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Hazel

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1

Tuesday, December 13th 2011, 11:07pm

Gedichtewettbewerb: Station 5 - Aufgesattelt

Hallo, meine geehrte Reisetruppe,

es freut mich, dass ihr alle wohlbehalten und gesund wieder zurückgekommen seid. In den letzten Tagen habt ihr wohl bemerkt, dass man auch ein bisschen minimalistischer ganz gut zurechtkommen kann. Manch einem von euch hat das Herz hier anscheinend höher geschlagen als in der Großstadt. Leben hat keinen anderen Reinheitsgrad, moralisch oder materialistisch, als den, den wir ihm selbst zuschreiben. Auch hier ging die Sonne auf und unter, es war nur ein wenig heißer. Wer schwitzt, wird braun!

Und gut gebräunt geht es nun auch weiter in das nächste Abenteuer. Es geht zum westlichen Kontinent. Ein bisschen genauer? Wo wir ankommen, haben Katzen zwei Leben weniger als in den USA und der erste April wurde auf den 28ten Dezember verschoben. Wer macht den sowas? Wisst ihr nicht? Ja, dachte ich mir. Aber wenn ich jetzt laut Tequila ruf, weiß jeder, wohin es geht. Typisch!

Also, wie auch immer, wir fliegen nach Mexiko. Allerdings geht es uns hierbei nicht um Mexiko-City oder den Golfstrand, nein – das haben wir doch alles schon gesehen, schon gehabt. Kennen wir, können wir! Nächster Kanal! Uns interessiert viel mehr das alte Mexiko mit seinen Steppen in der postkolumbischen Zeit. Untergebracht werden wir insofern auf einer alten Pferderanch, an der ihr gerne eure Hände dreckig machen dürft.

Wer war denn freier als die inzwischen fast ausgestorbenen Cowboys? Free Willy vielleicht, aber der hatte keinen Revolver. Ich möchte bei dieser Station in Mexico einen Text aus der Sicht eines „im Geiste“ mexikanischen Cowboys lesen. Er darf schwul sein, darf nicht Reiten können, darf Sheriff sein, darf aus seiner Sicht auch unsere Gegenwart (also die Zukunft :D) betrachten, darf den Dirnen nachsteigen, darf einfach alles: Wer ist freier als ein Cowboy? Ich bin mir sicher, ihr findet euren Colt. Da das Thema hier ja schon sehr verengt ist, verzichte ich dieses Mal auf formale Vorgaben.

Ihr habt wie gewohnt drei Tage Zeit, um euch auszutoben und ein paar Blechbüchsen kaputt zu ballern, danach kommt ihr brav wieder zu mir, damit es weitergehen kann. :-)

Themengebiet: Mexiko
Inhaltliche Bedingung: Sicht eines Cowboys
Abgabetermin: Bis spätestens Freitag, 16.12.11 um 23:59Uhr

Euer Lasso schwingender Reiseleiter
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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2

Friday, December 16th 2011, 9:36am

Hola, Charro,

das Fleisch von Cortés ist reitergar
nichts lebt mehr
unter deinem S(s)attel
dein Pferd, Vaquero,
reite hinüber zu Adelita.
Sie wartet auf ihrer Hacienda.
Gib dem letzten Ross zur Charreria die Sporen
von roten Blüten aus Jalisco,
verlieren sich in verdorrten Steppen
der Zona Metropolitana,
wo Mariachis verstummen,
wenn die heiße Erde bebt.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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3

Friday, December 16th 2011, 9:38am

gute alte zeit

"whisky süße", raunte die herbe stimme, als der fremde seinen verstaubten hut auszog.
die bardame sah in sein gesicht, das von der sonne gebrannt war, und ein paar unergründliche blaue augen.
er leerte zwei gläser im sekundentakt. sein blick fiel tiefer in ihr prall gefülltes dekolté, und seine gedanken kreisten um ihre schenkel.
dann ein donnern von einer stimme erwachte ihn aus seinen träumen.
"joe, komm raus!"
stille wars im saloon, jeder ahnte, was folgen wird, nur das geräusch
der schweren stiefel und dem dran klapperndem stern, war alles was man hörte, als der fremde dem eindringlichen ruf nach draussen folgte.
seine finger strichen über den kalten colt, wie ein liebender seine geliebte berührt.
die mittagssonne flammte. der tod lag in der luft und wellte sich über dem boden in der unerträglichen hitze.
ein pferd scharrt staubaufwibelnd, leise wiehernd, alles und jeder war angespannt.
„joe, das mittagessen ist fertig.“
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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4

Saturday, December 17th 2011, 2:01pm

Aufgesattelt

Geier lassen eine Mundharmonika zurück

Sie liegt mit Wamsen aus Tau und Nebel auf Reiherfedern gebettet
Sie trägt noch dieses Halsband aus grünen Steinen
Sie trägt Schaumsandale und dazu Schellen
Sie trägt das weiße Binsenbanner!

Inmitten der langen Morgendünung

Die gleiche Hure bringt nachts das Meer von Morgen früh mit herein
Uralte Liebesschreie
Es glüht der Mond bricht durch die Scheiben
Mayaluft macht sich breit im Saloon

Vorm Saloon

Das Mädchen und der scharlachrote Buchstabe auf ihrer Brust
11.59 Uhr
Spiel mir das Lied vom Tod bringt die Kaktusebene zurück
Immer folgen Maria Matiana die Macehuales die sich nie verspäten


12Uhr mittags

Kalt taxiert sie den Zick-Zack-Flug der Geier
bevor sie die Saloon-Tür aufstößt
pfeift sie ein kurzes La Despedida
und drückt noch einmal die Sonne die Dörre aus ihren Lippen
drückt sie mit einemmal die Hacken in die Seiten
während sie ihrem Bella vista die Zügel lässt
sieht man wie sie einer nach dem andern fallen
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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5

Saturday, December 17th 2011, 2:02pm

In der Wüste ist Wasser aus Sand

Geliebte Senora,

der Esel Gustavo schreckt die Sterne mit seinem Geschrei auf , die Kühe trotten unruhig, einen Kojoten witternd, über die Koppel und Hitze und Fliegen tun ihr Übriges um meinen wohlverdienten Schlaf zu stören. Aber das ist es nicht wirklich, ich bin all das so sehr gewohnt, dass es mich kaum ernstlich wach halten würde. Ihr seid es, Geliebte, die meinen Geist nicht ruhen und meinen Körper nicht rasten lässt. Ihr und dieses letzte Wort, nachdem ihr euch auf der Veranda umgedreht hattet, in diesem weißen Kleid, das wie hundert Schmetterlinge um euch herumflatterte. Ich weiß noch wie heiß es war und wie grell, doch eure Haut war frisch wie der Morgentau und meine Augen scharf wie die eines Geiers. Ich sah alles: Euer Haar so schwarz wie Erdöl , eure Lippen rot wie Blut und diese Augen, braun und tief, als könne man durch sie hindurch ins Erdreich blicken. Ich weiß noch jede Einzelheit eurer Bewegung. Wie ihr barfuß über die staubigen Dielen zu Tür tänzeltet, wie ihr dort stehen bliebt, als wäret ihr an eine unsichtbare Barriere gestoßen. Es müssen Minuten , Stunden, Tage gewesen sein, in denen ihr dort regungslos, mir den Rücken zugewandt, standet, ich weiß es nicht mehr, viel zu gebannt wartete ich auf das, was kommen mochte, vielleicht waren es sogar ein Jahr.
Ihr drehtet euch nicht um, nein, so ordinär seid ihr nicht. Niemals hättet ihr euren Hals noch einmal gereckt, niemals auch nur noch einen Blick auf eine so klägliche Gestalt wie mich verschwendet. Meine Schwester sagt, dass ich nicht gut genug für euch bin und meine Mutter stimmt ihr zu. Ich solle eine Blume der Wüste pflücken, mich am Kaktus laben. Eine Orchidee, sagt sie, passt nicht zu mir. Eine Orchidee braucht Wasser und Führsorge und ein Klima, in dem die Welt um sie herum gedeiht und sprießt und überhaupt ganz quicklebendig ist.
Orchideen sagt sie, verlieben sich nicht in Wüstenziegen. Vielleicht haben die Weiber recht, auch wenn sie Giftspritzen sind, vielleicht seid ihr tatsächlich zu kostbar für einen einfachen Vaquero wie mich und ich sollte mich keiner unsinnigen Träumereien hingeben, aber ich kann nicht schlafen und muss ständig und immer an diesen letzten Moment denken, da ihr euch endlich in Bewegung setztet und in der Dunkelheit des Hauses verschwandet, wie ein wundervoller Traum, der beim Erwachen langsam verblasst.
Denn mit dem Wind, der träge und dampfend von Westen über meine Stirn wehte, vernahm ich das Wort, das, ganz leise, mehr ein Gedanke, ausversehen gesprochen von, euren Lippen huschte.
„….“
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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6

Saturday, December 17th 2011, 2:03pm

Boss of the Plains

Pepe wollte Rechtsanwalt werden
aber sein Vater mochte
die vielen Worte nicht leiden,
die Pepe in der Schule lernte.
Und so wurde Pepe Cowboy.
Pepe säuft und hurt heute ganz gerne.
Er liebt das Kartenspiel.
Er liebt den Schlaf unter Sternen.
Das Wispern des Winds in den Gräsern.
Er mag den Frühling und das Gefühl,
nach einem langen Kuhtrieb nach Hause zu kommen.
Pepe ist schweigsam geworden. Seine Hände hart,
sein Nacken sonnenverbrannt und ledern.
„Dies“, wird Pepe meinen, eines Tages
wenn sein Sohn ihn nach dem Leben fragen wird,
und auf die Steppe zeigen.
„Dies, Sohn, was du hier siehst,
ist meine geliebte Heimat
und zugleich mein Sarg.“
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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