Wir Moslems in Deutschland
Ich fühle mich verpflichtet einen positiven Bericht über den Islam und über viele gute Moslems zu schreiben, da momentan einige Moslems alles tun, um uns und diese Religion schlecht aussehen zu lassen. Dieser Text soll zeigen, wie ein großer Teil von uns Moslems, den Islam sieht und wie wir ihn in Deutschland leben.
Die Ansichten über den Islam, die ich hier wiedergebe, sind meine ganz persönlichen Ansichten zu diesem Thema. Es wird ganz sicher Moslems geben, die einige Dinge anders sehen, es wird aber auch viele geben, die mir in allen Punkten Recht geben. Ich bin nicht besonders geschult in Sachen Islam, bin ein einfacher deutscher Moslem, wie es sie viele gibt.
Das Thema Islam ist zu groß um hier in allen Punkten behandelt zu werden. Ich habe mir einige Punkte rausgesucht, die mir wichtig sind.
Grundsätzlich leben wir Moslems ruhig und zurückhaltend hier in Deutschland. Viele von uns haben als gute Moslems nur ein Ziel. Wir wollen gute Menschen sein. Wenn man sich etwas mit dem Islam beschäftigt, kann man schnell erkennen, dass dies die Basis dieser Religion ist. Ich bin der Meinung, dass dies der Kernpunkt jeder Religion ist. Ein guter Moslem zu sein bedeutet für uns nicht nur, dass wir an den einen Gott und seinen Propheten Mohammed, Möge der Frieden und Segen Gottes auf ihm sein, glauben, fünf Mal am Tag beten, im Monat Ramadan fasten, den Koran lesen und irgendwann mal eine Pilgerfahrt nach Mekka machen. Nein, es bedeutet auch, dass wir mit unseren Mitmenschen gut klar kommen. Wenn jemand ein Problem hat, helfen wir ihm. Das bedeutet, wenn die Nachbarin, von der wir nicht wissen, ob sie nun Christin ist oder was auch immer, uns bittet ihre Einkaufstaschen in den fünften Stock zu tragen, weil sie für sie zu schwer sind, dann tun wir das. Wenn jemand in der U-Bahn belästigt wird, greifen wir ein. Wenn ein Kollege bei der Arbeit Hilfe bei einem Projekt braucht, unterstützen wir ihn. Abends, nach der Arbeit, gehen wir zu unserem deutschen Nachbarn und fragen ihn, wie es ihm geht und gucken mit ihm Fußball. Und so weiter. Wir wollen uns so verhalten, weil wir uns hier wohl fühlen und weil wir der Meinung sind, dass unsere Religion so ein Verhalten von uns verlangt. Dabei achten wir nicht auf die Religion, die unser Gegenüber hat.
Nun sind wir Moslems nur Menschen mit all ihren Schwächen. Wir sind neidisch, wir helfen auch nicht immer, manchmal reden wir schlecht über andere und natürlich lügen wir auch. Wie alle anderen auch, haben wir eine lange Liste an Schwächen. Es ist aber unser Ziel diese Schwächen so gut es geht abzustellen, denn wie schon gesagt, der Islam verlangt dies von uns. Terror, andere zu unterdrücken und zu hassen passt da überhaupt nicht, denn wir denken, dass wir uns damit Schwächen hingeben würden, die nicht zum Islam passen.
Unsere Ehefrauen werden von uns nicht als Menschen zweiter Klasse gesehen oder behandelt. Der Islam verlangt eine gute Behandlung jeder Frau. Wenn sie wollen, können sie ein Kopftuch tragen, wenn nicht dann nicht. Es gibt Moslems, die sagen, dass im Koran steht, dass eine Frau ein Kopftuch tragen muss, andere sagen, dass dies nicht im Koran steht. Es ist doch Sache der Frau zu entscheiden, ob sie Kopftuch tragen will oder nicht, schließlich muss sie mit dem Kopftuch rumlaufen. In den Anfängen des Islam war es so, dass Sklavinnen mit freiem Oberkörper durch die Gegend gingen und die anderen Frauen Tücher trugen, um sich von diesen Frauen abzugrenzen. Wenn eine Frau heute meint, sie braucht das Kopftuch, hat sie meine Unterstützung, wenn sie meint sie braucht es nicht, hat sie meine Unterstützung ebenfalls. So denken viele von uns Moslems. Im Islam, der, zum Beispiel, von einigen Türken gelebt wird, spielen in die Sache mit dem Kopftuch andere Dinge mit rein. Die „Ehre“ vor den Freunden bewahren usw. Die Männer dort haben Angst, dass man denken könnte, dass sie ihre Frauen nicht unter Kontrolle haben, wenn diese ihr Kopftuch nicht tragen. Das hat nichts mit dem Islam zu tun. Und so gibt es immer wieder Gründe warum Moslems, woher sie auch kommen, ihre Frauen zwingen ein Kopftuch zu tragen.
Wir heiraten nicht mehr vier Frauen. Es gab Zeiten, als der Koran offenbart wurde, in denen kam es zu vielen Kriegen, viele Moslems fielen in diesen Konflikten. Es gab deshalb weniger Männer als Frauen in der islamischen Welt. Die Frauen konnten demnach nicht heiraten, keine Familie gründen. Also wurde im Koran offenbart, dass man als Mann vier Frauen heiraten kann. Aber nur dann, wenn man als Mann in der Lage ist, alle vier Frauen gleich zu behandeln. Ich möchte sehen, wer das hinkriegt. Heute hat sich das Thema ohnehin erledigt, denn es gibt genug Männer. Wenn eine Frau damit einverstanden ist, einen Mann zu heiraten, der bereits eine Frau hat, kann sie dies, dem Koran nach, auch heute tun aber ich kenne keine Frau, die dazu bereit wäre.
Ansonsten gehen moslemische Frauen arbeiten, führen Diskussionen mit ihren Männern, sagen ihre Meinung und werden respektiert. Dies ist natürlich nicht immer so, wie beim Kopftuch oben bereits beschrieben, gibt es Moslems, welche die Rechte der Frauen teilweise drastisch einschränken.
Terror und Islam passen nicht zusammen. Viele Moslems stellen dies immer wieder klar. Der Islam ist eine friedliche Religion, die erlaubt sich zu verteidigen. Wir wären bereit Deutschland zu verteidigen. Das Land, in dem wir Moslems alle Rechte haben, in dem die Menschen, trotz vieler katastrophaler Geschehnissen uns immer noch positiv gegenüber stehen. Unser Heimatland, in dem wir immer gut behandelt werden, in dem wir uns wohl fühlen.
Ich will hier aber nicht zu viel vom Verteidigen und Kämpfen schreiben, denn viele von uns sind an Konflikten nicht interessiert. Wir wollen mit unseren Familien ein normales Leben führen, uns nicht abgrenzen, sondern locker, entspannt und positiv handeln. Wir möchten auch nicht besonders auffallen. Manchmal können wir es einfach nicht vermeiden, denn wir essen kein Schweinefleisch und trinken kein Alkohol. Das fällt bei einem Grillabend in der Nachbarschaft natürlich schon auf aber sonst läuft es bei uns genauso wie bei allen anderen Menschen auch. Deswegen sind wir für die Medien auch nicht besonders interessant, weil man uns schon fast als langweilig und eigentlich komplett eingedeutscht bezeichnen kann. Spiegel TV und andere haben wenig Sendezeit für so was. Interessanter sind da Leute, die irgendwas von Märtyrern reden und Jungfrauen im Paradies haben wollen. Die werden sehr oft gezeigt, die sind auch recht auffällig und wollen es wohl auch sein, haben aber leider vom Islam keine Ahnung oder eine falsche, negative Sicht auf den Islam. Daran sind Hassprediger und andere recht negativ eingestellte Menschen Schuld. Aber auch einige Länder und Regierungen, die sich dem Islam und dem Moslems gegenüber alles andere als gut verhalten und deren Verhalten für einige Moslems der entscheidene Punkt zu sein scheint ebenfalls falsch und schlecht zu handeln. Wir Moslems kennen dieses Problem und versuchen es zu lösen. Es ist offensichtlich, dass uns dies nicht immer gelingt.
Warum gehen wir friedlichen Moslems nicht öfter auf die Straße und zeigen, dass wir gegen den Terror sind? Eine völlig berechtigte Frage. Das Hauptproblem ist sicherlich, dass wir Moslems aus den verschiedensten Ländern kommen. Türkei, Nordafrika, Afghanistan, Bosnien usw. Wir haben alle unsere eigenen kleinen Moscheen und haben uns bis zum 11.09.2001 nicht füreinander interessiert. In den Moscheen wird meistens die Sprache gesprochen, die von dem Moscheegründer gesprochen wird. Ganz selten nur Deutsch. Mitglieder aus anderen Moscheen verstehen wir nicht. Einige von uns sprechen Deutsch aber längst nicht alle. Ich muss zugeben, dass wir momentan einfach nicht in der Lage zu sein scheinen, so etwas zu organisieren. Die türkischen Moslems könnten es wohl, sie haben es in Köln bereits getan. Aber wir anderen brauchen wohl noch Zeit. Das ist sehr schlecht. Ich würde mir wünschen, wir würden jeden Tag auf die Straße gehen, um gegen den Terror zu demonstrieren. Die Kontakte zwischen den Moscheen werden langsam geknüpft. Wir sind auf dem richtigen Weg aber wir müssen uns wirklich beeilen, denn bald ist es vielleicht zu spät und uns glaubt keiner mehr.
So viel vorerst zu diesem Thema, ich hoffe, dass euch diese kleine Einlassung zum Islam und zu uns Moslems gefallen hat.
Stephan