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TheAudienceisOtaku

Unregistered

1

Monday, November 1st 2010, 1:37am

Eigenexperiment Psychologische Lyrik ; Titelanamnese : Wo ist Gott ?

xxx

eva cb

Trainee

Date of registration: May 29th 2008

Posts: 24 wcf.user.activityPoints: 145

Location: Schweden

2

Monday, December 13th 2010, 4:48pm

Nicht ganz uninteressant, deine Experimente, die, so weit ich sehen kann, vorallem mit der Enttäuschung sprachlicher, grammatischer, semantischer und idiomatischer Erwartungen arbeiten und dadurch nicht nur sprachliche, sondern auch alle möglichen Sinnzusammenhänge auszuhebeln versuchen - wobei ein gewisses Bedürfnis nach Gestaltung am Ende doch auch wieder nicht zu übersehen ist.
Eine Bemühung also, die sich zwischen überkommenen und zerbrochenen Formelementen selbst hin und her zerrt - worin auch vorläufig noch mein Bedenken besteht: daß vieles einen etwas bemühten, willkürlichen Eindruck macht, möglicherweise aber mit der Zeit auch Wege öffnen kann.

In diesem Sinne
Eva

TheAudienceisOtaku

Unregistered

3

Tuesday, December 14th 2010, 9:26am

;)

ya und nachts ist es kälter als draussen...

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

Date of registration: Jun 3rd 2005

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Location: Wien

4

Tuesday, December 14th 2010, 9:54am

ah, ja theaudienceisetc. - was genau ist in deiner vorstellung eine titelanamnese?

mfg
erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

franz

einfach nur franz

Date of registration: Sep 11th 2005

Posts: 1,174 wcf.user.activityPoints: 6,380

5

Tuesday, December 14th 2010, 10:30am

RE: ;)

ya und nachts ist es kälter als draussen...


eh ein Unding, dass auf ernst gemeinte Kommentare solch großspuriger Komment vom Verfasser zurückkommt!

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


Raul

Master

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6

Tuesday, December 14th 2010, 1:50pm

Franz, ich gebe dir grundsätzlich natürlich Recht. Ich muss aber hinzufügen, dass dieser Text so wahnsinnig ist, dass ich mir den Verfasser/die Verfasserin nur unter einem gehörigen LSD-Trip vorstellen kann, bei dem das Bewusstsein während des Verfassens das Sein bestimmte. Und das meine ich nicht beleidigend. Ich bin nicht einmal in der Lage, unter starken Einflüssen des besten polnischen Vodkas einen solchen genialen Text hinzubekommen. Der Text arbeitet mit dem Körperbild und bildet entsprechend von oben nach unten bis zu den Füßen die Sehnsucht nach Orientierung im Leben eines Menschen ab. Er verwendet sprachliche Verfremdungen wie brumborium zielsicher und bricht Sätze willkürlich ab, um dem Leser neue Blickwinkel zu eröffnen. Am Ende scheitert diese Perspektive an der mickrigen und ohnmächtigen Punkthaftigkeit des Betrachters im großen ganzen Weltgeschehen. Oder sehe ich das falsch, lieber Verfasser, liebe Verfasserin? In diesen Textsphären kommt Hochmut vor dem Fall... :)

findefuchs

Intermediate

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7

Tuesday, December 14th 2010, 2:33pm

Guten Tag,

diesem Text habt ihr zu "verdanken", dass ich mich hier angemeldet habe, weil er m. E. außergewöhnlich stark ist, in dieser gewählten Form des inhaltlichen Versuchs, sich von außerhalb des eigenen Systems, als nüchterne Anamnese, darüber Objektivität zu verschaffen, wobei das System selbst, subjektiv gesehen, im Chaos der verzerrten Perspektiven um den Protagonisten wabert. Er scheint geworfen, in die Suche nach dem ultimativen Gottesbeweis, nach der Antwort, ob und was überhaupt existiert, und wenn ja, dann wie, in welcher Relation zum womöglich Seienden, oder Nichtexistenten. Es ist ein gelungen innovativ umgesetzter, sehr faustischer Text, es ist die, getriggert durch den psychischen Einbruch des Verlassenwerdens heraufbeschworene, ewig alte und brandneue Auseinandersetzung mit dem Sein, mit existentieller und individueller Unbehaustheit, verzerrter, oder gar nie gewesener Perspektive, innerer Leere, mit Maß und Ziel, Verlust und Absurdität und gleichzeitig - ganz modern gesagt - mit dem Major Tom-Syndrom, des bedrohlichen und doch überwältigenden Schwebens im Raum, auf der Suche nach einer (meta)physischen, oder ganz konkreten Haltestelle.
Die Einteilung in Strophen ist nicht zwingend nötig, konterkariert ein wenig den Inhalt, wirkt zu bemüht um Struktur, wo doch inhaltlich diese interssanten, auf ewig offenen Fragen transportiert werden. Natürlich magst Du entgegnen, strukturiert sich letztlich jeder sein Universum - und insofern würde ich diese Versform verstehen.

Insgesamt ein Lesevergnügen.

MfG finde
Auch wenn die Katz' gerade einen Kanarienvogel gefressen hat, kann sie deshalb dennoch nicht singen.

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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Location: Wien

8

Tuesday, December 14th 2010, 4:52pm

also, nocheinmal, weil ich nicht gehört wurde anscheinend und auch auf findefuchs geistreichen kommentar voller grosser wörter einzugehen;

wo genau findet die anamnese statt?
was für einen begriff habt ihr von anamnese?
was ist eine titelanamnese, bitteschän?
wo ist der bemühte faust´sche aspekt? ich kann ihn nicht sehen!

der ultimative gottbeweis hört sich ja schön an, ich denke, nachdem gott so endgültig ist, kann man sich für den beginn auch mit einem normalen beweis abgeben;

so fragend verbleibe ich;
mfg
erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

findefuchs

Intermediate

Date of registration: Dec 14th 2010

Posts: 108 wcf.user.activityPoints: 575

9

Tuesday, December 14th 2010, 7:55pm

Hi nochmal,

große Rätsel gibt der Text doch nicht auf, was den Begriff der Anamnese betrifft. Ist sie nicht eine erste neutrale, möglichst objektive, wissenschaftlich fundierte Annäherung an den Patienten von außen, gepaart mit dem Einbringen von eigenen Erfahrungswerten, Intuition, Instinkt, ersten Vermutungen über psychische Befindlichkeiten und - ganz wichtig - Kommunikation. Ist sie nicht Bestandsaufnahme? Genau so verstehe ich den Titel. Der Protagonist spürt an sich den Zustand des "Aus der Bahn geworfen-Seins", oder dessen, was er dafür hält. Ich glaube, der Text beginnt vor den hingeschriebenen Worten, die man durchaus bei einer Interpretation mitbedenken dürfte. Eben dieser Prot. versucht nun, seinen eigenen Spekulationen zu entgehen, die ihm in der Verlust-Situation ohnehin zu chaotisch vorkommen. Er beginnt, sich daher in Form einer Anamnese seinem Seinszustand zu nähern, probiert das "Warum" zu ergründen, im eigenen Innern, von draußen, was die fast schon amüsante Skurrilität des Textes und seine Leichtigkeit, die trotz aller Ernsthaftigkei beim Zuschauer in dieser Situationskomik entsteht, ausmacht, denke ich zumindest. Muss ja nicht stimmen. Desweiteren mag dieses Stück auch eine, mal ganz andere Form von Betroffenheitslyrik sein, die ja momentan recht hip ist. Es klingt wie: Ich probier`s halt. Es ist nur der Versuch einer Bestandsaufnahme, wie der Titel ja deutlich sagt. Diagnose ungewiss.

@eric, der faust'sche Aspekt ist für mich die universelle Suche eines jeden Menschen nach einer Erklärung für sein Dasein. Faust "denkt" ja auch konsterniert an die Tatsache, dasss er allerlei Studien betrieben hat und dennoch die "Diagnose" nicht erstellen konnte. Auch er hat also - um bei The Audience's Text zu bleiben - mit einer wissenschaftlichen "Anamnese" dessen, was ihn umgab, begonnen. Natürlich hat er hier Stellvertreterfunktion für jedwede Religion und Philosophie.

MfG finde
Auch wenn die Katz' gerade einen Kanarienvogel gefressen hat, kann sie deshalb dennoch nicht singen.

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