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Date of registration: Jul 13th 2003

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Location: Bern

Occupation: Student

1

Sunday, January 2nd 2005, 1:43pm

Gift

Es war wieder einmal soweit. Tief in den Knochen spürte er es. Lange würde es nicht mehr dauern, dann wäre es wieder da. Wie er das Gefühl hasste- diesen Zwang, dieses grässliche Korsett der Empfindsamkeiten. Nichts zu machen, nein, nichts zu machen. Das Gefühl stieg langsam in ihm hoch. Wo hatte es noch genau angefangen, fragte er sich, wo? Im kleinen Zeh links, so dachte er, habe es wohl denn Ausgangspunkt gehabt. Als er sich das überlegte und sich in seinen Gedanken hin und her wälzte, war es schon beim Becken angekommen.
Es kroch Wärme ausströmend die Kontur füllend weiter nach oben, wie eine Schlange schien es ihm, das Gefühl – eine gefährliche, unsichtbare Schlange, die man nicht bekämpfen kann. Plötzlich ist sie da und beisst zu und es gibt kein Gegengift. Aber man stirbt nicht, nein, man dreht durch, wird irre und macht Sachen, die man lieber nicht machen würde. Ja so, schien es ihm, könne man das Gefühl am besten beschreiben – wie eine gefährliche demenzverbreitende Schlange mit Ringmuster.
Vorsicht nun, es berührte schon die Schultern, griff sie sich, krallte sich an ihnen fest, Blut verspritzend, Gift injizierend und schon Richtung Kopf schauend.
Ach konnte sie denn nicht aufhören mit dem Gekeife? Vielleicht könnte Ruhe die Schlange vertreiben, aber auf diese Ruhe war nun wohl nicht gross zu wetten – sie schien erst gerade richtig warm geworden zu sein, die Tusse. Nein, so durfte er nicht denken, wollte er das Gefühl von den Schultern schlagen und zurück in den kleinen linken Zeh treiben um es dort, wie Glut auszutreten. Aber es war schwierig, sich bei dem Gelärme um nichts zu konzentrieren. Das Gefühl kitzelte schon in der Nase und er spürte die Farbe, die sein Gesicht nun nach und nach bemalte. Jetzt war es zu spät, jetzt musste er sich hingeben.
Wie vor einem Orgasmus versuchte er, die letzten Sekunden auszuzögern um das nun ausser Kontrolle geratene Gefühl richtig auszukosten – dann schlug er zu.

Marot

Administrator

Date of registration: May 19th 2003

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Occupation: Bademütze

2

Sunday, January 2nd 2005, 6:10pm

Hm, sehr zwiespältig sind meine gefuehle zu diesem werk. zum einen gefällt mir die idee, den Zron auf diese weise zu beschreiben, das sich langsam aufstauen wird sher deutlich und intensiv dargestellt. Zum anderen gefallen mir einige Wendungen einfach nicht weil sie den lesefluss stören und teilweise recht unsonnig anmuten:

Quoted

Nichts zu machen, nein, nichts zu machen


ich weiss nicht, irgendwie passt das so gar nicht in den leseverlauf rein. es wirkt wie reingetrampelt ind en text und viel zu salop für den eigendlichen erzähl stil.

Quoted

Gift injizierend


Naja vieleicht ein bisschen dramatisch findest dzu nicht?
das Blutverspritzend ist auch schon recht dicke, aber alleine geht es noch, zusammen mit dem Gift ist es aber einfach zu viel des guten

Quoted

aber auf diese Ruhe war nun wohl nicht gross zu wetten

Dass allerdings ist ,al ein richtig guter satz, gefalltr mir, zwar salop aber irgendwie passend spritzig nicht so larifarie wie das " nichts zu machen"

Quoted

Aber es war schwierig, sich bei dem Gelärme um nichts zu konzentrieren


Hier verstehe ichs chlicht und einafch den Sinn nicht. Istd a vieleicht ein Tippfehler oder was ist hier kaput?
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Nitrogenium

Lyrisches Licht

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Location: München

Occupation: Student (Chemie), TUM

3

Sunday, January 2nd 2005, 6:23pm

Hallo, Satchmo.

Eine interessante, und auch recht gute Geschichte. Zum einen bringst Du anschauliche Bilder (den Vergleich mit einer Schlange, oder der Gedanke, das Gefühl zurückzutreiben und wie eine Kippe auszutreten), zum anderen schilderst Du spannend, wie sich das Gefühl der Hauptperson bemächtigt.

Für mich ist die Hauptperson ein geisteskranker Mörder, und die "Schlange" ist sein Wahn, der ihm zu töten gebeut. Ausgehend von dieser Interpretation finde ich auch die Formulierung im Schluß ("dann schlug er zu") sehr gut, weil dies eine Parallele von Möder zu der Schlange darstellt.

Da ich mich leider mit Prosa nur schlecht auskenne, kann ich Dir keine weitere hilfreiche Kritik geben, nur anmerken, daß aus meiner Sicht manche Passagen mich ein wenig aus der Stimmung bringen. Beispielsweise der Part "Plötzlich ist sie da und beisst zu und es gibt kein Gegengift." Ich finde, der Aspekt mit dem Gegengift kommt nur so beiläufig rüber, weil er einfach nur so an den Satz angereiht ist. Vielleicht könnte man erst das Beißen schildern und die Wirkung des "Giftes", und wenn man dadurch den Leser in Angst und Schrecken versetzt hat, erwähnt man noch mit angemessener Dramatik, daß es eben kein Gegengift gibt.

Ach ja, ein kleiner Leichtsinnsfehler in Zeile drei:
"...es wohl denn Ausgangspunkt gehabt" ("denn" -> den)

Insgesamt finde ich die Geschichte lesenswert und über weite Strecken anschaulich und mitreißend erzählt, wobei ein paar wenige Stellen dem restlichen Teil nicht ganz gerecht werden.

Grüße
Nitro
"Ich wollte das schönste aller Leben führen, und jetzt hab ich sowas!"
Albert Weber

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barfly

Professional

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4

Sunday, January 2nd 2005, 8:00pm

RE: Gift

hallo satchmo

mir gefällt es äußerst gut. es gelingt dir das gefühl bis auf die spitze zu treiben, ohne es wirklich beim namen zu nennen. ich hatte aber nicht den eindruck, dass einige sachen zu salop klingen. ist der typ ja kurz vorm verrückt werden. da würfeln sich gedanken durcheinander. auch die salop formulierten ;)

das ende ist ernüchternd. gut das soll sicherlich auch so sein, nur ist es auch ein wenig unbefriedigend. und warum will er das gefühl am ende auskosten, wenn er es davor zurück drängen wollte?

gruß
barfly

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Location: Bern

Occupation: Student

5

Sunday, January 2nd 2005, 8:07pm

Hallo euch dreien. Ich danke für die Kritiken. Das ist mein erster Prosaversuch seit über eineinhalb Jahren und somit bin ich natürlich über jeden Kommentar erfreut.

Die Dame hat sich während dem schreiben hineingedrängt. Ich hatte die Grundidee, aber während dem schreiben bekam ich das Gefühl, dass es vielleicht besser rüberkommt, wenn noch ein "Opfer" angetönt wird.


"Es war schwierig sich bei dem Gelärme um nichts zu konzentrieren"
Nein, kein Tippfehler: Es war schwierig, sich bei dem Lärm zu konzentrieren. Aus Lärm wurde Gelärme um nichts (siehe Shakespeare: Much ado about nothing)

Der Protagonist kostet nicht das Gefühl am Ende aus, sondern den Moment genau vorher. Wenn man weiss es gibt kein zurück mehr, aber man ist noch nicht über dem Punkt, an dem es ausbricht

Pim

Master

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Location: Gotha

6

Friday, January 14th 2005, 2:13pm

Das ganze erscheint erschreckend real. Man kann sich den Typen vorstellen. Ein wenig später stellt man sich die Tusse vor und ist dann schon selber dieser Typ. Starkes Stück.

TSchau, Pim.

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