Neben meinen angefangenen Forschungen nach den unheimlichen fremden Wesen, die ich theoretisch und so weit wie möglich praktisch betreibe, und zwar ganz alleine, ereignen sich selbst noch ungewöhnliche Begebenheiten, die ich mache. Ich weiß nicht wie’s kam, aber es kam so plötzlich die Bekanntschaft, die ich heute gemacht hatte. Ich will's dir erzählen. Heute kommt mir ein Mädchen entgegen, ich dachte mir rein gar nichts dabei, das ganz in meinen Augen süß war, das blonde Haare hatte, herrliche blaue funkelnde Augen und so ganz natürlich in ihrer Art war, dass aus ihren kleinen niedlichen Munde kein Hauch der Künstlichkeit heraus drang, wohl ihres jungen alters wegen. Ihre ganze Empfindung und das wahre Gefühl des Herzens, fasste ihr unmodifizierter, ungeformter Geist in einer ganz nüchternen und gemeinen und doch so offenen Sprache, dass all ihr Gefühl, auch das unterdrückte Schamgefühl, sich auf den Wangen in einem kräftigen Rot äußerte, was mir nicht verborgen blieb. Mein Freund, ich habe noch kein Mädchen in der Welt getroffen, deren Herz so lesbar auf den pfirschichzarten Wangen für allen Augen stand. Ihr ganzes Wesen hat was unbeschreibliches, ja wie ein GEheimnis ist es. Sie stllte sich mir vor und sagte, dass sie Anna heiße. Gleich musste ich an Engeln denken, wenn ich an den Namen denke. Sie will mich wieder sehen und ich will’s auch.
Heute besuchte ich Franzen, einen guten Freund, dem ich meine Besorgnis über die Erscheinung der letzten Nacht mitteilte. Aber wie kam ich an? – Das sind Zwangsvorstellungen, nichts weiter. – sagte er. Ich stutzte, weil er’s so ganz unerwartet und direkt heraus sagte. – Aber ich hab’s deutlich gefühlt. – erwiderte ich. – Mein Lieber, fing’ er in einem eindringlichen Ton an, wir fühlen auch in Träumen, wenn die Träume klar und intensiv sind; und wie oft träumen wir noch im Schlaf, und glauben dabei wach zu sein? – Ich schwieg und gab ihm Recht dabei. – Soll ich dir eine Geschichte auserzählen, wie leicht das Auge sich täuschen kann? sagte er. – Ich war neugierig. – Es war eines morgens, fing er an, ich habe tief und fest geschlafen, und hatte nicht einen Traum, an den ich mich erinnern hätte. Als ich dann aufwachte und die Augen aufschlug, nahm ich nichts weiter wahr, weil ich noch ganz besinnungslos, noch ohne Bewusstsein war, und dann sah ich im nächsten Moment in meinem Bücherregel, über der Bibel, ein Chameleon krabbeln und darin ihn verschwinden. – Mein Freund, hob er an, und blickte ernsthaft in meine Augen, mein Freund, die lebhafte Fantasie spielt unseren Sinnen manchmal einen Streich, dass der Mensch an solches dann glaubt. Es gibt aber keine Geister in der Welt, nur den Glauben an Sie, und du bist gerade auf dem besten Weg dahin diesem Glauben zu verfallen. – Ich schweig. – Sprechen wir doch von den anderen Menschen, nahm ich das Wort an mich, die ebenso behaupten, und das mit ganzer Überzeugung, dass sie Geister oder zumindest unheimliche Phänomene gesehen haben. Du siehst, ich stehe nicht alleine da. – Nimm mir’s nicht übel, Robert, sagte er, aber diesen Menschen – einem jeden – würde ich das Gleiche wie dir gerade sagen. Sie sind einer Fantasie verfallen, einer Fantasie, an der sie zwanghaft halten und dadurch Gerüchte in die Welt setzen, Falschheiten, die nur unter den Menschen für Irrungen und Spekulationen sorgen. – Du kannst davon leicht reden, sagte ich, weil du selbst es weder gesehen noch erfahren hast. – Wie willst du die Existenz der Atome verleugnen, sagte ich, die zu erfahren unseren Sinne unzulänglich bleiben, und die es doch überall gibt? und mit den Geistern ist’s vielleicht nichts anders. – Lieber, sagte er, in dem er ein Bein über das andere schlug, Robert, du verwechselt hier echte Physik mit einem Schwindel. – Die Physik stellt unsere Welt dar, und erklärt ihre Gesetzte darin, das vielmehr Wert für die gesamte Mesnchheit hat, als der übersinnliche Kram, das du ansprichst, das nur Dummheiten und unter den Menschen stiftet, und ich will sogar soweit gehen, zu behaupten, dass es eine List einer Phantasie sei, um des Geldes willen, darauf die Leute reinfallen und betrogen werden. Die Vorstellungen von Geistern, fuhr er fort, können physische Belastungen verursachen, wenn sich ein Mensch darein steigert, können die Sinne so weit reizen und verzerren, weil der Mensch dadurch auf Übersinnliches vorprogrammiert ist, so dass selbst natürliche Geräusche im Umfeld, als ein Treten der Füße eines Geistes gehört werden können oder ein frischer Windzug, der den Weg vom Flur unter die Türlücke den Eingang ins Wohnzimmer findet, ebenso als ein Spüren eines unsichtbaren Wesens falsch geschlussfolgert werden kann, wenn der Mensch alle Fenster in dem Zimmer verschlossen sieht. Denk’ dir nur die Auswirkungen dieser Einbildungen auf den Menschen und seinen Zustand, fuhr er aufgeregt fort, Angstzustände, Halluzinationen, Zweifel an eigenem Verstand, endlich, um es nicht zu vergessen, totale Verblendung des Geistes, wo erneut der Unsinn über die Vernunft siegt. – Nur der schwache, naive Mensch, lässt sich davon beeinflussen. – Ich spürte diesen Satz im Herzen, wie einen eingeschlagenen Pfeil im Leib, der mich beschämte, und auch irgendwie auf eine Art und Weise beleidigte. Kurz: er überzeugte mich mit seinen Ansichten. Zuletzt kamen mir nachfolgende recht bedrohlich rüber, als er meinte, wenn der Mensch von solchen Einbildungen nicht loslasse, nicht loslassen kann, dass seine Endstation gewiss das Irrenhaus sein wird. – Das sollte mir als Warnung dienen. – dachte ich, bevor ich mich freundschaftlich von ihm verabschiedete.