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Date of registration: May 18th 2007

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1

Thursday, August 13th 2009, 1:12am

Sonnenvergoldeter Abende Rot

.

Sonnenvergoldeter Abende Rot

Der Tag trägt die Blüten des Schilfes in Haaren
und faulendes Flickwerk am naßkalten Leib.
Zum Wandern der Ziffern am grasgelben Ufer
versammeln sich Vögel zu rastlosen Schwärmen.
Mein Fühlen bewegt sich im Fallen der Blätter
aus sonnenvergoldeter Abende Rot
und mischt sich nicht selten mit Zweifeln,
begleitet von Krankheit und Tod.
Das Nicken der Zweige berührt meine Wangen
novemberdurchwandertes Schweigen mein Herz.
Die Sohle des Riesen, der neben mir liegt,
ragt erdreich und müde dem Winter entgegen.
Und du, als glänzte im Wasser ein Indigolith,
hast aufgehört zu warten, ein schnellender Kiesel
erzählt noch davon; genießbar und leise: Verweilen
mit dir. Meine Stirn lehnt an der Sohle.

.
Dämmerungskrallen
Versonnen
Im Schilf
die Kätzchen
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Strohpuppe

Moderator

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2

Tuesday, August 25th 2009, 9:29pm

hallo, Katerchen

klanglich ein wundervoller Text. bildlich erzählst du ein vielgestaltiges Naturbild, das du liebevoll in den Einzelheiten ausgefeilt hast. ich habe nicht viel zu meckern, nur rhythmisch reibe ich mich ein bisschen am Werk. ist es Absicht, dass du gegen Ende Brüche hast?
mein Vorschlag, um das ganze ein wenig zu glätten:

Der Tag trägt die Blüten des Schilfes in Haaren
und faulendes Flickwerk am naßkalten Leib.
Zum Wandern der Ziffern am grasgelben Ufer
versammeln sich Vögel zu rastlosen Schwärmen.
Mein Fühlen bewegt sich im Fallen der Blätter
aus sonnenvergoldeter Abende Rot
und mischt sich nicht selten mit schwelenden Zweifeln,
begleitet von Krankheit und schimmerndemTod.
Das Nicken der Zweige berührt meine Wangen
novemberdurchwandertes Schweigen mein Herz.
Die Sohle des Riesen, der neben mir liegt,
ragt erdreich und müde dem Winter entgegen.
Und du, als glänzte im Wasser ein Indigolith,
hörst auf zu warten, ein schnellender Kiesel
erzählt noch davon; genießbar und leise: Verweilen
mit dir. Die Stirn an der Sohle.

Quoted

aus sonnenvergoldeter Abende Rot und tanzt

mit dieser Zeile bin ich nicht sicher. ich denke, es wäre einfach praktischer, sie auf betont enden zu lassen, am besten mit einem Wort, das eine Assonanz auf die betonte Silbe von durchwandert liefern würde. ich habe allerdings nicht das Gefühl, dass tanzt besonders gut in deine Absicht passt. vielleicht schon zu schwungvoll.
edit: jetzt habe ich bestimmt noch zehn Minuten an dieser Zeile herumgeschrieben. was ich dir als anfänglichen Vorschlag gemacht habe, klingt so nicht wirklich gut. inzwischen bin ich bei einer Idee angekommen, die diesen und den folgenden Vers dreizeilig auflösen würde. hierzu habe ich, um das ganze anzupassen, noch zwei Silben pro Vers hinzu genommen (in kursiv). ich weiß nicht, ob dir, was ich dort stehen habe, in das Bild passt. sollte dem nicht so sein: vielleicht fällt dir was anderes ein, womit du diese Platzhalter ersetzen könntest.

besonders schön finde ich am Text das Wandern der Ziffern und die Sohle des Riesen. :)
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

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3

Thursday, August 27th 2009, 7:46pm

Der Tag trägt die Blüten des Schilfes in Haaren
und faulendes Flickwerk am naßkalten Leib.
Zum Wandern der Ziffern am grasgelben Ufer
versammeln sich Vögel zu rastlosen Schwärmen.
Mein Fühlen bewegt sich im Fallen der Blätter
6 aus sonnenvergoldeter Abende Rot
7 und mischt sich nicht selten mit schwelenden Zweifeln,
8 begleitet von Krankheit und schimmerndem Tod.
Das Nicken der Zweige berührt meine Wangen
novemberdurchwandertes Schweigen mein Herz.
Die Sohle des Riesen, der neben mir liegt,
ragt erdreich und müde dem Winter entgegen.
Und du, als glänzte im Wasser ein Indigolith,
14 hörst auf zu warten, ein schnellender Kiesel
erzählt noch davon; genießbar und leise: Verweilen
16 mit dir. Die Stirn an der Sohle.



Rhythmisch, liebe Strohpuppe, ist Dein Vorschlag Z 6/7/8, neben dem Original, selbstverständlich
einwandfrei. Inhaltlich wirkt er meiner Absicht in Z 2 "am naßkalten Leib" entgegen. Möglicherweise
assoziierst Du mit der vorangegangenen Zeile 6, die der nachfolgenden Zeile allerdings nur gegenübersteht.
Zweifel, so meine Absicht, sind hier konkret + bekannt; sie kommen nicht erst auf, keimen nicht
erst oder sind gar unbemerkt gedeckelt, was ein Schwelbrand beispielsweise zunächst ist, und müssen,
unabhängig von "begleitet", den begleitenden Umständen nämlich, (Krankheit und Tod) inhaltlich nicht benannt
sein.

"schwelenden" vermittelt mir, um ein Beispiel zu Deiner möglichen Assoziation zu nennen,
Zigarette/Bett/Schwelbrand/Dunstkreis; also einen eher zunächst (im wahrsten Sinne) indirekten
Vorgang, der mit einem Zustand endet, bei dem etwas in der Luft liegt, wie man so schön sagt, oder
aber, bei dem das Wissen um eine Handlung und ihre Auswirkungen (Zigarette/Bett = möglicher
Schwelbrand + Dunstkreis) ausgeschlossen wird, also gar nicht erst in Betracht gezogen wird und
demnach zweifelsfrei bleiben muß. Unbekannte Zweifel gibt es nicht. "naßkalt" + Dunst müssen nicht
zwangsläufig gemeinsam auftreten, falls Du "nebelig" meintest. "schwelenden" bringe ich, obwohl Dein
Vorschlag sicherlich sehr gut gemeint ist, nicht in meinem Verständnis unter. Mit "schimmerndem"
verhält es sich ähnlich.

Z14 Ich mag diese Zeile, es fehlt ein Komma, ich weiß . Sie ist für mich durch und durch positiv besetzt.
Die möchte ich also gerne behalten. Danke.

Z16 "Dir/Meine"; Die Hebungen passen sich dem Inhalt - genießbar und leise - an.
Sie schließen das unmittelbare Anlehnen aus und betonen das Vertrauen.

Quoted

das du liebevoll in den Einzelheiten ausgefeilt hast

:)

Soweit in aller Kürze von mir. Ich hoffe, ich habe nichts übersehen.
Für die Anpassung der Z -6/7/8- benötige ich noch Bedenkzeit,
wie bereits erwähnt. Mit bestem Dank für Deine Beschäftigung
mit meinem Text und Deine umfangreiche Hilfe und Mühe.

Lieben Gruß
Katerchen

.
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Perry

Lyrisches Licht

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4

Saturday, September 19th 2009, 4:59pm

Hallo Katerchen,

für mich liegt das LI an einem sonnigen Abend an einem See und sinniert über das Leben nach, das wie ein schlafender Riese neben ihm liegt.
Recht viel mehr möchte ich gar nicht ins Detail gehen, weil du ja meist sehr viel und sehr genaue Vorstellungen in deine Bilder hineinlegst und ich mich deshalb hüte daran zu kratzen.
Formal ist mir eine gewisse "Poetisierung" der Sprache aufgefallen, die sich in Satzverdrehungen (sonnenvergoldeter Abende Rot) und Substantivierungen (Das Nicken der Zweige) äußert.
Ob der Text soetwas etwas nötig hat, weiß ich nicht. Mir ist es etwas zu viel "poetisiert", aber das ist wohl reine Geschmackssache.
Insgesamt mag ich das Schwelgen in Naturbilder (novemberdurchwandertes Schweigen) und auch das Reflektieren innerer Empfindnisse an äußeren Begebenheiten (schnellender Kiesel) gefällt mir gut.
LG
Perry
PS: das "erdreich" ist mir hier als Adjektiv besonders ins Auge gestochen.

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5

Saturday, September 19th 2009, 10:19pm

.

Hallo Perry,

Quoted

für mich liegt das LI an einem sonnigen Abend an einem See und
sinniert über das Leben nach, das wie ein schlafender Riese neben ihm liegt

Deine Vorstellung erinnert ans Hebräische, zwar nicht niedlich und süß, aber rund
wie die Sonne und der See.

Quoted

"Poetisierung" der Sprache

Umgangssprache war hier auch nicht beabsichtigt,
ich grüble dennoch.

Quoted

Insgesamt mag ich das Schwelgen in Naturbilder (novemberdurchwandertes
Schweigen) und auch das Reflektieren innerer Empfindnisse an äußeren Begebenheiten
(schnellender Kiesel) gefällt mir gut.

Das freut mich.

Danke für Deinen Kommentar.

Lieben Gruß
Katerchen

.
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Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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6

Sunday, September 20th 2009, 8:55pm

hallo katerchen;

für mich ganz zentral in diesem text ist der schlafende riese, den ich in meiner leseart als gefallenen baum ausgemacht habe, der noch halb mit seinen wurzeln im erdreich hängt;
überhaupt lese ich den text eher als eine kontemplation über den tod als das leben;
es gibt jetzt zwei möglichkeiten die ich für mich selber gefunden habe wobei eine aber etwas zu haken scheint;
die schönere lesart hier (die etwas makaber scheinen könnte) ist gleichzeitig auch die unstimmigere; ich assozierte zu allererst das lyrich mit einer wasserleiche, die zwischen den wurzeln des baumes treibend die vorgänge an ufer und himmel beobachtet; zeit spielt keine rolle mehr; erstmal, losgelöst, findet man schönheit in der betrachtung sonst so unscheinbar wirkender dinge (siehe auch die schilfblüten); alles um einen bleibt rastlos, verändert sich, scheint sich um das lyrich zu drehen; die natur selber gibt mit einem nicken ihre zustimmung zur getroffenen entscheidung; man selber bleibt beruhigt am selben ort; was an dieser leseart aber dann stört ist der gedanke an die krankheit (im tod kennt man wohl keine gedanken mehr an gebrechlichkeiten)
das hieße dann, in meiner leseart, der schritt vom leben zum tode wurde noch nicht vollzogen (ist er überhaupt geplant, ist er nur ein gedankenkonstrukt, eine angenehm scheinende lösung für schwierige umstände?)
das lyrich befindet sich an einem ort, der mit belebteren tagen in verbindung steht (?) aber an orten der trauer läßt man wohl keine steine übers wasser springen, wenn man sich ihrer aber trotzdem gerne erinnert, sie als ferne leise bilder mit sich nimmt;
man hat aufgehört, auf die rückkehr dieser tage zu warten (?) man hat losgelassen, es in die ferne driften lassen, wo es nur noch leise hallt;
meine erste assoziation zur schnelligkeit der bewegung und dem indigolith fand sich in einer im schilf schwirrenden libelle; moos am gefallenen, sterbenden baumstamm (der trotzdem noch viele jahre hier groß und stark liegen wird und einem -tot oder lebendig- schutz und gesellschaft gewährt)

die schönheit des textes liegt in seiner friedfertigkeit, seiner anteilnahme, seiner angstlosigkeit und in seinem hinnehmen seinem frohsein über dinge die man geschenkt bekommt und nicht meckern darüber, was nicht oder was besser sein sollte;

ich habe so lange mit meiner antwort gewartet, weil ich mir nicht sicher war, ob ich richtig liege in meinen annahmen so wie ich ihn gelesen habe, finde ich den text aber wirklich schön und berührend;

lg
erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

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7

Monday, September 21st 2009, 11:00pm

.

Ein sehr berührender Kommentar, Erik. Danke. Sollte ich demnächst wieder in dieser Seelandschaft,
dem Spiegel der Natur, unterwegs sein, nehme ich Deine friedvollen Zeilen, dunkles Brot, einen
Apfel, Quercy-Picadou und Quellwasser mit. Ich werde den Wechsel der Zeit beobachten und mich an die
Schilfblüten erinnern, mich in meine Decke einwickeln, keine Steine übers Wasser springen lassen,
das störte nur, und mir, während sich über mir die Kirsch-Kuß-Mündern gleichenden Wolken in die
Dämmerung ausbreiten und der Winter im adäquaten Zweiteiler an die Tür klopft, die Frage verinnerlichen,
ob das Puder auf den alten Schmetterlingsflügeln, das Moos, die Libellen, der Riese und all diese
wunderschönen Details, böse darum wären, wenn Homo sapiens einmal von der irdischen Bühne verschwände
und, ob diese Frage die mengenmäßig überwiegend erdbevölkernden Ameisen interessierte, die nicht wissen
wollen, warum ein Seil im Regen verrottet, der Polarfuchs weiß und jede Schneeflocke sechseckig ist. Ich habe
Kleinigkeiten (Fotos s.o.) von meinen letzten Streifzügen mitgebracht, obgleich der Text keine Libellen beinhaltet.

Lieben Gruß
Katerchen

.
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Luna

Professional

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8

Thursday, September 24th 2009, 9:20am

RE: Sonnenvergoldeter Abende Rot

.

Sonnenvergoldeter Abende Rot

Der Tag trägt die Blüten des Schilfes in Haaren
und faulendes Flickwerk am naßkalten Leib.
Zum Wandern der Ziffern am grasgelben Ufer
versammeln sich Vögel zu rastlosen Schwärmen.
Mein Fühlen bewegt sich im Fallen der Blätter /das ist O.K.
aus sonnenvergoldeter Abende Rot / das ist O.K.
und mischt sich nicht selten mit Zweifeln, / hier fehlt mindestens ein Wort (nach meinem Gefühl)
begleitet von Krankheit und Tod.
/ auch das erscheint mir zu kurz, ..

die aufgebauten Bilder verschwinden in dem Moment wo ich: begleitet von Krankheit und Tod lese.

Hallo Katerchen.

Dein Gedicht ist und bleibt Traumhaft schön!

Leider kann ich es dir nicht genauer erklären, aber du weißt sicher was ich meine.

Deine Gedichte verzaubern mich immer wieder.

Luna
Ich glaube an Wunder

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9

Monday, September 28th 2009, 9:00pm

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Danke für Deinen berührenden Worte zum Traum und Deine gefühlsmäßigen Anregungen, liebe Luna.
LG Katerchen


Überlegungen zur (Traum)-Haft:
Die Natur weiß nichts mit der Zeit der Menschen anzufangen, sie läßt sich schon
jetzt schweren Schnee auf ihren massiven Nacken wehen, schneit sich letztlich
gleichmäßig ein und deckt mit ihrem Wetter-Coat das Dickicht zu, in dem eine tote
Grizzlybärin liegt, während der Kürschner Kautabak spuckt, den Jäger und Fallensteller
in für die Szene typischer Stückelung bezahlt, damit beide, jeder auf eigene Rechnung,
im nächstbesten Etablissement das pralle Leben genießen können, welches, mit
Bordelllimonade besudelt helfen soll, die blutigen Träume zu betäuben und die Gier zu
stillen, mit der sie sich jährlich im Hochland infizieren. Aber die Natur weiß nichts davon;
ihr wohnen die Launen der Champagner-Hefe sowie die Gewalt, mit der sie im Frühling einen
Gebirgsbach zum reißenden Strom befähigt, inne, der die tote Bärin, die angefressene Schwurhand
zur Genügsamkeit und den mit Fell besetzten Stetson eines Jägers in das Haus des Kürschners stürzt.
Die Frau des Kürschners starb schon im letzten Winter an Unterernährung. Aber, die Natur fettet
gleichmäßig ihren Coat und dreht sich dabei nicht um, weil sie weiß, daß sich hinter ihr ein Grizzly
aufrichtet als Scherflein sozusagen für die Bezahlung am Ausgang der Haft für Mensch und Zeit.

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