Hallo Brian,
Dein erster Text hier - willkommen bei uns
Ich kann da ein paar Dinge zu sagen und hoffe, Dir damit weiterhelfen zu können...
graue Haare
Zunächst der Titel - der ist passend, eher einfach und geradeaus.
Titel sind nun einmal der Dosenöffner. Auch für bodenständige Humorerbsensuppen, und bei einem Humorgedicht darf es ruhig auch schlicht und bieder sein, das passt ganz gut.
"Grauenhaft" hätte ich aber auch lustig gefunden, würde den Inhalt doppeldeutig auf die Schippe nehmen
Als ich in den Spiegel
geschaut,
die Verkürzung in der Syntax (jajaja, Odra Du hast mich vor dem Korrigieren noch schnell zitiert, als hier "Verfürzung" stand

) macht es altmodisch und theatralisch, das hat aber in einem solchen Text auch einen witzigen Effekt: Es wirkt leicht lächerlich und unterstützt daher das Thema.
Der Zeilenumbruch, nein die Zeilenumbrüche insgesamt überzeugen mich nicht. Es sind gekrampfte Vierzeiler, die aus einer zerhackten Paarreimstrophe bestehen und einem weiteren einzelnen Paarreim:
Als ich in den Spiegel geschaut,
merkte ich mein Haar war ergraut.
Jahre sind seitdem vergangen
hab den Spiegel zugehangen.
Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön
ob ich das Haar überhaupt mal tön?
Insgesamt ist das, wenn man die gekünstelten Umbrüche entfernt, ein technisch in den ersten vier Versen nicht ganz ungekonnt gestaltetes Gedicht mit aber chaotischen Zeitformen, die wild hin- und herspringen und einem gehörigen Bruch im Metrum in den beiden letzten Versen.
Zur Metrik:
a XxXxXxxX Als ich in den Spiegel geschaut,
a XxXxXxxX merkte ich mein Haar war ergraut.
b XxXxXxXx Jahre sind seitdem vergangen
b XxXxXxXx hab den Spiegel zugehangen.
c XXxxXxxXxxX Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön 11 Silben
c xXxXxxXxX ob ich das Haar überhaupt mal tön? 9 Silben
Den 5. und 6. Vers hätte man konsequenter so bauen können:
XxxXxxXxxX Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön
XxxXxxXxxX Ob ich mein Haar überhaupt einmal tön?
Ich würde nicht empfehlen, von alternierend auf daktylischen Rhythmus zu wechseln. Humorgedichte sind schöner in einheitlichem Versmaß.
An der Zeichensetzung kann man noch hie und da etwas verbessern:
Als ich in den Spiegel geschaut,
merkte ich: mein Haar war ergraut.
Jahre sind seitdem vergangen,
hab den Spiegel zugehangen.
Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön -
ob ich das Haar überhaupt mal tön?
So, Brian, das war meine kleine Analyse, ich hoffe, sie lässt Dir keine grauen Haare wachsen :-P
Liebe Grüße
AE