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Raul

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1

Wednesday, January 4th 2012, 8:06pm

Ich bin auf dem Weg zum Emir

Was sich oben wie eine Einleitung aus Tausenundeine Nacht anhört, geschah neulich im 21. Jahrhundert. Genau genommen vor wenigen Wochen im Jahre 2011, als unser Bundespräsident auf einer Auslandsreise im Nahen Osten weilte. Dieser Satz fiel auf einer Mailbox des Chefredakteurs der Bild-Zeitung und leitete den grandiosen Monolog eines Mannes ein, der wie kein Zweiter in Deutschland der Traum aller Schwiegermütter ist und nun Federn lassen musste, weil er damit versuchte, eine Veröffentlichung aufzuschieben. Ich bin auf dem Weg zum Emir. Das ist auch semantisch in diesem Zusammenhang höchst interessant, denn wer die Geschichten aus Tausenduneine Nacht etwas kennt, weiß, wie sehr die Geschichten von Gefälligkeiten und Gefallenen geprägt sind. Vielleicht ahnte unser Bundespräsident da schon, dass es für ihn von nun an schwierig werden würde, eine moralische Instanz zu bleiben. Mir tut er jedenfalls etwas Leid, weil er sich nur 500 000 Euro leihen durfte, mehr nicht drin saß. Im heutigen Interview am Abend hören wir kleinen Bürger dann noch, dass der Kredit mit einer 60% Besicherung eben entsprechend niedrige Zinsen hervorgebracht habe, auch, weil zwei unbelastete Immobilien als Sicherheiten dafür standen. Mal ganz ehrlich...wem hier unter uns gehört mehr als ein Ziegelstein? Und wie habt ihr den besichert? :D :D Ich bin jedenfalls jetzt auch auf dem Weg zum Emir, werde ihm ein paar Geschichten erzählen, um für die nächsten Tage möglicherweise in die Gunst eines zweiten Ziegelsteins zu kommen. Sollte den Emir bei meinen Geschichten die Langeweile überfallen, wird er mich köpfen lassen. Sollte er Gefallen finden, möchte ich gern wissen, wie viele Ziegelsteine ich für drei Immobilien brauche und wie viele spannende Geschichten ich erzählen muss, damit ich diese Zahl erreiche.

Marot

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2

Thursday, January 5th 2012, 11:50pm

Ich verstehe deinen Beitrag inhaltlich genau so wenig, wie diese ganze bekloppte Diskussion. Auf wessen Seite bist du jetzt raul?
Das Thema an sich ist im übrigen an Heuchelei kaum noch zu übertreffen. Wenn sich die Bildzeitung als Opfer stilisiert sollten eigentlich bei jedem verstandbegabten Bürger die Alarmglocken bimmeln.
Diese Typen sind die Bösen und zwar wirklich immer y)
gruß Marot
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Chepre

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3

Thursday, January 5th 2012, 11:52pm

Quoted

Wenn sich die Bildzeitung als Opfer stilisiert sollten eigentlich bei jedem verstandbegabten Bürger die Alarmglocken bimmeln.

meine Rede
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Raul

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4

Friday, January 6th 2012, 5:40am

He Marot,

irgendwie liest du an meinen Texten immer wieder gerne vorbei. Ist das bewusste Provokation? Verstehe ich nicht. Es geht nicht um die Bild-Zeitung, sondern um den als Überschrift gekennzeichneten Satz, der vom Bundespräsidenten gefallen ist. Der Satz allein baut eine Bedeutungskulisse auf und zeigt in dem Zusammenhang, in dem er gefallen ist, ein interessantes und aufschlussreiches Staatsverständnis. Wenn du das inhaltlich nicht verstehst, ist es vielleicht doch besser, du liest die Bild-Zeitung. Was du hier schreibst, ist mir zu billiges Lagerdenken. Mir geht es in dem ganzen Beitrag darum, mit diesem Satz darzulegen, wie weit sich unsere Staatsmänner im Verständnis schon vom Alltag des kleinen Mannes entfernt haben. Die Bild-Zeitung ist mir hier in diesem Zusammenhang so ziemlich..., weißt du,....ich kaufe sie einfach nicht, und mehr kann ich für die Bildungsrepublik Deutschland nicht tun. Du kannst natürlich eine andere Position zu dem Thema vertreten, aber dann musst du sie auch genauer darlegen, ohne jemanden hier in eine Ecke stellen zu wollen. Ob du so verstandbegabt bist, wage ich mit diesem Kommentar jedenfalls zu bezweifeln. Dein Kommentar heuchelt auch vor, ein besserer Mensch zu sein, nur, weil du gegen die Bild-Zeitung bist.

Chepre

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5

Friday, January 6th 2012, 10:09am

Quoted

Der Satz allein baut eine Bedeutungskulisse auf und zeigt in dem Zusammenhang, in dem er gefallen ist, ein interessantes und aufschlussreiches Staatsverständnis.

Was denn für eine? Ich kann da ehrlich gesagt null bedeutungsvolles rauslesen.
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Raul

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6

Friday, January 6th 2012, 10:12am

Hallo Chepre,

er baut als Satz die Bedeutungskulisse einer staatstragenden und staatsüberragenden Funktion eines Bundespräsidenten auf, der sich mit kleinen Kinkerlitzchen wie einem Privatkredit nicht herumärgern will und muss. Das Sakrosankt-Prinzip in reinster Form eben. Ich treffe mich gleich übrigens mit der Bundeskanzlerin, damit ihr klar seht, mit wem ihr es gerade hier zu tun habt im Forum. :D :D

Chepre

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7

Friday, January 6th 2012, 10:20am

naja, so'n Bundespräsident ist als Staatsoberhaupt schon der Natur der Sache nach im gesellschaftlichen Rang höher angesiedelt als Otto Normalbürger. dass ihn das zu einem besseren Menschen macht, will ich damit ins keinster Weise sagen. dass nicht jeder Otto Normalbürger einfach so auf Stippvisite zu irgendeinem Emir turnen kann, dürfte ja klar sein. was das Zitat jetzt darüber aussagt, dass Wulff in seinem Amt staatstragend sein solle, kann ich nicht erkennen. vielleicht wollte er mit dem Emir ja nur einen Kaffee trinken, mal überspitzt formuliert.
ich finde, du liest da zu viel rein. zumindest viele Dinge, die sich mir auch nach fünfmaligem Hinschauen nicht erschließen.
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Raul

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8

Friday, January 6th 2012, 10:50am

Hallo Chepre,

jetzt fängt das Gespräch an, richtig interessant zu werden. Ist ja unter der Rubrik Gespräche auch von mir gepostet worden. :) Bedenken wir einmal die Kommunikationssituation. Präsi ruft aus Katar beim Chefredakteur der Bild-Zeitung an. Die Gesprächseinleitung am Telefon ist besonders wichtig, das wissen wir alle. Ich bin auf dem Weg zum Emir. Was für ein grandioser Satz. Ich finde ihn wirklich super interessant, denn die Sprache verrät immer etwas über einen Menschen. Die erste Frage, die sich mir mit deinen Argumenten stellt, ist doch, ob ein Präsident als Staatsoberhaupt überhaupt noch durchblicken lassen muss, mit welchen Ehrenmännern er sich gerade trifft. Hätte er sich mit mir getroffen, hätte er wohl darüber geschwiegen. Noch bin ich kein Emir, ich arbeite aber dran. :P Die zweite Frage wäre, was der Satz im Zusammenhang mit seinem Anliegen zu tun hatte. Wenn der Satz nichts aussagen sollte, hätte er ihn sich auch sparen können. Aber einem Mann, der mittlerweile so viel Erfahrung im Umgang mit den Medien hat, ist so ein zusammenhangsloser Satz einfach so nicht zuzutrauen. Der Satz war sicher wohlbedacht. Und jetzt können wir über die Absicht und die Hintergründe sprechen. Ich finde, das passt sehr gut ins Gedichteforum, denn uns allen geht es ja hier um Sprache.

Chepre

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9

Friday, January 6th 2012, 10:56am

Quoted

Und jetzt können wir über die Absicht und die Hintergründe sprechen.

und das ist jetzt der Punkt, an dem es in wüste Spekulation ausartet, finde ich. hätte mich jemand angerufen und zB gesagt "ich bin auf dem Weg zum Bürgermeister" oder sowas, hätte ich als nächstes gegen gefragt "und was willst du da?". oder hättest du dich in so einer Situation bedroht gefühlt oder irgendwas dergleichen? ich find auch nicht, dass der Satz überheblich klingt oder so. man hätte höchstens noch mit "viel Spaß" reagieren können. ?( soll er halt zum Emir gehen, wir sind doch freie Menschen. 8|
woher hast du eigentlich diesen Satz? das, was Wulffi da auf die mailbox gesprochen hat, ist doch noch gar nicht veröffentlicht worden?
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Raul

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10

Friday, January 6th 2012, 11:10am

Hallo,

der Satz ist sehr wahrscheinlich durch die Bild-Zeitung in die Öffentlichkeit lanciert worden (typische Masche dieser Zeitung - nicht gut, aber wir kennen die ja schon). Der ist dann von der sueddeutschen aufgenommen und da von Karasek besprochen worden. Karasek befasst sich da auch mit anderen typischen Einleitungssätzen in der Literatur. Karasek analysiert da auch den Einleitungssatz meines Lieblingsromans Anna Karenina:

"Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie dagegen ist unglücklich auf ihre besondere Art."

Im Gegensatz zu Karasek, der hinter diesem Satz Karl May vermutet hat, bin ich zutiefst der Überzeugung, dass dieser Satz zu Tausendundeine Nacht passt. Ganz nebenbei schwängere ich mit dieser steilen Gegenthese meine Bedeutung als Literaturkritiker, den noch keine Sau in Deutschland kennt. Was mich mit diesem Satz fasziniert, ist eben die Kulisse, die angedeutet wird. Die Willkür, die in den Geschichten von Tausenduneine Nacht vorkommen, das personale Rechtsverständnis, das die Herrscher Nacht für Nacht offenbaren und dem Sheherazade ausgesetzt ist, gleicht noch heute den Umständen dort. Und nun der Präsident mittendrin in dieser Kulisse, wo es bei ihm fernab am Hof zu brennen beginnt. Ich weiß, ich weiß...Interpretationen sind immer auch Spekulationen, Chepre, aber sind sie deswegen verboten? Ich kann den Präsi nicht persönlich danach fragen, aber er ist immerhin eine öffentliche Person. Und jetzt kommt es Chepre...Du würdest den Präsi in der gleichen Situation eben nicht danach fragen, was er beim Emir macht. Der Präsi ist nämlich nicht beim Bürgermeister sondern beim sagenumwobenen Emir. Da liegt ein Unterschied in der Assoziation.

Chepre

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11

Friday, January 6th 2012, 11:20am

und genau da liegt dann noch so ein Hase im Pfeffer. es geht nicht um den einleitenden Satz irgendeines Romans oder Märchens, dh schriftlichen Textes, sondern um einen noch dazu aus jedem Kontext gerissenen Gesprächsfetzen. und was ich mündlich sage, kann ich kaum zig mal revidieren und neu formulieren, um ne ganz tolle Metapher reinzuflechten, wie das ein Schriftsteller kann (was es dann auch rechtfertigen würde, über diverse metaphorische Ebenen zu spekulieren). mag sein, dass Wulff vorher minutenlang an diesem Satz geschnitzt hat. aber auch das wissen wir nicht. und deshalb halte ich es einfach für haltlos, da dermaßen tiefe Metaphern reinlesen zu wollen.

Quoted

Du würdest den Präsi in der gleichen Situation eben nicht danach fragen, was er beim Emir macht.

mag sein. ich würde vielleicht als erstes fragen, warum er gerade mich anruft.
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Raul

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12

Friday, January 6th 2012, 11:23am

Ich glaube eben nicht, dass der Satz aus dem Kontext gerissen ist, sondern er macht den Kontext geradezu aus und leitet ihn ein. Hier verhält es sich genau umgekehrt. Wäre der Satz mitten im Gespräch gefallen, würde ich dir zustimmen. So aber nicht. Er ist meines Erachtens wohl durchdacht gewesen, zumal mir bei einem Sponti-Präsidenten echt angst und bange würde.

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