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Tinus

Master

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Occupation: rausfinden, wer ich bin

1

Tuesday, June 22nd 2010, 9:55pm

Wow! Verdammte Axt ist das geil!

Das Horten
betagter Termini
ist nunmehrig
weder Passion
noch Gepflogenheit.
Vom Mob so
trefflich geschätzt
wie eine in Affenfett
angerichtete Vesper,
gleichsam
vom bärbeißigen Afterarzt
gehegt, zum Behuf
seiner Opulenz.

Dankeschönst!

koba

Trainee

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Occupation: Schmied (450)

2

Monday, August 30th 2010, 11:06am

der titel passt ganz und gar nicht zu dem gedicht. da is was anderes drin als draufsteht. das was drinn is, ist aber eine glatte 10/10.
Da draussen lauert ein Wolf, er will mein Blut. Wir müssen alle Wölfe töten!

Hazel

Moderator

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Occupation: Germanistik-Student

3

Monday, August 30th 2010, 1:20pm

Seh ich anders. Der Titel ist doch ein direktes Beispiel, das (gerade als Gedichtstitel) nach Widerspruch und Missgefallen schreit. Ich dachte mir erstmal "Was soll das denn, soll ich das überhaupt lesen?".. und genau das wird hier mMn intentioniert - der Inhalt gibt dazu ja noch die Leseanleitung. ergo: Er gefällt mir auch nicht, aber passt eigentlich und soll wahrscheinlich gar nicht gefallen.
"Ein wenig auf den Zahn gefühlt" :)
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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4

Monday, August 30th 2010, 6:28pm

sag mal tinus was´n ein afterarzt?
so eine art nette bezeichnung für den dentisten?

lg
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

Tinus

Master

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5

Monday, August 30th 2010, 9:57pm

Uiiii, erst 2 Monate gar keine Rückmeldung, und dann gleich 3 an einem Tag! Dankeschönst, an euch drei! Vor allem an koba, der das Stück aus der Versenkung geholt hat.

Natürlich lebt das Stückchen von dem Kontrast. Titel und Schlussdank in neuspräch, dazwischen uraltspräch.

Sprache ist etwas lebendiges. Es wird geschaffen und es vergeht wieder. Allein das ist doch eine faszinierene Erkenntnis. Das, woraus wir unsere Gedichte machen, mit dem wir unsere Gedanken ausdrücken, die Worte, die Sprache, das ist nichts statisches, sondern es lebt! Worte werden geboren, fangen an zu leben, werden gebraucht, werden groß. Worte werden alt, und geraten in Vergessenheit (Erik, der Afterarzt ist ein Quacksalber). Und es werden neue Worte geschöpft, und finden Eingang in den Sprachschatz. Titel und Schlussatz dieses Stückchen ist so ein Neudeutsch, geschöpft von Lena, nach ihrem Grand-Prix Erfolg, hat sie sich genau so in das goldene Buch von Hannover eingetragen. Das finde ich ein sehr gutes Beispiel dafür, wie neue Worte, wie Sprache neu geschöpft wird.

Dankeschönst! Ein prima Wort, der neu geschöpfte Superlativ von Dankeschön. Ich neige dazu, diese Wortschöpfung von Lena in Zukunft selbst zu gebrauchen.

Und die alten Worte. Die armen alten Worte, die im Mittelteil zu finden sind, die geraten in Vergessenheit. Wenn sie jemand dann doch gebraucht, dann bekommt er im besten Fall Unverständnis ("Was ist ein Afterarzt??"), im schlimmesten Fall kling es ungeheuer altbacken, verstaubt, ich will mich mit dem Inhalt gar nicht mehr auseinander setzen, wahrscheinlich ist der Inhalt genauso alt wie die Worte selbst.

Also der Gebrauch neuer wie auch alter Worte verursacht unabhängig vom Inhalt bereits Emotionen. Aber es bleibt dabei, Sprache ist ein Prozess, ein Werden und Vergehen, so wie der Mensch selbst.

Hazel

Moderator

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Occupation: Germanistik-Student

6

Tuesday, August 31st 2010, 9:15am

Hab in meinem Studium in den Bereichen "Historische Linguistik" und "Soziolinguistik" eine Menge über das Thema gelesen und kann nur jedem, der sich dafür interessiert ans Herz legen, ein wenig über seine eigene Sprache nachzudenken oder zu lesen. Sie ist wirklich ein sich stetig wandelndes, lebendes Phänomen. Nicht umsonst wurden Arbeitstechniken wie Rezeptionsästhetik und die Kognitionswissenschaft in die Literaturtheorie aufgenommen. Klingt vorerst manchmal etwas trocken, aber ist unglaublich interessant, wenn man sich ein wenig mit der Materie befasst. Solche Gedanken oder Wortspiele lyrisch zu verarbeiten ist in meinen Augen immer eine gewagte Sache. Hier hätte ich zu anfangs wirklich nur einen einfacheren Gedanken herauslesen können, der sich zunächst lediglich über die vielen, zur Zeit neu entstehenden, taktlosen Floskeln (wie beispielsweise der Titel) ärgert.

LG, Hazel
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Tinus

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7

Wednesday, September 1st 2010, 10:22pm

Hallo Hazel,

ich finde diese Wissenschaft sehr spannend, die sich mit der Veränderung von Sprache befasst, wobei ich zugeben muss, dass ich gar nicht wusste, dass es diesen Wissenschaftszweig gibt. Die Beschäftigung mit Gedichten ist für mich eine Beschäftigung mit Sprache. Und als Lena sich ins goldene Buch eingetragen hatte, da haben mich ihre Sprachschöpfungen gleich fasziniert und abgeschreckt zugleich. Und das war dann für mich ein Anlass, mir über Veränderung von Sprache Gedanken zu machen. Ich muss sagen, dass mir das nicht sehr gut gelungen ist, das Stück ist doch eher experimentelle Lyrik.

Ich selbst beschäftige mich beruflich als Naturwissenschaftler eher mit Zahlen als mit Sprache. Was ich aus der Physik weiss, ist das Problem, dass uns Physikern zur Beschreibung der Wirklichkeit bei kleinsten Strukturen, im Bereich der Quantenmechanik, die Sprache fehlt. Wir haben keine Worte, um die Wirklichkeit zu beschreiben, weil wir die Vorgänge im Atom nicht durch Erfahrung erfassen können, so wie ein Kleinkind, das einen Ball in die Hand nimmt und lernt das Wort "Ball". Das Kind kann be-greifen, der Physiker nicht.

Sprache ist doch ein Spiegel des menschlichen Denkens. Und wenn sich Sprache ändert, dann zeigt es doch, dass sich das Denken des Menschen ändert. In welche Richtung wird sich unser Denken bewegen? Ich bin überzeugt davon, dass durch die Beschäftigung mit elektronischen Medien sich die Sprache schneller ändern wird, und werde das mit Interesse verfolgen. Vor allem durch die tatsache, dass wir Informationen durch das Internet schnell und ubiquitär beschaffen können, wird es umso wichtiger werden, diese Informationen zu strukturieren, zu bewerten, einzuordnen. Was hat das für Folgen für sie Sprache? Das ist schon spannend.

Tinus

Hazel

Moderator

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8

Thursday, September 2nd 2010, 1:09pm

Quoted

Sprache ist doch ein Spiegel des menschlichen Denkens.
Selbst darüber gibt es ganz verschiedene Ansätze. zB
Sprache = Gedanken = Welt
Sprache = Gedanken != Welt
Sprache != Gedanken = Welt
Sprache != Gedanken != Welt

Der für mich plausibelste Ansatz ist dabei, dass wir zwar über die Welt nachdenken können, aber da wir auch beim Denken auf gewisse sprachliche Mittel angewiesen sind (man denkt vieles in "Sprache") , so geht doch einiges verloren. Genauso beim Umsatz von Gedanken zur Sprache können wir das Gedachte nie 100% in Worte fassen. Dann noch die Problematik vom "gleichen Verständnis" des Gegenüber. Kein Wort hat für zwei Menschen die vollkommen gleiche Bedeutung.
Insofern ist die Sprache schon ein Spiegel menschlichen Denkens, aber wohl eher ein verzerrter.

Gerade in der Soziolinguistik wird auch das angesprochen, was du mit der Naturwissenschaft ansprichst: Es werden Gesellschaftsgruppen (eben zB auch unterschiedl Berufsfelder) betrachtet und deren Sprachgebrauch analysiert. Das passt hier ja auch super zum Gedicht. Man kennt ja diese ganzen Redewendungen in bestimmten Jugendkreisen etc.. In anderen Gebieten wie der Wissenschaft entstehen natürlich notgedrungen neue Wörter, wobei hier natürlich immer das Problem vorherrscht, dass man eine Vereinheitlichung machen muss, da niemand etwas mit einem "da rumschwirrendem, kleinem Teilchen" anfangen kann und auch nicht 10 verschiedene Bezeichnungen dafür unterwegs sein sollten.

Warum die Namensgebung jedoch so schwierig ist, verstehe ich noch nicht ganz. Meinst du, dass nur, weil man keinen direkten Bezug bzw. nichts wirklich Gegenständliches mehr hat, die Benennung ein Problem wird? Das will mir irgendwie schwerfallen zu glauben. Selbst in der Mathematik (war ich auch 4 Semester lang), in der ja alles gegenstandslos ist, werden die irrsten Bezeichnungen ohne Probleme eingeführt.

LG, Hazel
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Tinus

Master

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9

Thursday, September 2nd 2010, 9:25pm

Deine Ausführungen sind sehr interessant. Zur Schwierigkeit der Namensgebung in Bereichen, die ausserhalb der direkten menschlichen Erfahrung sind: In der Welt der kleinsten Dinge, in den Atomen und Atomkernen, gelten die Gesetze der Quantenmechanik. Beispieslweisse weiss jeder, dass Elektronen um Atomkerne sausen. Wenn man sich nun vorstellt, dass ein kleines Elektronenkügelchen blitzschell um das Atomkernkügelchen herumflitzt, dann wird dadurch die Wirklichkeit falsch beschrieben. Wenn man nun sagt, das Elektron ist gar kein Teilchen, sondern eine stehende Welle einer Ladungswolke, dann ist das auch wieder nicht richtig. Das Elektron ist GLEICHZEITIG Welle und Teilchen.

Das wir uns das nicht recht vorstellen können, keine Sprache dafür haben, dafür kann aber das arme Elektron nichts. Das kling paradox, ist aber so. erst dann, wenn wir versuchen, das Elektron zu messen, offenbart es sich (teilweise): entweder seine Welleneigenschaften oder seine Teilcheneigenschaften. Und was nun bitteschön ist das Elektron nun AN SICH. Hier stößt Sprache naturgemäß an ihre Grenzen, wir haben keine Anschauung, und keine Sprache dazür, was da passiert.

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