Hallo, Marilou.
Ich kann mich erinnern, einmal einen Text gelesen zu haben, dem ebenfalls dieses Thema zugrunde lag, weiß aber nicht mehr genau, was es war.
Jedenfalls gibt die Geschiche über quatschende und tratschende Gottesdienstbesucher einiges her.
Was mir besonders gelungen scheint an Deinem Gedicht, ist, dass Du das "Licht" immer wieder einbringst und dieses sich von Strophe zu Strophe ein wenig verändert. Es "geleitet" das lyr. Ich durch den Gottesdienst, auf dem Weg zu Gott, und durch den Wust der eigenen Gedanken. Dadurch erzeugst Du einen schönen Ressonanz-Effekt.
Was mir weniger gefällt, ist das Zusammenspiel von Form und Inhalt. Wenn ich jetzt nicht völlig verkehrt liege, dann ist Dein Gedicht ganz klar ein satirischer Text. Bei einer Satire kommt es jedoch in der Regel sehr darauf an, dass sie leicht verständlich ist und das die Sprache zwar nicht primitiv, aber einfach gehalten wird. Daher reimen sich die meisten satirischen Gedichte auch (man muss nur einmal eine Karnevalsitzung schauen

), und der Reim ist ein mächtiges Mittel, um Komik zu erzeugen. In Deinem Gedicht verzichtest Du auf dieses Mittel; ok, kann man machen und ist ein interessanter Ansatz.
Allerdings auch das Metrum passt nicht so recht zu einem satirischen Text: Du verwendest ein Mischmetrum, welches kombiniert mit dem Inhalt Eindringlichkeit erzeugt, aber für einen satirischen Text fast schon zu hoch ist, über den man eher lachen möchte als zu grübeln (auch wenn Tiefsinnigkeit einer Satire noch nie geschadet hat).
Unzufrieden bin ich auch mit dem Ende. Das "friedlich brennen" scheint mir zu sehr auf die Komik verkrampft, auch sind die Bilder von durch Kerzenlicht in Brand geratenen Haaren nicht unbedingt neu. Aber wenn Du das "friedlich" durch ein passenderes Adjektiv ersetzt, sollte die Schlusspointe gelingen.
Liebe Grüße
Nitro