Mein Vorbild
©Hans Hartmut Karg
2012
Jeder konnte immer zu ihm kommen,
Für alle seine Schüler hatte er ein offenes
Ohr.
Er hat sie stets vertrauensvoll in Schutz
genommen,
Auch schützt´ er jene, die naiv sich zeigten
wie ein Tor.
Als man die Schüler noch als Gartenzwerge
sah,
Kam ich zu ihm in seine alte Oberschule.
Die war dem Mittelalter dort noch ziemlich
nah,
Denn es war dunkel da wie in ´ner dumpfen Kuhle.
Während Lehrkräfte noch Herkunften verachten,
Die aus den einfachen Verhältnissen geboren,
Sah man langsam und spärlich Freigeister
erwachen,
Die Unabhängigkeit in Freiheit haben sich
geschworen.
Mein Mathelehrer war so einer – und ein
Riesenvorbild,
Der sich schuldfähig auch als Mitläufer
bekannte,
Als man den Ungeist hob auf manches neue Schild
Und manchen Massenmördernamen noch mit
Ehrfurcht nannte.
Er, der im Ministerium der Reichsluftfahrt
akribisch schon berechnete,
Wie man den Flugzeugflügelabwurf mit
Motorfrequenzveränderung vermied,
Benannte diese seine Schuld als schlimm, weil
er darüber redete –
Und er dadurch Gewissenlosigkeit von humaner
Lebensplanung schied.
Mein Mathelehrer überzeugte uns durch diese
Ehrlichkeit
Und jenen heil ‘gen Zorn, mit dem er sich
stets selbst kasteite.
Er war zu jeder Zeit zum Eingeständnis seiner
Schuld bereit
Und dadurch schuf er jene Offenheit, mit der
er uns befreite.
Noch heute habe ich für diesen Mann nur
Hochachtung und heiligen Respekt,
Weil er als EINZIGER für uns die eigene
Sündenliste offenlegte.
Er war als Mathelehrer sehr professionell und
sittlich so perfekt,
Dass mich dies Vorbild lebenslänglich trug, beruflich
tief anregte.
Wo sind nur heute diese wirklich großen
Männer,
Die mich getragen haben, als ich langsam
denken lernte?
Wo sind geblieben diese wirklich
vorbildlichen Jugendkenner,
Die blieben, wo der Durchschnitt sich doch
wiederholt von Sittlichkeit entfernte?
Gewidmet meinem hoch verehrten
Mathematiklehrer,
+ Herrn
Gymnasialprofessor Dr. Walter Buckel +