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Perry

Lyrisches Licht

Date of registration: Jun 22nd 2007

Posts: 1,452 wcf.user.activityPoints: 9,420

Location: Bayern

1

Thursday, September 24th 2009, 12:47pm

Flaches Land

Unsere Welt hat keine Berge mehr,
das Auge verliert sich im Ungewissen.

Nachts schreckst du hoch, fürchtest
Stürme könnten unser Haus fortreißen.
Ich halte dich fest im Arm und du
duckst dich in meinen Windschatten.
Es liegt Schnee auf deinen Wangen,
sagst du fröstelnd, würdest spüren,
dass der Winter nicht mehr fern ist.

Ich mache Feuer im Kamin, versuche
das Eis in deinen Augen zu tauen.

Wolke

Master

Date of registration: Mar 23rd 2006

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Location: Am Ende des Regenbogens, in einer Schüssel voll Gold

2

Thursday, September 24th 2009, 1:37pm

Hallo Perry.

Flach finde ich dein Gedicht auf keinen Fall. Im Gegenteil, ich finde es sehr gelungen! Lediglich zwei kleine Probleme habe ich:

Quoted

sagst du fröstelnd, würdest spüren,

Das liest sich für mich irgendwie holprig... Ich weiß auch nicht. Stört.

Problematisch finde ich auch die Metapher mit den Bergen. Flaches Land steht für Einöde, ja, auch Langeweile oder Gleichheit. Aber Berge sind für mich Probleme. Vielleicht ist das auch nur eine persönliche Ansicht von mir, aber ich verbinde immer Dinge wie "sie sieht schon wieder riesengroße Berge vor sich" oder "unüberwindbare Berge" damit. Doch wenn ich deinen Text richtig verstanden habe, ist das flache Land etwas negatives, etwas, dass die Beziehung zwischen dem Lyr.Ich und dem Lyr.Du schwierig macht. Es wirkt, als würde das Lyr.Ich sich Berge wünschen - und da ist das Problem für mich. Es mag in meinem Kopf bildlich nicht so ganz klick machen. Haue ich mit meinen Worten hier gerade voll daneben oder war das mit dem flachen Land und der schwierigen Beziehung auch deine Absicht?

Ich mag das mit dem Eis in den Augen am Ende. Sehr sogar.

Liebe Grüße,

Wolke
Nimm die Dinge und schmeiß sie an die Wand,
aus den Resten bauen wir ein Haus.

Perry

Lyrisches Licht

Date of registration: Jun 22nd 2007

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Location: Bayern

3

Thursday, September 24th 2009, 7:03pm

Hallo Wolke,

Bilder im übertragenen Sinn zu lesen hängt natürlich immer auch ein wenig von der eigenen Stimmung ab.
Hier steht das "flache Land" für ein verflachtes Leben, in dem es nichts mehr gibt, was das Auge reizt, das lohnt es zu erkunden.
Man kann den Text auf einer Beziehungsebene lesen, die er ja auch beschreibt aber nicht im Sinn von sich auseinanderleben, weil die Gefühle erloschen sind, sondern weil das LD den Winter seines Lebens zu spüren beginnt. Das LI versucht dem LD Geborgenheit zu geben, aber die Wärme reicht nicht, um das Eis in den Augen noch einmal zu tauen.
Danke für dein Hineinspüren und LG
Perry

Strohpuppe

Moderator

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Location: Gießen

Occupation: Student

4

Thursday, September 24th 2009, 8:00pm

hallo, Perry

dein Gedicht gefällt mir ausnehmend gut und berührt mich. vielleicht deshalb, weil ich von mir selbst den "Konflikt" zwischen dem Leben in hügeligen Landschaften und dem im Flachland gut kenne. Wobei mir das Flachland immer das liebere bleiben wird, ich fühle mich dort frei. Hügel oder Berge im Blickfeld geben mir das Gefühl von Einengung und Käfig.

Quoted

Unsere Welt hat keine Berge mehr,
das Auge verliert sich im Ungewissen.

ich lese dies als einen realen oder einen gefühlten "Umzug", das Geschocktsein von etwas, von dem man nicht erwartet hätte, dass es einen in dieser Weise trifft. Das Komma nach Z1 empfinde ich als zu "tempoanziehend" (auch genannt "beschleunigend"), mir würde ein verlangsamender Punkt hier besser gefallen. Diese zwei Zeilen ziehen den Grundriss des Gedichtes hoch und sollten deshalb jede für sich in aller Ruhe wirken können.

Wie Wolke hänge ich am Ende von S2:

Quoted

Es liegt Schnee auf deinen Wangen,
sagst du fröstelnd, würdest spüren,
dass der Winter nicht mehr fern ist.

die erste Zeile in diesem Block ist ok und gefällt mir sehr. die zweite hat zu viel ö/ü, das haut die halbe Atmosphäre weg, finde ich. außerdem hakt in Z2 und 3 dieses Blocks die Syntax irgendwie. zu viele s-Laute sind es außerdem, habe ich das Gefühl. mein Vorschlag hierzu:

Du spürst den Schnee auf deinen Wangen.
Der Winter ist nicht mehr fern. (Sagst du.)

hmm, ich bin nicht sicher, ob dir das in deine Intention passt. aber es ist ein Versuch.

ich mag deinen Text sehr, den Wind kann man beinah schon durch die Zeilen am Gesicht entlangschneiden fühlen. dies wieder ein Gefühl, was mich mehr mit Faszination und Staunen oder auch Ruhe denn mit Angst füllt.
gegen Ende erinnert mich dein Text an ein Lied von Karat, auf den Meeren aus Glut und Zärtlichkeit will ich fahren, solang ich immer lebe...nur nicht leben in Sicherheit, nur nicht leben in Feinfrostliebe so stückchenweis getaut zum Mahl. sehr sehr schönes Stück. ^^
gute Arbeit, ich nehms in meine Perlen.

edit: eins is mir noch eingefallen. bei

Quoted

Ich halte dich fest im Arm und du
duckst dich in meinen Windschatten.

lese ich unwillkürlich drückst statt duckst. würde dir das gefallen? ^^ würdest du's ändern? :D
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Wolke

Master

Date of registration: Mar 23rd 2006

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Location: Am Ende des Regenbogens, in einer Schüssel voll Gold

5

Thursday, September 24th 2009, 8:58pm

Wolki mischt sich auch nochmal ein:

Quoted

lese ich unwillkürlich drückst statt duckst. würde dir das gefallen? ^^ würdest du's ändern? :D

Bei mir im Kopf entstehen automatische derselbe Fehler und dieselbe Frage. :whistling:
Nimm die Dinge und schmeiß sie an die Wand,
aus den Resten bauen wir ein Haus.

Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

6

Thursday, September 24th 2009, 9:42pm

Hallo Perry,

wenn die Höhen und Tiefen des Lebens, die ja eigentlich erst das Leben ausmachen, mit der Zeit/dem Lebensalter in etwas flaches verlaufen, kann das schon Angst machen, vor allem wenn sich dieser Zustand leise eingeschlichen hat und dann ganz plötzlich wahrgenommen wird.

Gefällt mir sehr, wie du hier mit einer (m.E.) gelungenen Bildsprache die Ungewissheit, die Angst beschreibst. Auch, dass du hier mit nur einem Satz – ich halte dich fest im Arm- einen Gegensatz
zur vom lyrischen Du empfundenen Kälte einbaust. Das ergibt ein rundes, sehr warmes, fast zerbrechliches Bild.
Emotional ist hier alles drin. Angst, Geborgenheit, Liebe und auch Verzweiflung. Hier lässt du mich teilhaben am Blick über das flache Land.
Klasse!

Gruß von Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Perry

Lyrisches Licht

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Location: Bayern

7

Friday, September 25th 2009, 1:13am

Hallo Strohpuppe,
danke für dein intensives Hineinhören in den Text und deine wirklich überlegenswerten Anregungen.
Mir wären die ersten beiden Zeilen durch einen Punkt getrennt zu statisch, ich mags gern wenn sich Bilder entwickeln.
Das mit den sich wiederholenden Lauten kann beim laut Lesen vielleicht problematisch sein. Da denke ich noch einmal drüber nach, dein Vorschlag passt allerdings nicht zu meinem Stil.
Nun das duckt. Ich habe es gewählt, weil es exakt den Vorgang beschreibt und zudem eine Alliteration zum davorstehenden du bildet. Drückt wäre möglich, hat zudem noch den Aspekt des Anschmiegens.
Da werde ich wohl noch einige Zeit abwägen.
LG
Perry

Hallo Wolke,
schön, dass du weiter am Ball bzw. Text bleibst.
LG
Perry

Hallo Alexa,
freut mich, dass diese sich umarmenden Gefühle bei dir angekommen sind. Wenn die Seele friert kann sie nur die Liebe wärmen.
Danke fürs "Klasse" und LG
Perry

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