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Occupation: Student

1

Sunday, June 8th 2008, 3:20pm

Gedichteforen.de Wettbewerb 2008 - Die Gedichte

So, hier nun die restlichen Gedichte des Wettbewerbs. :) Die Gedichte sind hier jetzt nicht nach der Bewertung sortiert, sondern nach dem Datum der Einsendung. Das Gedicht, welches als Erstes eingesendet wurde, steht also ganz oben. ;) Viel Spaß beim Lesen. Wer seine genaue Jurybewertung erfahren will, der melde sich einfach bei uns, ich gebe sie dann natürlich raus. Aber wir wollten natürlich niemanden mit einer nicht ganz so guten Bewertung bloßstellen. Ich danke auch nochmals an dieser Stelle den Juroren und allen Autoren, die teilgenommen haben. :)

1. Schach (silent waters; Thema: Spuren)

Der Mann mit der Gitarre streichelt die stählernen Seiten
Um seiner brüchigen Stimme ein Gerüst zu geben
An dem er sich festhalten kann, so wie ich an dem Glas
Dass in seinem Leben wohl mehr Bier gesehen hat als ich Gläser
Was natürlich beruhigt und einen Zaun zieht
Um meinen Geist, der langsam seine Züge ausführt
Auf den Schachfeld des Lebens
Ohne anzugreifen
Immer mit bedacht
Nicht matt zu sein
Ich versuche nicht aufzuwachen
Solange mir die schlechten Träume bleiben
An denen ich mich ergötze
Wie eine Hyäne an einem sterbenden Tier

2. Ansichtssache (lila; Thema: Rassismus. Ein Blickwinkel)

Schwarzer Block .........................................................weiße Reihe
Pöbel ........................................................................Saubermänner
Drückeberger .............................................................Arbeitsvolk
Zecken...................................................................... Finanzierer
gewaltbereit ...............................................................marschierend
gegen die Ordnung


Wer sind die Guten?


3. Verloren (autumncat; Thema: Spuren)

Sie gaben sich Flügel und nannten ein Ziel
und flogen weit mit dem Wind,
sie gaben sich sehend von allem zuviel
und wurden einsam und blind.

Sie fühlten die Wärme der Sonne nicht mehr
und kamen im Eismeere an,
die Flügel, sie brachen und stürzten so schwer,
bevor sich das Schicksal besann.

Sie sterben den leisen, den stummen Tod,
und ihre Münder sind leer,
sie schauen verzweifelt ins Morgenrot,
doch sie erreichen's nie mehr.

4. Nordweststurm (autumncat; Thema: Spuren)

Es zieht eine Spur von Verwüstung durchs Land,
die See aufgewühlt von zerstörender Hand.

Der Wind aus Nordwest gebiert einen Sturm,
er fegt über Mole, Klippe und Turm.

Die Gischt gebärdet sich wütend und wild,
die Kaimauer ist kein wirklicher Schild.

O Fährmann, hol über, du hast keine Chance,
bist einer der letzten der sterbenden Branche!

Die Fähre schlingert und sinkt in den Tod,
nur Splitter und Spuren im Morgenrot.

Es zog eine Spur von Verwüstung durchs Land,
so schwer wie niemals ein Mensch es gekannt.

5. Das Gestern (Sarisand; Thema: Spuren)

Die Zeiten treiben,
die Winde reiben
an Siegessäulen
-es ist zum Heulen.


Momente rinnen,
Tage beginnen,
die Wochen verstreichen,
Welten verbleichen.


Stunden verfliegen
und von den Siegen
bleibt nur Erinnerung
in uns Menschen jung.


Was wir errungen
wird zwar besungen,
doch wie es wirklich war,
legt heut keiner dar.


Es ist vergessen,
wie aufgefressen,
die Wahrheit gestorben
oder verdorben.


Das Gestern schwindet,
Gescheh’nes findet
Einzug in Legenden
in unsren Händen.


Dort bleibt es leben,
in Hirnen kleben
und der Geschichte Schatz
findet dort seinen Platz.

6. Eigenheimidylle (Sarisand; Thema: Spuren)

Das Wasser rann so ungestüm im Bach,
die Hecken wuchsen will und frei im Saum.
Gelb leuchtend spross der Löwenzahn, ein Traum
für Nektar suchend Biene: Brot und Dach.


Nun pfeift der Wind nur noch durch kahle Äste
und Bachkiesel sind Trockenobst der Sonne.
Verschwunden sind die Blumen, Bienvolk’s Wonne,
ganz selten steht noch eine – ohne Gäste.


Wo einst die alten Bäume Schatten gaben,
liegt jetzt ein tiefer, schlammig-brauner Graben
voll Schutt und Schale einer Apfelsine.


Gewichen sind die Bäume, Blumen, Bienen
und was da einst als Hause sollte dienen,
erhebt sich nun als graue Bauruine.

7. OMA (Schneeflocke; Thema: Spuren)

In deinem Haar liegt Schnee.
Die Furchen im Gesicht
erzählen stumm. Gelebtes Leben.
Die Haut verwelkt, geschrumpft
durch Kampf, Entbehrungen,
durch Freude und durch Trauer
gleicht sie dem frisch bestellten Feld.

In deinen Augen spiegelt sich dagegen
aller Schatz der Welt,
denn dein Herz blieb jung.
Und dein Lächeln
läutet spitzbübisch den Sieg
über die wildesten Fluten der Zeit.

8. Auf der Straße (lyrikel; Thema: Rassismus. Ein Blickwinkel)

Es war nur ein Blick,
da pöbelt’s mich an:
„Wat glotzt denn so Mann?
Noch nie ’nen Nigger gesehn?
Nazischwein!!!“
Ich rücke meine Kippa zurecht,
geht weiter.
Der nächste Blick –
in mich hinein

9. DIE JENE (Schneeflocke; Thema: Spuren)

Wie Tau glänzt Sternenstaub
in meinem Haar, mein Kleid
aus Hoffnung zart gewebt,
mein Angesicht eingehüllt
in die ewigen Schatten der Zeit.

Mit einem Blick umfasse ich
Himmel und Erde, dir einhauchend
meine Sehnsucht, die deine Augen
kindlich staunen lässt.

Ich bin, wer ich bin.
Den Suchenden bin ich das Licht.
Den Denkenden bin ich die Weisheit.
Den Liebenden bin ich die Glut.

Aber dir, nur dir, will ich die Jene sein,
in der du dich selbst erkennen kannst.

10. bespuren (ruelfig; Thema: Spuren)

geblendet im brennen verfallen dem fleische
von sinnen gefallen einander entraten
die körper zu teilen in sehnen und haut
und blicklos erschauen im rausche befallen
verrinnen der rätsel verschmolzener hitze
entfallen die folgen den zeugen im stumm

11. Sich folgen (ruelfig; Thema: Spuren)

Moose erst, Flechten auf brechendem Putz,
rinnendes Wasser löst Mörtel.
Rissiger Wände geflecktes Gespinst,
Zeichen verwitternder Fläche in Zeit.
Los löst Verbindung aus Steinen und Sand,
Anstrich entwirft sich zu Tälern und Hügeln,
stumm bleibt die Hand als Zeuge der Mauer,
bröckelnde Fährte ins Abseits, befreit.

12. schmalspur (anfangende; Thema: Spuren)


wo
kommst Du
her

keine
spur

von
wegen

einer
führt

wo
gehst Du
hin

komm
mit
mir
aus
wege
aus
führen

folge
mir
dort
hin
ein:

im
mer
mehr
meer
wird
uns
um
geben


ich
er
trinke
du
nicht

so
soll
es
sein:

nie
wie
der
wer
den

tag
ein

tag
aus.

13. Kristallatem (Inspira; Thema: Spuren)

Hell ist dieses Land,
unbekannt.
Vergessen aus Schnee
bedeckt
es. Unbefleckt
ist jede Idee
der neuen Welt.
Auf mich gestellt
folge ich mir nach.
Spurensuche bis es taut.
Die Zeit liegt brach.
Ich bange
so lange
es vertraut
wird und der Schatz geborgen.

14. Klein (Inspira; Thema: Rassismus. Ein Blickwinkel)

Meine Orientierung: einfach.
Alles Fremde macht Angst.
Es gibt schwarz und weiß.
Grau verschwindet unter Parolen
auf eine Richtung gepolt.
Nichts rechts oder links,
nur gerade aus oder zurück,
nur eine Wertung:
gut und schlecht.
Was anders ist wird bekämpft.
Das ist die einzige Chance,
der einzige Aus-Weg
für meine Sicherheit.
Die Welt muss rein sein,
übersichtlich,
klein.

15. Kellerkind (Puck; Thema: Spuren)

Ich rann heraus aus deinen blutend Wunden
von Geburt gezeichnet, tiefer geschunden
spurte nur für dich brav und adrett
dein Schandmal stumm im Gitterbett

Nur Neonschein zeigte mir den Morgen
tief unter euch lieg ich verborgen
ein Alp aus deinem dunkelst Traum
vergräbst vor Welt dein eigen Graun

Bin namenlos und ohne Kuss geblieben
Liebe wurd statt meiner abgetrieben
die Hoffnung sich so an ihm zu rächen
verleb ich für ihn, Element von Verbrechen

16. Spuren (Schuhu; Thema: Spuren)

Worte hinterlassen
Spuren
Spast!Was fällt dir ein?
Worte sind Fußabdrücke
In deinem Gesicht
Selbst Feigen schmecken manchmal süß
Bitter
Worte töten:
Abschuss!

17. Partnerspur (Faithlight; Thema: Spuren)

Die leer geräumte Schrankseite
ziert mein neues Leben
Mit dir eine erneute Pleite
nach dir wird’s noch einige geben

Der verschmutze Spiegel starr
im neongelben Licht
wird mir einiges klar
- dank dir bekomm ich Gicht

Das dreckige Geschirr lacht
mir mitten ins Gesicht
als ob sich’s von selbst macht
bist du nicht das was du versprichst

Das Gefühl zu lieben
ein verdammtes Geschenk
man braucht nur tief zu sieben
und findet dein Gelenk

Du hast mir alles genommen
mein Stolz, Besitz und Würde
du wirst deine Strafe bekommen
das ohne die kleinste Hürde

Mein Anwalt ein Muskeltier
vom gewieften Teufels Stab
entspricht er ganz meiner Rachegier

ganz so wie ich es mag

18. Zimtfäden (Faithlight; Thema: Spuren)

Sanfte Prise – Sternenstaub
Linien weit – auf deiner Haut
Tiefe Spuren - Meeressand

Roter Faden – fliederweiß
Süßer Duft – in den ich beiß
Schmecke tief – den Wolkenkuss

Lymielle

Moderator

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2

Sunday, June 8th 2008, 3:32pm

Hmm, könnten die Autoren noch dazu geschrieben werden? Und vielleicht sogar noch die Themen?
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

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3

Sunday, June 8th 2008, 3:53pm

Ja, natürlich kommen die Autoren und das dazugehörige Thema mit dazu. Ich bin etwas durch den Wind. Ich danke dir für den Hinweis, lymielle.
An alle, die ihre Bewertung haben wollen. Es kann sein, dass das ein bisschen dauert, weil wahrscheinlich sehr viele ihre Bewertungen haben wollen. Ihr kriegt sie aber auf jeden Fall.

Liebe Grüße,

Hojaro

Lymielle

Moderator

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4

Sunday, June 8th 2008, 4:07pm

Vielen Dank für die Ergänzung, Hojaro.

Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

Puck

Professional

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5

Sunday, June 8th 2008, 6:30pm

gibts die möglichkeit das es für jedes gedicht einen eigenen faden gibt? dann könnte man finde ich auch wirklich auf die einzelnen texte eingehn...so in der masse gehen sie irgendwie unter

sim

Professional

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Location: Hamburg

6

Sunday, June 8th 2008, 6:54pm

Der Einfachheit halber poste ich meine Kommentare mal alle hier rein.

Schach (Spuren)

Ich finde das Gedicht nicht schlecht, allerdings etwas zu sehr darum bemüht, den Bandwurmsatz aufrecht zu erhalten. Auch sehe ich den Bezug zu "Spuren" nicht.. Sicher, das Leben hinterlässt Spuren, aber von denen ist im Gedicht nichts zu lesen.
Formal hätte Zeichensetzung dem Gedicht wirklich gut getan und Gitarrensaiten werden auch nach der Rechtschreibreform immer noch mit a geschrieben.

Ansichtssache (Rassismus. Ein Blickwinkel)


Eigentlich schade, denn die abschließende Frage reißt keinen neuen Gedanken auf, sondern penetriert nur mit der Aufforderung, jetzt gefälligst nachzudenken. Die würde ich weglassen. Wenn eine grafische Gestaltung gelingen würde, in der die Gegensätze jeweils auch für die andere Richtung gelten würde, wäre es ebenfalls besser.
Hier auf der Seite fällt die grafische Gestaltung ja eh leider flach.

Verloren (Spuren)

Vielleicht verstehe ich das Gedicht auch einfach nicht, aber mit Spuren hat es nichts zu tun.. Im besten Sinne noch, dass man eben fliegend keine Spuren hinterlässt.. Mann könnte es als Metapher auf abgehobene Manager lesen, denen jede Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Die allerdings stürzen oft nicht. Und im Gedicht stürzen ja auch nur die Flügel. Warum die letzte Strophe in der Gegenwart?
Formal ist die Zeichensetzung inkonsequent. In der Formulierung: "Die Flügel, sie brachen und stürzten so schwer" stürzen eben nur die Flügel, deren Träger wären entsprechend befreit und könnten ohne Flügel weiterfliegen.


Nordweststurm (Spuren)

Hat zwar etwas mit dem Thema zu tun, aber die Spur wird letztlich nur behauptet und im Zugriff auf Sagengestalten deren Folgen beschrieben, nicht die Spur selbst. Was kennzeichnet die Spur der Verwüstung? Die Spur der Verwüstung eines Meeres oder Sturms können wir doch gerade in Asien sehen. Da stehen Kaimauer, Mole und Turm nicht mehr.
Formal wird der Rhythmus manchmal verlassen, wenn man die Wörter richtig betont.

Das Gestern (Spuren)

Es entwickelt sich durchaus ein Bezug zum Thema, Rhythmus und Reim sind teilweise aber arg erzwungen und die Aussagen in sich nicht stimmig.
"Es ist zum Heulen" ist wohl nur in das Gedicht gerutscht, weil es sich auf Siegessäulen reimt, das ist ein Beispiel für erzwungene Reime. An manchen Stellen kann es sogar hilfreich sein, wenn man den Rhythmus mal bricht (wenn man weiß, wo), so wäre es zum Beispiel in der letzten Zeile der dritten Strophe angebracht, auf "Menschen" zu verzichten. "Legt heute keiner dar" stimmt zwar inhaltlich, schießt aber derart aus der sonstigen Sprachmelodie, dass es auch nur dem Reim geschildet sein kann. "Die Wahrheit gestorben oder verdorben" sollte schon der Steigerung wegen umgestellt werden. Erst verderben, dann sterben, bitteschön.
Inhaltliche Inkonsistenz: Wenn Legenden als Spuren in unseren Händen Einzug halten, schwindet das Gestern eben auch nicht, wie es im Gedicht zuvor die ganze Zeit behauptet wird.


Eigenheimidylle (Spuren)

Großes Sorry, aber im Bemühen um poetische Sprache geht die Poesie flöten und das ganze wird zum Hausfrauengedicht (Anrufe an den Frauenbeauftragten des Forums unter ...). Erzwungene Reime, erzwungene Rhythmen. Zwar Bezug zum Thema, aber von grauenhafter Lyrik.
Wenn Wind durch Äste pfeifen soll, müssen diese schon hohl wie eine Blockflöte sein, wenn, pfeift er durchs Geäst.
Gut ist allerdings die dritte Strophe.
"Und was da einst als Hause sollte dienen" lässt mich als Formulierung vermuten, ich habe es nicht mit einem Muttersprachler zu tun, der eventuell zwischen Haus und Zuhause unterscheiden könnte.


Oma (Spuren)

Bleibt beim Thema durch die Personenbeschreibung. Eine schöne Liebeserklärung, auch wenn rhythmisch noch einiges zu verbessern wäre.
Formal sollte ein Punkt nach "verwelkt" gesetzt, alternativ, wenn das Komma bleibt, auf "sie" nach "gleicht" verzichtet werden. Zwischen Kampf und Entbehrung würde ich um Rhythmus und aufzählung willen auch "und" einsetzen.
"In deinen Augen spiegelt sich hingegen


Auf der Straße (Rassismus)

Rasissmus als Verfolgungswahn. Bloß nicht anschauen. Ein Effekt, den auch Behinderte kennen. Fettdruck und drei Ausrufezeichen als penetranter Hinweis sind sicherlich überflüssig, aber sonst okay.
Formal müsste es "geh", nicht "geht weiter" heißen.


Die Jene (Spuren)

Ich sehe keine Verbindung zum Thema, keine hinterlassenen Spuren, keine Spuren, in denen gegangen oder gelebt wird, sondern eher ein Liebesversprechen, das nicht einmal Spuren hinterlässt. Das Gedicht ist nicht schlecht, wenn auch inhaltlich vielleicht ein bisschen auf geringstem esoterischen Nenner angelegt. Und Titel sowie zentrale Zeile beugen um des Effekts willen die Grammatik, denn es müsste "Diejenige" oder "Jene" (ohne Artikel) heißen.


Gretel (Spuren)

Warum denke ich bei Füßen und Blick nur an Hühneraugen?
Das ist gemein, denn das Gedicht hat mit dem Thema zu tun und ist durchaus gut formuliert, auch wenn ich mit Streusalz deiner Augen nichts anfangen kann. Soll wohl ein Bild für die getrockneten Tränen sein, die dann natürlich das Straucheln nicht verhindern können, da die feuchten Tränen ja schon erst dem Straucheln folgen. Gedicht wirkt für mich wie eine Bildbeschreibung, als hätte der Autor ein Foto vor sich gehabt.


bespuren (Spuren)

Tao, eindeutig (oder jemand, der mal wie Tao schreiben wollte)
Leider habe ich das Geühl, nicht den ganzen Text vor mir zu haben, da er mit einem duch "im" eingeleiteten Adjektiv endet, wodurch ein Substantiv angekündigt wird.

Ja, da hat der gute ruelfig mich geleimt. ;)


Sich folgen (Spuren)

Spuren als Zeichen der Verwitterung und auf anderer Ebene Verwitterung als Zeichen des Lebens, als inneres Gefängnis, das gelungen ist, abzureißen, wenn auch der eigene Weg ins Abseits führt. Thema gut getroffen, ansprechend formuliert. Gefällt mir gut.


schmalspur (spuren)

Idee sehr gut, leider finde ich sie inhaltlich nicht passend umgesetzt, denn unter Schmalspur verstehe sicher nicht nur ich etwas anderes, das hier weder gegen den Strich gebürstet noch getroffen wurde. Ob Spuren einen Suizid benötigen, halte ich für fraglich, Schmalspurselbstmord? Was soll das sein?
Formale Idee unbedingt noch mal für ein Thema behalten, bei der sie den Inhalt besser trägt.


Lebenslinien (Spuren)

Mein persönlicher Favorit, auch wenn ich die erste Strophe komplett streichen würde, schon weil sie ein Kalenderspruch ist. Sich hat der/die AutorIn im festen Glauben geschrieben, es sei ihr/ihm eingefallen, ist manchmal so bei Kalendersprüchen, weil es manchmal ewig her sein kann, dass man sie unbewusst aufgeschnappt hat. Der zweite Grund, der gegen die erste Strophe spricht, ist, dass diese das ganze Gedicht erklärend zusammenfasst, es aber nicht einleitet oder ergänzt.


Kristallatem (Spuren)

Hier musste ich mich erst einmal durch die sinnlosen Zeilenumbrüche arbeiten. Sinnlos, weil sie den Inhalt nicht brechen oder weiterführen, sondern nur mit "Schnee bedecken"


Klein (Rassismus)

Schade, beim Thema Rassismus trauen sich die Autoren nicht. Die fremdpsychologische Analyse als einsichtsvolle Selbstreflexion eines Rassisten wäre stärker, wenn sie noch wesentlich deutlicher als Legitimation verwendet würde. Dann müsste aber die Moral des Autors vom lyrischen Ich getrennt werden. So krankt das Gedicht daran, dass bitte ja niemand den Urheber für einen Rassisten halten soll, obwohl doch das lyrische Ich einer ist.


Kellerkind (Spuren)

Okay. Ein Kind als bleibende Spur einer Vergewaltigung ist durchaus eine mögliche Interpretation des Themas. Das Gedicht aber ist ein Lehrbeispiel dafür, wie man es nicht macht. Gequälte Reime, gebeugte Grammatik, vergewaltigte Sprache. Kurz: Ein Graun, äh Grauen
Formal: "Ich rann aus deiner blutend Wunde" <-- "rann"? Ein Säugling ist doch nicht flüssig.
"von Geburt gezeichnet, tiefer geschunden" <-- Tiefer als was?
"tief unter euch lieg ich verborgen" <-- Warum hier die einzige Verwendung des Plurals?
"die Hoffnung sich so an ihm zu rächen
verleb ich für ihn, Element von Verbrechen" <-- Bezweckte Aussage nicht getroffen. Das Kind als Element des Verbrechens (eigentlich schon das nicht, sonder als Folge, sonst wäre mit ihm das Verbrechen verübt worden) verlet nicht die Hoffnung auf Rache, sondern badet sie aus und hält dafür still. In der Hoffnung vergreift sich die Mutter am Kind.


Spuren (Spuren)

Brainstormingpunkte untereinander geschrieben ergeben noch kein Gedicht. Einziger Pluspunkt, dass die Idee der Spuren hinterlassenden Worte zwar nicht neu ist, in diesem Wettbewerb aber nur einmal verwendet wurde.


ZeitPunkt ? (Rassismus)

Auch hier wurde leider die sichere Seite der Betroffenheitslyrik gewählt.Interessant die Einbettung von Herodes' Kindermord am Bsp. Mai-/Marienkäfer. Interessant auch die formale Aufteilung.


Partnerspur (Spuren)

Auch Feministinnen sollten mit Sprache umgehen können, wenn sie dichten. Es bliebe zu fragen, ob für solche Gedichte besser eine Frau in der Jury wäre. Aber schlecht bleibt einfach schlecht. Damit meine ich nicht den Inhalt, sondern die holprigen Reime, die zusammenhanglosen Formulierungen, den Rhythmus. Auch das thema Spuren wird nur kurz angekratzt, bevor eine reine Abrechnung mit wem auch immer kommt.
Formal: "dank dir bekomm ich Gicht" <-- Aber nur, weil es sich so schön auf Licht reimt, oder?
zweite Strophe <-- Er ist doch weg, wie soll er da bitte noch abwaschen?
Dritte Strophe erscheint mir völlig unverständlich und zusammenhanglos.
vierte Strophe: meinen Stolz und meine Würde, die Hürde im Anschluss wirkt auch, als sei sie nur gekommen, weil sich auf Würde sonst nur Bürde reimt.
Und zum Schluss noch eine Wortwiederholung "ganz".


Zimtfäden (Spuren)

Zunächst fand ich es leer, dann fiel mir die kreative Interpretationsvielfalt des Themas auf. Spuren für fast alle Sinnesorgane. Eine Spur Zimt, die man riecht, schmeckt, fühlt, sieht, nur nicht hört. Mein zweiter Favorit, auch wenn mir eine tiefere Ebene des Lebens fehlt.

So, das war es, zum Teil, ich weiß, ganz schön hart, aber es waren ja auch anspruchsvolle Themen.

Liebe Grüße
sim
Texte einer multiplen Persönlichkeit

I've always considered writing the most hateful kind of work. I suspect it's a bit like fucking — which is fun only for amateurs. (Hunter S. Thompson)

lila

Unregistered

7

Sunday, June 8th 2008, 7:35pm

hallo sim
ursprünglich war es mal so, dass jeweils das zweite wort in jeder zeile als eine gegenübergestellte strophe zusammengefasst war, die vorletzte und letzte zeile war zentriert.also so:
Schwarzer Block .........................................................weiße Reihe
Pöbel ........................................................................Saubermänner
Drückeberger .............................................................Arbeitsvolk
Zecken...................................................................... Finanzierer
gewaltbereit ...............................................................marschierend
gegen die Ordnung


Wer sind die Guten?

naja, fast aber besser bekomm ich´s grad nicht hin... :S

zum weglassen der letzten zeile: mhhh. mehr kann ich dazu nicht sagen, was aber auch daran liegen mag, dass mein kleiner bruder gerade im nachbarzimmer auf sein schlagzeug einschlägt ^^ danke für den kommi und (auch wenn es hier nicht hergehört... ;) ) herzlichen glückwunsch an die sieger!
lieben gruß
lila

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8

Monday, June 9th 2008, 5:23pm

Ich hab mich ungenau ausgedrückt. Für die genaueren Wortbewertungen müsst ihr die einzelnen Jurymitglieder Ciproflox, Nitrogenium, Odradek und Sim anschreiben. Die habe ich nur zum Teil. Ich kann euch nur sagen, welche Note ihr habt (1-10; 10 stellt die Höchstnote dar) und welchen Platz ihr am Ende belegt habt (4-21).

@lila: Dein Gedicht wurde genauso der Jury vorgelegt, wie du es eingesendet hast: Zentriert. Leider hatte ich dann Schwierigkeiten mit den Codes hier, deswegen hatte ich es dann beim Einstellen hier erst einmal herausgelassen, bevor das Gedicht dann komplett verzerrt ist. Aber anscheinend hast du es ja gut hinbekommen mit den Codes. :D Ich übernehme das dann mal so.

Puck

Professional

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9

Monday, June 9th 2008, 6:17pm

ich glaub nach dem kommi von sim will ich gar nicht mehr wissen wie schlecht mich die andren gefunden haben....ist so schon irgendwie dingsig genug und so....soll jetzt nit so auf emo und mitleid oder so ...aber so kann ich mir wenigstens immer noch einreden das ich wenigstens erster von hinten war :P

lyrikel

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10

Monday, June 16th 2008, 10:57am

Wow, das ist ja 'ne spannende Konkurrenz.

Danke Sim für Deine ehrlichen Kommentare!
Da ist mir bei 'geht' doch wirklich ein blöder Tippfehler unterlaufen, es sollte natürlich gehe heißen. :S
Rassismus als Verfolgungswahn, ja auch, aber nicht nur. Ich wollte ausdrücken, dass Rassismus sehr viel mehr Facetten hat, als den klassischen springerbestiefelten Neonazi, er geht keineswegs nur von Weißen aus.
Wie Du auch schon in Deinem Kommentar zu Inspiras Beitrag bemerkt hast ist es schwierig sich als Autor von seinem lyr. ich zu lösen und sich moralisch aus dem Fenster zu lehnen, was wahrscheinlich auch der Grund ist, dass sich offensichtlich leider nur 4 Leutchen rangetraut haben.


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11

Wednesday, June 18th 2008, 10:24pm

sagen die anderen Jurymitglieder da auch noch was zu? Ö.ö
Danke Sim, bei der Partnerspur kann ich dir echt zustimmen, das Ding ist für den Müll =.= Wollte schon nachfragen, ob ich das Ding wieder zurückziehen kan. Aber ich dachte: Hmmmm, vielleicht kannste damit ja nen BLUMENTOPF gewinnen, als Trostpreis xD
Es freut mich ehrlich das dir mein zimtiger Geschmack gefällt :) ich liebe Zimt *nahahahaha* und das Gedicht selber hat mir bestimmt 2 Jahre meines Lebens geklaut =.=
Vielen herzlichen Dank *verneig*
~Glaubenslicht~

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