Guten Tag,
diesem Text habt ihr zu "verdanken", dass ich mich hier angemeldet habe, weil er m. E. außergewöhnlich stark ist, in dieser gewählten Form des inhaltlichen Versuchs, sich von außerhalb des eigenen Systems, als nüchterne Anamnese, darüber Objektivität zu verschaffen, wobei das System selbst, subjektiv gesehen, im Chaos der verzerrten Perspektiven um den Protagonisten wabert. Er scheint geworfen, in die Suche nach dem ultimativen Gottesbeweis, nach der Antwort, ob und was überhaupt existiert, und wenn ja, dann wie, in welcher Relation zum womöglich Seienden, oder Nichtexistenten. Es ist ein gelungen innovativ umgesetzter, sehr faustischer Text, es ist die, getriggert durch den psychischen Einbruch des Verlassenwerdens heraufbeschworene, ewig alte und brandneue Auseinandersetzung mit dem Sein, mit existentieller und individueller Unbehaustheit, verzerrter, oder gar nie gewesener Perspektive, innerer Leere, mit Maß und Ziel, Verlust und Absurdität und gleichzeitig - ganz modern gesagt - mit dem Major Tom-Syndrom, des bedrohlichen und doch überwältigenden Schwebens im Raum, auf der Suche nach einer (meta)physischen, oder ganz konkreten Haltestelle.
Die Einteilung in Strophen ist nicht zwingend nötig, konterkariert ein wenig den Inhalt, wirkt zu bemüht um Struktur, wo doch inhaltlich diese interssanten, auf ewig offenen Fragen transportiert werden. Natürlich magst Du entgegnen, strukturiert sich letztlich jeder sein Universum - und insofern würde ich diese Versform verstehen.
Insgesamt ein Lesevergnügen.
MfG finde
Auch wenn die Katz' gerade einen Kanarienvogel gefressen hat, kann sie deshalb dennoch nicht singen.