Die Welt ist ein Dorf, in vielfacher Weise. Es gibt von uns Wohlstandkindern kaum jemanden, der noch nicht in Spanien am Strand gelegen hätte, oder auf Mallorca mit dem Kopf im Pissoir.
Mit einem Mausklick sehen wir das Erdenrund vom Weltall aus, oder checken das Wetter auf Bora Bora. Unsere Freunde machen Auslandssemester in Paris, Helsinki, oder Shanghai, unser Fernsehprogramm kommt aus den USA, unsere Kleider aus China, unsere Computer aus Taiwan.
Und das war’s dann noch immer nicht. Morgens beim Frühstückstisch hören wir, dass ein Unglück in Japan die Umweltpolitik unseres Landes maßgeblich verändert, dass ein Krieg in Lybien unsere Benzinpreise erhöht und dass unsere Währungskrise selbst in China Angst und Schrecken verbreitet.
Lyrik ist die sprachliche Verdichtung innerer Seelenreisen. Sie führt den Dichter tief hinab in das eigene Unterbewusstsein, lässt seine Gefühlswelt erblühen und entfaltet seine Vorstellungskraft. Wir dachten uns: Warum sollten wir diese Reise nicht einmal nach außen tragen, warum nicht tatsächlich einmal lyrisch auf Reisen gehen, in diese Welt, die so ein kleines Dorf für uns geworden ist. Warum unsere Phantasie nicht einmal nutzen, um den Kosmos in dem wir Leben spielerisch zu beschreiben. Klar, das macht jeder Dichter so oder so schon oft genug. Er geht an die Nordsee, sieht dort den Sonnenuntergang und schreibt darüber. Er sitzt auf dem Marktplatz in Varanasi, und dichtet davon wie er sich dabei fühlt. Das direkte Erleben verdichten, wir machen es ständig, es ist unser Standbein. Wir wollen nun aber eine imaginäre Reise tätigen: Eine Art Schnitzeljagd, wenn ihr so wollt.
Und das ist die Idee:
Die Reiseleiter geben den Teilnehmern einen Startpunkt als erste Aufgabe und dazu Reisegepäck.
Beispiel:
Der Startpunkt unserer Weltreise ist Berlin, im Gepäck haben wir ein reimloses Schema, mindestens zehn Zeilen und einen Föhn.
Aus diesen Angaben sollen die Teilnehmer nun ein Gedicht fertigen, und zwar im Zeitraum von drei Tagen. Das Thema ist Berlin, wobei das assoziativ zu verstehen ist. Man kann jetzt ein Gedicht über die Stadt Berlin schreiben, über das Brandenburger Tor z.B., man kann aber auch ein assoziiertes Gedicht schreiben über Dinge, die man mit Berlin verbindet. Über den Mauerfall, oder die Clubszene, oder auch nur mit dem Wort Berlin selbst. Das Thema ist frei und soll auch frei sein. Es geht uns darum über die Örtlichkeit Assoziationen aller Art zu provozieren. Das Reisegepäck ist etwas strenger zu betrachten. In diesem Fall muss das Gedicht reimlos sein, mindestens zehn Zeilen haben und ein Föhn muss irgendwie vorkommen, wobei auch der Begriff interpretierbar ist.
Nach der ersten Runde, geht es in die nächste Stadt. Sagen wir mal Moskau.
Jetzt hat man noch mehr Möglichkeit.
Aufgabe:
Das nächste Ziel ist Moskau, im Gepäck haben wir drei Haikus, Kondome und Schmerztabletten.
Wieder ist Moskau ein frei assoziiebares Thema, aber nun haben wir auch noch die Wahl über Moskau zu schreiben, oder aber die Reise von Berlin nach Moskau oder über beides, oder irgendwas zwischendrin. Die Zugfahrt z.B.
Auf diese Weise wollen wir um die Welt. Den Reiserucksack kann sich jedes Mitglied von gedichteforen.de aufschnallen, dem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt. Ob ihr alleine auf Selbstverwirklichungssuche ziehen, an verschiedenen Orten in eure Seele blicken wollt, oder ob ihr lieber gemeinsam mit verschiedenen Teilnehmern reist, bleibt euch selbst überlassen, d.h. ihr könnt an jeder Station neu entscheiden, ob ihr eure Texte einzeln einreicht, oder ob ihr mit einem anderen Teilnehmer ein Partnergedicht schreibt. Sprecht euch einfach an, lernt euch im Zug kennen und verbringt die Zeit an einem Ort gemeinsam. Gerne könnt ihr zu eurer Anmeldung eine kleine Selbstbeschreibung geben, die als Werbung für Partnergedichte gesehen werden kann. Ebenfalls steht es euch frei, ein wenig zu bummeln und einen Reiseort einfach auszulassen, später aber wieder miteinzusteigen.
Die Bewertung der Texte wird natürlich wieder von der Mitleserschaft des Keks durchgeführt. Nach jeder Abgabe findet ein Voting statt, nach dem das Gedicht mit den meisten Stimmen Punkte in Höhe der Startanzahl an Teilnehmern bekommt. Der zweite Platz bekommt einen Punkt weniger usw.. Das heißt, dass ihr in jedem Fall einen Punkt bekommt, wenn ein Text vorliegt. Beim Auslassen einer Station gibt es natürlich keine Punkte. Um euch einen kleinen Anreiz für die Partnergedichte zu geben, bekommt ihr für jedes eingereichte Partnergedicht mit unterschiedlichem Partner einen Extrapunkt. Die Rangliste ergibt sich am Ende des Trips durch die Summe der gesammelten Punkte.
Startschuss für alle Teilnehmer ist der
1.Dezember, von dem ab wir durch den ganzen Advent hindurch unterwegs sein werden.
Bis dahin könnt ihr euch in diesem Faden anmelden und optional eure
Selbstbeschreibung als poetischer Weltenwandler mitschicken. Packt die Badehose, die Wanderschuhe und den kleinen Revolver ein, ihr wisst nie, wo ihr euch wiederfindet. Für Fragen und Diskussionen steht hier ein zweiter Faden bereit:
Der Diskussionfaden zur lyrischen Weltreise
Also nichts wie los! Sicher dir deinen eigenen Platz auf dieser fantastischen Reise um die Erde, in euch hinein und durch die Zeit, denn Richard Hoffmann hat es schon gewusst:
Der kürzeste Weg zu dir selbst führt einmal um die Welt.
Bisher angemeldet haben sich:
Erik R. Andara
Daniel H.
Jule
Raul
rivus
Marot
A Fire Inside
Benjamin Spitz
Tamea
MoE
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.