Hey, du.
Find ich ganz interessant, das Schreibsel. Scheint ein bisschen in alter Balg-Tradition

zu stehen, aber irgendwie ist es neuer.

Es wirkt halt gegenwärtiger. Ich glaube, das liegt hauptsächlich an der Form, dem Wechsel von kurzen und langen Versen. Scheint mir zumindest so.
Der Teint von deinen Wangen,
wie sie leuchten und glühen,
macht mich bang.
Sie betten den Vollen, und fangen
das Leuchten und Sprühen
den Abend lang.
xXxXxXx
XxXxxXx
XxX
xXxxXx/xXx
xXxxXx
xXxX
Das Blicken deiner Ufer,
das Rufen im dunkelen Raum
weist mich ein,
in Pfade des sterbenden Suchers
im nächtlichen Flaum,
zum Flur hinein,
xXxXxXx
xXxxXxxX
XxX
xXxxXxxXx
xXxxX
xXxX
auf Kohorten deiner Tugend,
auf Heeren, - dem lichternen Saum
außen vor -,
vergießt hier Vergangenes Jugend
an dir, und glaubt kaum,
was es schon deiner verlor.
XxXxXxXx
xXx/xXxxX
XxX
xXxxXxxXx
xX/xxX
XxxXxxX (oder xXxXxxX

)
Beim letzten Verse klär mich doch bitte auf, wie du das siehst.

Schrägstriche hab ich den Stellen gesetzt, wo ich eine richtige Pause mache beim Lesen.
Hast du nach Gehör geschrieben oder richtig gefeilt? Ich tippe auf Gehör. Bei S2 scheinst du dich irgendwie eingeschrieben zu haben wie ein Landregen sich einregnet oder so.
Aus dem Inhalt lese ich so ein seltsames Gefühl, wenn man einerseits im anderen seine Ruhe finden kann, wenn sich unter eine schaudernde Zufriedenheit aber auch die Angst vor etwas unbestimmtem mischt.
Das Ich scheint hier das Du etwas versonnen zu betrachten, und dass ihm nicht ganz wohl dabei ist, wird schon in S1 Z3 deutlich. Vielleicht ist das zu schön, um wahr zu sein?
in Pfade des sterbenden Suchers
Das gefällt mir. Lässt mich irgendwie auch ans Angeln denken, wenn der Schwimmer auf einmal unter die Wasseroberfläche getaucht wird. Hier klingt es, als ob das Ich immerzu suchen "muss" oder will, um sich zu verwirklichen. Im Finden liegt aber auch das Sterben des Suchers. Ein Sterben des Ichs? Denke schon, und zwar auf die Weise, dass es in der Erscheinung des Dus, die in meinen Augen mehr ein Trugbild oder eine Halbwahrheit ist, schier ertrinken könnte.
Jetzt denke ich daran, wie sich Wälder oder Häuser oder so in einem Teich spiegeln und dann manchmal noch schöner wirken.
Insgesamt also wohl ein Tauchen in ein Bild vom lyrischen Du, das mehr der Gestaltwerdung einer verklärten Erinnerung gleicht als der Wahrheit. Das Ich verliert sich darin und denkt noch, dass das, worin es sich grad ergeht, nur vergangenes ist. Die Realität ist alt geworden, vermutlich hat sich das Du einfach total verändert.
was es schon deiner verlor.
Die Zeile will ich allerdings immer mit einer anderen Wortstellung lesen. Genau die mach ich dir jetzt mal zum Vorschlag

, weil mir der Vers, so, wie er da steht, irgendwie krumm erscheint.
...meine Version:
was es deiner schon verlor
Hmm, die Kohorten waren ja so eine Sache. Was hältst du davon, sie durch "Legionen" zu ersetzen?
außen vor -,
Hier vielleicht das Komma weg.

Ist mir ein bisschen zu viel des guten.
Ansonsten, nicht schlecht! Macht einen recht interessanten Eindruck und passt wunderbar zu der Stimmung, die mich momentan mit dem Herbst befällt.
Sehr gern gelesen!
Gruß von mir.