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Hazel

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1

Thursday, December 1st 2011, 12:43am

Gedichtewettbewerb: Station 1 - Startschwierigkeiten

Eine schöne, gute Nacht, liebe Reisetruppe,

heute brechen wir gemeinsam zu einer spannenden Reise voller Erinnerungen, neuen Inspirationen und einfallsreichen Erlebnissen auf. Vornweg habe ich allerdings eine schlechte Nachricht und ich hoffe, ihr seid mir nicht all zu böse, denn obwohl ich das vermeiden wollte, habe ich für unseren ersten Flug keine billigen Tickets mehr gefunden, gleichzeitig bin ich leider ziemlich abgebrannt. Billige Flüge gehen nur noch von Berlin ab und dort eben auch erst in drei Tagen. Uns bleibt vorerst leider nichts anderes übrig, als unsere ersten Tage wirklich in Berlin zu verbringen. Unsere Unterkunft ist nicht ganz sauber, aber dafür dem Flair der Stadt entsprechend.

Vielleicht fällt es euch auf heimischen Boden ja leichter, einander kennenzulernen. Ihr könnt am Kudamm nachts durch die Discolichter taumelnd ein paar Drogen einschmeißen oder den Reichstag in Brand stecken. Wichtig wäre mir nur, dass ihr während dem Aufenthalt nicht erwischt werdet. Was auch passiert, es bleibt alles unter uns, also kennt keine falsche Scham. Eenfach mit ner koddrigen Schnauze uff ins Vergnügen - Pierre Baigorry hats vorgemacht. Im Gepäck habt ihr nur eine Zigarette und Stiefel, den Rest lassen wir erstmal auf dem Zimmer. Ich wünsch euch eine schöne Zeit da draußen und bringt tolle Geschichten mit. Ich warte auf euch.

Wichtig!: Damit wir nach euren Streichen nicht gleich die Polizei am Hals haben, schickt ihr mir eure Texte bitte per PN zu, wodurch ihr bis Ende der anschließenden Abstimmung anonym bleibt. Ich stelle sie dann für euch ins Forum. Falls ihr ein Pärchengedicht verfassen wollt, schreibt zu der PN bitte den jeweiligen Partner. Am besten doppelt, dann geht auch sicher nichts schief. ;)
Themenstadt: Berlin
Formale Aufgabe: Einbauen der Wörter "Zigarette" und "Stiefel" (Natürlich in allen Beugungen und Zusammensetzungen erlaubt).
Zusätzlich sei vielleicht angemerkt, dass ihr auch Prosa schreiben dürft, wenn euch ein Gedicht gerade nicht in den Kram passt.
Abgabetermin: Bis spätestens Samstag, 03.12.11 um 23:59 nach Berliner Ortszeit. :-)

Euer hochgespannter und amüsierter Reiseleiter
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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2

Friday, December 2nd 2011, 10:13am

Köpenick mal wieder

Sehenswert.
Was ist schon sehenswert?
Das Wohnhaus von Lessing vielleicht?
Das Brandenburger Tor?
In einer fremden Stadt vielleicht.
Aber hier,
hier kenn ich mich aus.

Das Glitzern des Baums am Kurfürstendamm
mit all seinem Tand erinnert mich dann an Luise.
Oder wie verdammt nochmal hieß sie?
Die Kleine vom Kiez, der voriges Jahr
das ganze Getue so wichtig war.

Verstehen Sie mich nicht falsch.
Ich bin nicht von hier. Ich bin quasi ein Fremder.
Am Alexanderplatz.
Im Nikolaiviertel.
In den Hackeschen Höfen.
War ich einmal. Zweimal vielleicht,
wenn es hoch herkommt.

Doch das Glitzern des Baums am Kurfürstendamm
Mit all seinem Tand erinnert mich dann an Luise.
Oder wie verdammt nochmal hieß sie?
Die Kleine vom Kiez, der voriges Jahr
das ganze Getue so wichtig war.

Dabei war es Zufall.
Mit einer Stecknadel am Globus auf Urlaub gefahren.
Alles hätte es werden können.
Marokko, Malaysien, Chile …
Geworden ist es Berlin. Glückstreffer.

Das Glitzern des Baums am Kurfürstendamm
mit all seinem Tand erinnert mich dann an Luise.
Oder wie verdammt nochmal hieß sie?
Die Kleine vom Kiez, wo mir voriges Jahr
Das ganze Getue so wichtig war.
Mit Weihnachten,
hochhackigen Stiefeln und
das Ding mit den Zigaretten.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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3

Friday, December 2nd 2011, 10:14am

Gehdrang

Die Großtstadtlichterlawinen stoßen mich durch die Straßen
Und reißen meine Blicke milisekundenlang an sich,
alles überschattet vom gnadenlosen Rotlichthimmel.

In meinen Adern pulsiert die Samstagabendausgehpflicht,
der Entdeckungsdrang, der meine sauberen Stiefel
auf die Suche nach Großstadtcharme sendet.

An mir vorbei ziehen Sehenswürdigkeitssilhouetten
Und verzerrte Menschengesichter,
Marihuanazigarrettengerüche versprechen lange Nächte

die nur in Enttäuschung enden können.
Zu groß das Erwartungswunschhoffen und
zu allein, zu verwirrt mein schon reisevorbereiteter Geist.

Fernesehnend starren meine Augen vier Stunden später
an eine kahle Hosteldecke und die Bettfedern im Rücken
stechen den Dolch eines enttäuschenden Abends tiefer hinein.

Gefunden was gesucht; Fluchtgedanken sind geboren;
Ausreißerfantasien schlafen die nächsten achtundvierzig Stunden am Flughafen,
die gleiche Zeit verwartet mein Körper im Hostel mit Dolchen im Rücken.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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4

Friday, December 2nd 2011, 12:14pm

Berlin (Gedicht)

Oh Berlin, Stadt ohne Schlaf.
Wie schafftst du trotzdem zu träumen?

Meine Stiefel stehen auf aschfahlen Steinen
von Millionen Schritten längst übersät.
Empfange deine Arroganz und Eitelkeit,
mittig in allen gegensätzlichen Kulturen.
Still verloren in Orientierungslosigkeit.

Deine gelben Schlangen entschwinden,
in den Weiten deiner öden Dunkelheit.
Gefüllt ihre Bäuche, Privatsphäre verletzend.
Gedankengeschwängert ziehen
Euphorie und Trübheit,
durch zerrissene Gabelungen.
Gerüche explodieren in allen Farben,
gepaart mit aufkeimender Angst.

Zum Greifen so nah, deine hohe Macht,
doch hälst du sie von uns fern.
Die erwünschte Freiheit, eingesperrt,
hinter graubunten Häuserwänden.

Meine letzte Zigarette, der Himmel entflammt.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

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5

Friday, December 2nd 2011, 4:51pm

Berlin (Prosa)

Die Schuhcreme roch irre schwarz. Der Vater saß auf einem Schemel und hatte sich den rechten seiner besten Stiefel zwischen die Knie geklemmt.
So muss das sein, sagte der Vater. Schön glänzen müssen sie.
Ich lehnte an der Wand und starrte den Vater an, wie er seine Stiefel polierte.
Du ziehst sie doch sowieso nie an, sagte ich. Die stehen nur rum und du polierst sie einmal die Woche.
Dann sagte der Vater, man muss eben einen Unterschied machen zwischen feinen, hochwertigen Stiefeln und billigen. Hochwertige Stiefel zieht man nicht so oft an, aber sie halten auch länger. Sie halten ein ganzes Leben lang. Und man muss sie natürlich pflegen. Alles, was lange halten soll, muss man pflegen: seine Familie, seine Freundschaften. Seine Heimat.
Seine Heimat. Ich sah den Vater an und dann sah ich aus dem Fenster. Der Nebel im Garten drückte die Apfelbäume zu Boden. Die Äpfel lagen auf der Wiese wie Fussel, die man sich von der Jacke abstreift. Irgendwann verfaulen sie da, dachte ich mir.
Weißt du, wo ich später mal hinwill, sagte ich in einem plötzlichen Anflug zum Vater, der sein ganzes Leben lang immer nur an einem Ort geblieben war und seine Heimat gepflegt hatte. Berlin. Und dann dachte ich mir, das ist doch ziemlich klischeehaft, nach Berlin zu wollen, wenn man in einem Dorf aufgewachsen war. Aber ich wollte nach Berlin, nichtsdestotrotz.
Berlin! sagte der Vater. In so eine große Stadt willst du? Er nahm einen neuen Klumpen Schuhcreme aus der Büchse und verteilte es auf dem Stiefel. Ich sag dir, Berlin ist wie ein Stiefel. Dabei grinste er, so als ob er stolz auf diese Metapher wäre. Es ist, wie wenn man in einem Stiefel sitzt, sagte er. Innen ist alles schwarz und groß und man schaut nach oben, man sieht den Himmel, aber man kommt nicht aus dem Stiefel. Wenn du einmal in Berlin bist, kommst du aus der Stadt nicht raus, sagte er. Du fährst kilometerweit mit dem Auto, bis du erst mal aus der Stadt raus bist.
Dann sagte ich nichts mehr. Ich stand noch ein paar Minuten da und ging dann in mein Zimmer. Ich hob die Matratze hoch und holte eine Zigarettenschachtel hervor, die ich zwischen die Bettlatten geklemmt hatte. Wenn der Vater mitbekommen hätte, dass ich rauche, wär die Hölle los gewesen. Und dabei bin ich oft raus gegangen, hab mir die Zigarettenschachtel in die Hosentasche gesteckt, und bin über die Felder gelaufen und habe gequalmt wie ein Schlot. Diesmal blieb ich sitzen und machte das Fenster auf. Ich stellte einen Ventilator auf, damit sich der Rauch verzog. Ich wusste, dass der Vater nicht bemerken würde, dass Rauch aus dem Fenster steigt, weil es ohnehin so nebelig war, und weil er noch mindestens zwanzig Minuten seine Stiefel polieren würde. Ich sah aus dem Fenster. Man konnte vor Nebel kaum was sehen. Aber ich stellte mir vor, in einer Berliner Wohnung aus dem Fenster zu rauchen. Ich schau aus dem Fenster und sehe nur Häuser und Häuser und lauter Farben. Und ich sehe das Brandenburger Tor und den Fernsehturm und den Potsdamer Platz, alle auf einmal im Nebel, an Orten, wo sie gar nicht sein können.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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6

Friday, December 2nd 2011, 9:00pm

Alexanderplatz am Abend

Berlin schwitzt und atmet. Meine Mokassins machen einen Stiefel mit. Endlose Straßen, endlose Geräusche. Worthülsen. Leere Patronen. Eine letzte Zigarette und zu wenig Geld für eine neue Schachtel. Das teure Flugticket hat sich mit der Partei der Nichtraucher verschworen. Vielleicht auch mit den Piraten, mit denen ich wiederum einen schaukelnden Tabakladen auf der Spree entern könnte. Absurde Gedanken in einer Stadt, die mich unfreiwillig festhält.
In der Dämmerung huschen erste Schatten an mir vorbei, während ich auf dem Alexanderplatz stehe und mich frage, was ich die nächsten Tage hier noch soll. Ich muss in die Außenbezirke, um wenigstens eine billige Absteige zu finden. Jack Kerouac. Was hätte er jetzt getan? Er hätte sich vermutlich irgendwelchen Sexeskapaden und Drogen hingegeben. Will ich nicht. Brauche ich nicht. Ich will meinen eigenen Trip. Jack the Tripper. Ich lache. Den will ich mir auch nicht holen. Nein. Der Alexanderplatz ist heute nicht in meiner Stimmung. Vielleicht nie. Unterwegs sein. Ich denke fortwährend daran. Unterwegs Stationen mitnehmen. Echte Menschen treffen, die hungrig auf Neues sind, die Welt sehen wollen, bevor sie in irgendein langweiliges, platziertes Leben zurückkriechen.
Straßenmusikanten ahmen Zigeuner nach, breiten einen Hut aus, spielen die Fidel. Castro? Kann nicht sein. Der sitzt auf Kuba fest. Kann nicht sein. Auch wenn der Gitarrist ihm wirklich ähnelt. In der Stadt sind doch alle Gesichter gleich. Ich bin ein Berliner und bekomme meine persönliche Kubakrise. John F. Kennedy hatte dagegen einen Kindergeburtstag. Na ja. Aber was tun ohne wirklich viel Geld? Dann kommt mir eine Idee. Warum nicht drei Tage durchmachen? Ohne Schlaf, aber mit Zigaretten. Kippen und kippen. Ich grinse. Keine Übernachtung, mehr Geld, mehr Welt. Ich renne irgendeinem schönen Fräulein hinterher. Mal sehen, was so passiert. Die hat nichts Besseres vor, als sich einem Typen in die Arme zu schmeißen, den ich nicht kenne. Das ist nicht okay. Sie hätte ja mal um Erlaubnis fragen können. Das Bier schmeckt scheiße, hält mich aber über Nacht fit. Am nächsten Morgen kehrt man mich früh aus der Stadt. Scheißegal. Ich muss später nur zum Flughafen kommen.
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7

Saturday, December 3rd 2011, 10:19am

Ante Portas

Ich stell`s mir so vor: Überall Girlanden,
Ich steige aus, es scheppern die Posaunen,
Jongleure, Tänzer, wichtig : Elefanten,
Ein Zwergenchor und ehrfurchtsvolles Raunen.

Die Stadt ist früh schon auf den Stiefelsohlen,
Am Straßenrand bejubeln mich die Massen,
Ich lieg im Schoße einer ganz Frivolen
und Wowereit chauffiert uns durch die Gassen.

Im Roten Rathaus steigen wilde Feten
Mit Akrobaten, Models und der Merkel.
Sie schenkt mir Orden, Kippen und Moneten,
Ich grabsch sie an, sie nennt mich kleines Ferkel.

Ach, das wird toll, ein Grund, berühmt zu werden.
Dann bin ich glücklich, sicher, das ist klar,
Denn Geld und Sex und Elefantenherden
sind für die Seele schließlich … wunderbar.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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8

Saturday, December 3rd 2011, 3:02pm

Gelbe Gummistiefel

Gelbe Gummistiefel plätscherten durch eine windige Gasse, die gerade, wie in jeder Aprilnacht, in schillerndem Platzregen versank. Sie führte in den Schillerpark mit seinen grauen Bäumen, die einen rauschenden Todestanz erlitten. Ein junges Mädchen spiegelte sich überall im Wasser auf dem Boden. Und Berlin. Ihre Augen blickten sanft zu den zitternden Hochhäusern, die auf klägliche Weise der Nacht trotzten. Sie schaute auf. Ein älterer Mann hielt sich eine Zigarette dicht vor seine Nase. Er hatte Fieber. Ein paar Wellen breiteten sich von ihren Füßen aus und fielen zusammen, noch bevor sich ihre Blicke kreuzten.Sie blieb nur widerwillig stehen.
Einen Moment lang hielt der Mann inne, dann wischte er sich den Regen vom Gesicht. Er trat aus dem Schatten der Hauswand hervor und machte ein freundliches Gesicht. Das Mädchen wartete entschlossen, bis er in ihre unmittelbare Nähe kam. Seine kurze Zigarette ächzte unter dem Niederschlag des Regens. Er stammelte ein paar Wortfetzen, bevor er kurz einen tiefen Zug nahm und mit beißend heiterer Stimme sagte: „Kleine Mädchen wie du sollten sich nach Mitternacht lieber zuhause aufhalten, weißt du? Ich will ja nicht, dass dir etwas passiert.“ Das junge Mädchen fixierte seine Stirn. Der Regen perlte über sein Gesicht durch tiefe Falten. Der Wind straffte sich und über das Wasser am Boden glitten winzige Wellen durch die Gasse und brandeten an den gelben Gummistiefeln. Die Bäume stießen hin und wieder ein knarzendes Geräusch in die Nacht.
Das junge Mädchen fixierte jede einzelne Falte. Unter ihrem Blick begannen einige davon impulsiv zu zucken. Ein Flugzeug schwamm im Landeanflug über den Kopf des Mannes hinweg und zersprang in Tropfen. Das Mädchen klatschte mit ihren Gummistiefeln aufs Wasser, riss dem Mann die Zigarette aus dem Mund und nahm gelassen einen Zug. Aus dem Park wirbelten graue Blätter wie Asche durch die Luft. Der Mann schien fieberhaft in einen kurzen Traum zu versinken. Als die Zigarette zischend auf den Boden fiel, erwachte er. Er stieß ein hohes Jaulen aus, als sich die gelben Gummistiefel zwischen seine Beine quetschten.
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9

Saturday, December 3rd 2011, 3:04pm

BERLIN

Ich tanze nicht mehr auf der Schönhauser Allee
ich singe leise, wie mein Vater, der Leierkastenmann
mit ausgebeultem Zylinder und Berliner Schnauze
am Brandenburger Tor bietest du den Touristen Lieder
die auf die Erde gefallen sind
wiegen weniger als 5Kilogramm Biologie
und doch bist du wieder im Hinterhof
der Murmel auf der alten Regenrille
der später mit Glasmurmeln spielt und Bilder-Zille
der die Lichtdome der Flakscheinwerfer
ein andres Märzfeld und Paradestraße festhält
bis dein Holzkoffer verschwand

Ich stiefle auf der neuen Nord-Süd-Achse
ich rauche laut, wie meine Mutter, die Anstreicherin
mit märkisch-kessen Lippen und Page-Boy-Frisur
an der Großen Halle am Reichsmarschallamt
an der Ost-West-Achse mit Reichskanzlei und Oberkommando der Wehrmacht
wo Berlin aufgeschichtet war
wie ein Muttermal

Trällern’s die Stadtspatzen , im Dezember
schieb ich nur noch den rush hour zur casopeia agnostic front
im Konzertraum no turning back mit Glatze und zugehackt
viele Muskelmänner um Emos, die i killed the prom queen tanzen
und du, zugepierct, das halbe Gesicht mit Haaren bedeckt
im Ohr ein Gummiring hängst im Schranzbunker
dröhnst dich wieder mit Drogen zu
während ich mich vor dem Tresor stelle
wo Computer ihre gleichbleibend eintönige Musik machen
schüttelst du wild deinen Kopf

Du drängst dich zusammen
Du bist bloß Rausch
Hast kein Geburtsland
Kletterst den Fernsehturm hinauf
Begrüßt jedes Morgenzucken
Wie viele seid Ihr?
Das Whiskeyglas ist mit Blitzen gefüllt
Meine Kippe brennt
Ich habe nur noch Stiefel und Fragezeichen bei mir
während du lächelst
bleibt die Stadt unersättlich
die Achsen
das Romanische Café
die letzte Zigarette
Bonjour!
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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