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vunkenvlug

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Date of registration: Feb 16th 2005

Posts: 94 wcf.user.activityPoints: 535

Location: Göttingen/Schmargendorf/Dahme. und mein geist hat hoffentlich von vielen etwas aufgenommen, das er zu erkennbar eigenem amalgamiert.

Occupation: ich wurde nicht berufen, nicht einmal beflüstert.

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Friday, October 21st 2005, 8:14pm

noch ein versuch zum thema wasser

weil ich in einer woche nach Berlin ziehen werde, habe ich jemandem ein gedicht versprochen über ein berliner gewässer, gedacht war an den Wannsee.
nach dem versprechen fiel mir siedend heiß ein, wie groß die geschulterte aufgabe ist. ich muss Kleists selbstmord, die wannseer konferenz, alles, was da sonst stattfand, einarbeiten. und ich muss auch den gedanken unterbringen, dass das wasser, das in flüssen und kanälen Berlin umspannt, den Reichstag unterspült und ihn hinab zieht.
und ich muss den charakter des unveränderlichen wassers unterbringen, das spiegelt und ist.
ich bin ja schon am Narziss gescheitert und da vor allem an den wasserszenen.

ich wills jetzt mit einem ganz kleinen gedicht versuchen, zu dem mir sogar ein kristallisationsvers fehlt. nur einen alten reim hab ich "thalassa - wasser", der vom regentropfen bis zum meer reicht.

ich werd viel zeit haben, denn in einer woche hab ich kein telephon mehr.
was ich diesmal nicht schaffe, wird mir nie gelingen.

vunkenvlug

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Tuesday, January 17th 2006, 3:01am

heute war ich endlich am Kleinen Wannsee, hab ihn mit meiner freundin zu fuß umrundet. natürlich waren wir am Kleist-grab. rechts und links die ufer sind in privatbesitz, der grabstein lässt nicht erkennen, dass es sich beim verehrten toten um den größten deutschsprachigen dramatiker überhaupt handelt.
die unterordnung der Vogel ist einfach nur peinlich.
wie sollte man einen gedächtnisort würdig gestalten?

immerhin ließ die Kleist-gesellschaft im november einen kranz legen, der schon fast verfault wirkt. die freundin sprach vom rosenbekränzten grab Wildes. wir ergingen uns in bitternis darüber, dass deutschsprachiges ungeachtet ist. sogar verlage sollen darüber klage führen, dass keine manuskripte mehr bei ihnen eingingen. aber im ernst: wer liest denn noch handgeschriebenes, ich auch nicht.

mir fallen auch die jahre auf den kopf. was müsste ich alles wissen und was weiß ich alles nicht. einst wollte ich etwas vollbringen, das die welt noch nicht gesehen hatte. aber feuer und rad waren bereits erfunden. auch an mordwerkzeugen mangelte es nicht, von der keule bis zum flitzbogen war alles schon da.

und nun erinnere ich mich an meine kindheit in den toten wäldern des ruhrgebiets, an die irrsinnige mutter, an frauen, die mir aus dem sumpf halfen, an meine schlimme verstocktheit, an wasser, das bewegte, das stille, das feierliche, das rätselhafte spiegelbild, in dem alles gefroren erscheint und jede bewegung stockt.
und dieses wasser ist meine erinnerung, meine freundin, der ich eine stimme geben muss.

vunkenvlug

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3

Saturday, February 11th 2006, 4:37am

geradeaus irgendwohin

geschehen tat einiges, bevor und nach dem es sich ereignete.
aber als die sonne darauf schien, war es zu spät, es aus dem lehm zu kratzen.
und dann fiel der schnee. und er hörte nicht auf zu fallen. es verstummten die geräusche und zuletzt war keiner mehr da, das aufrecht knarrende gehölz zu hören.
allein die pfoten spurten.

vunkenvlug

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Saturday, February 11th 2006, 5:26am

@ Sabine S.:
der text ist schon etwas angegraut. als ich ihn eben wiederentdeckte, schien er mir als antwort auf Herbsts beitrag zu taugen, den ich für weit überdehnt halte und damit auch für wenig wirksam.
es ist die crux der prosaisten, zeilen schinden zu müssen. philosophen können sie nicht, lyriker dürfen sie nicht werden.
so verkauft einer lieber seine seele oder seine romanfigur als sich selbst zur genauigkeit zu zwingen, aus der der "transzendentale schauder" erst vermittelbar werden könnte. mich wundert, dass niemand die parallele zu Musil gezogen hat, der seinerzeit in ernsthaften, die existenz berührenden schwierigkeiten stand und das auch öffentlich machte, ohne den gedanken an prostitution auch nur in erwägung zu ziehen.
Du meinst, ich urteile hart? ich lebe auch hart, am rand der selbstzerstörung.
dass das wrack, das ich bin, untergeht, verhindert meine freundin, die keine ähnlichkeit mit der Vogel hat.

This post has been edited 1 times, last edit by "vunkenvlug" (Feb 11th 2006, 5:27am)


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