So, hier nun die restlichen Gedichte des Wettbewerbs.

Die Gedichte sind hier jetzt nicht nach der Bewertung sortiert, sondern nach dem Datum der Einsendung. Das Gedicht, welches als Erstes eingesendet wurde, steht also ganz oben.

Viel Spaß beim Lesen. Wer seine genaue Jurybewertung erfahren will, der melde sich einfach bei uns, ich gebe sie dann natürlich raus. Aber wir wollten natürlich niemanden mit einer nicht ganz so guten Bewertung bloßstellen. Ich danke auch nochmals an dieser Stelle den Juroren und allen Autoren, die teilgenommen haben.
1. Schach (silent waters; Thema: Spuren)
Der Mann mit der Gitarre streichelt die stählernen Seiten
Um seiner brüchigen Stimme ein Gerüst zu geben
An dem er sich festhalten kann, so wie ich an dem Glas
Dass in seinem Leben wohl mehr Bier gesehen hat als ich Gläser
Was natürlich beruhigt und einen Zaun zieht
Um meinen Geist, der langsam seine Züge ausführt
Auf den Schachfeld des Lebens
Ohne anzugreifen
Immer mit bedacht
Nicht matt zu sein
Ich versuche nicht aufzuwachen
Solange mir die schlechten Träume bleiben
An denen ich mich ergötze
Wie eine Hyäne an einem sterbenden Tier
2. Ansichtssache (lila; Thema: Rassismus. Ein Blickwinkel)
Schwarzer Block .........................................................weiße Reihe
Pöbel ........................................................................Saubermänner
Drückeberger .............................................................Arbeitsvolk
Zecken...................................................................... Finanzierer
gewaltbereit ...............................................................marschierend
gegen die Ordnung
Wer sind die Guten?
3. Verloren (autumncat; Thema: Spuren)
Sie gaben sich Flügel und nannten ein Ziel
und flogen weit mit dem Wind,
sie gaben sich sehend von allem zuviel
und wurden einsam und blind.
Sie fühlten die Wärme der Sonne nicht mehr
und kamen im Eismeere an,
die Flügel, sie brachen und stürzten so schwer,
bevor sich das Schicksal besann.
Sie sterben den leisen, den stummen Tod,
und ihre Münder sind leer,
sie schauen verzweifelt ins Morgenrot,
doch sie erreichen's nie mehr.
4. Nordweststurm (autumncat; Thema: Spuren)
Es zieht eine Spur von Verwüstung durchs Land,
die See aufgewühlt von zerstörender Hand.
Der Wind aus Nordwest gebiert einen Sturm,
er fegt über Mole, Klippe und Turm.
Die Gischt gebärdet sich wütend und wild,
die Kaimauer ist kein wirklicher Schild.
O Fährmann, hol über, du hast keine Chance,
bist einer der letzten der sterbenden Branche!
Die Fähre schlingert und sinkt in den Tod,
nur Splitter und Spuren im Morgenrot.
Es zog eine Spur von Verwüstung durchs Land,
so schwer wie niemals ein Mensch es gekannt.
5. Das Gestern (Sarisand; Thema: Spuren)
Die Zeiten treiben,
die Winde reiben
an Siegessäulen
-es ist zum Heulen.
Momente rinnen,
Tage beginnen,
die Wochen verstreichen,
Welten verbleichen.
Stunden verfliegen
und von den Siegen
bleibt nur Erinnerung
in uns Menschen jung.
Was wir errungen
wird zwar besungen,
doch wie es wirklich war,
legt heut keiner dar.
Es ist vergessen,
wie aufgefressen,
die Wahrheit gestorben
oder verdorben.
Das Gestern schwindet,
Gescheh’nes findet
Einzug in Legenden
in unsren Händen.
Dort bleibt es leben,
in Hirnen kleben
und der Geschichte Schatz
findet dort seinen Platz.
6. Eigenheimidylle (Sarisand; Thema: Spuren)
Das Wasser rann so ungestüm im Bach,
die Hecken wuchsen will und frei im Saum.
Gelb leuchtend spross der Löwenzahn, ein Traum
für Nektar suchend Biene: Brot und Dach.
Nun pfeift der Wind nur noch durch kahle Äste
und Bachkiesel sind Trockenobst der Sonne.
Verschwunden sind die Blumen, Bienvolk’s Wonne,
ganz selten steht noch eine – ohne Gäste.
Wo einst die alten Bäume Schatten gaben,
liegt jetzt ein tiefer, schlammig-brauner Graben
voll Schutt und Schale einer Apfelsine.
Gewichen sind die Bäume, Blumen, Bienen
und was da einst als Hause sollte dienen,
erhebt sich nun als graue Bauruine.
7. OMA (Schneeflocke; Thema: Spuren)
In deinem Haar liegt Schnee.
Die Furchen im Gesicht
erzählen stumm. Gelebtes Leben.
Die Haut verwelkt, geschrumpft
durch Kampf, Entbehrungen,
durch Freude und durch Trauer
gleicht sie dem frisch bestellten Feld.
In deinen Augen spiegelt sich dagegen
aller Schatz der Welt,
denn dein Herz blieb jung.
Und dein Lächeln
läutet spitzbübisch den Sieg
über die wildesten Fluten der Zeit.
8. Auf der Straße (lyrikel; Thema: Rassismus. Ein Blickwinkel)
Es war nur ein Blick,
da pöbelt’s mich an:
„Wat glotzt denn so Mann?
Noch nie ’nen Nigger gesehn?
Nazischwein!!!“
Ich rücke meine Kippa zurecht,
geht weiter.
Der nächste Blick –
in mich hinein
9. DIE JENE (Schneeflocke; Thema: Spuren)
Wie Tau glänzt Sternenstaub
in meinem Haar, mein Kleid
aus Hoffnung zart gewebt,
mein Angesicht eingehüllt
in die ewigen Schatten der Zeit.
Mit einem Blick umfasse ich
Himmel und Erde, dir einhauchend
meine Sehnsucht, die deine Augen
kindlich staunen lässt.
Ich bin, wer ich bin.
Den Suchenden bin ich das Licht.
Den Denkenden bin ich die Weisheit.
Den Liebenden bin ich die Glut.
Aber dir, nur dir, will ich die Jene sein,
in der du dich selbst erkennen kannst.
10. bespuren (ruelfig; Thema: Spuren)
geblendet im brennen verfallen dem fleische
von sinnen gefallen einander entraten
die körper zu teilen in sehnen und haut
und blicklos erschauen im rausche befallen
verrinnen der rätsel verschmolzener hitze
entfallen die folgen den zeugen im stumm
11. Sich folgen (ruelfig; Thema: Spuren)
Moose erst, Flechten auf brechendem Putz,
rinnendes Wasser löst Mörtel.
Rissiger Wände geflecktes Gespinst,
Zeichen verwitternder Fläche in Zeit.
Los löst Verbindung aus Steinen und Sand,
Anstrich entwirft sich zu Tälern und Hügeln,
stumm bleibt die Hand als Zeuge der Mauer,
bröckelnde Fährte ins Abseits, befreit.
12. schmalspur (anfangende; Thema: Spuren)
wo
kommst Du
her
keine
spur
von
wegen
einer
führt
wo
gehst Du
hin
komm
mit
mir
aus
wege
aus
führen
folge
mir
dort
hin
ein:
im
mer
mehr
meer
wird
uns
um
geben
ich
er
trinke
du
nicht
so
soll
es
sein:
nie
wie
der
wer
den
tag
ein
tag
aus.
13. Kristallatem (Inspira; Thema: Spuren)
Hell ist dieses Land,
unbekannt.
Vergessen aus Schnee
bedeckt
es. Unbefleckt
ist jede Idee
der neuen Welt.
Auf mich gestellt
folge ich mir nach.
Spurensuche bis es taut.
Die Zeit liegt brach.
Ich bange
so lange
es vertraut
wird und der Schatz geborgen.
14. Klein (Inspira; Thema: Rassismus. Ein Blickwinkel)
Meine Orientierung: einfach.
Alles Fremde macht Angst.
Es gibt schwarz und weiß.
Grau verschwindet unter Parolen
auf eine Richtung gepolt.
Nichts rechts oder links,
nur gerade aus oder zurück,
nur eine Wertung:
gut und schlecht.
Was anders ist wird bekämpft.
Das ist die einzige Chance,
der einzige Aus-Weg
für meine Sicherheit.
Die Welt muss rein sein,
übersichtlich,
klein.
15. Kellerkind (Puck; Thema: Spuren)
Ich rann heraus aus deinen blutend Wunden
von Geburt gezeichnet, tiefer geschunden
spurte nur für dich brav und adrett
dein Schandmal stumm im Gitterbett
Nur Neonschein zeigte mir den Morgen
tief unter euch lieg ich verborgen
ein Alp aus deinem dunkelst Traum
vergräbst vor Welt dein eigen Graun
Bin namenlos und ohne Kuss geblieben
Liebe wurd statt meiner abgetrieben
die Hoffnung sich so an ihm zu rächen
verleb ich für ihn, Element von Verbrechen
16. Spuren (Schuhu; Thema: Spuren)
Worte hinterlassen
Spuren
Spast!Was fällt dir ein?
Worte sind Fußabdrücke
In deinem Gesicht
Selbst Feigen schmecken manchmal süß
Bitter
Worte töten:
Abschuss!
17. Partnerspur (Faithlight; Thema: Spuren)
Die leer geräumte Schrankseite
ziert mein neues Leben
Mit dir eine erneute Pleite
nach dir wird’s noch einige geben
Der verschmutze Spiegel starr
im neongelben Licht
wird mir einiges klar
- dank dir bekomm ich Gicht
Das dreckige Geschirr lacht
mir mitten ins Gesicht
als ob sich’s von selbst macht
bist du nicht das was du versprichst
Das Gefühl zu lieben
ein verdammtes Geschenk
man braucht nur tief zu sieben
und findet dein Gelenk
Du hast mir alles genommen
mein Stolz, Besitz und Würde
du wirst deine Strafe bekommen
das ohne die kleinste Hürde
Mein Anwalt ein Muskeltier
vom gewieften Teufels Stab
entspricht er ganz meiner Rachegier
ganz so wie ich es mag
18. Zimtfäden (Faithlight; Thema: Spuren)
Sanfte Prise – Sternenstaub
Linien weit – auf deiner Haut
Tiefe Spuren - Meeressand
Roter Faden – fliederweiß
Süßer Duft – in den ich beiß
Schmecke tief – den Wolkenkuss