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Hazel

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Date of registration: Sep 14th 2003

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1

Tuesday, December 6th 2011, 11:02pm

Gedichtewettbewerb: Station 3 - Großstadtliebe

Es geht wieder weiter, meine Freunde,

Jeder von euch konnte sich nun Gedanken über das Leben und die darin verborgenen Werte machen. Die Welt ist allerdings viel zu groß, um in einer Idylle erfasst zu werden. Schön - Tibet! Aber was passiert denn wirklich? Während einem der Sand durch die Fingerritzen fällt, müssen sich andere Menschen von ihrem geistigen Freiheitsgedanken losreißen, um für das tägliche Brot zu sorgen. Die Wirtschaft streckt ihre helfenden und schleimigen Arme aus, von denen jeder eine kleine Liebkosung abbekommt oder es zumindest versucht.

Wir fliegen nach Hongkong und blicken in die angeblich freieste Marktwirtschaft der Welt, die gleichzeitig ihre Opfer fordert und wenige in den Reichtum katapultiert. Gleichzeitig gedeihen hier neue Architekturen und Lebensmöglichkeiten. Viele Leute zieht es in die Großstadt, welche nachts im Licht von riesigen, beleuchtenden Hochhäusern eine Zeit des Generationswechsels und der Werteumdefinierung mitmacht, einen neuen Anfang suchen. Ist es Geld, Hoffnung, Zukunftsaussicht auf ein erfülltes Leben?

Fühlt euch zwischen den Menschenmassen nicht sofort verloren, nur weil ihr nicht ihre Sprache sprecht. Man kann überall lachen, und genau euer Lächeln brauchen vielleicht viele. Wie wollt ihr diese Stadt kennen lernen? In einem Bordell am Straßenrand, an der Schulter einer trostlosen Mutter auf Jobsuche oder schaut ihr aus der obersten Etage des Big Business, Arm in Arm mit der Sekretärin, herab und amüsiert euch über die Ameisen?

Ich weiß, dass ihr in Tibet nicht gerade euren Trieben folgen konntet, deswegen würde ich gerne sehen, dass ihr hier in Hongkong jemanden findet, der zumindest für eine Nacht an eurer Seite ist. Das tut euch sicher gut und wegen der eventuellen Umnachtung bekommt ihr diesmal auch gerne vier Tage, bis wir wieder unsere Koffer packen.

Themengebiet: Hongkong
Inhaltliche Bedingung: Spontane Liebschaft (semantisch eingearbeitet)
Abgabetermin: Bis spätestens Samstag, 10.12.11 um 23:59Uhr

Euer neugieriger Reiseleiter :-)
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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2

Saturday, December 10th 2011, 10:00am

duftender hafen

noch berauscht,
kopfreckend, fast umkippend,
in sich spiegelnde hausfassaden.

unvergessene kamikazeraserei,
raschwechselnde,
grell schreiende, neonleuchtreklamen.

erleuchtete wellblechstände,
chaotisch geordnet,
überfüllt, mit bunten waren.

verstreute imbisstände,
im feuchten dampf,
voll exotischen gerüchen.

glasfahrstuhl,
türschließend, rasante fahrt,
schwindelerregende höhen.


münder austauschend,
umschlingende körper,
an beschlagenden glaswänden.

zuckender ekstase,
tief atmend,
farbenspiele explodieren.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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3

Saturday, December 10th 2011, 10:00am

Hafen

Was Ming-Mae an mir liebte war nicht nur mein Geld.
Davon hatte ich im Übrigen sowieso nicht sonderlich viel.
Sie mochte vor allem das kleine Abenteuer das ich versprach.
Mit Worten und auch nur durch die Farbe meiner Sprache.
Was ich an Ming Mae liebte war die Art wie sie die Welt sah.
Mit glasklaren Augen. Ich liebte ihr schwarzes Haar und
die Geschmeidigkeit ihrer Schritte. Wie sie den Panther,
den sie am Rücken trug an meinen Bauch rieb, wenn sie schlief.
Ming-Mae, stand in meinem Abschiedsbrieflein,
du warst für mich diese Stadt. Denke an mich, stand da weiter,
wenn der nächste Mann aus dem Westen, deinen Namen nennt
und dabei auf die aufgehende Sonne zeigt.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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4

Saturday, December 10th 2011, 4:06pm

Hongkong

unendlich hohe Häuser erbrechen
Farben ins Wasser,
in dem ich dein Gesicht sah.
rote Leuchtreklamen versprachen dir
das Blaue vom Himmel,
für das ich nie gemacht war.
doch jetzt tust du mir Leid
mit deinem blauen Haar wie Seetang
unter Wasser
ertrinkst du im Gewimmel der Leute.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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5

Saturday, December 10th 2011, 9:25pm

Wan Tan Blues

Ihr Atem roch nach Krabben und Vergnügen.
Die Wand war rosa, weihnachtlich verziert,
Mit Feen, Glitzer, Licht und Haut Couture,
Die braune Hand umschmeichelte die Haare.

Es war nicht schwer sich blindlings zu betrügen.
Ein bisschen Hongkong-Chrismas, ungeniert,
Mit Feen, Glitzer, Lust und einer Kür,
Die man nicht mehr vergisst, nicht mehr für Jahre.

Und dann der Ausblick, zwischen den Fassaden:
Erst Dunkelheit, das Schillern muss verglühen
Es raucht gen Himmel, wird vom Meer verdrängt.
Ein Meer aus Funken und im Meer: die Sterne

Ihr Hals, die Brust, die Hüfte, ihre Waden…
Ein Seufzen, setzen, danken für die Mühen.
Ein Galgenmännchen, das sich selbst erhängt…
Ich bin ein Galgenmännchen und zwar gerne.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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6

Saturday, December 10th 2011, 9:26pm

liebe in hongkong

flimmernde billboards, flackernde lichter, mac und burger nebeneinander, hundert jahre england, mädchen immer jünger, she will fuck you, ich will hotel, taxifahrer radebrechen englisch, ich radebreche deutsch, habe hunger, fremde heimat in marken, aber liebe hat ein gesicht, da ist sie, steht vor mir, ein lächeln, gibt pommes aus, in standardisierter länge als franchise, ich sage hello, sie sagt yes, ich sage, how are you, sie sagt fine, ich sage hotel and talking, sie sagt finishing work in one hour, ich lutsche die pommes eine stunde lang, sie räumt auf, ich nehme sie aus dem restaurant, sie lacht schüchtern, ich zeige ihr die sterne oben, sie lacht schüchtern, ich zeige ihr mein pochendes herz, sie drückt ihre hand zögerlich gegen meine brust…hongkong…sage ich, klopfe mir auf die brust und sage kingkong, sie lacht jetzt laut, und ich weiß nicht, wie das alles endet, ob das alles endet…
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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7

Saturday, December 10th 2011, 10:45pm

Anker für Hong Li

Wie ein Rucksacktourist
wie ein Autist mit Navi
ist mir Liu Xiabo mal ganz nahe
und friedlich, ohne Hass seufze ich
Ein U-Bahnstipp gestern eine Tram-Slow-Motion heute
und für ein Tian’anmen der Erde
zoomen sich 40Minuten: Feuerstöße und Schnappschüsse
für eineinhalb Tage hab ich Cheung Chau
von den Piraten ausgeborgt
und über deine Wunden gelegt
Von schmutzigen Gassen und Suppenküchen bewohnt
hast du dich kaum bewegt
Ich hab dir die schwarzen Regenschirme und Rasierklingen zugeklappt

Als deine Küsse brannten
erklärten deine Hände nichts als diese Abwesenheit:
Ich bin dir nachgegangen
und du hast mich mitgenommen
als würdest du mich deinen Männern ausliefern
wenn du mich zurückgelassen hättest;
für dich zog ich den Ring von den Fingern
für mich hieltest du die Schatten so selbstverständlich
ertrugst du jeden Wimpernschlag
über die Stunden die Worte die mit dem Wind fortzogen
haben vor mir ihr Lächeln verloren
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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