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Typ

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Occupation: singender tanzender abschaum der welt

1

Tuesday, April 15th 2008, 10:16pm

Typ

Er
Hatte einen harten Tag
Einen wirklich harten Arbeitstag
Und eine beschissen harte Arbeitswoche
Er
Beklagt sich über die gestohlene Zeit
Knochenjob für Mindestlohn
Wo man doch so viel Besseres zu tun hätte
Er
Zieht seine Secondhandjacke aus
Wirft sie auf den Boden
Zu Bierflaschen und leeren Zigarettenschachteln
Er
Pflanzt sich in den alten Sessel
Der nach manch zweifelhaften Substanzen riecht
Er
Nimmt die versiffte Fernbedienung in die Hand
Und bekämpft mit Strahlentherapie
Das hartnäckige Geschwür Einsamkeit
als ob Gefangenes sich drinnen rege,
das ein Entfernter groß zusammengreift.
(Rilke)

Odradek

Master

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Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

2

Thursday, April 17th 2008, 4:11pm

Hey Nighty - nur ganz kurz:

8| 8| 8|
Wenn Deine Schluss-Idee nicht irgendwie zitiert ist ...
... wenn Du die letzten vier Zeilen ganz allein aus Dir und Deinen Gedanken heraus selbstgeschnitzt hast ...
... hmpf: Dann ist Dir ein verdammter Geniestreich gelungen!! 8| - :] - :thumbup:

Das ist mir gleich beim ersten Mal Lesen aufgefallen.

Ich sehe keine Haken bei der Sache.

Ob ich vllt. doch noch einen Ansatzpunkt für die ein oder andere kritische Anmerkung finde, muss ich erst ausführlich durchdenken.
Hab' leider jetzt nicht die Zeit dafür.
Ich komme wieder! =)

Die Idee und die Formulierung des Schlusses ist genial!


Gruß,
Odradek.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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3

Thursday, April 17th 2008, 4:45pm

POAH! Mir Plagiat vorwerfen XD

So, ma Spaß beiseite: das gesamte Gedicht is made by nighty ^.^ Freut mich unheimlich, dasses dir gfällt! *von ohr zu ohr grinsend da hocktz* Wenn dir noch Kritikpunkte einfallen, nur her damit =)

bye,

nighty! =D
als ob Gefangenes sich drinnen rege,
das ein Entfernter groß zusammengreift.
(Rilke)

Odradek

Master

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4

Wednesday, April 23rd 2008, 1:46am

POAH! Mir Plagiat vorwerfen XD

IIIIIIIICH? - - Niemals! :O
Es war ein ziemlich fassungloses Lob ...

OK :D , nun denn:
Wie gesagt, der Schluss, die letzten drei bis vier Zeilen sind schlichtweg genial: Das ist ein starkes, eindringliches, herrlich unangenehmes Bild, das Du da gefunden hast - genau so, wie es sein soll und wie es sich in den Leserhirnen festfrisst und zum Mit-Denken weiternagt ... :thumbup:
Was des restlichen Text zuvor angeht:
Ich muss Dir sagen, dass es da deutsch-sprachlich nicht das kleinste Fitzelchen zu korrigieren gibt.

Aber einen Punkt gibt es doch - der nicht so ganz einfach zu erklären ist, da die "Kritik" auf sehr abstrakter Ebene liegt (nun, es ist mehr ein Denkanstoß):
Dein sprachlicher Grund-Einfall, wie er bereits vom Titel her gestaltet ist, ist problematisch:
das "Otto Normalverbraucher". :rolleyes:
Es ist klar, was Du sagen willst - aber ich denke, das ist nicht der beste Begriff dafür.
Diese seltsame Begriffs-Figur "Hr. Normalverbraucher" ist traditionellerweise ja eigentlich sozusagen als statistisches Mittelmaß gedacht - und bezichnet dies ja, wie das Wort sagt: Normal-Verbraucher.
Zum einen ist es fraglich, ob das für Dein Gedicht-Bild stimmt.
Wenn man sehr pessimistisch ist, könnte man drauf beharren, dass das als Standard stimmt - - oder zumindest bald so stimmen könnte.
Aber ganz egal, wie man dazu steht - der Begriff setzt einen seltsamen, unpassenden Akzent. Die Person wird unter einem falschen Blickwinkel akzentuiert.
Umso mehr, als der Name dauernd wiederholt wird.
Das ist ja nicht die Hauptaussage des Gedichtes - der Clou/die Pointe ist ja zweifellos der Schluss.

Nun probier nur einmal spaßeshalber aus, alle "O. Normalverbrauchers" durch ein simples "ER" zu ersetzen - - und Du wirst sehen, dass das ganz ohne Sinn-Verlust gut funktioniert.
Vielleicht findest Du eine andere Lösung ... ich fände alleine schon eine andere Allgemein-Figur besser - - etwa ein "Herr Jedermann" oder ein "Herr Nebenan" oder so was ... :rolleyes:

Hmmm - ist das verständlich, was ich meine?


Das schmälert aber nicht die Gesamtleistung Deines Gedichtes!! =)

Nochmal Gratulation dafür: für den Blick - und für die genial simple Formulierung. :thumbup:


Gruß,
Odra. ;)
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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5

Sunday, April 27th 2008, 1:38am

Hallo Odradek!
Otto Normalverbaucher personifizerit die Allgemeinheit, deswegen finde ich, würde es doch ein wenig die Aussage meines Gedichts ädern, wenn ich mich stattdessen auf eine einzelne Person "er" beziehen würde. Wie du schon sagtest, mit O. Normalverbraucher bezeichnet man den Durchschnittsverbraucher...Durchschnitt, Mittelmaß...auf den ersten Blick passend, aber wenn ichs mir jetzt nochma so anschau...ja, ich werd nach einem besseren Namen suchen ^^ *Hans-Peter Müller ôo*
thxxxx fürs rev^^
byes
nigthy
als ob Gefangenes sich drinnen rege,
das ein Entfernter groß zusammengreift.
(Rilke)

Sarisand

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6

Tuesday, April 29th 2008, 12:09pm

Hi nighty,
Otto Normalverbaucher personifizerit die Allgemeinheit, deswegen finde ich, würde es doch ein wenig die Aussage meines Gedichts ädern, wenn ich mich stattdessen auf eine einzelne Person "er" beziehen würde. Wie du schon sagtest, mit O. Normalverbraucher bezeichnet man den Durchschnittsverbraucher...Durchschnitt, Mittelmaß...auf den ersten Blick passend, aber wenn ichs mir jetzt nochma so anschau...ja, ich werd nach einem besseren Namen suchen ^^ *Hans-Peter Müller ôo*
Ich finde die Bezeichnung "Otto Normalverbraucher" an sich passend! :) Ein anderer Name würde nicht so ausdrucksstark sein, denke ich!
Gruß Sarisand

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7

Tuesday, April 29th 2008, 3:22pm

Hallo Sarisand
Danke für für deinen rev ^^ Bestärkt meine Überlegung, den Namen beizubehalten =)
mfg
nighty
als ob Gefangenes sich drinnen rege,
das ein Entfernter groß zusammengreift.
(Rilke)

Odradek

Master

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8

Friday, May 9th 2008, 2:46am

.
Huhu, Nighty - ich denke nochmal ein bißchen mit - und dagegen :D :


mit O. Normalverbraucher bezeichnet man den Durchschnittsverbraucher...Durchschnitt, Mittelmaß...

Tja. Eben.
"Ein Maß, das [statistisch] in der Mitte liegt" ... ... zumindest einigermaßen. :rolleyes:

Du beschreibst aber konkret etwas anderes - tatsächlich.
Du bemühst Dich in Deinem Text aber deutlich, Dich von der Mitte wegzubewegen, hin zu "Extremen"
- im wahrsten Sinne des Wortes: Du tendierst ins Superlativ.
"Knochenjob für Mindestlohn" - - nein, das ist kein Mittelmaß, nein, das ist überhaupt nicht "die ALLGEMEINHEIT", die Du erläuternd anführst, die da für "MINDESTLohn" arbeitet!

So weit sind wir dann doch -- noch -- nicht. ;)

Auch der "Knochenjob" entspricht nicht dem "mittleren Maß".
Auch die Secondhandjacke signalisiert etwas anderes als "Mittelmaß" --- ich möchte einmal wissen, wieviele "Normalverbraucher" sich (ausschließlich/überwiegend) second-hand einkleiden. :rolleyes:
Und selbst das Zigarettenrauchen :D ist ja heute - ganz aktuell - eher aus der Mitte der Gesellschaft heraus verbannt.

Du beschreibst ein Beobachtung vom Rande, nicht eine aus der Mitte.
Wie lange das noch so ist, das ist eine andere Frage ...
Dass sich die Mitte immer mehr zu der von Dir beschriebenen Position hinbewegt, das ist heute klar.
Und die von Dir als Pointe präsentierte "Strahlentherapie" wird man auch heute bestimmt oft genug auch in der "Mitte" finden können.
Wahrscheinlich überall.


Wie gesagt: Ich finde Dein Bild -- Deine Beobachtung, Deine Beschreibung -- absolut gelungen, treffend, packend, anrührend ... ohne Abstriche!! =)
Aber ich denke, dass der Titel nicht der beste ist dafür ...


Lieben Gruß,
Odra. ;)
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(Afrikanisches Sprichwort)

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9

Friday, May 9th 2008, 1:45pm

Hallo Odradek!
Du wiedersprichst dir ;D Hast du nicht selbst: "Herr Jedermann" vorgeschlagen?
Nein Spaß beiseite...ich muss dir absolut recht geben! Mindeslohn etc. als Mittelmaß darzustellen ist tatsächlich ziemlich überzogen. Was ich beschreibe, stellt(noch) eine Randgruppe da.... Nein, ich hab in diesem Punkt wirklich nicht nachgedacht! Oder meine pessimistische Weltanschauung ist mit mir durchgebrannt lol....
Ahje aber durch was ersetz ich das bloß?? Ich nehm jetzt einfach mal...er...ist nicht wirklich optimal, aber bis mirn Geisteblitz kommt...oder jemand anderem? Vorschläge: nur her damit=D
Vielen Dank für deine hilfreiche Kritik und das Lob ^___^
nighty
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(Rilke)

Sarisand

Professional

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10

Tuesday, July 1st 2008, 10:39pm

ER

Kurz und passend! "ER" ist, denke ich, die wertfreiste und neutralste Möglichkeit, die hier bisher zur Debatte stand! :thumbup:

Gruß Sarisand

Ciproflox

Professional

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11

Tuesday, July 1st 2008, 10:48pm

Hi

Odra hat völlig Recht. Ich gestehe ein, dass ich deinen bisherigen Texten nicht viel abgewinnen konnte, doch dieser, und dazu muss man sagen, dass er im Grunde in der völiig falschen Kategorie untergebracht ist, was dafür steht, dass du vielleicht selbst nicht weißt, wie du diesen Text behandeln sollst, doch dahingehend sei dir gesagt, dass er vielleicht weit über dein Bisheriges ausschlägt und eine Dimension erreicht, die im Existenzialismus selbst rührt, ist klasse.

Ok, ich übernehme mich etwas. Im Grunde ist der Text simpel gestrickt. Es sind Klischees. Und doch ergibt sich aus ihrer Verbindung das gewisse Etwas, ein Widerspruch nämlich, zwischen Erwartungshaltung und Realität, einerseits der Klage über die Möglichkeiten, die das Leben im Wesentlichen birgt, und andererseits die Realität, Alkohol, Kippen und Fernsehen, Gesessele.

Gerade darin wirkt die Schlussszene. Das Geschwür Einsamkeit sitzt tief im "Er" drin. Das ist eine bittere Pille, die hingenommen wird, hingenommen werden muss, muss man fragen, und die bittere Antwort darauf schließt den Kreis zu meiner Aussage zu Beginn, der Notwendigkeit der Existenz.

Grüße

Cip
Überblick

Zitat von »King Lear«

Aus nichts kann nichts entstehen: sprich noch einmal

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12

Sunday, July 6th 2008, 6:08pm

Hallo Chip,

Vielen Dank erst einmal für deinen Kommentar.

Quoted

dass ich deinen bisherigen Texten nicht viel abgewinnen konnte

Kann ich gut nachvollziehen. Und deshalb freut es mich umso mehr dass dir dieser hier schon eher zusagt.

Quoted

dass er im Grunde in der völiig falschen Kategorie untergebracht ist

Wie du selbst schon erwähnt hast, wimmelt es in meinem Text von Klischees. Ich zeichne hier ein ziemlich überzogenes Bild, findest du nicht, dass das etwas sartirisches hat? Natürlich könnte ich es auch unter „Gesellschaft“ stellen, aber ich finde es hier auch ganz gut aufgehoben.

Deine Interpretiation und Gedanken zu meinem Text teile ich voll und ganz ^^ Schön das die Botschaft so gut rüber zu kommen scheint.

Liebe Grüße,
nighty
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(Rilke)

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