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Chepre

Unregistered

1

Saturday, September 15th 2007, 12:35pm

blick-dicht

.

blick-dicht

Scherben klappern, wenn wir sie aneinander schlagen,
genau wie unsere Worte im metallenen Licht.

Die Tage scheppern, wenn wir zu viel mit ihnen wagen,
genau wie eine Kette, in die man einen Holzpfahl sticht.

Türme, sie zittern. Nächte, sie klagen,
wenn unsere Maske am eigenen Lächeln zerbricht.

Wer waren wir – sind wir,
dass sie von uns sagen,
wir kannten uns nicht?

*
9. September 2007

Date of registration: Feb 7th 2006

Posts: 722 wcf.user.activityPoints: 4,130

Occupation: Grossstadtneurotikerin a.D.

2

Saturday, September 15th 2007, 2:34pm

wie kannst du nur mit Worten eine Geräuschkulisse schaffen, wie findest du nur diese bildstarken Metaphern, und: warum ist das nicht von mir?

ich seh schon: das wird ein reiner Beweihräucherungs-Kommentar...ich kann eben nicht den kleinsten Fliegenschiss in deinen Versen finden. Begeisterung kommt auch noch hinzu, wenn ich meinen Blick von der Bildstärke löse (nicht leicht ist das), und mich Klang und Rhythmus zuwende - diese tragen deine Bilder in einer Weise, die sie noch greifbarer macht. Ein paar Lesearten habe ich bereits für mich entdeckt, und so, wie du all das verstrickt hast, bin ich sicher, nach x-maligem Daraufeinlassen noch einige mehr zu finden. Selbst, wenn ich die Verse zerschnippel, und mir nur einzelne Wortgruppen bilde, bleibt die Stimmung erhalten, und auch das Klangbild geht nicht verloren. So z.B.:

Scherben-Tage-Türme - das allein hat schlagenden Rhythmus - Klasse !

klappern-scheppern-zittern - hier kommt der Klang in Bewegung

schlagen-waren-klagen ....

es scheint, als ob in diesem Wortwerk - es ist ja beinahe schon ein Klangwerk - alles miteinander vernetzt ist. Es wird seinem Titel absolut gerecht.

Cepre, ich gerate ins Schwärmen,

und bleibe auch so

liebe Grüsse

Kali
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

Ciproflox

Professional

Date of registration: Jun 6th 2007

Posts: 440 wcf.user.activityPoints: 2,930

3

Tuesday, September 18th 2007, 1:49am

Hi,

ich versuchs Strophe fuer Strophe
blick-dicht

hättest du mir nach nicht so offensichtlich getrennt auseinanderschreiben müssen. blick dicht, Blickgedicht, blickdicht, das schwebt alles mit rein!

Quoted



Scherben klappern, wenn wir sie aneinander schlagen,
genau wie unsere Worte im metallenen Licht.

Scherben klappern ist wie nach Aufmerksamkeit suchen, weil klappen etwas von abklappern hat, das wird im Aneinanderschlagen bestätigt. Ein gegenseitiger Akt, die im Vergleich wie Worte sind, in einem metallenen Licht. Was ist ein metallenes Licht? Ein kaltes, aber doch hitzeempfindliches? Ein hartes, und doch schmelzbares Licht? Jedenfalls ein nicht definitives!

Quoted


Die Tage scheppern, wenn wir zu viel mit ihnen wagen,
genau wie eine Kette, in die man einen Holzpfahl sticht.


Klappern und Scheppern. Scheppern ist lauter, ja ein vielleicht lauteres Aufmerksamkeitsbedürfnis. "wenn wir zu viel mit ihnen wagen". Den Worten? Der Vergleich dann gibt fuer mich wenig Sinn - eine Kette, in die man einen Holzpfahl sticht. Holzpfahl ist für Vampire, vielleicht für ein Zelt, etwas Vorübergehendes doch für den getöteten Vampir etwas Ewiges (ja vielleciht abwegig). Eine Kette, in die man einen Holzpfahl sticht, ich weiß nicht, ob sie wirklich beschädigt würde...

Quoted


Türme, sie zittern. Nächte, sie klagen,
wenn unsere Maske am eigenen Lächeln zerbricht.

Türme zittern. Immerhin, ich finde das gerechtfertigt im Anbetracht der Zweifel, die ich bisher hatte. Vielleicht war es doch "besser als gedacht" auch wenn sie, ja und doch, es sind immer noch nicht unserer MaskeN, immer noch steht das Gemeinsame im Vordergrund, das doch zerbricht.

Quoted


Wer waren wir – sind wir,
dass sie von uns sagen,
wir kannten uns nicht?

Die wohl beste Strophe, zum Glück.
Die Frage wird nach der Evolution des Ichs und Dus aufgeworfen, was eine gewisse Offenheit mit sich bringt. Dass wir uns nicht kannten. Wer waren wir, dass wir uns nicht kannten. Wer sind wir, dass wir uns nicht kannten. Das sind die zwei Fragen, die die Zweifel des Gedichtes beantworten könnten. Sie stehen in einem Konflikt zu einander, da sie jeweils den gleichen dass Satz haben, dass wir uns nicht kannten.

FInde ich irgendwie toll ^^

CIp
Überblick

Zitat von »King Lear«

Aus nichts kann nichts entstehen: sprich noch einmal

Chepre

Unregistered

4

Tuesday, September 18th 2007, 10:54pm

hallo, Kaleidoskop

... was soll ich dazu noch sagen ... Ich bin ja vor Freude fast im Quadrat gehüpft, als ich deinen Kommentar gelesen habe. Ja, ich habe versucht, mit den Worten den Inhalt zu untermalen, und wenn es geklappt hat, freue ich mich umsomehr. :)
Ein großes Dankeschön an dich!

hey, Cipro

na du fällst ja stellenweise ein hartes Urteil, scheint mir.
Anmerkungen wie ...

Quoted

Immerhin, ich finde das gerechtfertigt im Anbetracht der Zweifel, die ich bisher hatte. Vielleicht war es doch "besser als gedacht"

Quoted

Die wohl beste Strophe, zum Glück.

... verwirren mich etwas. Findest du den Text am Anfang dermaßen schlecht?

Quoted

Scherben klappern ist wie nach Aufmerksamkeit suchen, weil klappen etwas von abklappern hat, das wird im Aneinanderschlagen bestätigt. Ein gegenseitiger Akt,

In etwa. Du hast recht, es ist eine bewusste Aktion, die Scherben aneinanderzuschlagen. Wie wenn ein Kind beispielsweise mit seiner Buddelschippe auf den Rand des Sandkastens haut, um Lärm zu machen. Du und Ich im Text tun dies, um zu sehen, welchen Klang die Scherben von sich geben, was noch in ihnen steckt.

Quoted

Was ist ein metallenes Licht?

hauptsächlich ein kaltes, scharfkantig erscheinendes, glänzendes, blendendes ... vielleicht hätte ich da mehr spezifizieren müssen. Aber "stählernes" zB wäre unpassend gewesen, da ich mit Stahl eine Schwere verbinde, die das Lich hier nicht haben soll.

Quoted

"wenn wir zu viel mit ihnen wagen". Den Worten?

nein, mit den Tagen, da die genau im Satzteil davor stehen
Etwas zu den scheppernden Tagen: Die Scherben aus S1 sind etwas, das übrig geblieben ist, als etwas anderes kaputt gegangen ist. Die Tage sind sowas wie Erinnerungen in bestimmten Zeitfächern, hier eben in Tagen. ?( Die Tage gehen aber nicht so schnell kaputt, wie ein einzelnes Ding (zB eine Vase) ... Man nehme die Kette und stelle sie sich vor. Sie scheppert, wenn man sie bewegt, wenn man sie schwingt, wenn man etwas mit ihr wagt, und geht dabei nicht kaputt. Ihre Glieder greifen ineinander und sind miteinander verbunden. Ähnlich die Tage als eine Kette von Erinnerungen.
Das mit dem Holzpfahl hast du ganz richtig angedacht. Der Holzpfahl ist dazu gedacht, den "Dämon", der in den Tagen, in der Erinnerung steckt, auszumerzen. Aber wenn man mit einem Holzpfahl auf eine Kette einsticht, ich denke es mir so, dass man immer nur einzelne Glieder trifft, und auch diese werden höchstens ein wenig verbeulen, aber nicht so schnell kaputt gehen. Aber scheppern werden sie und den sich Erinnernden noch umso lautstarker auf das aufmerksam machen, was er zu zerstören versucht. Das Scheppern der Kette der Tage kann hier durchaus als ein empörtes gesehen werden.
Mit

Quoted

Eine Kette, in die man einen Holzpfahl sticht, ich weiß nicht, ob sie wirklich beschädigt würde...

liegst du also richtig. Die ganze Holzpfahlaktion ist ziemlich sinnlos, da dem "Dämon" mit diesem Werkzeug nicht beizukommen ist.

Die Türme zittern als Symbol dafür, dass bisher starke Hoffnung und Sicherheit ins Wanken gerät. Aber das wirst du dir wahrscheinlich gedacht haben.

Quoted

immer noch steht das Gemeinsame im Vordergrund,

ja :)

Quoted

Sie stehen in einem Konflikt zu einander, da sie jeweils den gleichen dass Satz haben, dass wir uns nicht kannten.

?( Eigentlich sollten sie gerade nicht in einem Konflikt zueinander stehen. Mit dieser letzten Strophe kommt nämlich gerade die Erkenntnis, dass sich Ich und Du vorher nicht kannten und auch heute noch nicht kennen, weil sie nicht in der Lage sind zu sagen, wer sie sind. Die Frage stellt sich für die Vergangenheit und stellt sich für die Gegenwart immer noch genauso.

Quoted

FInde ich irgendwie toll

die letzte Strophe??

?( ich danke dir für deinen Kommentar (auch wenn ich zugegeben immer noch verwirrt davon bin)

Grüße;
Chepre

edit: Das mit dem Titel werd ich mir nochmal überlegen. Bin eigentlich schon ganz zufrieden damit so.

basse

Unregistered

5

Tuesday, September 18th 2007, 11:28pm

hallo chepre,

ein sehr schoenes werk und sehr viele bilder die einem im kopf rumschwirren, wenn man es liest

Scherben klappern, wenn wir sie aneinander schlagen,
genau wie unsere Worte im metallenen Licht.

als erstes habe ich mich natuerlich gefragt, wann klappern ueberhaupt Scherben aneinander und es gibt da nur zwei moeglichkeiten:1. entweder es wird etwas fallengelassen, ein glas oder aehnliches oder 2. bei einer hochzeit werden auch scherben fliegen, sprich polterabend was ja glueck bedeuten solle....und worte im metallenen licht, also ein metallischer glanz kann zum einen sehr vielfarbig sein, aufgrund der vielfachreflexionen aber auch glitzern...super gefaellt mir

Die Tage scheppern, wenn wir zu viel mit ihnen wagen,
genau wie eine Kette, in die man einen Holzpfahl sticht.

kette ist verbunden mit unfreiheit, und dies wird auch mit dem holzpfahl untermauert, ich wuerde die zeile oder strophe alles in allem so herauslesen, dass dieses klirren oder scheppern unfreier tage von wem was oder wie auch immer verursacht einen klanglichen nachhall ergeben halt das scheppern...und man das wort ist genial gewaehlt hoert sich fuer mich schon fast wie kopfschmerz an

Türme, sie zittern. Nächte, sie klagen,
wenn unsere Maske am eigenen Lächeln zerbricht.

die masken die wir tragen sind nichts wert wenn wir den den wir dahinter erkenne selbst im spiegel sehen, selbsterkenntnis, denke ich zumindest??

Wer waren wir – sind wir,
dass sie von uns sagen,
wir kannten uns nicht?

diese zeile finde ich recht strange, von aussen wird etwas gesagt, eine behauptung wird
aufgestellt, dass Wir uns nicht kannten, jedoch die frage an ein LI und Ldu gerichtet ist diese frage richtig, wenn wir uns noch nicht einmal selbst erkannten??

dies lese ich mal so raus, natuerlich im ungewissen ob dies denn alles so stimmt was ich so von mir gab..und da mir das werk sehr zusagt. bitte bitte ich um aufklaerung meiniger fragen..ein sehr schoenes werk
:)

LG basti

Chepre

Unregistered

6

Saturday, October 27th 2007, 10:05pm

hallo, basse

Quoted

als erstes habe ich mich natuerlich gefragt, wann klappern ueberhaupt Scherben aneinander

Scherben sind hier Bruchstücke von Erinnerungen, mit denen lyr Ich und Du spielen, wie es Kinder mit Murmeln tun, deshalb klappern sie
das Spiel ist weniger ein Versuch, Fröhlichkeit zu erlangen, als Konfrontation

Kette und Holzpfahl ... ein schwieriges Motiv, gebe ich zu. :rolleyes: Was ich damit ausdrücken will, ist eine Kette von zeitlichen Abschnitten, in diesem Fall von Tagen. Die Tage sind die Kettenglieder und gleichzeitig Träger von Erinnerungen. Der Holzpfahl stellt den Versuch dar, diese Erinnerungen zu erdolchen wie einen Dämon, wie einen Vampir. Das geht aber nicht so richtig, weil man mit einem Pfahl schlecht eine Kette erstechen kann. Man wird immer nur einzelne Glieder erwischen und auch diese nicht richtig.

die Maske ist nichts wert für lyr Ich und Du, nein. Sie erfüllt nicht mal ihren eigenen Zweck und zerbricht am eigenen aufgesetzten, falschen Lächeln.

Quoted

ist diese frage richtig, wenn wir uns noch nicht einmal selbst erkannten??

es kann durchaus sein, dass sie sich selbst gut kannten. Hauptsächlich geht es hier um das "wir". Sie kannten den anderen nicht.

Quoted

da mir das werk sehr zusagt.

danke danke :)

sorry, dass ich erst jetzt geantwortet habe ... :(

Grüße;
Chepre

Ishuoris

Intermediate

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7

Friday, November 9th 2007, 8:53pm

Hallo Chepre,
zu diesem Gedicht ist schon sehr viel gesagt, auch von dir aufgedeckt worden, und wenn ich nichts Neues zu melden habe, solte ich es vielleicht auch besser sein lassen, aber jetzt bin ich hier und sage es trotzdem: ausgesprochen gut wählst du Metaphern mit ausgesprochen klingender Geräuschkulisse, die mit den Scherben, dem Klappern und Scheppern, dem metallischen Licht, dem Lächeln, das sogar den Masken zuviel wird, das wirklich unangenehm Falsche, Falschlaufende mancher Situationen zeigen.

liebe Grüße Ishuoris

Chepre

Unregistered

8

Friday, November 9th 2007, 11:31pm

:) Was soll ich noch sagen außer "danke"? Freut mich sehr, dass der Text bei dir ankommen konnte.

Mir gefällt er inzwischen von meinen eigenen mit am besten. Und welche mir da gut gefallen, dass sind wahrlich nicht viele. ^^

Danke dir für deinen Kommentar, Ishuoris!

Grüße;
Chepre

Odradek

Master

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Location: reine Fiktion

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9

Tuesday, November 13th 2007, 1:10am

RE: blick-dicht

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blick-dicht

Scherben klappern, wenn wir sie aneinander schlagen,
genau wie unsere Worte im metallenen Licht.

Die Tage scheppern, wenn wir zu viel mit ihnen wagen,
genau wie eine Kette, in die man einen Holzpfahl sticht.

Türme, sie zittern. Nächte, sie klagen,
wenn unsere Maske am eigenen Lächeln zerbricht.

Wer waren wir – sind wir,
dass sie von uns sagen,
wir kannten uns nicht?



EEEEEENNDDLLIICH !!!!! komme ich dazu, Maria, einmal wieder ein Gedicht von Dir zu kommentieren! =)
Wie lange musste ich warten, bis ich die Zeit dafür finde ...
... und nun eben DIESES Gedicht:

Es hat mich bereits bei meinem ersten Lesen vor einigen Wochen sehr beeindruckt.
Es hat mich beschäftigt, und ich wusste, ich kehre hierher zurück.

Aber ich werde nichtsdestotrotz ein paar Tröpfechen Essig in den Wein schütten müssen :P - gerade weil ich das Gedicht so mag.

.
Wer waren wir – sind wir,
dass sie von uns sagen,
wir kannten uns nicht?

Das sind einige der erschütterndsten Zeilen, die ich je gelesen habe.
Selbst wenn das objektiv gesehen "zu große" Worte sein sollten - ich empfinde es tatsächlich so:
Ich fürchte mich immer, wenn ich am Ende des Gedichtes zu diesen Zeilen gelange.
Diese drei Zeilen sind für sich alleine schon ein tonnenschweres Gedicht, wenn man sich ihrem Gehalt rückhaltlos aussetzt und sie ernst nimmt ...
Die direkte Aussage, die sprachlich makellos "gerundete" Formulierung und die davon ausgehenden Implikationen machen mich schwindelig und lassen mich keinen Halt mehr finden ... nein, da gibt's keinen eventuell tröstlichen Ausweg in ein "Missverstehen". 8o

- - - - - - - - - -

Aber mit einigen anderen Stellen davor habe ich durchaus etwas gehadert.

Vorweg: Den Titel find ich gut! :)
Ob man ihn vielleicht tatsächlich ohne Strich auseinander schreiben sollte, wie es Cipro als eine Möglichkeit vorschlägt (wenn ich's recht verstehe), ist ernsthaft zu überlegen: blick dicht ... ... hmmm ... würde ich favorisieren.

Sehr gut finde ich Deine sehr spezielle Form!!
Das Reime-Rückgrat des Textes spannt sich ja sogar vom Titel her ... eine Besonderheit!!
Das gibt der Schlusswendung rein klanglich alleine schon eine besondere Kraft: "-icht" !

Das "metallene Licht" in Z. 2 wollte mir anfangs nicht so recht gefallen ... ich finde das nicht aussagekräftig, da sich ein Bild nicht erschließt.
Dann habe ich es mit "kaltem Licht" versucht .. dann mit "schneidendem" ... und bin nachher dann doch wieder bei "metallenem" gelandet. Vielleicht ist's doch das beste ... :rolleyes:

Aber auf das "genau" im Anlauf der zweiten Zeilen von Str. 1+2 - darauf würde ich wirklich verzichten!
Die Vergleichsformulierung direkt und nur mit "wie" ist unmittelbarer, eigentlich genauer - auf jeden Fall "dichter".
Lies die Zeilen mal ohne! :)

Die Kette mit Holzpfahl ... tja ... Deine inhaltliche Erläuterung zur Aussagerichtung leuchtet mir ein und überzeugt mich voll und ganz.
Aber das Bild funktioniert doch nicht so recht ...
Scheppert die Kette tatsächlich so sehr, wenn man sie mit nem Holzstock durchsticht? ?(
An was für ne Kette denkst Du denn da? Eine Halskette? Eine Ankerkette?

Türme, sie zittern. Nächte, sie klagen
- das würde ich verinfachen-verschlanken zu
Türme zittern, Nächte klagen
Gut, zugegeben das ist eine Geschmacksfrage ...
aber ebendrum!
Und in der Zeilenmitte sollte unbedingt ein Komma stehen, da der folgende "wenn"-Satz ja beides bedingt.

Quoted

wenn unsere Maske am eigenen Lächeln zerbricht.

V ??? 8o
[[Hmm ... wenn ich's so sehe, kann ich sogar tatsächlich noch mehr passende Elemente entdecken ... is' schon seltsam, oder?! :D ]]

Das Masken-Bild ist als aussagekräftige Metapher natürlich GAAAANZ klasse! :)
- Aber grammatisch stolpere ich tatsächlich an der gleichen Unebenheit wie Cipro: Eine Maske für uns alle/beide?? :rolleyes:
Ich will da Dein Reimschema bestimmt nicht sprengen - dann lieber so lassen, wie's ist!
Aber ein bißchen hakt da schon die singularische Maske.
[Dass das "eigne Lachen" doppeldeutig gelesen werden kann - das von UNS und das der Maske - sehe ich nicht als problematisch, sondern als stärkend! - Hast Du eine bevorzugte Lesart?? :rolleyes: ]

Zuguterletzt muss ich bekennen, dass mich leider eine Deiner Grundideen für diesen Text nicht zu überzeugen vermag:
die vielgepriesene Klangmalerei mit Klappern und Scheppern.
Zuerst einmal habe ich einen Vorbehalt gegen das poetsiche Verwenden des umgangssprachlichen Wortes SCHEPPERN in solch einer "gehobenen" Umgebung ... ich empfinde da einen Bruch. :( - - - aber das mag eine Sprachregisterneurose meinerseits sein :D .
Wenn ich jedoch den selbst-klingenden Zauber Deines Gedichtes (den es auf jeden Fall auf jeden Leser ausübt, der einigermaßen gesunde Ohren hat!!) versuche mit aller Gewalt abzuschütteln und nur nüchtern auf die Aussagen schaue - dann muss ICH MICH fragen, ob Scherben denn tatsächlich ein "klapperndes" Geräusch machen, wenn sie aneinander schlagen ... und ich komme ins Grübeln und Zweifeln.

Ich weiß nicht, ob ich mich wirklich den Realbezügen dieser beiden Wörter hier hingeben will.

Nu: tu ich's eben einfach nicht! =)
Ich stelle das Nachdenken über scheppern/klappern ab, gebe mich erneut ganz dem Klang und Rhythmus Deines Txtes hin, lasse mich tragen ... und erschauere wieder am Ende in Hoffnungslosigkeit ... zumindest Bitterkeit.

Ist das eine "blick-dichte" Perspektive ... durch die kein Lichtschimmer dringt? :(

Auch das sehe ich hier letztendlich ...

Keine Ahnung, ob Du mit irgendeiner meiner Anmerkungen noch irgendwas anfangen kannst, Maria. :rolleyes:
Aber nu isses mal gesagt. Es musste raus!! :)


Ganz lieben Gruß nach 13.1,
Odra. ;)
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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