6th 2011, 9:19pm

mhh...

Die Verabschiedung vom Tier ist natürlich nur ein psychologischer Trick, um diesen Vorgang irgendwie emotional einordnen und verarbeiten zu können. Dem Tier ist es völlig egal ob man sich bei ihm entschuldigt. Es besitzt einen naturgegebenen Überlebensinstinkt und will nicht sterben.

Ich finde es allerdings gut den Kindern sowas zu zeigen. Dann weiß das Kind, dass die Wurst auf seinem Pausenbrot nicht von der Wursttheke kommt, sondern vom Schlachthof.

Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich jedesmal ein schlechtes Gewissen habe wenn ich Fleisch esse. Manchmal ist es auch nur ein unterschwelliges Gefühl der Schuld, welches ich verdränge. Es ist nicht nur der Gedanke an das Tier, sondern auch an das Äquivalent der Ressourcen, welche für ein kg Fleisch nötig sind und das schlechte Nutzwert/Ressourcen Verhältnis. Mehrere Tonnen Wasser, einige Liter Erdöl, Anbaufläche usw... nur um ein bischen Fleisch zu erhalten.

Schlussendlich habe ich dann auch mal 5 Jahre ganz ohne Fleisch gelebt. Mittlerweile esse ich wieder was, habe aber immernoch kein gutes Gefühl dabei und versuche es möglichst selten zu tun.

Quoted

das ist ja grässlich...kann man das irgendwie an Verpackungen erkennen oder in Erfahrungen bringen, wenn man Fleisch kauft? weißt du da zufällig was?
Ich habe davon noch nicht gehört. Nichts desto Trotz sollte man sich auch vor Augen halten, dass zum Schlachtvorgang letztlich auch der Transport zum Schlachter dazugehört. Dieser Vorgang ist für das Tier meist sehr stressig und anstrengend. Schweine die in Transportern quer durch Deutschland gekarrt werden und teilweise sogar auf dem Weg einfach aus Entkräftung sterben, soll es bisweilen geben. Und ich vermute auch, dass ein Schwein (intelligent wie es ist) auch irgendwie spürt, dass der Schlachthof kein guter Ort ist. Daher würde ich prinzipiell sagen: Lieber Tiere mit einem kleinen Gehirn essen. Diese Tiere sind vielleicht nicht so leidensfähig. Fische wären da ev. gute Kandidaten. Aber ganz sicher bin ich mir da auch nicht. :(

Aber insgesamt ein gutes Thema. Ich werde mir in Zukunft mal wieder mehr Gedanken dazu machen. Vielleicht führt das dazu, dass ich dann eher zum Gemüse als zum Fleisch greife. :)

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