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Jule

Master

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1

Saturday, December 3rd 2011, 1:50pm

Schlaf dich aus, kleine Maus (Kindergeschichte)

Einmal saß die kleine Maus in ihrem Erdloch und war so müde, dass sie am liebsten gleich eingeschlafen wäre. So: Augen zu → Einschlafen. Aber es war unmöglich! Denn draußen heulten die Wölfe so laut, dass man es sogar unter der Erde in einem Mauseloch hören konnte.
Die kleine Maus versuchte, sich die Ohren zuzuhalten. Aber ihre Pfoten waren viel zu klein für so große Mauseohren. Da dachte sie sich: „Es hilft nichts. Ich muss umziehen."
Also kletterte sie durch ihren Tunnel nach draußen. Über ihr leuchtete der Nachthimmel wie eine große dunkelblaue Höhle. Eine große Höhle, dachte sich die Maus, viel größer als meine kleine Erdhöhle. Sie fühlte sich ein bisschen allein. Und sie war soooo müde. Sie suchte sich schnell ein neues Mauseloch.
Als sie hinein geklettert war, versuchte sie zu schlafen. Aber es war alles so fremd. Die Höhle war viel kleiner als ihre. Die Erde roch anders. Und sie fühlte sich anders an. Sie war viel härter als bei der kleinen Maus zu Hause.
Die kleine Maus machte ihre Augen zu. Aber sie konnte einfach nicht einschlafen. Also kletterte sie aus dem Loch und legte sich ins Laub auf den Boden. Wie weich das war. Aber es war nass und kalt. „Hatschiii!“, machte die kleine Maus. Sie konnte immer noch nicht einschlafen, weil sie vor Kälte so zitterte, dass ihre Mauseohren wackelten.
Dann sah sie in einem Baum ein großes Loch. „Vielleicht kann ich da drin ja schlafen“, dachte sich die Maus und kletterte hinein. Da war es schön weich und flauschig und warm. Die Maus kuschelte sich ein und wollte schon ihre Augen zu machen.
Aber auf einmal blinzelten sie zwei große, runde, gelb leuchtende Kreise an. Der kleinen Maus rutschte ihr Mauseherz in den Bauch und sogar bis in die Schwanzspitze. Schwupp! Sie sprang aus dem Loch und lief im Mäuserenntempo davon.
Waren die gelben Kreise Augen? Und wenn ja, wem gehörten sie? Darüber konnte die kleine Maus fast nicht mehr nachdenken. Sie war soooo müde. Sie wurde immer langsamer. Sie ließ ihre Pfoten runterhängen und ihre Augen waren schon zu. Sie sah gar nicht wo sie hinlief. Irgendwann war sie so müde, dass sie einfach umkippte. Aber sie fiel nicht auf das nasse Laub oder auf den harten Boden. Sie fiel auf ein weiches Kissen.
Was war das? Die Maus machte ihre Augen auf. Sie sah eine große Nase zwischen einem riesigen Wald aus lauter Haaren, auf dem ein Hut saß. Der Riese hatte die Maus mit seiner Hand aufgefangen!
Die Maus erschrak und hielt sich ihre Augen mit ihren Pfötchen zu. Nichts passierte. Dann blinzelte die kleine Maus zwischen ihren Pfoten hervor. „Wer bist du?“ fragte sie ängstlich. „Ich bin der Riese und hab dich aufgefangen“, sagte eine nette Stimme zwischen dem Wald aus Haaren. Die Maus merkte, dass sie keine Angst zu haben brauchte. „Tut mir Leid, dass ich einfach so umgefallen bin“, sagte sie langsam. „Aber ich bin so müde und kann einfach nirgendwo einschlafen.“ Und dabei wurden ihre Augen schon wieder ganz schwer. So schwer wie zwei dicke Haselnüsse.
Da nahm der Riese die kleine Maus und setzte sie in seinen Bart. Da war es weich und warm. Die Maus deckte sich mit einem großen, flauschigen Haarbündel zu. „Schlaf dich aus, kleine Maus“, sagte der Riese.
Der Riese lehnte sich an den Himmel an und schaute in die Sterne. Als er eingeschlafen war, begegnete er der Maus im Traum. Er träumte, dass er ein Baum war und die kleine Maus eines seiner Blätter.

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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2

Saturday, December 3rd 2011, 4:52pm

Hallo Jule;

das is die Riesengeschichte von dir, die mir bis jetzt am besten gefallen hat.
Man kann sich richtig vorstellen, wie die Kleinen gebannt lauschen und sich das Mäuschen auf seiner Unterkunftssuche gespannt vorstellen. Du hast für eine Kindergeschichte die richtige Waage an reifbarem CXharakter, schönen breitflächigen/einfachen Bildern und leichtverständlichem Hintergund sowie Satzbau und Handlung geschaffen.
Mir ist hier und da das eine oderandere Ding aufgefallen, dass ich anders gemacht hätte, aber ich führ das hier nicht am, weil es den Text nicht schmälern soll und weil es vor allem geschmacksdinge sind. Überhaupt neigt man wohl im Netz, unter Mit-autoren, dazu, über viele Sachen zu sprechen, die in Wirklichkeit nichtig und hinfällig sind, aber über die man sich trotzdem gerne unterhält, weil es einem dabei hilft, das eigene Schaffen und das Warum besser zu verstehen.
Das ist dein erster Text, der in meine Perlentaucher andert. Ich hoffe es folgen noch viele andere.

mfg
Erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

GEO

Intermediate

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3

Saturday, December 3rd 2011, 5:37pm

Hallo Jule,

Ich muss mich Erik anschließen! Die Geschichte ist sehr gut ausbalanciert und kindgerecht erzählt. Vor allem der Schluss hat schon etwas Magisches, was einen selbst als Erwachsenen noch berühren kann:

Quoted


Der Riese lehnte sich an den Himmel an und schaute in die Sterne. Als er eingeschlafen war, ist er der Maus im Traum begegnet. Er träumte, dass er ein Baum war und die kleine Maus eines seiner Blätter.
Verflucht noch mal. Das ist verdammt gut! Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, dann war das genau die Art von Phantasie, die ich damals hatte. Du schaffst hier einen gelungenen Übergang in die Traumwelt, welche in der kindlichen Vorstellung ja fließend in das Reale hineinführt. Zusätzlich schaffen diese Zeilen ein Gefühl von Geborgenheit.

Der Text hat mir wirklich ausgesprochen gut gefallen.

lg
geo

Jule

Master

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Occupation: Student

4

Saturday, December 3rd 2011, 9:59pm

Hallo Erik,

freut mich, dass dir der Text so gefällt und dass du ihn in die Perlentaucher aufnimmst. (Ist genaugenommen der erste Text von mir überhaupt, den jemand in die Perlentaucher aufnimmt - dass das dann gerade von dir kommt, hätte ich gar nicht erwartet, aber freut mich umso mehr!)

Hallo GEO

auch dir danke. :)
Bezüglich dem Schluss möchte ich es aber nicht ganz so stehen lassen.
Die Idee mit dem Traum habe ich nämlich von meiner Lieblingsgeschichte von Janosch "entlehnt". Ich habe gerade den Titel der Geschichte nicht mehr im Kopf, sie ist auch ziemlich unbekannt, aber sie handelt davon, dass Popov auf dem Vogelmarkt einen kleinen schwachen Hänfling kauft, ihn aufpäppelt und ihm sozusagen die Freiheit zurückschenkt. Der Schluss der Gesichte ist, dass Popov träumt, dass der Vogel ein Stern ist.
Nun, das ist freilich unterschiedlich, aber dieser Schluss der Geschichte hat mich für meine Geschichte sehr inspiriert.
Das wollte ich nur anmerken. :)

lg
Jule

Hazel

Moderator

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5

Sunday, December 4th 2011, 1:35am

Ich schließe mich den Vorrednern nur an. Du hast Dir da wirklich einen tollen Stil für Kinderliteratur angeeignet, bei dem auch ich begeistert und gespannt mitlese. Toll! Weil du ja schon mal gesagt hast, dass du die Geschichten gerne verlegen würdest, schau ich gern mal auf Kleinigkeiten, weil es echt gut ist:

Quoted

„Es hilft nichts. Ich muss umziehen“.

Punkt und Gänsefüsschen am Ende austauschen ;-)

Quoted

Die Höhle war viel kleiner als ihre

Halb so wichtig, nur ein Vorschlag ganz am Rande: Die Höhle war viel kleiner als ihre alte.

Quoted

„Hatschiii!“ machte

Komma nach der wörtlichen Rede.

Quoted

Die Maus kuschelte sich ein

hinein, oder?

Quoted

große runde, gelb leuchtende Kreise an.

Noch ein Komma nach "große".

Quoted

„Ich bin der Riese und hab dich aufgefangen“

An der Stelle vielleicht doch eher "habe".

Quoted

großen flauschigen Haarbündel

Komma.

Jetzt noch zwei Zeitsachen:

Quoted

Als er eingeschlafen war, ist er der Maus im Traum begegnet.

Als(Nachdem) er eingeschlafen war, begegnete er der Maus in seinem Traum.

Quoted

Er träumte, dass er ein Baum war

Hier lasse ich mich gern berichtigen, aber ich glaube, dass in solchen Fällen gängigerweise der Konjunktiv, also "wäre", verwendet wird. Vielleicht bin ich da auch durch meine mediävistischen Texte ein bisschen auf dem Konjunktiv-Trip. Die nehmen den ja überall her :D
edit: Hab so eine Konstruktion heute zweimal ohne Konjunktiv gelesen. Ich fänds mit trotzdem natürlicher. Wie auch immer.

Also wirklich nur ganz kleine Fehler"chen", die mit dem Text an sich eigentlich nichts zu tun haben. Der ist nämlich große Klasse ;-)

LG, Hazel
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

meinich

Trainee

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6

Sunday, December 4th 2011, 10:37am

servus jule;

auch mich hat dein kindergeschichte sehr berührt. sie gefällt mir richtig gut. auch von den worten und dem schreibstil.
gerne gelesen, kannst ja ein kinderbuch daraus machen, kommt bestimmt gut an, mit bildern und so.

gruß meinich

Jule

Master

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7

Monday, December 5th 2011, 1:29pm

Hallo ihr

freut mich wirklich, dass es so gefällt. :)

Hazel:
Danke für deine Verbesserungen, die werde ich natürlich ausbessern.
bis auf:
einkuscheln gibt es ja als Wort. ;) ergo: die Maus kuschelte sich ein. Oder? :huh:
Und das "hab" muss bleiben m.E. Find ich natürlicher/schöner.

lg

findefuchs

Intermediate

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8

Monday, December 5th 2011, 3:20pm

Hallo Jule,

Du bist gesegnet mit der seltenen Gabe, solch zauberhafte Geschichten aus Deinem Inneren schöpfen zu dürfen, wie aus einem großen Zauberriesen-Märchenbrunnen.Hab Dank dafür. Jede Deiner Figuren lebt lange nach dem Lesen noch weiter, begleitet mich durch den Tag. Sie machen traurig und fröhlich, neugierig, lustig, manchmal auch stumm, aber immer glücklich.

Hör nie auf, Märchen zu schreiben.

Gruß

finde

Nur kurz zum letzten Satz: Was hältst Du von: Ihm träumte, er sei ein Baum und die kleine Maus eines seiner Blätter?
Auch wenn die Katz' gerade einen Kanarienvogel gefressen hat, kann sie deshalb dennoch nicht singen.

Tamea

Professional

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9

Tuesday, December 6th 2011, 7:20am

hallo Jule,..

vielen dank für die schöne einschlafgeschichte, meiner motte hat sie gut gefallen, so dass ich sie 2 mal vorlesen musste.
und sie wünscht mehr davon. :) wenn kleine kinder loben... ^^

lieben gruß
tamea

Hazel

Moderator

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10

Tuesday, December 6th 2011, 11:32am

Quoted

Und das "hab" muss bleiben m.E. Find ich natürlicher/schöner.


Mal ganz davon ab gesehen, dass es eigentlich total irrelevant ist, weil es dich Geschichte weder besser noch schlechter noch richtiger oder sonstwas macht, ist das, denke ich, einfach eine unterschiedliche Vortragsvariante. Bei mir hätte der Riese einfach eine sehr sonore, tiefe und langsame Stimme. Ich würde das wahrscheinlich automatisch als "haabe" lesen. Wahrescheinlich ist es mir in meiner Lesevariante deswegen aufgefallen, weil drum herum nur unbetonte Silben waren und ich mal wieder grollen wollte :D

Aber wie Erik zu Beginn gesagt hat:

Quoted

Überhaupt neigt man wohl im Netz, unter Mit-autoren, dazu, über viele Sachen zu sprechen, die in Wirklichkeit nichtig und hinfällig sind, aber über die man sich trotzdem gerne unterhält, weil es einem dabei hilft, das eigene Schaffen und das Warum besser zu verstehen.


Das fällt dann wohl auch darunter :D
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Jule

Master

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11

Tuesday, December 6th 2011, 12:54pm

Hallo Tamea

das ist ja toll - freut mich. :)
Mehr Kindergeschichten findest du von mir im selben Thread ("Phantasie, Science Fiction und Sonstiges). Einfach mal reinschauen, es steht in Klammern immer "Kindergeschichte" dabei. Würde mich dann natürlich auch interessieren, wie "deine motte" die anderen findet. ;)

lg
Jule

meinich

Trainee

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12

Tuesday, December 6th 2011, 10:46pm

servus jule;

ich habe auch mal bei anderen geschichten von dir geschaut und tolle bilder entdeckt von dir.
möchte dich gerne nochmals zu einem kinderbuch ermutigen, du hast ein tolles talent und würdest damit bestimmt vielen großen und kleinen riesen eine riesenfreude bereiten. ich arbeite in einem kindergarten und würde auf jeden fall mindestens ein buch haben wollen. es gibt da ja auch schon möglichkeiten über das internet, die erschwinglich sind und nur dann gedruckt werden wenn bedarf ist. hier ein link, vielleicht gibt es auch noch was besseres. http://www.bod.de

gruß meinich

Jule

Master

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13

Wednesday, December 7th 2011, 10:48am

Hallo meinich,

ich habe mich schon bei Verlagen beworben; allerdings bei den "großen" Kinderbuchverlagen. Das aber mehr als "schauen wir mal, was bei rauskommt".
Nichtsdestotrotz würde ich natürlich gern auch mal Kinderbücher veröffentlichen.

Wenn du in einem Kindergarten arbeitest, find ich toll. :) Wenn du die Geschichten den Kindern gerne vorlesen/zeigen würdest, kannst du dir sie ja auch erst mal einfach aus dem Forum ausdrucken, zusammen mit den Bildern (ich habe allerdings erst zwei der Geschichten illustriert.)
Mich würde dann natürlich ein Feedback deiner "Horde" auch interessieren. :)


und ach ja, hallo finde,

schön, dass du dich mal wieder meldest. :)
So eine positive Rückmeldung zu bekommen, freut mich ungemein und auch, dass dich dir die Geschichten persönlich was geben.
Zu deinem Vorschlag: Ich würde es gerne so beibehalten, weil ich finde, dein Vorschlag klingt ein wenig zu erwachsen. "Der Riese träumte...", ich denke, das verstehen Kinder besser.

lg

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