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Brian

Trainee

Date of registration: Feb 7th 2008

Posts: 31 wcf.user.activityPoints: 190

Location: Rathenow

Occupation: stets lernender

1

Thursday, February 7th 2008, 5:51pm

graue Haare

Als ich in den Spiegel
geschaut,
merkte ich mein Haar
war ergraut.

Jahre
sind seitdem vergangen
hab den Spiegel
zugehangen.

Mensch, sage ich heute
das Grau ist so schön
ob ich das Haar
überhaupt mal tön?
Ich schreibe für dich!

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

2

Thursday, February 7th 2008, 9:54pm

Hallo Brian,

Dein erster Text hier - willkommen bei uns :)

Ich kann da ein paar Dinge zu sagen und hoffe, Dir damit weiterhelfen zu können...

Quoted

graue Haare

Zunächst der Titel - der ist passend, eher einfach und geradeaus.
Titel sind nun einmal der Dosenöffner. Auch für bodenständige Humorerbsensuppen, und bei einem Humorgedicht darf es ruhig auch schlicht und bieder sein, das passt ganz gut.
"Grauenhaft" hätte ich aber auch lustig gefunden, würde den Inhalt doppeldeutig auf die Schippe nehmen :D

Quoted

Als ich in den Spiegel
geschaut,

die Verkürzung in der Syntax (jajaja, Odra Du hast mich vor dem Korrigieren noch schnell zitiert, als hier "Verfürzung" stand :D ) macht es altmodisch und theatralisch, das hat aber in einem solchen Text auch einen witzigen Effekt: Es wirkt leicht lächerlich und unterstützt daher das Thema.
Der Zeilenumbruch, nein die Zeilenumbrüche insgesamt überzeugen mich nicht. Es sind gekrampfte Vierzeiler, die aus einer zerhackten Paarreimstrophe bestehen und einem weiteren einzelnen Paarreim:

Quoted

Als ich in den Spiegel geschaut,
merkte ich mein Haar war ergraut.
Jahre sind seitdem vergangen
hab den Spiegel zugehangen.

Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön
ob ich das Haar überhaupt mal tön?


Insgesamt ist das, wenn man die gekünstelten Umbrüche entfernt, ein technisch in den ersten vier Versen nicht ganz ungekonnt gestaltetes Gedicht mit aber chaotischen Zeitformen, die wild hin- und herspringen und einem gehörigen Bruch im Metrum in den beiden letzten Versen.

Zur Metrik:

Quoted

a XxXxXxxX Als ich in den Spiegel geschaut,
a XxXxXxxX merkte ich mein Haar war ergraut.
b XxXxXxXx Jahre sind seitdem vergangen
b XxXxXxXx hab den Spiegel zugehangen.

c XXxxXxxXxxX Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön 11 Silben
c xXxXxxXxX ob ich das Haar überhaupt mal tön? 9 Silben


Den 5. und 6. Vers hätte man konsequenter so bauen können:

Quoted

XxxXxxXxxX Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön
XxxXxxXxxX Ob ich mein Haar überhaupt einmal tön?


Ich würde nicht empfehlen, von alternierend auf daktylischen Rhythmus zu wechseln. Humorgedichte sind schöner in einheitlichem Versmaß.

An der Zeichensetzung kann man noch hie und da etwas verbessern:

Quoted

Als ich in den Spiegel geschaut,
merkte ich: mein Haar war ergraut.

Jahre sind seitdem vergangen,
hab den Spiegel zugehangen.

Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön -
ob ich das Haar überhaupt mal tön?


So, Brian, das war meine kleine Analyse, ich hoffe, sie lässt Dir keine grauen Haare wachsen :-P

Liebe Grüße
AE
Sammelsurium: Werkesammlung


Odradek

Master

Date of registration: Mar 9th 2007

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Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

3

Friday, February 8th 2008, 12:23am

die Verfürzung in der Syntax
Verfürzung der Syntax? :rolleyes: Was ist denn das? :D :D
:D Lustig, Roland, da bin ich doch glatt wegen Dir hier hängengeblieben! :thumbup:

--------------------

Hallo Brian - auch von mir ein herzliches Willkommen hier zu Deinem ersten Text. =)

Im Lesen Deines kleinen lustigen Textes hier gebe ich AE in allem recht.
Der Text macht Spaß und entwickelt eine recht originelle Pointe in einem frischen Ton.

Die ursprünglichen Zeilenumbrüche sind auch mir suspekt und können nicht überzeugen.
Das als schlichten Paarreim zu präsentieren, finde ich angemessener und schlüssiger.

Dass dann die Schlusswendung nur ein "nachklappernder" Zweizeiler ist, noch dazu in einem gewechselten Metrum - - das wiederum stört mich überhaupt nicht, im Gegenteil: Ich find's strukturell sinnvoll, rund und überzeugend! ;)

Was die "Bereinigung" des Metrums im Schlussvers angeht:

Quoted

Den 5. und 6. Vers hätte man konsequenter so bauen können:

XxxXxxXxxX Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön
XxxXxxXxxX Ob ich mein Haar überhaupt einmal tön?

AE, ich nehme an, dass da nur ein simpler Flüchtigkeitsfehler in der 5. Zeile steckt :rolleyes: ... denn Deine X-ung stimmt nicht mit Deiner zitierten Zeile überein.
Ich nehme mal an, dass Du es wie ich gemacht hättest: "Mensch, sag' ich heute, das Grau ist so schön" - das wäre eine gute, naheliegende Lösung. ;)
Für Z. 6 würde ich leicht geändert vorschlagen:
"Ob ich mein Haar überhaupt noch 'mal tön'?" - das käme mir vom formlos plaudernden Sprech-Duktus her im Ton noch besser angemessen vor.


Ich würde für eine Darstellung als Vierzeiler plus Zweizeiler plädieren.

In allem anderen ist den eingehenden Anmerkungen von AE nichts hinzuzufügen - trefflich!


Gruß - auf ein angenehmes, konstruktives Arbeiten hier, Brian :)
Odradek.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

4

Friday, February 8th 2008, 12:30am

Quoted

Den 5. und 6. Vers hätte man konsequenter so bauen können:

XxxXxxXxxX Mensch, sage ich heute, das Grau ist so schön
XxxXxxXxxX Ob ich mein Haar überhaupt einmal tön?

AE, ich nehme an, dass da nur ein simpler Flüchtigkeitsfehler in der 5. Zeile steckt ... denn Deine X-ung stimmt nicht mit Deiner zitierten Zeile überein.
Ich nehme mal an, dass Du es wie ich gemacht hättest: "Mensch, sag' ich heute, das Grau ist so schön" - das wäre eine gute, naheliegende Lösung.

Ja klar, genau so ohne das "e" war meine Xung gedacht.

Quoted

"Ob ich mein Haar überhaupt noch 'mal tön'?"
Bei dem hier aber wennschon so:
"Ob ich mein Haar überhaupt nochmal tön?"
"Nochmal" war schon in der alten Rechtschreibung standardsprachlich und der Elisionsapostrophbei töne/tön' ist nicht mehr vonnöten nach der Neuregelung der Rechtschreibung.
Bsp.:
"Wenn ich geh"
"was ich auch sag"

Ansonsten ist der Vorschlag aber besser.
Sammelsurium: Werkesammlung


Brian

Trainee

Date of registration: Feb 7th 2008

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Location: Rathenow

Occupation: stets lernender

5

Friday, February 8th 2008, 12:18pm

oh, da bin ich aber ...

Hallo,
ich bedanke mich für eure Mühe, ich muss mir dieses Gedicht noch einmal anschauen. Ich bin ja hier auf richtige Profis gestoßen! Das finde ich sehr gut.
Vielen Dank!

Brian
Ich schreibe für dich!

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