hallo, Tamea
mal wieder finde ich das Bild, dass du malst, ziemlich interessant und auch irgendwo "neu". man kann sich zumindest fast immer sicher sein, in deinen Texten neue Blickwinkel/neues Erleben auf/von Gefühle/n vorgestellt zu bekommen, die an sich schon altbekannt sind. Frieren, obwohl es doch rundum warm ist - wer kennt das nicht?
Ich find, du hast das gut gemacht, weil du in meinen Augen damit eine der Hauptaufgaben der Lyrik gekonnt gelöst hast.

jedoch finde ich an manchen Stellen die sprachliche Umsetzung ein bisschen unglücklich.

leider gehöre ich zu den Kommentatoren hier, die oft nicht ganz klar sagen können, was sie meinen, sondern eher im Trüben fischen gehen.

aber vielleicht kannst du das auch so verstehen, wenn ich dir ein, zwei Veränderungsvorschläge mache...
dunkle, schwere worte
fressen sich durch wände, weissgetüncht.
>> was wäre denn mit
weißgetünchte Wände? oder klingt dir das vielleicht irgendwie zu sperrig wegen der zusätzlichen Silbe?
täglich, erweitern sich die gänge,
gefüllt mit schwarzem blut.
>> das erste Komma in V1 gehört da eigentlich nicht hin. es sei denn, du hast ein ganz zielsicheres Argument dafür.

für den zweiten Vers würde ich dir statt
schwarzem vielleicht ein
dickem vorschlagen wollen. bringt zwar andere Assoziationen mit sich, aber fänd ich hier trotzdem schöner, weil
schwarz sich mit
dunkel aus S1 irgendwie doppelt.
durch das haus, zieht kälte,
raumerweiternd.
>> was mich in S1 gestört hat, das "Auslagern" von Adjektiven aus Nominalphrasen ans Satzende, macht hier Sinn und hört sich irgendwie gut an (wohl, weil das Adjektiv als Partizip 1 gleichzeitig auch Adverb sein kann). jedoch auch hier ein Komma zu viel, das erste in V1.
heizung aufgedreht, meine
doch rauhreif den boden bedeckt.
>> hier finde ich die Wortstellung "unnötig unnatürlich". ich denke, die Strophe gibt das gleiche her, wenn du es "normal" schreibst. statt
meine schreibe ich ein
die in meinen Vorschlag: die ganze Zeit hattest du sowas wie ne neutrale Außensicht auf die Szene und ausgerechnet jetzt kommt ein lyrisches Ich.

fände ich besser, das draußen zu halten.
die heizung aufgedreht,
doch rauhreif bedeckt den boden.
wenn du natürlich sagst, das ist dein Stil und du willst so schreiben, dann brauchst du dich um eine Vorschläge nicht so sehr zu kümmern. ich will dir hier ja nix verfremden.
bemerkenswert finde ich übrigens auch deine Wortwahl: dass du von Räumen und Gängen sprichst, macht den ganzen Text irgendwie sehr nüchtern und fast medizinisch kühl (zumindest haben die Wörter für mich so eine Konnotation). man fühlt sich fast, als wäre man in einem Krankenhaus eingesperrt. gleichzeitig könnte man die Gänge auch als Blutbahnen im Körper einer erlebenden Person begreifen: dann würde der Text keine Außen-, sondern eine Szene im Innern einer Person beschreiben.
Gruß
Chepre