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shuya

Trainee

Date of registration: Dec 23rd 2011

Posts: 32 wcf.user.activityPoints: 205

1

Thursday, January 26th 2012, 12:36am

sculpt

from day to idle day
reading the lines of your hands
hot air shivers, blurs sight.
i merely survive this.
we’re living in a cycle
just enact, just enable
pictures of..
myself,
this restive city sleeping,
an angel on a bicycle (passing by),
a drugstore closing down,
the scent of fresh cut grass.
this rivulet of blood on the tip of your tongue
is misleading and my focal point is offset
i cannot follow your words anymore
it feels as if they were melting.

you’ve changed so much.
while i still feel so the same.
for you too.

the numb joy of saturday nights
sick with joy and glee
there’s constant friction
of bodies agglomerating
to beaming lights and swelling noise
their forcing stares
and them making me
look away.
i cannot feel content
and there’s this instinct to flee
slowly crawling up my spine.
i’m in panic.

look. it’s urban and fiction.
we just fight down the symptoms
from the ailment of construction.
swallow, ease, never cease fire
and never break down.
as if we’d have to keep working
in order to stay asleep.

this dogma of function
our act-out god
to always bear in mind and hand
see, this is no drama
yet this city plays itself
it almost feels as if it self-constructs,
is self-aware
everyday i pass certain places
they have changed, evolved

in a time of forecasts
insecurity is a sickness
which must be cured, they say
prognosting health and safety
through surveillance.
to all who fear and still believe:
there is no shelter
and there is no safety
in a scrap
and what else is a city
than a scrap?

our home is convoluting
them folding landscapes to mountains
and them building houses on houses
bridges over streets
railways under towerblocks.
in front of my window
there are little girls drawing asterisks
instead of stars with chalk on the pavement
i know them, since their birth i know them.
we live in the same block.
it feels almost rural watching them
embraced by this microcosm of phantasy
i wonder, is this what we call safety?

in this anxious stillness
every blinking light
is a heartbeat.



---------
(als eine art antwort auf findefuchs' text Espresso / das absolute gegenteil)

findefuchs

Intermediate

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Posts: 109 wcf.user.activityPoints: 580

2

Thursday, January 26th 2012, 6:56am

Hey,
genau. Ich versteh, was Du meinst. Ich habe neulich genau so ein verschwurbeltes Teil geschrieben, weil ich genau so gearbeitet habe und genau so etwas erreichen wollte und es genau so in die Hose ging - aber witzig ist es schon, was man so fabriziert. Macht jedoch auch Spaß. Hier ist das grauenvolle Werk. Man könnte wie Du sagt, echt "kotzen", aber es sind Gedankensplitter, die wohl auch ihre Bedeutung hatten, als sie entstanden sind und daher hasse ich das Teil zwar, aber ich würdige es auch als das, was es werden sollte.

A Shovelful of Earth

It is his turn now.
A modest little man
from the end of the line
steps forward -
and with a scoop,
at least three times the size of him,
begins to shovel soil onto a pine box,
still hoping it was a fraud.
The mourners,
each of then silently watching,
almost totally hidden
in billows of frankincense,
with their thoroughly attached
springs of fresh thyme, yet -
almost withering
at the chokers of their ragged slops -
they wait and see,
while this grotesque scenery
is set in stone
on their faces
and brings forth water to many an eye.
Water, too holy to reach the sacred ground,
however trickling relentlessly on the dust,
now saving for once this one,
The little guy though,
throws the last shovelful of earth
on the fading tomb,
then leaves the potter's field -
a taller man.


Gruß
finde
Auch wenn die Katz' gerade einen Kanarienvogel gefressen hat, kann sie deshalb dennoch nicht singen.

Hazel

Moderator

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Occupation: Germanistik-Student

3

Thursday, January 26th 2012, 1:25pm

Wow,

das ist seit Ewigkeiten mal ein englischsprachiger Text in diesem Forum, dem ich wirklich etwas abgewinnen kann und der mir sehr gut gefällt. Kotzen für die vielen Stilgriffe? Warum denn? Das Ganze wäre beispielsweise ein absolut genialer Songtext. Mit deiner Erlaubnis setze ich mich mal zusammen mit meinem Cousin an den Text und wir versuchen, etwas Musik drunter zu legen. Das stark Assoziative aus deinen deutschen Stücken, die du hier bisher zum Besten gegeben hast, bekommt nun nochmal mehr Gewicht und überholt sich selbst. Mir gefällt es sehr gut. Es ist unglaublich schwierig, in gutem Englisch etwas Brauchbares zu fabrizieren, aber bei dem Text würde ich es dir sogar als Muttersprache abnehmen. Starkes Ding!

Liebe Grüße,
Hazel

edit: Der Inhalt hat mich übrigens unglaublich gefesselt. Habe mich stark in deinen Zeilen wiedergefunden.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

shuya

Trainee

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4

Thursday, January 26th 2012, 2:43pm

@haze
seltsamerweise habe ich es mit dem text
auch schon zur einladung zur lesung nach düsseldorf geschafft
(war mal wieder kein arsch da.)


ja, also, gerne wenn du möchtest
gerne gerne, ich bin sowieso verfechter von creative commons
und er sei dir zum remixen, zerhackstücken, vertonen und späterer kostenfreier weiterverbreitung
sofort überlassen, ich denke dass er bei dir dann auch in besseren händen ist als in meinen
der staubt hier in der schublade seit 2 jahren und ich denke mehr wird damit niemals passieren (:

@fuchs
ja es bleibt eine schwierige disziplin
und wie wundervoll manch anderssprachiges gedicht klingt, dass die hießigen muttersprachler schreiben,
dass man selber am liebsten hand anlegen wolle.
persisch, chinesisch, japanisch, indisch, portugiesisch, hebräisch ja und auch französisch, tschechisch und was wäre die literatur ohne das russische, die welt ohne sie
ich habe so viel in vergleichenden bänden originalsprachig und in gleichzeitiger übersetzung gelesen
bei dem sich mir das herz ganz fernsüchtig zusammengekrampft hat.
fernsüchtig nicht nach einem land und seiner bewohner, sondern aufgrund dieses wundervollen sprachrythmus
nach diesen knackenden intonationen, den kunstpausen die manche sprachen so schön und andere so mächtig erscheinen lassen, wieder andere lapidar.

man muss es ja versuchen
und sei es rührig und kitsch
wenn man von dieser erhabenheit erst erfüllt aufsteht und ziellos im zimmer auf und ab läuft
- ich pflege diesen habitus, wenn mich etwas ergreift, was auch immer das bedeutet, wie auch immer ich mich dabei sehen will -
will man aus dieser erhabenheit produzieren,
so geht es mir.
das englische war am greifbarsten. danach kam das japanische (noch kläglicheres scheitern), das französische (fatal!), das thailändische (wie kann man in dieser sprache überhaupt dichten? ohne wirkliche vergangenheitsform? wie machen die das?)

am ende steht
das denken, dass alles in ein deutschlogisches rahmenkonstrukt verpackt
die sätze und beobachtungen, die sich zwar reibungslos übersetzen lassen
und das auch mit neuem klang und sinn
basis der verluste und gewinne die man damit erzielt
die aber doch aus mir kommen, der ich hier aufgewachsen bin.

kürzlich traf ich ein mädchen,
eine wahre schönheit, ein inbegriff von eleganz,
die beinahe fließend esperanto sprechen konnte.
da war wieder so ein moment.
ich musste stark an mich halten sie in dem bus in dem wir saßen nicht zu umarmen.

Hazel

Moderator

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Occupation: Germanistik-Student

5

Thursday, January 26th 2012, 3:24pm

Vielen Dank vornweg. Ich sitz schon dran und es macht unglaublich Spaß, mit dem Text zu arbeiten. Macht sich gut ;-)

Mir sind beim Durchgehen aber noch zwei ganz kleine Fehler aufgefallen:

Quoted

i cannot follow your words anymore
it feels as if they were melting.


Warum springst du heir plötzlich in die Vergangenheit? Ich habe mal ein "are" aus dem "were" gemacht. Wahrscheinlich für den Konjunktiv. Den hast du aber durch das "if" schon geschaffen und somit deutet das Verb dann auf die Vergangenheit.

Quoted

i know them, since their birth i know them.


Das müsste an der Stelle eher "i've known them" heißen. Gerade mit dem Zusatz "since their birth" wäre das normale Präsens nicht schön.

Liebe Grüße, Hazel
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shuya

Trainee

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6

Thursday, January 26th 2012, 4:14pm

as if were
= als würden sie.

also nicht als waren sie (:

ich meine das müsste auch so stimmen
as if they were kann in vielen formen eingesetzt werden

hab sogar nen ganz guten vergleich gefunden:
http://www.linguee.de/englisch-deutsch/u…+they+were.html

-----------

Quoted

Das müsste an der Stelle eher "i've known them" heißen. Gerade mit dem Zusatz "since their birth" wäre das normale Präsens nicht schön.
since their birth
I know them

"Ich kenne sie - seit ihrer Geburt kenne ich sie"
ist richtiger als
"Ich kannte sie - seit ihrer Geburt kannte ich sie"
da sie gegenwärtig beobachtet werden
und noch leben
man selbst noch lebt
und sie beobachtet

seit -> der und der zeit.
kennen -> bis jetzt.


aber wie besagt, du darfst es gerne trotzdem ändern wenn du findest es passt besser

http://www.linguee.de/englisch-deutsch/u…+him+since.html

geht beides, sehe ich gerade
http://www.linguee.de/deutsch-englisch/s…known+him+since

hatte auch nen denkfehler in meiner logik
I've known ist ja nicht I knew, I've known ist aber eher hochgestochener
würde man so vermutlich nicht verwenden.

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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7

Thursday, January 26th 2012, 4:36pm

ich misch mich mal ein und geb jedem zur hälfte recht:

.. as if they were ... ist richtig als wendung
aber auch
i´ve known her all my life ... und das ist auch nicht hochgestochen; das heißt einfach. ich kenne sie schon mein ganzes leben, weil es ja, wie du richtig geasgt hast, ein handlung ist, die eine zeitspanne andauert;

ach so, ja, bevor ich es vergesse :)
der text ist wirklich gut und vor allem firm geschrieben; da sind keine germani-zismen drinnen und die sprache ist flüssig; sieht man selten hier;

mfg
erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

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