Hallo Hojaro,
rein formell gibt’s hier nichts auszusetzen.
Vier -hebiger Jambus, Reim aa b cc b, bis auf die b Reime durchweg männliche Kadenzen. Saubere unverbrauchte Reimwörter.
Nur: 3 Str. 4 Z.
fühl einmal betont, dann im Fragesatz unbetont ließ mich erst mal kurz stolpern (vll. auch intendiert?), aber beim erneuten Lesen ging‘s dann schon flüssig durch.
Inhalt
Ich habe mir jede Zeile einzeln vorgenommen, aber ich stell jetzt hier nur meine Zusammenfassung ein, sonst müsste die Forenleitung anbauen
L.I. stellt sich hier einem L.D. gegenüber.
Wer oder was L.D. ist, wird nicht beschrieben. Es bleibt also hier bei reinen Vermutungen, denn auch die Eigenschaft stark oder der Vergleich mit dem Ozean, lässt nicht eindeutig darauf schließen, ob es sich nun um einen Menschen, eine Leidenschaft/Sucht oder vielleicht sogar um die geistige Haltung des L.I. handelt. Ozean kann auch für ein Aufbegehren im Innern des L.I. stehn, aber wie schon gesagt, das bleibt offen.
Deutlich ist, L.I. will, fast schon trotzig, gegen L.D. (an) kämpfen, obwohl ihm bewusst ist, wie stark das Gegenüber ist. Es verspricht sich Freiheit, sogar ein neues Lebensgefühl.
Als der Plan funktioniert, kommen allerdings Zweifel auf.
Trotzdem fasst es sogar Fuß in seinem „neuen Leben“, abseits des LyrDu
Und du bist nur ein Ozean!
Nur schau, nur sieh, mein schöner Plan
geht auf, ich sehe neue Strände.
Ich fühl mich frei, fühl ich mich frei?
Mein Fuß fasst Land und eins, zwei drei
ist alles tot, was ich empfände.
Erst mal, Hut ab für die beiden Enjambements in der letzten Strophe. Einfach klasse.
ist alles tot, was ich empfände
Ob das nicht nun eine Deviation gegen die Korrektheitsnorm der Sprache ist

, weiß ich nicht, eigentlich müsste aus dem–
ist- ja auch ein Konjunktiv (wäre) gewandelt werden, oder? aber ich vermute mal das ist ein erlaubter, gezielt eingesetzter Sprachfehler. Aber das spielt hier für mich sowieso eine eher untergeordnete Rolle.
Denn gerade diese Zeile macht deinen Text absolut einzigartig. Ein Sprung. Wie immer man das auch auffassen möge. Gedankensprung, Zeitsprung…Und auch inhaltlich kommt hier dieser Bruch: Der Kampf, so scheint es, hat gar nicht stattgefunden? War es ein Traum, ein gedankliches Situationsspiel? Ein loslassen vom Aufbegehren.
Das lässt du offen und mit dem eigentlich…
dem Leser sein eigenes Happy End oder eben auch nicht, das kann man sich aussuchen. Für mich ist es ein:
Eigentlich will ich auch gar nicht gegen den „Ozean“ ankämpfen. Eigentlich bin ich ja so zufrieden, glücklich.
Schön wie du hier durch
eins, zwei, drei – die Spannung nochmal anhebst, um sie sofort danach abflachen zu lassen. Das ist wie ein …Puhh… Ausatmen.
Sehr interessant auch die Wortspiele im Text. Z.B. die Anfangszeile jeder Strophe. Nur ( klein)und Ozean (groß)
birgt hier einen trotzigen, sich (anscheinend wohlwissend) selbst betrügenden Ton. Das ziehst du schön über alle drei Strophen.
Auch das
Zahn um Zahn – ein Hinweis auf nur einen Gewinner
(Auge um Auge, Zahn um Zahn) und es könnte auch den Zahn der Zeit andeuten wollen, zumal die folgende Zeile
ich weiß, der Starke kann gewinnen, auf ein eventuell tiefgreifendes Erlebnis in der Kindheit schließen lassen könnte.
Einzig der Titel macht mir noch Kopfzerbrechen. Ausgewaschen= vll. wie K.G. vermutet ausgewachsen ( für ausgestanden) , vll. auch die Gedanken, das Aufbegehren ausgewaschen?
Ja, was soll ich noch sagen. Ein schönes Gedicht. Es hat mal wieder Spaß gemacht sich da rein zu denken.
Gruß
Alexa