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Hazel

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1

Sunday, August 29th 2010, 6:18pm

Zwischen den Blättern

Als Junge habe ich im Herbst
Das tote, tieforange Laub
Wie Schätze in mein Buch gepresst
Ich fand es gestern voll von Staub

Aus Streichholz und Kastanien
Erbauten wir uns eine Welt
Als Drachenflieger, Hexer, Krieger
Für jedes Mädchen starb ein Held

Mit Pfeil und Bogen, Stock und Stein
Eroberten wir jeden Wald
Geheimnisse auf jedem Weg
Erfuhren, fanden wir alsbald

In Baumhausnischen lauschten wir
Zusammen, Arm in Arm, dem Wind
So ehrfurchtsvoll im leisen Glück
Wie gerne wär’ ich wieder Kind
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Babac

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2

Sunday, August 29th 2010, 10:10pm

Hallo Hazel,

der Wunsch ist dem Gedicht abzulesen, wieder ein Kind zu sein. Das Gedicht gefällt mir, aus dem Grund, weil die Strophen klare Bilder hergeben, zudem von der Sehnsucht gespinnt sind, die meinen Geschmack treffen. Ich würde meinen, dass der Auslöser das Gedicht zu schreiben, jene Erinnerungen über die Kindheit, das wieder gefunden verstaubte Buch sei. Eine kleine Anmerkung hätte ich in der Strophe drei, im Vers drei, ob man nicht Geheimnisse besser durch Abenteuer ersezten würde.

Lg, Babac

Hazel

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3

Sunday, August 29th 2010, 11:06pm

Ich habe schon zuvor lange darüber nachgedacht, wie ich "Abenteuer" einbauen könnte und habe mich nach langem Grübeln dafür entschlossen, es sein zu lassen, da es wirklich nur schwer in den Rhythmus passt, ohne dass man die Grammatik missbrauchen würde ;)
Auch an der von dir vorgeschlagenen Stelle würde die Metrik durch den Wortwechsel leider zu Bruch gehen, deswegen lass ich die "Geheimnisse" vorerst stehen.
Vielen Dank für dein aufbauendes Feedback und eine gute Nacht noch ;)

LG, Hazel
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Babac

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4

Sunday, August 29th 2010, 11:39pm

Das lasse ich gelten, wenn es für dich als eine mögliche Alternative dient zu dem Wort Abenteuer. Du weißt aber, meiner Meinung nach, dass das Bild, das durch Abenteuer stärker sein würde, zum Zwecke des Rythmus, abgeschwächt werden muss. Da sieht man die kleinen Feinen unterschiede, lieber Hazel, ich hätte es umgekehrt gemacht, ich hätte das stärkere Bild bevorzugt, und dafür den Ryhtmus aufgegeben. (Wenn man sich einmal überlegt, wieviele Kompromisse man eingehen muss, um ein Gedicht zu schreiben, da sind jene, die man in der Ehe machen muss, ja gar nichts im Vergleich) :-) (ich hoffe, das geht als Scherz durch.)

Ich wünsche dir auch eine gute Nacht.

Babac

Chepre

Moderator

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5

Monday, August 30th 2010, 12:09am

Tach, Hazel

ich hab eigentlich nicht so furchtbar viel zu sagen zu deinem Text....
man kann ihn nachfühlen, das ist schon einiges. jedoch möchte ich deinem lyrischen ich zur Zuversicht raten - denn niemand zwingt es, auf jedem Millimeter seines Ichs "erwachsen" zu werden. es soll nur mal in der Dämmerung einen Wald aufsuchen, sich dort auf einen Baumstumpf oder sonstwohin setzen und eine Weile warten. ich bin sicher, es wird sich sehr bald wieder sehr frei fühlen. scheiß drauf, was andere sagen - man sollte sich diese kleinen Schätze, die sehr oft in kurzen, ruhigen Begegnungen mit der Natur aufzufinden sind, nicht nehmen lassen.
gern gelesen.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Hazel

Moderator

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6

Monday, August 30th 2010, 6:40pm

Babac, mir gefallen die "Geheimnisse" eigentl auch sehr gut und sie passen auch gut in den Sinn des Gedichts, das ja gerne etwas mystisch und verschleiert aus Erinnerungen gesponnen sein soll. Die Metrik liegt mir doch oft am Herzen, irgendwie gehört sie für mich in ein rundes Gedicht einfach hinein. Natürlich gibt es auch sehr schöne Werke ohne einheitlichem Versmaß, aber mir ist zB an dieser Stelle die Metrik wichtiger, zumal man eigentlich immer eine ähnlich gute Lösung finden kann, die in den Rhythmus passt.

Chepre, viele Dank für das Einfühlen in den Text. Das lyrische Ich nimmt deine zuversichtliche Überlegung gerne an. Trotzdem ist gerade der letzte Vers sicherlich nicht autobiogaphisch, denn ich glaube noch sehr stark an verspielte und surreale Sichtweisen, die mir auch sehr heilig sind. Ohne den Glauben daran, dass man diese spielerische Verbundenheit und Wahrnehmung noch ausleben kann, wäre das Gedicht wohl sehr schwierig zu schreiben gewesen. Insofern schließe ich mich deinen Worten aus vollem Herzen an :)
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Chepre

Moderator

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7

Monday, August 30th 2010, 10:04pm

ich hatte nicht vorgehabt, deinem Text irgendwelche autobiografischen Anklänge zu unterstellen, lediglich hatte ich eine gewisse seelische Nähe zu deinem lyrische Ich zu verspüren gemeint.
schön, dass du noch an das Kindsein glaubst! =)
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

rivus

Professional

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8

Friday, September 3rd 2010, 12:16am

hi hazel,
"Zwischen den Blättern" assoziier ich auch als Verjährtes, die Zeit zwischen zwei Blattzeiten, zwischen zwei Herbstzeiten.

Die erste Strophe schreckt den Leser aus der Blattlethargie, denn eine durchlebte und abgelegte Jahreszeit zeichnet allzu deutlich die Vergänglichkeit menschlichen Seins. Das Vergehen der Herbstutensilie signalisiert das Vergängnis-Stigma, das auch vor den Herbst nicht halt macht, ihn nicht verschont.

Dennoch wird in der zweiten Strophe ein sehr positives Bild alter Zeiten aufgeweckt und bildreich, herbstentsprechend erinnert. Die Botschaft, die Welt des Herbstes ist aushaltbar, gestaltbar und zumindestens in der Phantasie wieder auftlebbar!

Die dritte Strophe lässt die alten Abenteuer wieder aufleben, längst gelüftete Geheimnisse und ausgekundschaftete Landschaften wieder in den Schuhen der Kinderzeit mit dem Rüstzeug der Neugierde neu entdecken.

Die vierte Strophe weckt die Sehnsucht zur Wiederkehr der Kinderzeit. In "Baumhausnischen" war man der Natur, der Zwischenzeit, der Zeit zwischen Vergehen und Werden am nächsten und in diesem Bewusstsein der Nähe, den Erinnern an Erlebniszuwächsen eines noch kindlichen, nicht einsamen Lyrwir's wächst auch im Leser der Wunsch nochmal aus den Schuhen des Erwachsenenseins zu schlüpfen und so richtig zwischen den Blätter die Blätter einer anderen, längst vergangenen Zeit zu spüren und zu berühren.

gern gelesen

Lg, Rivus

Hazel

Moderator

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9

Sunday, October 3rd 2010, 2:07am

Wollte dir, Rivus, nur noch verspätet für deine ausführliche Anteilnahme danken. Habe mich sehr gefreut, dass du meinen Text mit so einer liebevollen Genauigkeit annimmst. Auf ein Baldiges ;)

LG, Hazel
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Perry

Lyrisches Licht

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10

Friday, October 8th 2010, 1:19pm

Hallo Hazel,

ich mag solche Kindheitserinnerungen, denen du mit den herbstlichen Bildern eine passende Melancholie verliehen hast.
Ein paar Stellen sind mir aufgefallen, an denen du eventuell noch arbeiten könntest:

Zwischen den Blättern


Als Junge habe ich im Herbst
Das tote, tieforange Laub
Wie Schätze in mein Buch gepresst
Ich fand es gestern voll von Staub -> das Buch voll von Staub? Du meinst vermutlich von Staub bedeckt, den ins Innere bleibt i.d.R. staubfrei, solange es nicht aufgeblättert daliegt, oder meintest du, dass die Blätter zu Staub zerfallen sind

Aus Streichholz und Kastanien -> die Einzahl von Streichholz klingt hier etwas seltsam.
Erbauten wir uns eine Welt
Als Drachenflieger, Hexer, Krieger
Für jedes Mädchen starb ein Held

Mit Pfeil und Bogen, Stock und Stein -> mit Stock und Stein passt nicht so gut, denn das Sprichwort lautet "über Stock und Stein
Eroberten wir jeden Wald -> jedem ist zu weit gegriffen, denn dann wären sie heute noch nicht fertig, vielleicht "unsren" und vielen/manchen.
Geheimnisse auf jedem Weg
Erfuhren, fanden wir alsbald -> erfuhren klingt so sachlich, warum nicht lüfteten oder entdeckten.

In Baumhausnischen lauschten wir
Zusammen, Arm in Arm, dem Wind
So ehrfurchtsvoll im leisen Glück
Wie gerne wär’ ich wieder Kind

Vielleicht ist ja eine Anregung abei.

LG
Perry

Hazel

Moderator

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11

Friday, October 8th 2010, 3:58pm

Diese Kritik freut mich ungemein, weil sie mir mal wieder zeigt, dass es noch einiges zu verbessern gibt. All diese Stellen waren auch die schwierigsten und umständlichsten für mich bei der Entstehung und ich muss zugeben, dass all diese Unreinheiten zu 90% aus formalen Gründen entstanden sind, was jedoch keinesfalls heißen soll, dass ich die Metrik aufbrechen will.. Viel mehr, noch mehr Übung und Alternativen zu sammeln. Ich werde mir deine Anmerkungen zu Herzen nehmen und vielleicht noch eine neue Version rausbringen.
Danke fürs Anschauen und liebe Grüße
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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