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Date of registration: Feb 3rd 2005

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1

Sunday, January 21st 2007, 10:07pm

Winter

Im Westen, am Seeufer scheint mir als spricht wer
von kälteren Winden, von schlechter Sicht,
mit Fahnen des Schilfes im Gegenlicht.

Ich horche und spüre den Abendwind nicht mehr;
das Schweigen verdunkelt sich. Niemand spricht
aus Fahnen des Schilfes im Gegenlicht.

Der Tag sinkt hinab in ein blutendes Lichtmeer,
doch etwas bewegt sich noch - siehst du nicht
die Fahnen des Schilfes im Gegenlicht?

This post has been edited 1 times, last edit by "Alcedo" (Jan 22nd 2007, 11:30pm)


resumee

Master

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2

Monday, January 22nd 2007, 4:51pm

Lieber Alcedo,

Dein Gedicht liest sich sehr harmonisch, wozu die strophenübergreifenden Reime das Ihre beisteuern.

Die Fahne des Schilfes..etwas, das wie eine Fahne aussieht, oder heißt ein Teil des Schilfes so (ich weiß ja, dass Du Dich in der Botanik gut auskennst)?

S1Z2 macht mir rhythmisch ein bisschen Probleme.

Quoted

von kälteren Winden, von schlechter Sicht,


xXxxXxxXxX

Mir schien, das Versmaß ist eigentlich durchgängig Daktylus, oder irre ich? Dann würde ich auf: von schlechterer Sicht ergänzen.

Kleiner Tippfehler in der ersten Zeile der dritten Strophe, ein blutendes Lichtmeer, n'est pas?

Die von Dir aufgeziegte Stimmung gefällt mir sehr, ich habe Dein Stück mit großer Freude gelesen.

resumee
Dies ist wohl der Fels, an dem die Besten scheitern, indem sie aufhören zu lieben, wenn sie beginnen zu erkennen.
Wohl jedem, der Erkenntnis errungen und Liebe bewahrt! (Dante)

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3

Tuesday, January 23rd 2007, 12:28am

hallo resumee

die ellenlangen, auffälligen Blütenrispen des Schilfrohrs dürften allgemein bekannt sein. in manchen Gegenden und Dialekten werden sie Fahnen genannt. die Ähnlichkeit lässt sich gewiss nicht leugnen.

den Daktylus verwende nur bei den ersten Strophenzeilen durchgehend.

danke für den Hinweis auf den Tippfehler.

Gruß
Alcedo

machtwort

Unregistered

4

Tuesday, January 30th 2007, 7:00pm

RE: Winter

Hallo Alcedo,

wieder ein Gedicht von Dir, das unverkennbar Deine Handschrift trägt.
Es transportiert eine Melancholie, die mir einen wohligen Schauer
über den Rücken jagt.
Das Schöne ist wieder einmal, daß sich das Gedicht nicht sofort
erschliesst, aber von Anfang an durch zauberhaften Klang fesselt.
Was ich auch interessant finde, ist die Betonung, die die jeweils Erste
Zeile der Strophen wie von allein vorgibt, ist man erst einmal zum
"Lichtmeer" vorgedrungen.
Auch wenn Du Dir bei der Gestaltung der jeweils zweiten Zeilen sicher
etwas gedacht hast, bringen sie mich, wie resumee auch schon bemerkt hat
etwas aus dem Lesefluss.
Ich bin mal so frei und pfusche frech in Deinem Werk herum....
Ich finde den Lesefluss so viel angenehmer:


Im Westen, am Seeufer scheint mir als spricht wer
von kälteren Winden, von schlechterer Sicht,
mit Fahnen des Schilfes im Gegenlicht.

Ich horche und spüre den Abendwind nicht mehr.
Das Schweigen verdunkelt sich und Niemand spricht
aus Fahnen des Schilfes im Gegenlicht.

Der Tag sinkt hinab in ein blutendes Lichtmeer,
doch etwas bewegt sich noch - siehst du sie nicht
die Fahnen des Schilfes im Gegenlicht?


Sonst bleibt mir nur zu sagen: Ein schönes und klangstarkes Gedicht,
das ich öfter lesen werde, lieben Gruß: machtwort

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5

Tuesday, January 30th 2007, 7:18pm

RE: Winter

hallo machtwort

danke für die Rückmeldung, für den zauberhaften Klang und für die Vorschläge. die habe ich allerdings schon in den letzten Wochen durchgespielt und verworfen.

der verkürzte Daktylus vor den Paarreimen soll eine mögliche Erwartungshaltung unterstreichen. ausserdem wollte ich eine Differenzierung von Gesamtperspektive(jeweils 1.Zeile) und individueller Wahrnehmung (Reimpaare) herausstellen obwohl eine Verknüpfung über den Binnenreim bestehenbleibt.

allzu angenehm sollte es nämlich von mir aus gar nicht werden. wichtig war mir ein stimmiges Klangbild zu erreichen.

liebe Grüße
Alcedo

machtwort

Unregistered

6

Tuesday, January 30th 2007, 7:27pm

RE: Winter

Alcedo!

Da bin ich wohl zum Opfer meines phonetischen Harmoniebedürfnisses
geworden, ich habe mir schon gedacht, daß Du nichts dem Zufall
überlassen hast...

Etwas zerknirschte Grüße: stefan ;)

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7

Tuesday, January 30th 2007, 7:36pm

RE: Winter

in der Tat, Stefan: ohne die Zerschlagung gewisser harmonischer Befindlichkeiten will sich nun mal keine Wehmut einstellen, nicht wahr?

freut mich aber dass dich die Verse beschäftigen

machtwort

Unregistered

8

Saturday, February 10th 2007, 9:27pm

RE: Winter

Hallo Alcedo...da bin ich wieder!

Ich in jetzt so oft hier vorbeigekommen und muss noch einmal
den Wadenbeisser geben!
Die "Zerschlagung harmonischer Befindlichkeiten" sei Dir
ungenommen, doch der verkürzte Pterodaktylus will
einfach nicht fliegen und meine Wehmut, die sich in der
jeweils Ersten Zeile der Strophen so schön aufbaut,
macht sich in der darauffolgenden jedesmal stolpernd lang.
Meine Erwartungshaltung mag allzu harmonisch gefärbt sein,
doch finde ich einfach, daß dieser Bruch den schönen Fluß
vielleicht metrisch beabsichtigt, aber dennoch unangenehm
unterbricht.
Natürlich ist es wohlbedacht, aber es passt so nicht zum
harmonischen Rest, wie ich finde.
Das musste noch mal raus.

Liebe Grüße: machtwort

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9

Sunday, February 18th 2007, 10:57pm

RE: Winter

grüß dich, machtwort

hab soeben meine Manuskripte rausgekramt und bin nochmal mit dem Winter in Klausur gegangen.

habe nochmal eine Variante versucht mit folgender Endzeile und durchgehend fliegendem Pterodaktylus (<- da musste ich schmunzeln):

Im Westen, am Seeufer scheint mir als spricht wer
von kälteren Winden, von schlechterer Sicht,
mit Fahnen des Schilfes im düsteren Licht.

aber es klingt mir über die drei Strophen viel zu monoton. die Wiederholungen tun ihr übriges. und auf das Gegenlicht wollte ich auch nicht verzichten.

wenn ich es so schreibe:
Im Westen, am Seeufer scheint mir als spricht wer
von kälteren Winden, von schlechterer Sicht,
mit Fahnen des Schilfes im Gegenlicht.

dann harmonieren die Reimpaare Sicht-Licht nicht im Metrum.

ich komme erneut zum gleichen Schluss wie im Januar: die Beeinträchtigung im Lesefluss deckt sich mit der "schlechten Sicht" und wird durch das Gegenlicht verstärkt. aber vor allem erschwert es das aufkommen von Harmonie und Monotonie. das bestärkt mich nun, denn ich war vorher selber unsicher gewesen und es ließ mir keine Ruhe.

somit freut es mich dass du hartnäckig geblieben bist, Wadenbeisser.

dankeschön
Alcedo

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10

Tuesday, February 20th 2007, 7:35pm

hallo Alcedo,
lese ich ´anders´, oder hält sich meine Harmoniesucht etwa in Grenzen ? Zwar ist mir klar, wo der vermeintliche Haken hängst,
doch lese ich mit Zäsur, die du ja mittels Interpunktion bereits angedeutet hast. Vielleicht liesse sich diese ja noch verstärken,
sofern das deine Kompromissbereitschaft erlaubt - zumindest müsstest du damit nichts an deinen Worten verändern...

´schlechterer´ - das kratz ja derartig im Hals, als hätte ich einen Topfreiniger beim Lesen verschluckt :rolleyes:

Was mir aufgefallen ist: es scheint, als würde sich dein Werk bei dem ´Lichtmeer´ ganz kurz in die Höhe heben,
- so oft ich es auch lese - und das, obwohl die übergreifenden Reime im Klang fast identisch sind.
Sehr erstaunlich...und jetzt glaube ich auch zu wissen, woran das liegt:
nur an dieser Stelle steht direkt vor diesen hellen Vokalen ´blutend´, also ein Vokal, bei dem sich die Stimme senkt - diesen Vokal greifst du in der darauffolgenden Zeile leicht versetzt wieder auf, wodurch sich der gesamte Vers von den anderen unterscheidet. Damit hast du mich voll erwischt ! Also: lass bitte die Worte so wie sie sind, sonst beisst ich dir den Kopf ab :evil:

liebe Grüsse
Kali
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

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11

Thursday, February 22nd 2007, 11:03am

"voll erwischt"?

merci, Kaleidoskop, für dieses Feedback, wie auch für die Erläuterung der dunklen und hellen Vokale. beim Topfreiniger musste ich schmunzeln.
ich hatte mich noch einmal intensiv mit dem Text beschäftigt um sicher zu gehen, dass nichts übersehen wurde. ich sagte doch schon, dass ich zum selben Ergebnis kam wie im Januar: die Zeilen bleiben so wie sie sind.
auch denke ich, du hast das verstanden, wolltest aber trotzdem diesen Versen demonstrativ zur Seite stehen. das nehme ich für bare Münze und als weitere Bestätigung und habe zu danken.

Gruß
Alcedo

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